Fotos: © SF/Thomas Auri
Ein Lakai lästert im alpenländischen Dialekt, Christina Nilssons Ariadne taucht das Publikum in die namenlose Lebensfreude dieser musikalischen Komödie und aus dem Graben strömen süß wie Sachertorte die Streicherglissandi der Wiener Philharmoniker. Trotz eines Buh-Orkans für Ersan Mondtags eigentlich geniale, lebendige Inszenierung thront diese Salzburger Ariadne an der Spitze der allerersten Strauss-Liga!
Salzburger Festspiele
Ariadne auf Naxos
Musik von Richard Strauss
Text von Hugo von Hofmannsthal
Musikalische Leitung: Manfred Honeck
Regie/Bühne/Kostüme: Ersan Mondtag
Licht: Franck Evin
Video: Alexander Pannier
Choreografie: Ashley Alexandra Wright
Dramaturgie: Till Briegleb
Wiener Philharmoniker
Großes Festspielhaus, Salzburg, 2. August 2026
von Johannes Karl Fischer
Sehr kontrovers aufgenommen wurde die Regie des Mehrspartenkünstlers Ersan Mondtag. Die wenig aussagende Rahmenhandlung, Ariadne im All, Raumschiffe und Marslandschaften inklusive, störte anfangs auch etwas.
Doch hinter diesem Bühnenbild ließ die Regie keine Ecke dieses humorvollen Werks unangetastet, sei es die taktstockschlagende Zerbinettatruppe oder der Komponist, der seine Sänger im zweiten Akt wie ein improvisierender Regisseur über die Bühne scheucht. Ja, wie bitte soll die Primadonna sonst die absurde Forderung ihres Mäzenen, eine ganze Oper im Handumdrehen auf den Kopf zu stellen, umsetzen? Lebendiger, freudiger, genialer kann man dieses Werk wohl kaum inszenieren.

Mondtags Regie provoziert
Kaum trat das Regieteam auf die Bühne, feuerte das Publikum lautstarke Buh-Rufe aus allen Ecken des Saals in Richtung Bühne. „Naja, der provoziert halt“, so die Post-Premieren-Stimmung im Foyer. Mondtag zeigte fast so etwas wie eine Freudesgeste, scheint ihm Spaß zu machen. Zu jeder guten Regie, die sich irgendwie mit dem Werk auseinandersetzt, gehört eben auch ein saftiger Buh-Orkan.

Nilsson entfesselt die Ariadne
Gesanglich entsprachen die Leistungen offenbar eher den Erwartungen des Salzburger Publikums, und das zurecht. Gefeiert wurde vor allem Christina Nilssons entfesselte Darbietung der Ariadne. Die für Elīna Garanča eingesprungene Sopranistin ließ ihre brillante, helle Stimme freudestrahlend von der Bühne sprudeln und fesselte das Publikum in den Bann ihrer Partie. Bis zum Ende hin steigerte sie ihre Melodien immer weiter stets ins hochdramatische und erntete dafür feurigen Applaus.
Dai singt eine umjubelte Zerbinetta…
Kate Lindsay sang den Komponisten ebenso eifrig und inbrünstig. Mit textklarer, ausdruckvoller Stimme gelang ihr ebenfalls eine Paradeleistung in dieser Partie, ihr souveränes, durchdachtes Schauspiel war das Sahnehäubchen obendrauf. Reichlich verdienten Beifall schon in die Musik hinein – gefiel einigen Festspielgängern gar nicht – bekam auch Ziyi Dai für ihre Zerbinetta. Mühelos und luftig spazierte sie durch die gesanglich haarsträubende Arie „Großmächtige Prinzessin“, ihre klangvollen und fein geformten Koloraturen wurden zu einem der Highlights des Abends!

Cutler beginnt kämpferisch
Nicht ganz mit dem sonst haushohen musikalischen Niveau mithalten konnte leider Eric Cutler als Bacchus. Zwar startete der Tenor äußerst vielversprechend mit einem kämpferischen Auftritt seiner wenigen Zeilen im ersten Aufzug und intonierte auch weitgehend sauber, doch fehlte es seiner Stimme hinter einem etwas übertriebenem Dauervibrato ein wenig an Stimmkraft. In Ordnung, ja, für das weltbeste Strauss-Festival zu wenig. Auch Christoph Pohl sang den Musiklehrer zwar technisch solide, hätte aber durchaus etwas mehr den Humor dieser Rolle auf die Bühne bringen können.
Die Nebenrollen waren auf gewohnt exzellentem Salzburg-Niveau besetzt. Vor allem die drei Nymphen (Anja Mittermüller, Marlene Metzger, Fabio Dorizzi) ließen ihre Partien wie drei leuchtende Gesangssonnen von der Bühne strahlen, während Fabian-Jakob Balkhausen in der Minirolle des Lakeis mit brillantem Gesang und lebensfreudigem Strauss-Humor deutlich auf seine Stimme aufmerksam machte.

Familienteam Honeck zaubert im Graben
Fast schon ein wenig unter ging da die Spitzenleistung der Wiener Philharmoniker um das Vorlarlberger Familienteam Honeck, Manfred am Pult und sein Bruder Rainer Konzertmeister. Beide stürzten das von Strauss recht klein besetzte Orchester in alle magischen Facetten dieser köstlichen Strauss-Partitur. Das Vorspiel startete fetzig und feurig, im zweiten Akt blühte der Zauber dieser Musik mit teils saftigem, doch stets unterhaltsamen Klang aus dem Graben auf.
In Salzburg lebt Strauss und Hofmannsthals Kunst auch hundert Jahr nach ihrer Gründung weiterhin munter und freudig. Mit dieser Ariadne festigen sich die von Hofmannsthal mitgegründeten Festspiele mal wieder an der Spitze der allerersten Strauss-Liga!
Johannes Karl Fischer, 3. August 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Georges Bizet, Carmen Salzburger Festspiele, Großes Festspielhaus, 26. Juli 2026 (Premiere)