Salzburg-Auftakt: Dudamel entfesselt das Mahler-Universum aus der Zweiten

Gustav Mahler Symphonie Nr. 2 c-Moll „Auferstehung  Salzburger Festspiele, Großes Festspielhaus, 27. Juli 2026

Fotos: Vienna Philharmonic  Gustavo Dudamel Conductor
Ying Fang Soprano  Nadezhda Karyazina Alto Wiener Singverein
Johannes Prinz Chorus Master SF/Marco Borrelli

Mit einer sensationellen Aufführung von Mahlers monumentaler zweiter Sinfonie lassen Gustavo Dudamel und die Wiener Philharmoniker das Mahler-Universum zum Festspielauftakt in den Salzburger Musikhimmel aufsteigen. Trotz ein paar Schönheitsfehlern feierte das Publikum den packenden Konzertabend mit stehenden Ovationen für alle Beteiligten.

Gustav Mahler: Symphonie Nr. 2 c-Moll „Auferstehung“

Wiener Philharmoniker
Wiener Singverein

Ying Fang, Sopran
Nadezhda Karyazina, Alt

Johannes Prinz, Chorleitung
Gustavo Dudamel, Dirigent

Salzburger Festspiele, Großes Festspielhaus, 27. Juli 2026

von Johannes Fischer

In Salzburg herrscht Festspieleuphorie. Die wunderbare Frittatensuppe mit Salzachblick gehört ebenso dazu wie die leichte Skepsis gegenüber der Besetzung. „Dudamel und Mahler, ob das wohl gut geht?“ Naja, in diesem Saal erlebte man auch schon so einige Mahler-Sternstunden, nicht zuletzt 2019 die heuer auf dem Programm stehenden Zweite, damals mit Andris Nelsons. Das Publikum kennt das Werk wohl fast so gut die der Dirigent, selbst beim Chorauftritt nach dem ersten Satz gab es nicht den Hauch eines Applauses. So packend hält die Spannung dieser Sinfonie nur in Salzburg an!

Dudamel schreitet ins Mahler-Universum

Wie bereits bei der Achten zu Ostern sorgte die einzigartige Akustik des Festspielhauses für ein singuläres Mahler-Erlebnis. Die vielen langen und leisen Melodien segelten flüsterklar von der Bühne, die kraftvollen Klangexplosionen des Mahler-Universums verwandelten den Saal mühelos in einen prächtigen symphonischen Klangpalast. Kein Fortissimo war auch nur ansatzweise zu laut, einfach wohltuend und fein platziert um die musikalische Seele in wolkige Mahler-Höhen aufsteigen zu lassen. Man verließ das Festspielhaus wie verwandelt, als hätte man sich gerade frisch in diese Symphonie verliebt und würde nun neuer Lebensfreude entgegenfiebern.

Vienna Philharmonic Gustavo Dudamel Conductor Ying Fang Soprano, Nadezhda Karyazina Alto Wiener Singverein Johannes Prinz Chorus Master Vienna Philharmonic Gustavo Dudamel SF/Marco Borrelli

Verantwortlich dafür war vor allem Gustavo Dudamels energetische Interpretation des Kopfsatzes. Aus diesem ursprünglich als Totenfeier komponierten Satz holte er einen lebendigen, mitreißenden Streicherklang samt allen farbenfrohen Emotionen heraus. Wie ein Rausch zog der Mahler-Klang durch den Saal und fesselte das Publikum in den Strudel dieser Musik. „Fast and furious“ könnte man wohl sagen, die Musiker spielten die Mahler-Magie dieser atemberaubenden Partitur mit sicht- und spürbarer Euphorie voll aus.

Auch das Finale, fast schon eine Symphonie für sich, fegte wie entfesselt durch den Saal. Der Posaunenchoral stand fast wie ein seliges Gebet in der Luft, ehe die Musiker das direkt anschließend umschwärmende Orchestertutti majestätisch und zauberhaft klangvoll in den Saal schreiten ließen. Der edle, einmalige Bläserklang dieses Orchesters entfaltete sich vor allem im Schluss der Symphonie und ließ diesen freudestrahlend in den Salzburger Sommerabend ausklingen.

Schönheitsfehler Mittelsätze

Nicht ganz so raffiniert gelangen leider die beiden Mittelsätze. Nach der musikalischen Sternstunde zu Beginn streichelten die Philharmoniker zwar äußerst sanft mit süßen Streicherglissandi die Melodien des wortwörtlich gemächlichen zweiten Satzes, doch so wirklich wollte die Musik hier leider nicht zum Tragen kommen. Auch den dritten Satz mit seinen musikalisch satirischen Klarinettensoli hat man sicher schon unterhaltsamer gehört, außerdem waren hier zu viele Individualfehler hörbar. Vielleicht war die Latte ein wenig zu hoch gelegt. Trotzdem nur ein kleiner Schönheitsfehler inmitten eines magisch aufsteigenden Mahler-Universums.

Ying Fang Soprano Nadezhda Karyazina Alto Wiener Singverein Johannes Prinz Chorus Master Vienna Philharmonic Gustavo Dudamel SF/Marco Borrelli
Fangs Soprans schwebt souverän

Ein aus Hamburger Sicht Wiedersehen gab es mit der Mezzosopranistin Nadezhda Karyazina, langjähriges Ensemblemitglied an der Dammtorstraße. Trotz blitzeblank sauberer Intonation klang insbesondere ihr Auftritt im Urlicht stimmlich ein wenig eng und ihre Melodien wollten nicht wirklich ins Fließen kommen. Umso strahlender ließ Ying Fang ihre viel zu kurz komponierte Sopranpartie über Chor und Orchester gleiten, ihr leuchtender Sopran schien wie eine Gesangssonne vom Mahler-Himmel herab! Der Wiener Singverein erledigte seine Aufgabe routiniert und ergänzte das krönende Finale mit einem souveränen Chorklang.

Meinetwegen war die Mahler 3 der Philharmoniker im Mai überzeugender. Das ist aber alles Rosinenipckerei in der völlig einsamen Mahler-Liga dieses Orchesters. Stehende Ovationen gab es heuer zurecht für alle Beteiligten. Bei diesem sensationellen Festspielauftakts steigt das Mahler-Universum mit Gustavo Dudamel auch aus der Zweiten empor.

Johannes Karl Fischer, 28. Juli 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Georges Bizet, Carmen Salzburger Festspiele, Großes Festspielhaus, 26. Juli 2026 (Premiere)

 SF Ouverture Spirituelle – Passion (2007) Pascal Dusapin Kollegienkirche, Salzburg, 23. Juli 2026

CD/Blu-ray-Besprechung: Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 2 „Auferstehung“ klassik-begeistert.de, 16. Januar 2026

CD-Besprechung: Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 2 c-moll „Auferstehung“

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