Der Name Arnold Rosé hat für alle musikhistorisch informierten Wiener bis heute einen besonderen Klang. Schließlich war er nicht nur über Jahrzehnte der prägende Konzertmeister des Orchesters der Wiener Staatsoper, auch im Orchester der Bayreuther Festspiele war er mehrere Jahre Konzertmeister. Darüber hinaus war er als Gründer und erste Geige des Rosé-Quartetts ein hoch gerühmter Kammermusiker.
Arnold Rosé
Works by Bach, Beethoven, Schubert, etc.
Biddulph Recordings 85071-2
von Peter Sommeregger
Verheiratet war er, ebenso wie sein Bruder, mit einer Schwester des Komponisten Gustav Mahler. Dieser Ehe entstammte die Tochter Alma, der selbst eine namhafte Karriere als Solistin gelang. Ihr weiteres Schicksal verlief tragisch: sie wurde nach Auschwitz deportiert, wo sie sich zwar durch Gründung des legendären Auschwitzer Mädchenorchesters vor der Ermordung retten konnte, aber schließlich einer Erkrankung im Lager zum Opfer fiel. Ihr Vater konnte sich dagegen durch rechtzeitige Flucht nach England retten.
Der Virtuose nutzte bereits ab 1902 das neue Medium der Schallplatte und spielte über die Jahre eine größere Zahl von Musikstücken verschiedenster Komponisten ein. Diese soeben erschienene CD enthält insgesamt 24 von Schellackplatten übertragene Titel, die ein breites Repertoire des Künstlers verraten.
Bach, Beethoven, Brahms, Schubert sind mit kurzen Werkausschnitten zu hören, aber auch weniger bekannte Komponisten wie Svendsen, Ernst oder Goldmark sind in der Auswahl enthalten.
Leider erklingt das gesamte Rosé-Quartett in lediglich zwei Stücken von Schubert und Tchaikowsky, den Rosenkavalier-Walzer hat der Künstler mit den Wiener Philharmonikern unter Karl Alwin 1924 eingespielt.
Die Mehrzahl der Aufnahmen geht aber auf die Jahre 1902 und 1909 zurück. Grundsätzlich ist diese Wiederveröffentlichung sehr zu begrüßen, aber die Freude darüber wird schnell getrübt. Bei dem engagierten Projekt wurde leider an der falschen Stelle gespart. Es versteht sich von selbst, dass über hundert Jahre alte Tonaufnahmen weit hinter unseren heutigen akustischen Standards zurückbleiben. Inzwischen hat sich aber eine Reihe von hoch qualifizierten Tontechnikern etabliert, die bei der Restaurierung so alter Aufnahmen wahre Wunder vollbringen können. Leider hat man sich für diese CD keinen solchen Meister seines Faches ins Boot geholt. Wohl geben die Stücke einen Eindruck von dem virtuosen Gebrauch seines Instruments durch Arnold Rosé, aber einen spezifischen Ton, oder das Volumen des erzeugten Klanges vermisst man.
Auch das Booklet bleibt einige Antworten schuldig.
In einem Großteil der Aufnahmen wird der Geiger vom Klavier begleitet, der Name des, oder der Pianisten wird aber konsequent verschwiegen. Auch fehlt ein Hinweis, ob und welche weitere Aufnahmen Rosés existieren. Ebenfalls bleibt das von Roséverwendete Instrument unerwähnt, obwohl bekannt ist, welche Instrumente ihm über die Jahre seiner Karriere zur Verfügung standen. So ist dieses verdienstvolle Projekt leider nicht vollständig geglückt.
Peter Sommeregger, 3. August 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Robert Schumann, Zwielicht, Matthias Goerne klassik-begeistert.de, 19. Juli 2026
Joseph Beer, Der Prinz von Schiras/Polnische Hochzeit klassik-begeistert.de, 19. Juli 2026