Foto: Anja Bihlmaier © Nikolai Lund
Auf dem Weg in die Hamburgische Staatsoper bin ich an einem Zeitungskiosk vorbeigekommen und habe die Schlagzeilen überflogen. Es schadet ja nie, sich weiterzubilden…Ein Titelbild zierte Udo Lindenberg, im Vorfeld seines 80. Geburtstag am 17. Mai. In Hamburg ist Udo eine Ikone. Der Autor Benjamin von Stuckrad-Barre zählt zu seinen Fans. Einer von Udos Hits heißt „Mein Ding“.
Richard Strauss / Elektra
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Anja Bihlmaier / Dirigentin
Hamburgische Staatsoper,14. / 19. April, 1 ./ 8. Mai 2026
von Jörn Schmidt
Die Melodie ist eingängig und die Lyrics sind typisch Udo Lindeberg. Ich zitiere den Refrain:
„Und ich mach‘ mein Ding
Egal, was die andern sagen
Ich geh‘ meinen Weg
Ob grade, ob schräg
Das ist egal
Ich mach‘ mein Ding
Egal, was die andern labern
Was die Schwachmaten einem so raten
Das ist egal
Ich mach‘ mein Ding“
An der Staatsoper gab´s Elektra, eine meiner Lieblingsopern. Wenn ich auf meiner Insel nur noch eine Oper hören dürfte, dann wär´s vermutlich Elektra. Oder Parsifal. Oder doch Salome? Und dann wäre da noch Tristan…Zum Glück muss ich mich heute nicht entscheiden.
Das Mammut-Orchester, diese Klangwelt am Rande der Dissonanz. Dann die nagende Schärfe des Agamemnon-Motivs. Die Oper ist der Gipfel der deutschen Spätromantik. Selbst der Komponist wusste danach nicht mehr weiter und ruderte mit dem Rosenkavalier zurück.
Vokal der gleiche Ansatz. Im Scherz sage ich gerne: Also wenn Sie zu Hause niemand anschreit, dann gehen Sie in die Oper und hören sich Elektra an. Dort finden sich drei mehr oder weniger hysterische Frauen auf der Bühne ein und Sie bekommen, was daheim fehlt.
Anja Bihlmaier leitete das Philharmonisches Staatsorchester Hamburg zu einem Mordsspektakel an. Sehr laut, aber nicht plump laut – rhythmisch ausgeklügelt und mit langem Atem. Die Spannung riss nie ab, was bei der vorgelegten Dynamik einem Wunder glich.
Silberne Rose statt blutiges Beil, hatte ich zu Kent Naganos Elektra-Dirigat 2024 getitelt. Weil Nagano den Rosenkavalier in der Elektra gesucht hatte. So elegant und farbenreich war sein Dirigat. Anja Bihlmaier möchte ich attestieren:
Blutiges Beil statt silberne Rose. Nix mit Rosenkavalier-Eleganz, brachial zur Sache ging es. Gewiss ist Violeta Urmana eine großartige Klytämnestra und Jennifer Holloway eine wundervolle Chrysothemis. So wie Kyle Ketelsen ein fabelhafter Orest ist.
Im Ergebnis ging es ihnen indes wie Aušriné Stundyté als Elektra – sie wussten sich irgendwie nicht so recht mit dem Orchester zu arrangieren. Was hat das nun mit Jubilar Udo zu tun? Nun, Anja Bihlmaier schwelgte ungeniert in Richard Strauss` genialer Meisterwerk-Partitur und machte orchestral ihr Ding. Mega!
Jörn Schmidt, 8. Mai 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Auf den Punkt 90, Doppelleben klassik-begeistert.de, 5. Mai 2026
Auf den Punkt 89: Rezensentenschelte oder Selbstreflexion? Hamburgische Staatsoper, 25. April 2026
Auf den Punkt 88: Frauenliebe und -sterben, Tobias Kratzer Hamburgische Staatsoper, 17. April 2026