Vollkommen klavierverrückt

Tigran Hamasyan Piano
Laeiszhalle Hamburg, Kleiner Saal, 19. April 2017

von Leon Battran

Tigran Hamasyan versteht es zu faszinieren. Er tut einfach das, was er am besten kann und am liebsten macht: Er sitzt am Klavier und spielt seine Musik. Dazu beatboxt er und summt ätherisch, auch ein Synthesizer kommt zum Einsatz. Das Klavier spielt jedoch die Hauptrolle in seiner One-Man-Show. Er spielt es mit inniger Versunkenheit und zieht das Publikum im Kleinen Saal der Hamburger Laeiszhalle in seinen Bann. „Tigran Hamasyan, Piano,
Laeiszhalle Hamburg, Kleiner Saal“
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Mozart mit Smartphone und Astra-Werbung

Opera piccola
Erzittre, feiger Bösewicht!
Musiktheater für Jugendliche
Musikalische Fassung Johannes Harneit, Dialoge Johannes Blum
Staatsoper Hamburg, 20. April 2017

von Bianca Heitzer 

Ich mag Probebühnen. Die knarzenden schwarzen Holzböden, die ersten Anzeichen eines Bühnenbildes, das Gefühl mittendrin zu sein, im kreativen, turbulenten Entstehungsprozess eines Stücks – all diese wunderbaren Dinge, die man sonst nur hinter den Kulissen und während einer Probenphase erleben kann, kamen am Premierenabend auf der Probebühne I der Hamburgischen Staatsoper am Donnerstag zum Tragen. „Opera piccola, Erzittre, feiger Bösewicht! Kent Nagano, Johannes Harneit, Johannes Blum,
Staatsoper Hamburg“
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Schöner kann Blech nicht klingen: das ultimative Bigband-Jazzklavier-Perkussions-Spektakel in HH

Foto: (c) Höhne
Omar Sosa
Klavier
Omar Rodriguez Calvo Kontrabass
Ernesto Simpson Schlagzeug
NDR Bigband
Leitung Geir Lysne
Elbphilharmonie, 17. April 2017

Von Sebastian Koik

Vom ersten bis zum letzten Ton des Abends erzeugen die Künstler einen rauschhaften Sog: mit tollen Rhythmen, wunderbaren Klangfarben und hochvirtuosen solistischen Glanzlichtern. Die Musik ist mal sehnsüchtig, mal meditativ, mal verträumt, mal melancholisch, mal entspannend, mal groovend, mal funky und oft ein gewaltiger und mitreißender Energiestrom. Es ist immer sehr sinnliche Musik, die der Seele gut tut.

„Omar Sosa, Omar Rodriguez Calvo, Ernesto Simpson, NDR Bigband, Geir Lysne,
Elbphilharmonie“
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Ehrlich sympathisch – Portraitkonzert des Komponisten Vito Žuraj in der Elbphilharmonie

Vito Žuraj
Warm-up für Horn und zwei Schlagwerker
Schub’rdy G’rdy für Sopran, Akkordeon, Schlagwerk und Klavier
Contour für instrumentales Quintett
Aftertouch für Ensemble
La femme 100 têtes für Sopran und Kontrabass
Top Spin für Schlagwerktrio
Ensemble Modern
Rinnat Moriah Sopran
Paul Cannon Kontrabass
Elbphilharmonie, 10. April 2017

von Julian Bäder

Es gibt einfach Menschen, die sind auf eine unmittelbare Art sympathisch. Das hängt in erster Linie gar nicht mit deren Schaffen zusammen, das ist einfach so. Vito Žuraj ist ein solcher Mensch. Der slowenische Komponist, der in Deutschland lebt und arbeitet, hat einfach eine Art, die von einer grundlegenden Ehrlichkeit ist, dass er einem sofort sympathisch ist. „Vito Žuraj, 6 kammermusikalische Werke, Ensemble Modern, Rinnat Moriah,
Elbphilharmonie“
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Mal zart und mal verschwenderisch: Diese Walküre ist ein Meilenstein

Richard Wagner, Die Walküre
Sächsische Staatskapelle Dresden
Christian Thielemann
Großes Festspielhaus, Salzburg

Wer nach diesem Abend wieder ins Leben gespült wird, ist sprachlos. Draußen vor dem Großen Festspielhaus in Salzburg warten die Chauffeure auf die Reichen, die weniger Reichen gehen zu Fuß oder fahren mit dem Fahrrad nach Hause. Doch ob reich oder weniger reich: Diese vier Stunden waren für jeden, der dabei sein durfte, ein Meilenstein. Dieser Opernabend öffnete die Seele, mal zart und mal verschwenderisch, mal ganz leise und mal ganz laut. Diese „Walküre“, Richard Wagners vielleicht betörendstes Oeuvre, war eine musikalische und bildliche Offenbarung, eine Zelebration des Perfektionismus und der Leidenschaft. Wagner-„Walküren“ haben sich fortan an dieser revitalisierten Jahrhundertinszenierung messen zu lassen. „Richard Wagner, Die Walküre, Sächsische Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann, Anja Harteros, Anja Kampe, Georg Zeppenfeld, Peter Seiffert,
Großes Festspielhaus Salzburg“
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Märchenhaftes „Schattenspiel“ – Strauss-Premiere kommt an in Hamburg

Foto (c): A. Delair
Richard Strauss, Die Frau ohne Schatten
Hamburgische Staatsoper, 16. April 2017

von Leon Battran

Vereinzelt blieben nach der zweiten Pause ein paar Sitze leer. Alle anderen Zuschauer aber, die ausgeharrt und mitgefiebert hatten, nahmen Andreas Kriegenburgs Inszenierung an diesem Ostersonntag begeistert auf und erlösten sie mit geradezu überschwänglichem Beifall. „Richard Strauss, Die Frau ohne Schatten,
Hamburgische Staatsoper“
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Thielemann und Trifonov: Magische Momente im Großen Festspielhaus in Salzburg

Sächsische Staatskapelle Dresden
WOLFGANG AMADEUS MOZART
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 21 C-Dur KV 467
ANTON BRUCKNER
Symphonie Nr. 4 Es-Dur „Romantische“
Daniil Trifonov Klavier
Christian Thielemann Dirigent
Großes Festspielhaus, Salzburg

Das gefiel dem Meister ganz und gar nicht. Christian Thielemann, Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden und Künstlerischer Leiter der Osterfestspiele Salzburg, bereitet seinen Klangkörper und sich auf den vierten Satz von Anton Bruckners Symphonie Nr. 4 vor. Es herrscht absolute Ruhe im Großen Festspielhaus. Thielemann will schon anschlagen: Da hustet ein älterer Zuschauer aus dem Parkett furchterregend in die Stille. „Christian Thielemann, Daniil Trifonov, Sächsische Staatskapelle Dresden, Mozart, Bruckner,
Osterfestspiele Salzburg“
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Mozart, schwarz und weiß: Isabelle Faust lässt ihre Geige singen

 

Foto: C. Höhne (c)
Joseph Bologne, Le Chevalier de Saint-George (1745-1799), Symphonie op. 11, Nr. 2 G-Dur
Oscar Strasnoy (*1970), Automaton, Uraufführung
Mauricio Kagel (1931-2008), Die Stücke der Windrose – Südosten
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550
Ensemble Resonanz
Isabelle Faust, Violine und Leitung
Elbphilharmonie, Kleiner Saal, 14. April 2017

Von Sebastian Koik

Das erste Stück des Abends kommt von Joseph Bologne, dem Chevalier de Saint-George, einer unfassbar schillernden Persönlichkeit. Vom amerikanischen Präsidenten John Adams wurde er als der vollkommenste Mann Europas bezeichnet. Er war nicht nur der erste dunkelhäutige Komponist in der klassischen Musik und einer der besten Violinisten seiner Zeit, sondern auch als Spitzenathlet im Schwimmen, Laufen, Eiskunstlaufen bekannt. Hervorragend war er auch im Tanzen und Schießen und berühmt als einer der besten Fechter in ganz Europa. „Ensemble Resonanz, Isabelle Faust, Joseph Bologne, W.A. Mozart
Elbphilharmonie“
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Achtung Parsifal: Der Suchtfaktor ist enorm...

Foto: © Michael Pöhn
Richard Wagner, Parsifal
Wiener Staatsoper, 13. April 2017

Mit dem Bühnenweihfestspiel „Parsifal“ von Richard Wagner ist es wie mit einem guten Rotwein: Es wird besser und besser, je öfter man es hört. „Parsifal“ ist gigantisch schöne Musik, das Lebensabschiedswerk eines Jahrtausendkomponisten. Parsifal betört die Sinne und macht süchtig, je länger man die Oper hört. „Parsifal“ beseelt. Es ist die Mega-Oper schlechthin – der Schnittpunkt auf dem Horizont, wo die Erde aufhört und der Himmel anfängt. „Richard Wagner, Parsifal,
Wiener Staatsoper“
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Così wirklich fan tutte? Mozart klingt wunderbar in der Bayerischen Staatsoper!

Wolfgang Amadeus Mozart – Così fan tutte
Bayerische Staatsoper, 12. April 2017
Musikalische Leitung – Ivor Bolton
Inszenierung – Dieter Dorn
Bühne und Kostüme – Jürgen Rose
Fiordiligi – Golda Schultz
Dorabella – Rachael Wilson
Guglielmo – Michael Nagy
Ferrando – Mauro Peter
Despina – Tara Erraught
Don Alfonso – Christopher Maltman
Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

Von Maria Steinhilber

Nach dem zweiten und dritten Gong findet langsam jeder seinen rosaroten samtigen Sitzplatz in der Bayerischen Staatsoper. Auffällig viele junge Menschen sind im Publikum. Viele machen ein paar letzte Selfies in diesem schönen Opernhaus, dann beginnt auch schon das Orchester, sich zu stimmen. Das Licht geht aus, und jeder freut sich auf „Così fan tutte“, Wolfgang Amadeus Mozarts Drama giocoso in zwei Akten. „Così fan tutte, Wolfgang Amadeus Mozart,
Bayerische Staatsoper“
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