"Rusalka" in Wien: Das Lied an den Mond treibt dem Publikum Tränen in die Augen

Antonin Dvorák: Rusalka,  Theater an der Wien, 19. September 2019

Foto: Herwig Prammer (c)
Theater an der Wien
, 19. September 2019
Antonin Dvorák, Rusalka

von Anna Ploch

Zwei geschlossene Garagentore führen in ein Schwimmbad. Über dem Eingang steht „Pozor!“, was mit „Achtung!“ übersetzt werden kann. Das Bühnenbild ist in schlichtem Weiß gehalten. Ebenso schlicht weiß die Kostüme der drei Nymphen und Rusalkas mit roten Strumpfhosen. Die Dienerschaft des Prinzen in metallig, silbernen Mänteln. Ein überdimensionaler Luster wird von der Bühne herabgelassen bei Szenen, die im Schloss spielen. Das knöcheltiefe Wasser ist stets vorhanden, dient einmal als Teich, einmal als Putzkübel für die Dienerschaft. Kein märchenhafter Kitsch ist vorhanden in dieser Inszenierung von Amélie Niermeyer. Und warum auch? Rusalka behandelt als Märchen durchaus reale Themen: Menschlichkeit, Sterblichkeit, Verzweiflung, Betrug. 

Nicht zuletzt die schauspielerisch überzeugende Darstellung von Maria Bengtsson ermöglicht es, dass all diese Themen ohne aufgeblasene Inszenierung übermittelt werden. Noch übertroffen wird die darstellerische Leistung von Bengtssons wunderbarer Stimme. Die schnelle Abwechslung zwischen zarten Piano-Stellen und kraftvollen Fortissimi gelingt ihr scheinbar mühelos. Bezaubernd ihre Darbietung des Liedes an den Mond, das dem Publikum Tränen in die Augen treibt. Nach dieser bekanntesten Arie im ersten Akt wünscht man sich Rusalka würde nicht verstummen. Doch selbst stumm gelingt es ihr das Mitgefühl des Publikums auf ihre Seite zu holen. 

Ebenso kraftvoll und gefühlsbetont Günther Groissböck als Wassermann. Perfekt ausgesucht für die Rolle mit seinem muskulösen Auftreten und einer ausstrahlenden Ruhe, die er jedoch im passenden Moment in Zorn und Rage umlenkt, wenn er beispielsweise beschließt den Betrug an Rusalka zu rächen und die Dienerschaft des Prinzen beinahe erschlägt, die Rusalka zuvor bei der geplanten Hochzeitsfeier schikaniert hatte.

Die Hochzeitsszene im zweiten Akt zeigt nicht nur eine  tadellose Leistung des Arnold Schönberg Chors, sondern auch szenisch gute Arbeit. Die Hochzeitsgäste sowie auch die fremde Fürstin erscheinen in Schwarz, was bereits erahnen lässt, dass diese Hochzeit kein fröhliches Ende nehmen wird. Immer wieder erstarrt die Gesellschaft, und nur Rusalka und der Wassermann bewegen sich, denn sie sind und bleiben die anderen, die Nicht-Menschen. Das Brautpaar wird in Zeitlupe beklatscht, was der Szenerie einen sarkastischen Unterton verpasst. Am Schluss wird Rusalka ausgelacht. Lächerlich, dass sie glaubt, sie könne den Prinzen betören.  

Wenig Verständnis hingegen für die homoerotische Beziehung zwischen Rusalka und der Hexe Jezibaba während der Verwandlungsszene. Auch stimmlich überzeugt Natascha Petrinsky leider nicht, auch wenn die Inszenierung versucht durch Videoeinspielungen und eben unpassend sexualisierten Elementen vom Gesang abzulenken.

Im letzten Akt erlangt Rusalka ihre Stimme endlich wieder. Ebenso stimmlich stark treten die drei Nymphen nochmals auf, diesmal auch als Soli. Alle drei erbringen stimmliche Hochleistungen, was beim Applaus auch gewürdigt wird. Der Prinz (Ladislav Elgr) zeigt bei seiner Todesszene erstmals eine gute Leistung. Davor ist seine Figur leider schlecht in Szene gesetzt und wirkt zumeist dümmlich und tollpatschig, auch gesanglich kann Elgr nicht überzeugen.

„Zauberhaft“, „wunderbar“, „sehr schön“ sind Wörter, die im Pausenfoyer aufgeschnappt werden. Dementsprechend groß und langanhaltend der Schlussapplaus vor allem für Bengtsson und Groissböck sowie für David Afkham und Orchester. 

Anna Ploch, 22. September, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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