Foto: Subject To Change, Jakob Feyferlik, Laurretta Summerscales © Katja Lotter
Das Beste kommt für mich am Schluss. Laurretta Summerscales entfacht in mir ein tiefes Glücksgefühl in Subject To Change mit jeder ihrer tänzerischen Bewegungen. Der Abend insgesamt zeigt die goße Bandreite und die ebenso große Klasse des Bayerischen Staatsballetts.
Konstellationen
Grand Pas Classique aus „Paquita“ (Choreographie Marius Petipa)
Shipwreck (Choreographie Simon Adamson-De Luca)
Pas de deux aus „Radio and Juliet“ (Choreographie Edward Clug)
Un trait d’union (Choreographie Angelin Preljocaj)
Shutters Shut (Choreographie Sol León, Paul Lightfoot)
Subject to Change (Choreographie Sol León, Paul Lightfoot)
Prinzregententheater, München, 19. Juni 2026
von Frank Heublein
An diesem Abend wird bei den Opernfestspielen in München im Prinzregententheater mit Konstellationen zum zweiten Mal in den diesjährigen Festspielen ein Best of inklusive einer Uraufführung des Bayerischen Staatsballetts aufgeführt.

Klassisch und mit größerem Ensemble geht es los. Der Grand Pas Classique aus „Paquita“ in der Choreographie von Marius Petipa. Elegant. Dieses Stück wird mit Marsch- und Walzerklang vom gesamten Ensemble zelebriert. Erhaben. Voller Anmut.
Es folgt mit Shipwreck, die Uraufführung des Abends. Choreographie und Kostüme verantwortet Simon Adamson-De Luca. Zur sphärischen Musik von Ichiko Aoba geben Tänzerin Ana Gonçalves und Tänzer Severin Brunhuber ein poetisches Duett in einem kleinen Lichtkegel, der die Bühne verengt. Das Paar tanzt sich – und mich! in Momente, die die Verlorenheit zart aufhebt, die ich musikalisch choreografisch empfinde. Ein inniger Moment. Bewegend.

Als nächstes wird der Pas de deux aus „Radio and Juliet“ in der Choreographie Edward Clugs aufgeführt. Zur Musik von Radiohead tanzen für mich Ksenia Shevtsova und Julian MacKay eine Eleganz in den Song, der ihm eine neue Facette hinzufügt.

In Angelin Preljocajs Un trait d’union spielt ein Sessel eine große Rolle. Zur Musik von Johann Sebastian Bach tanzen Severin Brunhuber und Konstantin Ivkin auf, über, unter, mit dem Sessel und drumherum. Die beiden loten ihre Beziehung aus. Ein spitzes Ah kommt irgendwo aus dem Publikumssaal, als ich die mehrfach wiederholte außergewöhnliche Figur erstmals sehe. Flach auf dem Boden liegend, bereit zum Liegestütz, drückt sich Severin Brunhuber wie ein Sprungfloh explosiv nach oben. Konstantin Ivkin fängt ihn und Severin Brunhuber vollführt eine halbe Schraube in Ivkins Armen. Das alles in gefühlt einer Sekunde. Bringt offensichtlich nicht nur mich atemlos ins Staunen.

In Shutters Shut in der Choreographie von Sol León und Paul Lightfoot wird zu Gertrude Steins selbst eingesprochener dadaistischer Text voller Sprachmelodie getanzt. Sehr humorvoll, wie die Tanzfiguren Carollina Bastos‘ und Ariel Merkuri dieser Sprachmelodie eine zusätzliche physische und dadurch meine Wahrnehmung erweiternde Ebene verleiht.

Am stärksten flasht mich Subject to Change von Sol León und Paul Lightfoot. Ich mag die Musik Franz Schuberts. Klar, alle Tänzer (Solo Jakob Feyferlik, Florian Ulrich Sollfrank, Tommaso Beneventi, Konstantin Ivkin, Clark Eselgroth) sind voller explosiver Energie und Hingabe. Jedoch: da ist Tänzerin Laurretta Summerscales. Oh! Wow! Jede Bewegung von ihr vereint sich in Musik und Tanz zu einem Ganzen, das sich in mir vollkommen anfühlt. Ein atemloses Glücksgefühl und zarte Hingabe entfacht so Summerscales in mir.
Dieses Gefühl, nehme ich mir vor, will ich ganz lange und immer wieder in mir wirken lassen. Es klappt jetzt im Moment des Schreibens. Ich beschwöre Laurretta Summerscales Tanzbewegung in mir herauf. Ich gluckse vor Glück.
Frank Heublein, 20. Juni 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Aschenbrödel, Ballettmärchen Staatstheater am Gärtnerplatz, München, 20. November 2025 PREMIERE