Yunju Lee © Marie-Laure Briane
Die Choreografie Jacopo Godanis überzeugt mich, die ist stark. In den Teilen Karl-Alfred Schreiners und Frédérick Gravels spüre ich Längen. Der Rock, der hätte noch viel mehr fetzen dürfen für mich.
Rock to Heaven – ein Rock-Ballett
Musik von Leonhard Kuhn
Bühne Heiko Pfützner
Kostüme Thomas Kaiser
Licht Michael Heidinger
RockBand
Reed Norbert Nagel
Trompete Julian Hesse
E-Gitarre Jan Zehrfeld
Drum-Set Elias Bohatsch
E-Bass Eley Ellmer
Keyboard und musikalische Leitung Andreas Partilla
Rock to Heaven – Teil 1
Choreografie Karl Alfred Schreiner
George Joel Distefano
Courtney Montana Dalton
BoddAH Ethan Ribeiro
Ensemble Dean Elliott, Marta Jaén García, César López Castillo, Elisabet Morera Nadal, Alexander Quetell, Micaela Romano Serrano, Mariana Romão, Ariane Roustan, Hyo Shimizu, Emily Yetta Wohl, Chia-Fen Yeh, Nicolò Zanotti
Rock to Heaven – Teil 2
Choreografie Jacopo Godani
Tänzerin und Tänzer Yunju Lee, Gjergji Meshaj
Rock to Heaven – Teil 3
Choreografie Frédérick Gravel
Tänzerinnen und Tänzer Montana Dalton, Dean Elliott, Wyatt Drew Florin, Marta Jaén García, Yunju Lee, César López Castillo, Gjergji Meshaj, Elisabet Morera Nadal, Matthew Jared Perko, Alexander Quetell, Ethan Ribeiro, Micaela Romano Serrano, Mariana Romão, Ariane Roustan, Hyo Shimizu, Jan Mikaela Villanueva, Emily Yetta Wohl, Chia-Fen Yeh, Nicolò Zanotti
Staatstheater am Gärtnerplatz, München, 28. April 2026
von Frank Heublein
An diesem Abend wird im Münchner Gärtnerplatztheater das dreiteilige Rock-Ballett Rock in Heaven aufgeführt. Ich merke, dass mir die Stimmen in der Musik fehlen. Acoustic Rock, an einer Stelle ziemlich jazzig, wie Mittänzer Alexander Quetell als Conférencier des dritten Teils anmerkt.
An einigen Stellen und mir damit zu lange smooth. Die Musik reist mich nicht immer mit. Vielleicht liegt es an meinem geheimen Wunsch, eine Choreografie mit der Musik Owner of a lonely heart von Yes zu hören? Aber Stimmen gibt es – fast – keine in der Musik. Doch so langweilig, dass Menschen das Smartphone hervorziehen, finde ich es nicht. In einem Moment irritiert es mich deutlich, denn das helle Smartphonedisplaylicht nimmt mir einen größeren Teil des dunkleren Bühnenmoments mit seinem Strahlen weg.

Teil 1 choreografiert der Ballettdirektor Karl-Alfred Schreiner selbst. Das solistische Paar George getanzt von Joel Distefano und Courtney getanzt von Montana Dalton erinnert mich an Courtney (Love) und Kurt (Cobain). Gewollt verstrahlt zugedröhnt wirken die solistischen Parts der Choreografie auf mich. Der musikalische Rock macht mich nur manchmal richtig an.

Teil 2 choreografiert Jacopo Godani. Der für mich stärkste Teil des Abends. Wenngleich auch der musikalisch für mich nach Rock anhört, der stetig kurz davor ist loszugehen. Doch das Duo Yunju Lee und Gjergji Meshaj sind toll. Besonders beeindrucken mich die überdehnten Figuren, bei denen Gjergji Meshaj die Beine Yunju Lees überraschend von einer schon gestreckten Position in eine, ja noch viel mehr gestrecktere dehnt. Ich bin beeindruckt. Grazilität, Umgarnen, das miteinander Spielen. Die Grenzen zum „es wird ernst“ überschreiten die beiden nach manches Mal – diesen Eindruck jedenfalls tanzen die beiden tief in mich hinein.

Teil 3 beginnt mit einer sehr spannenden am-Platz-Choreografie. Das Ensemble verlässt seine Position praktisch nicht. Die Energie des Ensembles strahlt konzentriert auf mich aus. Dann wird es ein bisserl zäh, denn die dramatischen Posen / drama poses sind zwar eine interessante Idee. Allerdings so finde ich, rettet sich die Choreografie damit ein bisschen über die Zeit.
Posen eins – über Geländer hängende zerstört auf mich wirkende Figuren-Pose – und Pose zwei – Menschen im Warte-Ruhezustand – zur selben Musik sind kurz. Pose drei – ich überschreibe sie mit Sehnsucht – wird zur Bewegung ausgeführt. Paare, die sich zeitlupenhaft zusammentanzen. Das ist die Stelle, wo ich mich frage: ist das noch Rock? Hm? Für mich nicht. Der spannendste Part sind die Drama Duetts. Rockige Musik verschmilzt mit den energetischen Tanzbewegung der neun Paare. Yes, Owner, fast. Jedenfalls schön nah dran. Es folgen zwei den Abend abschließende eher bewegungslose und melodisch ruhige tänzerisch statische Drama Posen fünf „Abhängen“ und sechs „Noch mehr abhängen“.
Ich werde eingeholt von der nicht erfüllten Erwartung. Mist. Ich hätte es mir rockiger gewünscht. Doof. Der Abend fühlt sich lang an. Ambivalent bleibt es in mir. Denn den überwiegend smoothen und nur ein wenig rockigen zweite Teil, den finde ich ganz wunderbar.
Frank Heublein, 29. April 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Franz Lehár, Der Graf von Luxemburg (1909) Gärtnerplatztheater, München, 27. März 2026, Premiere