Die Uraufführung von Leon Gurvitchs „Echoes of Chagall“ in der Elbphilharmonie läßt niemanden unberührt

Leon Gurvitch und Alexander Roslavets; Foto Patrik Klein

In Zeiten von Krieg und Verfolgung auf dem gesamten Globus stimmen die musikalischen Höhepunkte von Leon Gurvitch, Alexander Roslavets und dem Leon Gurvitch Ensemble das begeisterte Publikum zu Nachdenklichkeit, aber auch zu höchstem Musikgenuss

Leon Gurvitch
Echoes of Chagall

Elbphilharmonie, Kleiner Saal, Hamburg, 22. März 2026

von Patrik Klein

Häufig habe ich in den letzten Jahren über Leon Gurvitchs Musik berichtet, weil mich seine Musik immer wieder fasziniert und berührt. In Schubladen lässt er sich schwerlich stecken. Er ist Komponist, Pianist und Dirigent, liebt Schostakowitsch und Strawinsky ebenso wie Keith Jarrett und Astor Piazzolla, spielt Jazz, Klezmer, Filmmusik und Kunstlied. All diese Impulse fließen in seine kreative Arbeit ein. „Leon Gurvitch, Echoes of Chagall
Elbphilharmonie, Kleiner Saal, Hamburg, 22. März 2026“
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Klein beleuchtet kurz 70: Wenn die Türen zu sind, ist SCHICHT IM SCHACHT

Elbphilharmonie, James Gaffigan, Schlussapplaus © Patrik Klein

Das sollte man mal in Bayreuth versuchen – wenn die Türen zu sind, ist „SCHICHT IM SCHACHT“.

NDR Elbphilharmonie Orchester 

Lawrence Power  Viola
James Gaffigan   Dirigent

Elbphilharmonie, 22. März 2026

von Patrik Klein

Was man nicht alles erleben kann nach über 9 Jahren Elphi mit mittlerweile unzähligen Konzerten: Es ging bereits los, als der wunderbare Dirigent sein Podium betrat und den Taktstock zu Strauss’ Macbeth Tondichtung schwingen wollte – 2 Zuspätkommer erhielten noch Zutritt und rumpelten sich lautstark in die erste Reihe Mitte direkt hinter den Maestro – mit einem Lächeln verzögerte er den Konzertbeginn um gefühlte Minuten – wer um alles in der Welt trifft an der Türe diese Entscheidung?

Wenig später dann schwebt plötzlich aus über 30 Metern Höhe ein Inlayzettel des Programmheftes in den Rücken der Orchestermusiker und landete auf der Aufhängung der riesigen Gongs!!!
„Klein beleuchtet kurz 70: NDR Elbphilharmonie Orchester, James Gaffigan
Elbphilharmonie, 22. März 2026“
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Auf den Punkt 85: Sir Simon Rattle gelingt das perfekte Soufflé

Sir Simon Rattle © Mark Allan

Die Opern von Richard Wagner bekommt man nicht kaputt, sage ich immer. Selbst wenn Peter Konwitschny die Regie verantwortet – Augen zu, und Sie werden dennoch glücklich. Mit den Sinfonien von Gustav Mahler verhält es sich grundlegend anders, sie sind wie ein Soufflé.

Henry Purcell / Remember Not, Lord, Our Offences Z 50
Robert Schumann / Nachtlied für gemischten Chor und Orchester op. 108

Gustav Mahler / Sinfonie Nr. 2 c-Moll für Sopran, Alt, Chor und Orchester  – Auferstehungssinfonie

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Chor des Bayerischen Rundfunks
Sir Simon Rattle / Dirigent

Louise Alder / Sopran
Beth Taylor / Mezzosopran

Elbphilharmonie, Großer Saal, 21. März 2026

von Jörn Schmidt

Ich könnte Ihnen jetzt Dirigenten nennen, deren Zugang zu Wagner mir – ausnehmend höflich formuliert – nicht liegt. Die also am Werk vorbei dirigieren und denen es dennoch nicht gelingt, das Werk zu zerstören.  Aber dann bekommt Andreas Schmidt, der Herausgeber von klassik-begeistert, möglicherweise pikierte Zuschriften. Zu denen ich mich dann frühmorgens äußern möge. Das ist natürlich kein Problem, aber heute geht es um etwas anderes. „Auf den Punkt 85: Sir Simon Rattle Mahler, Sinfonie Nr. 2 c-Moll
Elbphilharmonie, 21. März 2026“
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Auf den Punkt 84: Teamgeist-Downsides in der Elbphilharmonie

James Gaffigan © Miguel Lorenzo

Richard Strauss / Macbeth – Sinfonische Dichtung op. 23

Grażyna Bacewicz / Konzert für Viola und Orchester

Felix Mendelssohn Bartholdy / Ouvertüre zu Ein Sommernachtstraum op. 21

Sergej Prokofjew /  Romeo und Julia – Auszüge aus den Ballett-Suiten Nr. 1 op. 64a, Nr. 2 op. 64b und Nr. 3 op. 101 (zusammengestellt von James Gaffigan)

NDR Elbphilharmonie Orchester
James Gaffigan / Dirigent
Lawrence Power / Viola

Elbphilharmonie, Großer Saal, 19. März 2026

von Jörn Schmidt

Bereits am 23. Januar 2025 war der amerikanische Dirigent James Gaffigan beim NDR Elbphilharmonie Orchester zu Gast. „Der amerikanische Dirigent James Gaffigan ist für seine natürliche Lockerheit und seinen außergewöhnlich kollaborativen Arbeitsgeist bekannt“, stand seinerzeit im Programmheft.

Wie so ein lockerer Kollaborateur dirigiert, können Sie in Folge 41 meiner Kolumne nachlesen. Aber Menschen entwickeln  sich weiter. Genetisch und kulturell. Ich zum Beispiel bin jetzt bei Folge 84 angelangt.

Und nach einem Blick ins Programmheft war klar, auch James Gaffigan hat sich weiterentwickelt. Im Programmheft der gleiche Einstieg in seine Vita, aber bei den besonderen Eigenschaften wurde im Detail nachjustiert:

Der amerikanische Dirigent James Gaffigan ist bekannt für seine natürliche Souveränität und seinen außergewöhnlichen Teamgeist.“ Souverän statt locker und teamfähig statt kollaborativ. Das ist mal ein Upgrade? „Auf den Punkt 84:  Teamgeist-Downsides in der Elbphilharmonie
Elbphilharmonie, 19. März 2026“
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Klein beleuchtet kurz 69: Wann tun Sie endlich etwas dagegen, Herr Lieben-Seutter?

London Philharmonic Orchestra, Karina Canellakis – Foto: Patrik Klein

Wenn die Insassen von acht Reisebussen das London Philharmonic Orchestra zersägen.

London Philharmonic Orchestra

Alexander Malofeev, Klavier
Karina Canellakis,Dirigentin

von Patrik Klein

Nach vier kulturlosen Wochen in den Tropen war man ausgehungert nach Musik, nach klassischer Musik, ja nach berührender Musik.

Und eigentlich darf man sicher sein, dass wenn man ein Ticket für das London Philharmonic Orchestra hat, dass es gut wird – manchmal sogar sehr gut – gelegentlich sogar exzellent.

Gestern Abend war es anders. Es kann jedoch auch sein, dass mir der Hörgenuss durch das ungehörige Publikum dermaßen verhagelt wurde, dass ich die Feinheiten überhörte, nicht wahrnahm, sondern einfach nur genervt war. „London Philharmonic Orchestra, Alexander Malofeev, Klavier, Klein beleuchtet kurz 69
Elbphilharmonie, 25. Februar 2026“
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„und ich steh’ da und seh’ dich endlich sterben!“ – Strauss’ „Elektra“ bestürzt in Hamburg

Elektra Hamburg Ingela Brimberg © NDR I Thies Raetzke

Wozu braucht man eine Inszenierung mit durchdachtem Bühnenbild und einfallsreichen Kostümen, wenn man antiken Familien-Horror so unmittelbar und erschütternd erleben kann, wie die „Elektra“ von Richard Strauss im Großen Saal der Hamburger Elbphilharmonie? Die halbkonzertante Aufführung in der szenischen Einrichtung von Charlotte Schetelich am 13. Februar 2026 ließ einem mehrfach das Blut in den Adern gefrieren. 

Richard Strauss, Elektra, Tragödie in einem Aufzug op. 58
Dichtung von Hugo von Hofmannsthal
Konzertante Aufführung in szenischer Einrichtung

Ingela Brimberg, Sopran
Karita Mattila, Sopran
Christina Nilsson, Sopran
Andreas Bauer Kanabas, Bass
Benjamin Bruns, Tenor

Alan Gilbert, Dirigent
NDR Vokalensemble
NDR Elbphilharmonie Orchester

Elbphilharmonie, Großer Saal, Hamburg, 13. Februar 2026

von Dr. Andreas Ströbl

Sitzen alle? Dann kann es ja losgehen!

Um die Besprechung eines grandiosen Opernabends nicht durch ärgerliche Bemerkungen zu versalzen, sei gleich zu Beginn erneut die Frage gestellt, weshalb es in der „Elphi“ manchmal zugeht wie im Warteraum eines Bahnhofs. Man kann sich der Kritik der geschätzten Kollegin Iris Röckrath nur anschließen (https://klassik-begeistert.de/il-pomo-doro-giulio-cesare-in-egitto-konzertante-auffuehrung-elbphilharmonie-12-februar-2026/), denn es stört nicht nur massiv die Konzentration, sondern es ist auch blanke Respektlosigkeit gegenüber den Ausführenden, wenn 20 Minuten nach Beginn der Vorstellung noch ein Dutzend Leute, die offenbar nicht mit Uhrzeiten klarkommen, ihre Sitzplätze suchen. Das Umherlaufen sowie Rein- und Rausgehen während der Vorstellung war auch an diesem Abend mehr als nervend und wäre so einfach zu unterbinden. In Bayreuth oder Zürich, wie auch anderen Häusern, heißt es eben: Kein Einlass nach Beginn der Vorstellung. Es wäre so einfach. Türen zu. Danke.

„Richard Strauss, Hugo von Hofmannsthal, Elektra
Elbphilharmonie, Hamburg, 13. Februar 2026“
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Erst mit dem Auftritt von Karita Mattila als Klytämnestra erreicht die Spannung ihren Höhepunkt

Christina Nilsson (Chrysothemis), Ingela Brimberg (Elektra) und das NDR Elbphilharmonie Orchester (Foto: RW)

Karita Mattilas Stimme klang rund, weich, tiefensatt und farbreich in der Mittellage, zudem vollströmend im oberen Register. Da war nichts mehr emotional unterkühlt. Ihr gesanglicher Vortrag fesselte von Anfang bis zum Ende.

Elektra, Tragödie in einem Aufzug

Musik: Richard Strauss
Dichtung: Hugo von Hoffmannsthal

Konzertante Aufführung in szenischer Einrichtung durch Charlotte Schetelich

NDR Elbphilharmonie Orchester, Dirigent: Alan Gilbert

Elbphilharmonie, Hamburg, Großer Saal, 13. Februar 2026

von Dr. Ralf Wegner

Wir waren seit längerem nicht mehr in der Elbphilharmonie. Die Optik des große Saals fasziniert immer noch. Und als der Dirigent Alan Gilbert das NDR-Elbphilharmonie Orchester von den Ketten ließ, wohnten wir einem grandiosen Konzertereignis bei.

Aber wo blieben die Sänger? Hinter dem Orchester war Raum für deren Auftritt. Zunächst überzeugten die fünf Mägde (Marie Henriette Reinhold, Ida Aldrian, Marie-Luise Dressen, Olivia Boehn, Chelsea Zurflüh) und die Aufseherin (Layla Claire) mit überraschend strahlkräftigen, sicher über dem Orchester liegenden Stimmen (jedenfalls von unserem Platz aus im Block D), die klanglich allerdings merkwürdig steril blieben. Das galt auch für die wie beiläufig auftretende Ingela Brimberg, der es zufiel (ohne schützendes Bühnenbild) das Zuschauerinteresse weg vom Orchester zu Elektra zu lenken. „Richard Strauss, Hugo von Hoffmannsthal, Elektra
Elbphilharmonie, Hamburg, 13. Februar 2026“
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Ein musikalischer Hochgenuss auf allerhöchstem Niveau macht demütig und süchtig

Händel, Giulio Cesare, Francesco Corti © Sophie Wolter

Was für ein Abend! Das Publikum in der ausverkauften Elbphilharmonie habe ich selten so mucksmäuschenstill erlebt. Am Ende gab es tosenden Applaus und Bravorufe. Die Gelegenheit, mit der reinen Musik zu verschmelzen ist in dieser konzertanten Form ohne Bühnenbild, Kostüme und Regie und vor allem in diesem Raum sensationell.


Georg Friedrich Händel (1685 – 1759) – Giulio Cesare in Egitto
Konzertante Aufführung in italienischer Sprache

Il Pomo d’Oro

Jakub Józef Orliński   Giulio Cesare
Sandrine Piau   Cleopatra
Beth Taylor   Cornelia
Rebecca Leggett   Sesto
Yuriy Mynenko   Tolomeo
Alex Rosen   Achilla
Rémy Brès-Feuillet   Nireno
Marco Saccardin   Curio

Francesco Corti    Cembalo und Leitung

Elbphilharmonie, Großer Saal, 12. Februar 2026

von Iris Röckrath

Wie soll ich einen Abend beschreiben, für den mir die Worte einfach nicht einfallen wollen, weil sie nicht ansatzweise beschreiben können, was die Ohren vernommen haben. So viel Musikalität, Schönheit, Eleganz, Rührung, Schmelz, Leidenschaft, soviel Hochgenuss innerhalb von
3 1/2 Stunden erleben zu dürfen macht irgendwie demütig – und süchtig.

„Il Pomo d’Oro, Giulio Cesare in Egitto, Konzertante Aufführung
Elbphilharmonie, 12. Februar 2026“
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Klaus Mäkelä und das Concertgebouw-Orchester lassen Bruckner in Hamburg strahlen!

Royal Concertgebouw Orchestra, Klaus Mäkelä © Sophie Wolter

„Meist weiß das Große nicht, daß es groß ist, daher die höchsten Künstler die lieblichste, kindlichste Naivität haben und dem Ideale gegenüber, das sie immer leuchten sehen, stets demütig sind“, so Adalbert Stifter. Das Zitat lässt sich offenbar gut auf Anton Bruckner beziehen, dessen 8. Symphonie am 11. Februar 2026 im Großen Saal der Hamburger Elbphilharmonie erklang. Das Koninglijk Concertgebouworkest, international auch als Royal Concertgebouw Orchestra firmierend, gab unter seinem designierten Chefdirigenten Klaus Mäkelä einen Bruckner, mit dem man alles assoziieren konnte, nur nicht Naivität.

Anton Bruckner, Symphonie Nr. 8 c-Moll

Klaus Mäkelä, Dirigent
Koninglijk Concertgebouworkest

Elbphilharmonie, Hamburg, 11. Februar 2026

von Dr. Andreas Ströbl

 Klischees können auch nerven

Ja, es wird oft bemüht, das Bülow-Zitat über Anton Bruckner, er sei „halb Trottel, halb Genie“. Sicher ist Bruckner oft unsicher, unterwürfig und etwas unbeholfen aufgetreten. Auch sein Dialekt, den er nie ablegte, wird gerne in Anekdoten zitiert – all dies wird auch im Hamburger Programmheft thematisiert. „Klaus Mäkelä, Dirigent, Koninglijk Concertgebouworkest
Elbphilharmonie, Hamburg, 11. Februar 2026“
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Strauss mit viel Saus: Die Wiener Philharmoniker gastieren in Hamburg unter Daniel Harding

Daniel Harding © Stephan Rabold

Mit gleich zwei spektakulären Tondichtungen brachten die Wiener Philharmoniker ihren weltweit einzigartigen Strauss-Klang nach Hamburg und ernteten vor allem für die Zugabe stürmischen Applaus. Auch der dritte Don Juan der laufenden Elbphilharmonie-Spielzeit sorgte für einen begeisternden Musikabend an der Elbe!  

Elbphilharmonie, Hamburg, 20. Januar 2026

Wiener Philharmoniker
Daniel Harding, Dirigent

Werke von Richard Strauss und Joseph Haydn

von Johannes Karl Fischer

Bereits zum dritten Mal in dieser Spielzeit eröffnete Richard Strauss’ Don Juan einen Abend in der Elbphilharmonie. „Schon wieder Don Juan?“ Nein, dieser spektakuläre Orchesterschlager fegte die Konkurrenz vollkommen von der Bühne!

Auch der heimische Chefdirigent Alan Gilbert saß im Publikum. Kein Wunder, das war heute einer der mitreißendsten Musikabende je an der Elbe. Fast schon wie ein Selbstläufer segelte der weltweit einzigartige Strauss-Klang der Wiener Philharmoniker durch die Ränge. Die luftigen Streichermelodien sprangen wie Schaum auf dem Bierglas zwischen sauber schallenden Trompeten empor. Konzertmeisterin Albena Danailova ließ die Musiker klangvoll und fast schon mühelos durch die sehr zahlreichen Probespielstellen dieses Orchesterhimalayas sausen. So muss es sein! „Wiener Philharmoniker, Daniel Harding, Dirigent
Elbphilharmonie, Hamburg, 20. Januar 2026“
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