Romana Amerling: „Nicht jeder Graf freut sich auf die Hochzeitsnacht…“, Teil II

Henry Love © Julia Wesely

Die Sopranistin Romana Amerling ist schockverliebt in Hilde Loewe (1895 – 1976) aka Henry Love – und hat der schillernden Wiener Komponistin ein ganzes Album gewidmet. Im zweiten Teil unseres Interviews wurde es frivol, es ging um einen unwilligen Grafen. Außerdem haben wir über One-Hit-Wonder, den Fensterputzer von Monte-Carlo und Conchita Wurst gesprochen. Denn wenn man so will, haben Hilde Loewe und Conchita Wurst etwas gemeinsam.

Jörn Schmidt im Gespräch mit Romana Amerling (Teil 2)

klassik-begeistert: Gehen Sie gerne ins Kino, sind Sie so auf Hilde Loewe aufmerksam geworden?

[Anm. Jörn Schmidt: Loewes Chanson „Das Alte Lied“ hat Eingang in den Kino-Klassiker „Der dritte Mann“ gefunden]

Romana Amerling: Mir war Hilde Loewe unbekannt, bis ich im April 2025 im Wien Museum war. Dort bin ich auf ihren Evergreen „Das Alte Lied“ aufmerksam geworden und war schockverliebt… Sodass ich mich gefragt habe, ob das wirklich nur ein One-Hit-Wonder war. „Interview: kb im Gespräch mit Romana Amerling, Sopranistin, Teil II
klassik-begeistert.de, 21. Februar 2026“
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Blaues Auge? Als ich zu Romana Amerling sagte, Wiener Chanson sei doch nur ein besserer Schlager… Teil I

Romana Amerling © Julia Wesely 

Der Hit „Das Alte Lied“ wurde von Hildegard Knef, Marlene Dietrich und Richard Tauber aufgenommen und fand Eingang in den Kino-Klassiker „Der dritte Mann“. Die weiteren Chansons der Wienerin Hilde Loewe
(1895 – 1976) aka Henry Love sind weitgehend unbekannt. Das soll sich jetzt ändern. Die Sopranistin und Schatzsucherin Romana Amerling hat 31 Chansons von Hilde Loewe auf CD gebannt – und mir die spannende Geschichte der jüdischen Pianistin und Komponistin erzählt.  

Jörn Schmidt im Gespräch mit Romana Amerling, Teil 1

klassik-begeistert: Unter Opernliebhabern wird leidenschaftlich gestritten –  „Prima la musica, dopo le parole“ [Anm. Jörn Schmidt: Erst die Musik und dann die Worte] In welchem Lager stehen Sie? Als Opernsängerin sind Sie natürlich Team Parole,  nehme ich an…

Romana Amerling: Da liegen Sie ziemlich falsch. Beides ist wichtig, hören Sie sich nur den Rosenkavalier von Richard Strauss an… Beim Belcanto dagegen hat das Wort vielleicht weniger Gewicht als bei Strauss und Hugo von Hofmannsthal. „Interview: kb im Gespräch mit Romana Amerling, Sopranistin, Teil I
klassik-begeistert.de, 20. Februar 2026“
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Werkstattgespräch: Mendelssohn, Bruckner und die Kunst der Interpretation, Teil III

Marek Janowski (links im Bild) und kb-Autor Dirk Schauß© Diana Hillesheim

 

Im letzten Teil wird das Gespräch mit Marek Janowski konkret und intim: Es geht um einzelne Werke, um interpretatorische Entscheidungen, um den berühmten Beckenschlag in Bruckners Siebter, um Mendelssohns „Schottische“ und Schumanns „Rheinische“.

Janowski öffnet seine musikalische Werkstatt, spricht über die Arbeit mit dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester, über Probenarbeit und Klangbalance, über Tempo und Phrasierung. Und er wird überraschend persönlich: Seine Distanz zu Mahlers Schumann-Bearbeitungen ist ebenso deutlich wie seine Verehrung für Puccini, seine Zurückhaltung gegenüber Schostakowitsch ebenso spürbar wie seine Liebe zu Bruckner. Ein Werkstattgespräch, das den Dirigenten als Handwerker, Künstler und kompromisslosen Interpreten zeigt – bis zur letzten, melancholischen Frage nach unerfüllten Wünschen.

klassik-begeistert: Sehen Sie Mendelssohns dritte Symphonie als absolute Musik oder eher programmatisch?

Marek Janowski: Für mich ist es überhaupt keine Programm-Musik, sondern absolute Musik.

Ein solch wunderbares Scherzo und dann dieser herrliche, langsame Satz.

Der letzte Satz ist nicht ganz so auf dem hohen Niveau, aber speziell die beiden Mittel-Sätze sind für mich absolute frühromantische Meisterwerke. „Interview: kb im Gespräch mit Marek Janowski, Dirigent, Teil III
klassik-begeistert.de, 19. Februar 2026“
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Marek Janowski: Klang, Identität und Wandel – die globalisierte Orchesterlandschaft, Teil II

 

Die Musik hat sich verändert, und Marek Janowski hat es mit wachem Ohr verfolgt. Im zweiten Teil des Gesprächs wendet sich der Blick auf die tiefgreifenden Veränderungen in der Orchesterlandschaft: den Verlust individueller Klangidentitäten durch Globalisierung, das Verschwinden nationaler Spieltraditionen, die Herausforderung, als Dirigent mit unterschiedlichen Klangkulturen umzugehen.

„Interview: kb im Gespräch mit Marek Janowski, Dirigent, Teil II
klassik-begeistert.de, 18. Februar 2026“
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Marek Janowski: Der Abschied – eine bewusste Entscheidung, Teil I

Foto © Diana Hillesheim

Fast auf den Tag genau zwei Jahre später – im Januar 2026, wie schon im Januar 2024 – trafen sich Dirk Schauß und Marek Janowski, Dirigent und ehemaliger Musikgeneraldirektor,  wieder im Proberaum des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters. Die Atmosphäre war vertraut: die gleichen Wände, das gleiche Licht, dieselbe konzentrierte Arbeitsstimmung, die Janowski so schätzt.

Beim ersten Gespräch vor zwei Jahren hatte der Dirigent am Ende mit seinem typischen, trockenen Humor gesagt: „Herr Schauß, ich kenne Sie jetzt – und sollte ich noch einmal nach Frankfurt kommen, dann machen wir noch ein Interview. Aber länger!“

Und so geschah es am 14. Januar 2026, im Orchesterprobenraum der Oper Frankfurt anlässlich des fünften Museumskonzertes.

Marek Janowski spricht Klartext: Warum er 2026 den Taktstock niederlegen will

von Dirk Schauß

Diesmal war das Gespräch tatsächlich deutlich ausführlicher, persönlicher und in manchen Momenten auch nachdenklicher. Im Zentrum stand Marek Janowskis bewusste Entscheidung, Ende Dezember 2026 die Dirigentenlaufbahn endgültig zu beenden – ein Abschied, den er mit großer Klarheit, aber auch mit einer leisen Melancholie plant. „Interview: kb im Gespräch mit Marek Janowski, Dirigent, Teil I
klassik-begeistert.de, 17. Februar 2026“
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Maestro Carlo Goldstein errechnet, wie viel Prozent Wagner in La Traviata steckt, Teil II

CANTIERE INTERNAZIONALE D’ARTE CAVALLERIA RUSTICANA
Montepulciano, 11 Luglio 2025 ©️ Irene Trancossi

In Hamburg dirigiert Carlo Goldstein aktuell die Wiederaufnahme von La Traviata. Ich habe mit dem italienischen Dirigenten in der Hamburgischen Staatsoper über Giuseppe Verdi gesprochen: Warum hat der Komponist keine ausgewachsene Symphonie hinterlassen?  Welche jahrzehntelange tragische Vorgeschichte  hatte sein Meisterwerk Falstaff? Außerdem hat Carlo Goldstein exakt bestimmt, wie viel Prozent Wagner in La Traviata steckt…

Jörn Schmidt im Gespräch mit Carlo Goldstein (Teil 2)

klassik-begeistert: Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg pflegt einen typisch Deutschen Klang. Die Hamburger können aber auch Italianità. Ist das der Globalisierung zu verdanken?

Carlo Goldstein: Das ist ein Aspekt, aber ich würde weiter zurückgehen. Die italienische Oper hatte immer schon eine zweite Heimat in Deutschland und natürlich auch hier in Hamburg. „Interview: kb im Gespräch mit Maestro Carlo Goldstein, Teil II
klassik-begeistert.de, 8. Februar 2026“
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Maestro Carlo Goldstein singt und spricht über Adriano Celentano, Teil I

CANTIERE INTERNAZIONALE D’ARTE CAVALLERIA RUSTICANA
Montepulciano, 11 Luglio 2025 © Irene Trancossi

In Hamburg dirigiert  der Italiener Carlo Goldstein aktuell die Wiederaufnahme von La Traviata. Ich habe mit Maestro Goldstein über Adriano Celentano und Feminismus gesprochen.  Außerdem ging es um die Wagner-Pläne des Hamburger Generalmusikdirektors Omer Meir Wellber. Die Antworten sind überraschend… Lesen Sie bitte selber.

Jörn Schmidt im Gespräch mit Carlo Goldstein (Teil 1) 


klassik-begeistert:
  Was heißt „Prisencolinensinainciusol“ auf Deutsch?

[Anm. Jörn Schmidt: „Prisencolinensinainciusol“ ist ein Song von Adriano Celentano aus dem Jahr 1972 und gilt als Vorläufer des Rap. Böse Zungen behaupten, der Titel klinge so, als wenn Neapolitaner Englisch sprechen würden… Tatsächlich soll der Song zeigen, wie gut Sprache ohne Sinn funktionieren kann – zumindest in der Musik]

Carlo Goldstein: Das ist aus einem Song von Celentano, sagen Sie? Reinstes Kauderwelsch ist das, aber gut gemacht… im Grunde ist das die moderne Version der Commedia dell’arte, des Stegreiftheaters. Neben den Masken war eine Kunstsprache wichtiger Bestandteil – der „Grammelot“, ein expressives Geplapper, das trotz fehlender Wortsinnhaftigkeit verstanden wurde. „Interview: kb im Gespräch mit Maestro Carlo Goldstein, Teil I
klassik-begeistert.de, 7. Februar 2026“
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„Ich finde, dass es hier eine ganz tolle Qualität gibt!“

Philipp Himmelmann © Armin Bardel

Interview mit dem Regisseur Philipp Himmelmann in Lübeck

Philipp Himmelmann, geboren 1962, studierte Gesang und Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg und Gesang an der Guildhall School of Music in London. Der gefragte Regisseur inszenierte an zahlreichen großen Häusern und Festspielen, wie Bregenz (Opern- und James Bond-Fans erinnern sich an das Bühnenbild mit dem riesigen Auge), Luzern, Wien, St. Margarethen, Rouen, Nancy, Saarbrücken, Braunschweig, Essen, Baden-Baden, Düsseldorf, Berlin und Hannover. Er arbeitete mit namhaften Dirigenten zusammen, u.a. Simon Rattle, Marco Armiliato, Ádám Fischer, Marcello Viotti, Fabio Luisi, Daniele Gatti, Marc Albrecht, Christian Thielemann, Massimo Zanetti, Reinhard Goebel und Iván Fischer.

Nun inszeniert er „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach, nach „Carmen“ zum Ende der vergangenen Spielzeit, am Theater Lübeck. Der sympathische Regisseur war gerne für ein Gespräch mit
„klassik-begeistert“ bereit.

Das Interview führten Dr. Regina und Dr. Andreas Ströbl.

„Die Partitur wird, egal, was die Regie damit macht, immer überleben“

klassik-begeistert: Zunächst nochmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Lübecker „Carmen“, derzeit als Wiederaufnahme zu erleben, die durch ihre stark entschlackte Reduktion auf einen Krimi mit einem Femizid als Zentralthema die Zuschauer begeistert und soghaft in ihren Bann zieht (https://klassik-begeistert.de/georges-bizet-carmen-theater-luebeck-3-juli-2025/). Es gibt keinen Kinderchor, keine Klischee-Folklore, das funktioniert ganz großartig, nicht zuletzt aufgrund der psychologischen Feinzeichnung des Täters. Aber, so naiv die Frage klingt, wie weit darf ein Regisseur gehen? Darf er einfach machen, was er will, oder gibt es eine innere Grenze, bevor das Werk vollständig verlorengeht? „Interview: kb im Gespräch mit dem Regisseur Philipp Himmelmann
Theater Lübeck, 21. Januar 2026“
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Ein Gesang, der Barrieren überwindet

ART’N’VOICES während des Auftritts in der Elbphilharmonie, v.l.: Marta Jundziłł, Anna Rocławska-Musiałczyk, Małgorzata Priebe © Marcus Hartelt (Dresden)

Jolanta Łada-Zielke im Gespräch mit Anna Rocławska-Musiałczyk und Szymon Duraj – Mitglieder des polnischen Ensembles ART’N’VOICES

klassik-begeistert: Was hat Ihr Ensemble in den 15 Jahren seines Bestehens zusammengehalten?

Anna Rocławska-Musiałczyk: In diesen 15 Jahren haben viele Sänger unser Ensemble durchlaufen, aber seit 2022/2023 haben wir eine feste Besetzung, mit der wir einen optimalen Klang erreichen konnten. Uns verbindet auch, dass wir alle musikalisch in die gleiche Richtung schauen, was sich in all unseren Projekten widerspiegelt: Alben, Tourneen und Konzerte. „Interview: kb im Gespräch mit ART’N’VOICES
klassik-begeistert.de, 17. Dezember 2025“
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Sabine Weyer: Bei Brahms fließt die Cellostimme sehr gut, er war einfach ein musikalisches Genie

Sabine Weyer und Dimitri Maslennikov © Vitùc 

Die preisgekrönte luxemburgische Pianistin Sabine Weyer gehört zu den wichtigsten Musikerinnen ihrer Generation und spielte in ihrer jungen Karriere bereits auf Bühnen wie die Berliner Philharmonie, das Wiener Konzerthaus und die Royal Albert Hall.

Gemeinsam mit dem Cellisten Dimitri Maslennikov, dessen Einspielung der Schostakowitsch-Konzerte mit dem heutigen NDR Elbphilharmonie Orchester für Aufsehen sorgte, debütierte sie am Montag in der Hamburger Laeiszhalle. In unserem Interview sprachen wir über Cellosonaten, leere Konzertsäle und natürlich den Hamburger Komponisten Johannes Brahms.

Johannes Karl Fischer im Gespräch mit Sabine Weyer und Dimitri Maslennikov

klassik-begeistert: Frau Weyer, Herr Maslennikov, Sie spielen morgen in der Hamburger Laeiszhalle ein Konzert mit dem Titel “The Brahms connection.” Was macht es für Sie besonders, Brahms in Hamburg zu spielen?

Sabine Weyer: Ich habe in der Laeiszhalle noch nie gespielt, allein deswegen ist das für mich ein ganz besonderer Anlass! Ich habe gehört, auch der kleine Saal soll sehr schön sein und eine sehr gute Akustik haben. Aber ich war noch nie dort, ich bin sehr gespannt, diesen Saal kennenzulernen. „Interview: kb im Gespräch mit Sabine Weyer und Dimitri Maslennikov
klassik-begeistert.de, 25. November 2025“
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