Anna Hüdepohl: „Das Akkordeon ist ein sehr geselliges Instrument“, Teil I    

© Anna Hüdepohl, Foto: Helle Thede Johansen

Die aus Schleswig-Holstein stammende Akkordeonistin Anna Hüdepohl studierte klassisches Akkordeon in Aarhus, schloss ihr Studium 2006 mit dem Solistenexamen ab und lebt seitdem auf den Färöern im Nordatlantik. Neben ihrer Tätigkeit als Akkordeonlehrerin ist sie auch als Musikerin aktiv und veröffentlichte mehrere Alben. Im ersten Teil unseres Interviews spricht sie über den Unterricht an der färöischen Musikschule, Kettentanz und natürlich über ihr Album mit klassischer Musik für Akkordeon und Violine.   

Johannes Karl Fischer im Interview mit Anna Hüdepohl  

klassik-begeistert: Frau Hüdepohl, Sie sind Akkordeonistin und leben auf den Färöern. Was hat sie dorthin gezogen?

Anna Hüdepohl: Ich bin immer der Musik gefolgt – erst zog es mich nach Dänemark, um an der Musikhochschule in Aarhus klassisches Akkordeon zu studieren. Dort wurde ich 2004 Diplommusiklehrerin und habe dann noch zwei Jahre lang die Solistenklasse besucht, die ich 2006 abschloss.  Ich hatte immer ein festes Ziel vor Augen – ich wollte unbedingt von meiner Ausbildung leben und damit meinen Lebensunterhalt verdienen. „kb im Gespräch mit Anna Hüdepohl Akkordeonistin, Teil I
klassik-begeistert.de, 2. August 2026“
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Pēteris Vasks ist auf Sylt und spricht über Freiheit

Pēteris Vasks © Melanie Gomez

Hochkultur ist wieder auf der Insel, vom 25. bis 30. Juli 2026 findet die 14. Ausgabe des großartigen Kammermusikfest Sylt statt. Dieses Jahr ist Thema die Welt der Kindheit, die uns als Erwachsene nie ganz loslässt. Es geht aber auch um Freiheit, Composer in Residence ist Pēteris Vasks.

Die Sehnsucht nach Freiheit und Wahrheit ist für Vasks Herzensangelegenheit und zentraler Leitgedanke seines Wirkens als Komponist. Kein Wunder also, dass der Lette seinen 80. Geburtstag auf Sylt feiert – im Gepäck ein Auftragswerk, das er für das Kammermusikfest Sylt und das Niederländische Stift-Festival geschrieben hat („Geschichten aus Kindertagen“). Denn Sylt ist auch bekannt für seine Freiheitskämpfer. Zuvörderst zu nennen ist der in Keitum geborene Jurist Uwe Jens Lornsen (1793–1838). Ebenso berühmt ist Pidder Lüng. Der ist indes eine fiktive Figur, bekannt aus der gleichnamigen Ballade von Detlev von Liliencron aus dem Jahr 1892. Von Lüng stammt der friesische Wahlspruch: „Lewwer duad üs Slaaw!“  – Lieber tot als Sklave! Auch wenn historisch vereinnahmt (die Nationalisten haben ihn gebraucht, in der DDR war Pidder Lüng Schulbuchlektüre) gilt dieser Spruch vielen Nordfriesen heute als traditionelles Symbol für Unabhängigkeit. Also habe ich während der Generalproben zur Uraufführung mit Pēteris Vasks über Freiheit gesprochen. Außerdem über seine Lieblingsoper, Melancholie und heitere Episoden.

Jörn Schmidt im Gespräch mit Pēteris Vasks

klassik-begeistert: Die 12-Ton-Musik (Zwölftontechnik) auferlegt einem Komponisten allerhand Regeln, allein deren mathematisch-kombinatorischen Prinzipien … Ihre wichtigste Inspirationsquelle als Komponist ist die Natur. Vorausgeschickt, dass Natur für Sie Freiheit ist – verträgt sich das mit Regeln?

Pēteris Vasks: Das ist tatsächlich einer der Gründe, warum ich beim Komponieren keinen Regeln folge …

„Interview: Pēteris Vasks, Komponist
Kammermusikfest Sylt 25. bis 30. Juli 2026“
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Nach unserem Gespräch öffnete Maestro John Axelrod eine Flasche Dradara Black Maiden Fanteasca Neagra …

AXELROD Portrait HD (c) Istvan Kohan

Der Dirigent John Axelrod ist ein Universalgelehrter – u.a. ist er auch Weinkenner, Komponist, Philanthrop und Autor. Ich wollte wissen, wie er Entscheidungen trifft, was sein Lieblingswein ist und wie er über Kollegen denkt. Außerdem verrät Maestro Axelrod, was ihm Leonard Bernstein und Christoph Eschenbach mit auf den Weg gegeben haben. Tournedos Rossini waren auch ein Thema.

 

Jörn Schmidt im Gespräch mit John Axelrod „Interview John Axelrod, Teil II
klassik-begeistert.de, 16. Juli 2026“
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Maestro John Axelrod spricht über Wein, Parmigiana di melanzane und Gustav Mahlers Opern

Maestro John Axelrod über Wein, Parmigiana di melanzane und Gustav Mahlers Opern

AXELROD Portrait HD (c) Istvan Kohan

Marc Cohn ist ein US-amerikanischer Singer-Songwriter, weltbekannt durch seinen Grammy-prämierten Hit „Walking in Memphis“. Wer hat ihn entdeckt? Der Dirigent John Axelrod, Schüler des große Leonard Bernstein – seinerzeit noch Talentscout bei Atlantic Records. Maestro Axelrod war auch Weinhändler, Weinliebhaber ist er immer noch. Außerdem Komponist, Philanthrop und Autor. Ich würde sagen: Ein Universalgelehrter, der weiß, was gut ist. Also haben wir über die guten Dinge des Lebens gesprochen.

Jörn Schmidt im Gespräch mit John Axelrod „Interview John Axelrod
klassik-begeistert.de, 15. Juli 2026“
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Bei Ksenija Sidorova in Therapie …

Ksenija Sidorova © Benne Ochs

Als kleiner Junge war ich mit meiner Mutter bei einem Auftritt des Sylter Shanty Chor, einige der – aus meiner seinerzeitigen Perspektive – doch schon recht alten Männer in maritimer Kleidung haben Akkordeon gespielt. Meine Mutter hat mich früh für Musik zu begeistern vermocht – ich danke Dir dafür sehr herzlich! Aber Männer mit grauem Bart und Akkordeon – da wollte ich einfach nur schnell weg. Das Unbehagen, das diese seltsamen Quetschkommoden in mir ausgelöst haben, war nicht unbedingt traumatisch – trotzdem habe ich mir jetzt, nach all den Jahren, jemanden gesucht, mit dem ich darüber sprechen konnte:  Ksenija Sidorova, gefeierte lettische Akkordeon-Virtuosin und Porträtkünstlerin des Schleswig-Holstein Musik Festivals 2026 (SHMF – 4. Juli – 30. August 2026).

Am 4. Juli präsentiert sie in der Elbphilharmonie die Uraufführung eines Konzerts, das eigens für sie entstanden ist, komponiert von Fazıl Say.

Jörn Schmidt im Gespräch mit Ksenija Sidorova

klassik-begeistert:  Was ist damals auf Sylt schiefgelaufen?

Ksenija Sidorova: [greift den Scherz sofort auf und lacht herzlich] Das kann ich mir gar nicht vorstellen, dass Sie da weggerannt sind … Vielleicht waren die Instrumente nicht so gut gestimmt. Oder sie mögen einfach keine Shantys …So oder so ist das Akkordeon ein sehr zugewandtes Instrument, das man nicht fürchten muss. Gerade die modernen Instrumente haben eine wunderbare Klangkultur. Hält Ihr Unbehagen denn an oder hat es sich über die Jahre gelegt? „Interview: Ksenija Sidorova, lettische Akkordeon-Virtuosin
Schleswig-Holstein Musik Festivals 2026“
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„In einem kleinen Kammerkonzert erlebt man viel mehr als in einem großen Saal“, Teil II

Artem Yasynskyy © Anita Wąsik

Artem Yasynskyy gehört zu den begeisterndsten Pianisten seiner Generation, insbesondere durch seine Fusion seiner gefeierten Interpretationen klassischer Werke mit Improvisationen. Er ist Preisträger zahlreicher internationaler Wettbewerbe und widmet sich neben dem Solorepertoire auch intensiv der Kammermusik. Im zweiten Teil unseres Interviews sprechen wir über improvisierte Kadenzen, Partiturlesen und natürlich die Zukunft der klassischen Musik.

Johannes Karl Fischer im Gespräch mit Artem Yasynskyy

klassik-begeistert: Herr Yasynskyy, wir sprachen eben über Improvisation. In Wien ist das auch eine Jahrhunderte alte Tradition – Beethoven oder Mozart haben zum Beispiel Kadenzen fast nur improvisiert. Sollte man das wiederbeleben?

Artem Yasynskyy: Unbedingt! Es ist ohnehin sehr schwer eine Kadenz zum Beispiel im Stil Mozarts zu schreiben. Egal, wie gut man die schreibt, irgendwie merkt man immer, dass diese Noten nicht von Mozart kommen. Deswegen frage ich mich, ob man sowas nicht auf ganz eigene Weise schreiben oder spielen kann. Diese Tradition ging verloren, als man in der Klassik sämtliche Änderungen der Musik verboten hat. Es musste dann alles genau so ablaufen, wie die Komponisten es geschrieben hatten.  Das hat nicht nur Nachteile, sonst würden wir viele Werk wahrscheinlich nicht mehr so hören, wie wir das heute können. Aber andererseits ist es schade, dass die Improvisation komplett verloren gegangen ist. Aber sie wird ja zum Glück wiederbelebt … „Interview: Artem Yasynskyy, Pianist, Teil II
klassik-begeistert.de, 23. Juni 2026“
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Yasynskyy: „Ich habe vor dem Philharmonikerball auch ein bisschen tanzen geübt“, Teil I

Artem Yasynskyy © Inna Kravchenko

Artem Yasynskyy gehört zu den begeisterndsten Pianisten seiner Generation, insbesondere durch seine Fusion seiner gefeierten Interpretationen klassischer Werke mit Improvisationen. Er ist Preisträger zahlreicher internationaler Wettbewerbe und widmet sich neben dem Solorepertoire auch intensiv der Kammermusik. Im Januar spielte er beim Ball der Wiener Philharmoniker, über den wir im ersten Teil unseres Interviews sprechen.

Johannes Karl Fischer im Gespräch mit Artem Yasynskyy

klassik-begeistert: Lieber Herr Yasynskyy, Sie haben im Januar beim Philharmonikerball, ein in Wien ja sehr besonderer Anlass, gespielt. Wie war es für Sie, dort zu spielen?

Artem Yasynskyy: Unglaublich, weil es war mein erstes Mal und ich war besonders von der Akustik und den Orchesterklängen wirklich fasziniert. Und natürlich von der feierlichen Atmosphäre, die Blumen und das Ambiente, das fehlt in normalen Sälen. Ich war sehr berührt und bin sehr froh, dass ich da spielen durfte. Die Leute, die das organisieren, sind unglaublich herzlich und nett. Es war ein bisschen wie eine unendliche Feier.

„Interview: Artem Yasynskyy, Pianist, Teil I
klassik-begeistert.de, 22. Juni 2026“
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„Hoffmanns Erzählungen“ begeistert mit einer phantastischen Dernière

© Theater Lübeck – Olaf Malzahn

„Es lebe der Rausch und der Wahnsinn!“ 

Was für ein berauschendes Erlebnis, wenn schon die Premiere großartig war, und dann in der Dernière alle noch etwas drauflegen! Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ am Theater Lübeck ist vom eisigen Januar bis zum Fast-Mittsommer beachtlich gereift – und wurde zu Recht stürmisch gefeiert!

Jacques Offenbach
„Hoffmanns Erzählungen“
(„Les contes d’Hoffmann“)

Konstantinos Klironomos,  Tenor
Frederike Schulten,  Mezzosopran
Jacob Scharfman,  Bariton
Wonjun Kim,  Tenor
Sophie Naubert,  Sopran
Andrea Stadel,  Sopran
Aditi Smeets,  Sopran
Delia Bacher,  Mezzosopran
Changjun Lee,  Bass
Tomasz Mýsliwiec,  Tenor
Viktor Aksentijević,  Bariton

Takahiro Nagasaki,  Dirigent

Philipp Himmelmann,  Inszenierung

Chor und Extrachor des Theaters Lübeck
Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck

Theater Lübeck, 18. Juni 2026 (Premiere am 31. Januar 2026)

von Dr. Andreas Ströbl

Es geht immer noch leidenschaftlicher, kraftvoller, wahnsinniger!

Geradezu glücklich und zu Recht stolz auf ihre Leistungen erschienen die Solisten des Lübecker „Hoffmann“ nach der letzten Vorstellung am 18. Juni 2026 im Jugendstiltheater der Hansestadt. Seit der Premiere am 31. Januar (https://klassik-begeistert.de/jacques-offenbach-hoffmanns-erzaehlungen-theater-luebeck-premiere-31-januar-2026/) hat sich die Produktion qualitativ enorm gesteigert.

„Jacques Offenbach, Hoffmanns Erzählungen
Theater Lübeck, 18. Juni 2026“
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„Man merkt oft erst, was man vermisst, wenn man lange weg ist“

Sopranistin Petra Radulović

Zwischen Opernbühne und Heimat:
Ein Mittagessen mit Sopranistin Petra Radulović

Als ich mich vor einigen Tagen mit der Sopranistin Petra Radulović im Restaurant an der berühmten Verige-Passage in Montenegro traf, stand zunächst etwas ganz anderes im Mittelpunkt als Oper oder Karriere: Meeresfrüchte.

„Endlich wieder richtig gute und frische Calamari“, sagte sie mit einem Lächeln, als das Essen serviert wurde. Wer die vergangenen Jahre überwiegend zwischen Wien, Deutschland und verschiedenen Gastspielorten in Europa unterwegs war, lernt offenbar die einfachen Dinge der Heimat wieder neu zu schätzen. Frischer Fisch, ein Tisch direkt am Wasser und der Blick auf die viel gerühmte Bucht von Kotor gehören dazu.

von Marc Rohde

„Interview: Petra Radulović, Sopranistin
klassik-begeistert.de, 16. Juni 2026“
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Pablo Heras-Casado: „Wagner steht näher zu Monteverdi als zu Puccini“

Pablo Heras-Casado © Javier Salas

Der spanische Dirigent Pablo Heras-Casado über seinen Wiener Ring, die Macht der Stille und Balance im Orchestergraben.

von Jürgen Pathy

Ich treffe Pablo Heras-Casado im Besprechungszimmer der Wiener Staatsoper. Die Büros haben sich um diese Uhrzeit bereits weitgehend geleert. Kurz nach 18 Uhr öffnet sich in der Ferne eine Tür. Aus dem langen Gang kommt der Spanier auf mich zu, während er aus der Ferne schon freundlich winkt. „Sorry, I don’t like being late.“

„Interview: kb im Gespräch mit Pablo Heras-Casado, Dirigent
Wiener Staatsoper, 11. Juni 2026“
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