„Ich bin glücklich!“ – Interview mit dem Regisseur Dietrich Hilsdorf in Lübeck

Foto: Dietrich Hilsdorf Photo Andreas Ströbl

Dietrich Hilsdorf, geboren 1948, kann auf über 100 Inszenierungen in den Sparten Schauspiel, Oper und Musical sowohl im ganzen Bundesgebiet, aber auch in Catania und Wien zurückblicken. Mit „Jekyll and Hyde“ am Musical Theater Bremen wurde er 1999 Musical-Regisseur des Jahres. Der Deutsche Theaterpreis „Der Faust“ wurde ihm 2007 für Prokofjews „Die Liebe zu den drei Orangen“ an der Oper Chemnitz in der Kategorie „Beste Regie Musiktheater“ verliehen. Mit großem Erfolg inszenierte Hilsdorf Opern von Händel, Mozart und Verdi.

Giacomo Puccinis „Tosca“ ist seine erste Produktion am Theater Lübeck. Dietrich Hilsdorf war gerne für ein Gespräch mit „klassik-begeistert“ bereit.

Das Interview führten Dr. Regina und Dr. Andreas Ströbl.

klassik-begeistert: Lieber Herr Hilsdorf, inszeniert man die Tosca zu diesen Zeiten mit all den testosterongesteuerten Imperialisten und Neofaschisten, scheint sich eine Aktualisierung geradezu aufzudrängen. Greifen Sie in Ihrer Produktion aktuelle Themen auf? Wann spielt Ihre Tosca?

Dietrich Hilsdorf: Sie spielt da, wann und wo sie spielt, nämlich am 17. und 18. Juni 1800 in Rom. Das schreiben wir auch am Anfang groß drüber. Wir fangen an um 11:52 Uhr, in der Kirche Sant´Andrea. Die ist ja als Ort auch beschrieben und man kann sie auch heute noch besuchen, wie die anderen beiden Spielorte der Oper. „Interview: kb im Gespräch mit Dietrich Hilsdorf, Regisseur
Theater Lübeck, 8. Juni 2026“
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Susanne Zingel, Pastorin an St. Severin (Sylt): „Nach Katastrophen muss religiöser Glaube neu buchstabiert werden"

Pastorin Susanne Zingel © Claudia Kleemann

St. Severin  in Keitum auf Sylt ist eine kleine Berühmtheit.  Auch, weil dort schon viele Prominente geheiratet haben. Mit dem Klischee der Promi-Kirche bin ich nicht ganz einverstanden. Ich bin daher in die Kirche gegangen und habe mit den Verantwortlichen dazu gesprochen. Themen waren außerdem De grote Mandränke, Religion, leere Kirchen und Opernhäuser, Sylt, Matthias Eisenberg und natürlich Kirchenmusik.

Jörn Schmidt im Gespräch mit Pastorin Susanne Zingel und Kirchenmusiker Alexander Ivanov (Teil II)

klassik-begeistert: Haben Promi-Hochzeiten St. Severin so bekannt gemacht – oder gibt es weitere Gründe?

Susanne Zingel: Auch prominente Menschen heiraten. Die Gründe warum einige, das in St. Severin getan haben, sind ganz individuell. Für uns ist es nichts Besonderes, denn „prominent“ bedeutet dem Wortsinn nach „aus der Menge herausragend“. Hier in der Kirche feiern wir, dass bei Gott jeder Mensch prominent ist und jedes Brautpaar bestätigt die wunderbare Einmaligkeit des geliebten Partners. Bekannt ist St. Severin, weil wir das treu und zuverlässig für Insulaner und sehr viele Gäste möglich machen. Zu jedem Gottesdienst kommen Menschen, die hier geheiratet haben, Kinder, die hier getauft wurden und wir haben Zeit, sich daran zu erinnern. Ich spüre darin eine Sehnsucht, Teil einer größeren Geschichte zu sein. „Interview: Pastorin Susanne Zingel/Kirchenmusiker Alexander Ivanov (Teil II)
St. Severin, Sylt, Juni 2026“
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Alexander Ivanov, Organist an St. Severin (Sylt): „Stellen Sie sich vor, es hätte in Köthen eine Oper gegeben“

Alexander Ivanov © st.-severin.de

Wenn als Insulaner unterwegs auf dem Festland, werde ich häufig auf Sylt angesprochen. Öfter als man denkt ist St. Severin Thema, die Kirche der Keitumer. Ich bin dann  immer ein wenig verblüfft, denn es geht in den Gesprächen nicht um Religion oder die Geschichte der wunderschönen Kirche, sondern um die Kirche als Eventlocation. Klar, u.a. haben Christian Lindner (FDP) und Franca Lehfeldt dort geheiratet. Die Liste der Prominenten ließe sich fortsetzen. St. Severin ist indes viel mehr. Insbesondere gibt es dort Kirchenmusik vom Feinsten – mit dem Keitumer Kirchenmusiker, dem großartigen Organisten Alexander Ivanov,  dem phantastischen Countertenor Dmitry Egorov und vielen fabelhaften Gästen.

Jörn Schmidt im Gespräch mit Pastorin Susanne Zingel und Kirchenmusiker Alexander Ivanov (Teil I)

klassik-begeistert:  Als Verkündigung im engeren Sinn wird die Predigt in einem Gottesdienst bezeichnet, vor allem im evangelischen Sprachgebrauch. Steht bei Wikipedia. Kein Wort zur Kirchenmusik. Da fehlt doch was?  „Interview: Pastorin Susanne Zingel/Kirchenmusiker Alexander Ivanov, Teil I
St. Severin, Sylt, Juni 2026“
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Kahchun Wong im Gespräch: Schostakowitsch, Mahler und zwei Orchesterwelten

Kahchun Wong © Dirk Schauß

Ein Dirigent ringt unentwegt um die Gunst der hundert Seelen auf dem Podium. Kahchun Wong, Chefdirigent des Japan Philharmonic Orchestra und des Hallé Orchestra in Manchester, gab kürzlich sein mit Spannung erwartetes Debüt beim hr-Sinfonieorchester in Frankfurt – mit einem anspruchsvollen reinen Schostakowitsch-Programm. Das Gespräch mit ihm und unserem Autor, Dirk Schauß, wurde zu einem bemerkenswert offenen und persönlichen Austausch, der tief in die musikalische Arbeit, die Psychologie von Orchestern und seine eigene künstlerische Entwicklung eintaucht.

Das Gespräch fand am 19. Mai 2026 statt und wurde in englischer Sprache geführt.

von Dirk Schauß

Debüt und Schostakowitsch in Frankfurt, Teil I

klassik-begeistert: Herr Wong, Sie dirigieren in diesen Tagen zum ersten Mal das hr-Sinfonieorchester. Wie ist Ihr erster Eindruck von den Frankfurtern?

Kahchun Wong: Das stimmt, es ist mein absolutes Debüt hier. Und ich muss sagen: Das ist ein verdammt gutes Orchester. Unglaublich diszipliniert und mit einer spürbaren Begeisterung bei der Sache. Wir haben heute den zweiten Probentag hinter uns. Schon am ersten Tag war ich beeindruckt, mit welcher Ernsthaftigkeit sich die Musiker einer so anspruchsvollen Partitur wie Schostakowitschs Fünfter Sinfonie nähern. Das hatte streckenweise die Präzision einer Studioaufnahme. Wir versuchen wirklich, in jeder Phrase den Kern der Musik freizulegen. Dass die Musiker so mikrofonerfahren sind, merkt man sofort an ihrer enormen Klangsensibilität. Es ist eine wahre Freude. Das werden zwei hervorragende Konzerte. „Interview: kb im Gespräch mit Kahchun Wong, Dirigent
klassik-begeistert.de, 3. Juni 2026“
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Wir fiebern unserem Auftritt in der Elbphilharmonie entgegen, Teil II

Das Hamburger Kammerballett: Nataliia Hurska, Valerii Liubenko, Viktoriia Miroshyna, Veronika Hordina, Alisa Nikitina, Vladyslav Bondar (Foto: Christina Gotz)

Interview mit Edvin Revazov, dem künstlerischen Leiter und der
Geschäftsführerin Isabelle Rohlfs vom Hamburger Kammerballett,
am 19. Mai 2026, Teil II

Bei der Uraufführung am 6. Juni 2026 handelt sich um ein abstraktes Ballett, welches von der Handlung her den wechselnden Jahreszeiten folgt. Im Mittelpunkt jeder Jahreszeit steht ein anderes Tanzpaar, welches sich während der vorüberziehenden Jahreszeiten noch einmal ihr vergangenes Leben vergegenwärtigt. Es handelt sich um Erinnerungsbilder des Lebens.

von Dr. Ralf Wegner

klassik-begeistert: Frau Rohlfs, Die Möglichkeiten für ein Handlungsballett wie Lulu mit nur wenigen Tänzerinnen und Tänzern sind natürlich begrenzt. Wie sieht es denn mit einer Vergrößerung des Ensembles aus? „Edvin Revazov und GF Isabelle Rohlfs, Hamburger Kammerballett, Teil II
klassik-begeistert.de, 3. Juni 2026“
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Zwischen Göttlichkeit und Menschlichkeit

Fotos: NCPA / XIAOJING WANG / FEI FANG

Getong Feng im Gespräch mit Maida Hundeling über Brünnhilde und die NCPA-Produktion von Wagners Siegfried in Beijing

In diesem Jahr übernahm die deutsche Sopranistin Maida Hundeling in der NCPA-Produktion von Wagners Siegfried in Beijing die zentrale Rolle der Brünnhilde. Als eine der prägenden dramatischen Sopranistinnen auf den internationalen Wagner-Bühnen verleiht sie Brünnhilde eine gleichermaßen kraftvolle wie vielschichtige Gegenwärtigkeit.

Im Gespräch mit Getong Feng, Doktorandin der Neueren deutschen Literatur an der Ludwig-Maximilians-Universität München spricht Maida Hundeling über Brünnhildes Weg zwischen Göttlichkeit und Menschlichkeit, über Erinnerung, Angst und Liebe in Wagners Siegfried sowie über ihre Erfahrungen mit Wagner und Turandot in Peking.

klassik-begeistert: Könnten Sie uns erzählen, wie Sie Ihre Karriere begonnen haben?

Maida Hundeling: Ich habe als Kind im Kirchenchor angefangen zu singen, später dann im Jugendchor. Das hat mir immer große Freude gemacht. Schon damals hieß es oft, meine Stimme sei ungewöhnlich kräftig. Irgendwann kam dann der Vorschlag, Gesangsunterricht an der Musikschule in meiner Heimatstadt zu nehmen. Mein erster Lehrer war großartig. Er hat offenbar sehr früh erkannt, welches Potenzial in der Stimme steckt. Während der Ausbildung habe ich schon begonnen, Wagner-Arien auszuprobieren, unter anderem die Senta. „kb im Gespräch mit Maida Hundeling, Sopran
klassik-begeistert.de, 2. Juni 2026“
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Wenn niemand mehr zuhört – im Escape Room der Figuren

Foto © Tianye Dong

Ein Gespräch mit Prof. Manuela Uhl geführt von Getong Feng
zu Die Walküre im Rahmen von „Bayreuth in Shanghai“ (2026)

Von ihrer Interpretation der Sieglinde am National Centre for the Performing Arts im Jahr 2025 bis zu ihrem erneuten Verkörperung in Katharina Wagners Inszenierung von Die Walküre bei „Bayreuth in Shanghai“ im April 2026 setzt Prof. Manuela Uhl ihre intensive Auseinandersetzung mit dieser Figur fort. Dabei eröffnet sie zugleich neue Perspektiven auf die vielschichtigen Frauenfiguren in Wagners Ring-Zyklus und auf deren Bedeutung im Kontext des zeitgenössischen Regietheaters. „Interview: kb im Gespräch mit Prof. Manuela Uhl, Sopranistin
klassik-begeistert.de, 29. Mai“
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„Man soll nicht denken, dass eine 25-Jährige jetzt schon anfangen soll, Wagner zu kreischen“

Die Notenausgabe von Wagner-Arien

Ein „Must-Have“ für Sopranistinnen auf dem langen Weg zum Wagner-Singen

Richard Wagner, Arien für Sopran und Klavier,
herausgegeben von Petra Lang, unter der Mitarbeit von Adrian Baianu,
@ Schott Music GmbH & Co.KG, Mainz 2026

ISMN 979-0-001-16760-4

Bei der Veröffentlichung von Noten lohnt es sich, jemanden zu konsultieren, der diese Werke praktisch aufführt. Bei der Herausgabe einer Sammlung von Richard-Wagner-Arien für Sopran mit Klavierbegleitung hat der Schott-Verlag Petra Lang als Expertin um Mitarbeit gebeten. Die berühmte Wagner-Sopranistin erzählt im Gespräch mit Jolanta Łada-Zielke über die Entstehung dieses Albums, sowie dessen Inhalt und Zweck.

klassik-begeistert: Frau Lang, als wir das letzte Mal miteinander sprachen, bei den Bayreuther Festspielen 2022, haben Sie gerade beschlossen, sich der pädagogischen Tätigkeit zu widmen. Ist diese Sammlung der Wagner-Arien eine Folge dieser Entscheidung? „Interview: kb im Gespräch mit Petra Lang, Sopranistin
klassik-begeistert.de, 31. Mai 2026“
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John Neumeier hat uns tief geprägt

Anna Laudere und Edvin Revazov mit Hündchen Chaplin nach dem Interview im Ballettzentrum John Neumeier am 28. Mai 2026 (Foto: RW)

Interview mit Anna Laudere und Edvin Revazov, Erste Solisten beim Hamburg Ballett

 Als John (Neumeier) mich für die Kreation der Anna (Anna Karenina nach Tolstoi) benannte, fehlten mir die Worte. Ich war emotional sehr berührt und hatte Tränen in den Augen. Es war so schön, mit John über mehrere Monate diese Partie zu entwickeln. Es war ein unglaubliches Erlebnis. Ich habe nie an einen Wechsel gedacht, ich habe immer für John tanzen wollen.

 Edvin Revazov wurde 1983 in der Ukraine, in Sewastopol, geboren. Er wurde in Moskau und später in der Ballettschule des Hamburg Ballett zum Tänzer ausgebildet. 2003 wurde er in das Ensemble aufgenommen, seit 2007 tanzte er als Solist und seit 2010 als Erster Solist. Seit 2011 ist er auch als Choreograph tätig. 2023 gründete er zusammen mit Isabelle Rohlfs das Hamburger Kammerballett.

Anna Laudere wurde ebenfalls 1983 geboren, sie stammt aus dem lettischen Rigulda. Sie wurde in Riga und später an der Ballettschule des Hamburg Ballett ausgebildet. 2001 wurde sie in das Ensemble aufgenommen, 2008 zur Solistin und 2011 zur Ersten Solistin befördert.

Edvin Revazov und Anna Laudere sind seit 2012 verheiratet. Beide erhielten zahlreiche Preise wie u.a. 2007/2008 in Hamburg den Dr.-Wilhelm-Oberdörffer-Preis für Nachwuchskünstler und 2018 gemeinsam in Italien den international renommierten Premio Positano Léonide Massine.

von Dr. Ralf Wegner

klassik-begeistert: Liebe Frau Laudere, können Sie uns etwas über Ihren tänzerischen Werdegang berichten? Wie kamen Sie zum Ballett und was war der Anlass, an die Ballettschule des Hamburg Ballett zu gehen? „kb im Gespräch mit Anna Laudere und Edvin Revazov, Erste Solisten
Hamburgische Staatsoper, 29. Mai 2026“
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Festival junger Künstler Bayreuth: „Wir sind jetzt und hier da“

Prof. Fredrik Schwenk © Festival junger Künstler Bayreuth

Das Festival junger Künstler Bayreuth – die „Tochter“ der Richard-Wagner-Festspiele – steht im Jubiläumsjahr im Einklang mit dem Festspielhaus. 

Studierende der Musikstudiengänge aus verschiedenen Kulturkreisen treffen sich dieses Jahr in Bayreuth unter dem Motto RE:SONANZ, was „Zuhören, Antworten und Mitschwingen“ bedeutet. Dadurch sollen nicht nur künstlerische Inspirationen, sondern auch Vertrauen, Dialog und Friedensperspektiven entstehen. Das Programm umfasst vier große Projekte, darunter zwei in Zusammenarbeit mit den Bayreuther Festspielen. Über die Details spricht der künstlerische Leiter des Festivals, Prof. Fredrik Schwenk.

von Jolanta Łada-Zielke

klassik-begeistert: Das Wortspiel RE:SONANZ und die Begriffe „Mithören“ und „Mitschwingen“ kann man auf unterschiedliche Weise verstehen. Was ist die Hauptbedeutung dahinter? „Interview: RE:SONANZ Prof. Fredrik Schwenk, Bayreuth
Bayreuth, 27. Mai 2026“
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