Yasynskyy: „Ich habe vor dem Philharmonikerball auch ein bisschen tanzen geübt“, Teil I

Foto: Artem Yasynskyy (c) Inna Kravchenko

Artem Yasynskyy gehört zu den begeisterndsten Pianisten seiner Generation, insbesondere durch seine Fusion seiner gefeierten Interpretationen klassischer Werke mit Improvisationen. Er ist Preisträger zahlreicher internationaler Wettbewerbe und widmet sich neben dem Solorepertoire auch intensiv der Kammermusik. Im Januar spielte er beim Ball der Wiener Philharmoniker, über den wir im ersten Teil unseres Interviews sprechen.

Johannes Karl Fischer im Gespräch mit Artem Yasynskyy

klassik-begeistert: Lieber Herr Yasynskyy, Sie haben im Januar beim Philharmonikerball, ein in Wien ja sehr besonderer Anlass, gespielt. Wie war es für Sie, dort zu spielen?

Artem Yasynskyy: Unglaublich, weil es war mein erstes Mal und ich war besonders von der Akustik und den Orchesterklängen wirklich fasziniert. Und natürlich von der feierlichen Atmosphäre, die Blumen und das Ambiente, das fehlt in normalen Sälen. Ich war sehr berührt und bin sehr froh, dass ich da spielen durfte. Die Leute, die das organisieren, sind unglaublich herzlich und nett. Es war ein bisschen wie eine unendliche Feier.

„Interview: Artem Yasynskyy Pianist, Teil I
klassik-begeistert.de, 22. Juni 2026“
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„Hoffmanns Erzählungen“ begeistert mit einer phantastischen Dernière

© Theater Lübeck – Olaf Malzahn

„Es lebe der Rausch und der Wahnsinn!“ 

Was für ein berauschendes Erlebnis, wenn schon die Premiere großartig war, und dann in der Dernière alle noch etwas drauflegen! Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ am Theater Lübeck ist vom eisigen Januar bis zum Fast-Mittsommer beachtlich gereift – und wurde zu Recht stürmisch gefeiert!

Jacques Offenbach
„Hoffmanns Erzählungen“
(„Les contes d’Hoffmann“)

Konstantinos Klironomos,  Tenor
Frederike Schulten,  Mezzosopran
Jacob Scharfman,  Bariton
Wonjun Kim,  Tenor
Sophie Naubert,  Sopran
Andrea Stadel,  Sopran
Aditi Smeets,  Sopran
Delia Bacher,  Mezzosopran
Changjun Lee,  Bass
Tomasz Mýsliwiec,  Tenor
Viktor Aksentijević,  Bariton

Takahiro Nagasaki,  Dirigent

Philipp Himmelmann,  Inszenierung

Chor und Extrachor des Theaters Lübeck
Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck

Theater Lübeck, 18. Juni 2026 (Premiere am 31. Januar 2026)

von Dr. Andreas Ströbl

Es geht immer noch leidenschaftlicher, kraftvoller, wahnsinniger!

Geradezu glücklich und zu Recht stolz auf ihre Leistungen erschienen die Solisten des Lübecker „Hoffmann“ nach der letzten Vorstellung am 18. Juni 2026 im Jugendstiltheater der Hansestadt. Seit der Premiere am 31. Januar (https://klassik-begeistert.de/jacques-offenbach-hoffmanns-erzaehlungen-theater-luebeck-premiere-31-januar-2026/) hat sich die Produktion qualitativ enorm gesteigert.

„Jacques Offenbach, Hoffmanns Erzählungen
Theater Lübeck, 18. Juni 2026“
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„Man merkt oft erst, was man vermisst, wenn man lange weg ist“

Sopranistin Petra Radulović

Zwischen Opernbühne und Heimat:
Ein Mittagessen mit Sopranistin Petra Radulović

Als ich mich vor einigen Tagen mit der Sopranistin Petra Radulović im Restaurant an der berühmten Verige-Passage in Montenegro traf, stand zunächst etwas ganz anderes im Mittelpunkt als Oper oder Karriere: Meeresfrüchte.

„Endlich wieder richtig gute und frische Calamari“, sagte sie mit einem Lächeln, als das Essen serviert wurde. Wer die vergangenen Jahre überwiegend zwischen Wien, Deutschland und verschiedenen Gastspielorten in Europa unterwegs war, lernt offenbar die einfachen Dinge der Heimat wieder neu zu schätzen. Frischer Fisch, ein Tisch direkt am Wasser und der Blick auf die viel gerühmte Bucht von Kotor gehören dazu.

von Marc Rohde

„Interview: Petra Radulović, Sopranistin
klassik-begeistert.de, 16. Juni 2026“
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Pablo Heras-Casado: „Wagner steht näher zu Monteverdi als zu Puccini“

Pablo Heras-Casado © Javier Salas

Der spanische Dirigent Pablo Heras-Casado über seinen Wiener Ring, die Macht der Stille und Balance im Orchestergraben.

von Jürgen Pathy

Ich treffe Pablo Heras-Casado im Besprechungszimmer der Wiener Staatsoper. Die Büros haben sich um diese Uhrzeit bereits weitgehend geleert. Kurz nach 18 Uhr öffnet sich in der Ferne eine Tür. Aus dem langen Gang kommt der Spanier auf mich zu, während er aus der Ferne schon freundlich winkt. „Sorry, I don’t like being late.“

„Interview: kb im Gespräch mit Pablo Heras-Casado, Dirigent
Wiener Staatsoper, 11. Juni 2026“
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„Ich bin glücklich!“ – Interview mit dem Regisseur Dietrich Hilsdorf in Lübeck

Dietrich Hilsdorf – Photo: Andreas Ströbl

Dietrich Hilsdorf, geboren 1948, kann auf über 100 Inszenierungen in den Sparten Schauspiel, Oper und Musical sowohl im ganzen Bundesgebiet, aber auch in Catania und Wien zurückblicken. Mit „Jekyll and Hyde“ am Musical Theater Bremen wurde er 1999 Musical-Regisseur des Jahres. Der Deutsche Theaterpreis „Der Faust“ wurde ihm 2007 für Prokofjews „Die Liebe zu den drei Orangen“ an der Oper Chemnitz in der Kategorie „Beste Regie Musiktheater“ verliehen. Mit großem Erfolg inszenierte Hilsdorf Opern von Händel, Mozart und Verdi.

Giacomo Puccinis „Tosca“ ist seine erste Produktion am Theater Lübeck. Dietrich Hilsdorf war gerne für ein Gespräch mit „klassik-begeistert“ bereit.

Das Interview führten Dr. Regina und Dr. Andreas Ströbl.

klassik-begeistert: Lieber Herr Hilsdorf, inszeniert man die Tosca zu diesen Zeiten mit all den testosterongesteuerten Imperialisten und Neofaschisten, scheint sich eine Aktualisierung geradezu aufzudrängen. Greifen Sie in Ihrer Produktion aktuelle Themen auf? Wann spielt Ihre Tosca?

Dietrich Hilsdorf: Sie spielt da, wann und wo sie spielt, nämlich am 17. und 18. Juni 1800 in Rom. Das schreiben wir auch am Anfang groß drüber. Wir fangen an um 11:52 Uhr, in der Kirche Sant’Andrea. Die ist ja als Ort auch beschrieben und man kann sie auch heute noch besuchen, wie die anderen beiden Spielorte der Oper. „Interview: kb im Gespräch mit Dietrich Hilsdorf, Regisseur
Theater Lübeck, 8. Juni 2026“
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Susanne Zingel, Pastorin an St. Severin (Sylt): „Nach Katastrophen muss religiöser Glaube neu buchstabiert werden"

Pastorin Susanne Zingel © Claudia Kleemann

St. Severin  in Keitum auf Sylt ist eine kleine Berühmtheit.  Auch, weil dort schon viele Prominente geheiratet haben. Mit dem Klischee der Promi-Kirche bin ich nicht ganz einverstanden. Ich bin daher in die Kirche gegangen und habe mit den Verantwortlichen dazu gesprochen. Themen waren außerdem De grote Mandränke, Religion, leere Kirchen und Opernhäuser, Sylt, Matthias Eisenberg und natürlich Kirchenmusik.

Jörn Schmidt im Gespräch mit Pastorin Susanne Zingel und Kirchenmusiker Alexander Ivanov (Teil II)

klassik-begeistert: Haben Promi-Hochzeiten St. Severin so bekannt gemacht – oder gibt es weitere Gründe?

Susanne Zingel: Auch prominente Menschen heiraten. Die Gründe warum einige, das in St. Severin getan haben, sind ganz individuell. Für uns ist es nichts Besonderes, denn „prominent“ bedeutet dem Wortsinn nach „aus der Menge herausragend“. Hier in der Kirche feiern wir, dass bei Gott jeder Mensch prominent ist und jedes Brautpaar bestätigt die wunderbare Einmaligkeit des geliebten Partners. Bekannt ist St. Severin, weil wir das treu und zuverlässig für Insulaner und sehr viele Gäste möglich machen. Zu jedem Gottesdienst kommen Menschen, die hier geheiratet haben, Kinder, die hier getauft wurden und wir haben Zeit, sich daran zu erinnern. Ich spüre darin eine Sehnsucht, Teil einer größeren Geschichte zu sein. „Interview: Pastorin Susanne Zingel/Kirchenmusiker Alexander Ivanov (Teil II)
St. Severin, Sylt, Juni 2026“
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Alexander Ivanov, Organist an St. Severin (Sylt): „Stellen Sie sich vor, es hätte in Köthen eine Oper gegeben“

Alexander Ivanov © st.-severin.de

Wenn als Insulaner unterwegs auf dem Festland, werde ich häufig auf Sylt angesprochen. Öfter als man denkt ist St. Severin Thema, die Kirche der Keitumer. Ich bin dann  immer ein wenig verblüfft, denn es geht in den Gesprächen nicht um Religion oder die Geschichte der wunderschönen Kirche, sondern um die Kirche als Eventlocation. Klar, u.a. haben Christian Lindner (FDP) und Franca Lehfeldt dort geheiratet. Die Liste der Prominenten ließe sich fortsetzen. St. Severin ist indes viel mehr. Insbesondere gibt es dort Kirchenmusik vom Feinsten – mit dem Keitumer Kirchenmusiker, dem großartigen Organisten Alexander Ivanov,  dem phantastischen Countertenor Dmitry Egorov und vielen fabelhaften Gästen.

Jörn Schmidt im Gespräch mit Pastorin Susanne Zingel und Kirchenmusiker Alexander Ivanov (Teil I)

klassik-begeistert:  Als Verkündigung im engeren Sinn wird die Predigt in einem Gottesdienst bezeichnet, vor allem im evangelischen Sprachgebrauch. Steht bei Wikipedia. Kein Wort zur Kirchenmusik. Da fehlt doch was?  „Interview: Pastorin Susanne Zingel/Kirchenmusiker Alexander Ivanov, Teil I
St. Severin, Sylt, Juni 2026“
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Kahchun Wong im Gespräch: Schostakowitsch, Mahler und zwei Orchesterwelten

Kahchun Wong © Dirk Schauß

Ein Dirigent ringt unentwegt um die Gunst der hundert Seelen auf dem Podium. Kahchun Wong, Chefdirigent des Japan Philharmonic Orchestra und des Hallé Orchestra in Manchester, gab kürzlich sein mit Spannung erwartetes Debüt beim hr-Sinfonieorchester in Frankfurt – mit einem anspruchsvollen reinen Schostakowitsch-Programm. Das Gespräch mit ihm und unserem Autor, Dirk Schauß, wurde zu einem bemerkenswert offenen und persönlichen Austausch, der tief in die musikalische Arbeit, die Psychologie von Orchestern und seine eigene künstlerische Entwicklung eintaucht.

Das Gespräch fand am 19. Mai 2026 statt und wurde in englischer Sprache geführt.

von Dirk Schauß

Debüt und Schostakowitsch in Frankfurt, Teil I

klassik-begeistert: Herr Wong, Sie dirigieren in diesen Tagen zum ersten Mal das hr-Sinfonieorchester. Wie ist Ihr erster Eindruck von den Frankfurtern?

Kahchun Wong: Das stimmt, es ist mein absolutes Debüt hier. Und ich muss sagen: Das ist ein verdammt gutes Orchester. Unglaublich diszipliniert und mit einer spürbaren Begeisterung bei der Sache. Wir haben heute den zweiten Probentag hinter uns. Schon am ersten Tag war ich beeindruckt, mit welcher Ernsthaftigkeit sich die Musiker einer so anspruchsvollen Partitur wie Schostakowitschs Fünfter Sinfonie nähern. Das hatte streckenweise die Präzision einer Studioaufnahme. Wir versuchen wirklich, in jeder Phrase den Kern der Musik freizulegen. Dass die Musiker so mikrofonerfahren sind, merkt man sofort an ihrer enormen Klangsensibilität. Es ist eine wahre Freude. Das werden zwei hervorragende Konzerte. „Interview: kb im Gespräch mit Kahchun Wong, Dirigent
klassik-begeistert.de, 3. Juni 2026“
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Wir fiebern unserem Auftritt in der Elbphilharmonie entgegen, Teil II

Das Hamburger Kammerballett: Nataliia Hurska, Valerii Liubenko, Viktoriia Miroshyna, Veronika Hordina, Alisa Nikitina, Vladyslav Bondar (Foto: Christina Gotz)

Interview mit Edvin Revazov, dem künstlerischen Leiter und der
Geschäftsführerin Isabelle Rohlfs vom Hamburger Kammerballett,
am 19. Mai 2026, Teil II

Bei der Uraufführung am 6. Juni 2026 handelt sich um ein abstraktes Ballett, welches von der Handlung her den wechselnden Jahreszeiten folgt. Im Mittelpunkt jeder Jahreszeit steht ein anderes Tanzpaar, welches sich während der vorüberziehenden Jahreszeiten noch einmal ihr vergangenes Leben vergegenwärtigt. Es handelt sich um Erinnerungsbilder des Lebens.

von Dr. Ralf Wegner

klassik-begeistert: Frau Rohlfs, Die Möglichkeiten für ein Handlungsballett wie Lulu mit nur wenigen Tänzerinnen und Tänzern sind natürlich begrenzt. Wie sieht es denn mit einer Vergrößerung des Ensembles aus? „Edvin Revazov und GF Isabelle Rohlfs, Hamburger Kammerballett, Teil II
klassik-begeistert.de, 3. Juni 2026“
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Zwischen Göttlichkeit und Menschlichkeit

Fotos: NCPA / XIAOJING WANG / FEI FANG

Getong Feng im Gespräch mit Maida Hundeling über Brünnhilde und die NCPA-Produktion von Wagners Siegfried in Beijing

In diesem Jahr übernahm die deutsche Sopranistin Maida Hundeling in der NCPA-Produktion von Wagners Siegfried in Beijing die zentrale Rolle der Brünnhilde. Als eine der prägenden dramatischen Sopranistinnen auf den internationalen Wagner-Bühnen verleiht sie Brünnhilde eine gleichermaßen kraftvolle wie vielschichtige Gegenwärtigkeit.

Im Gespräch mit Getong Feng, Doktorandin der Neueren deutschen Literatur an der Ludwig-Maximilians-Universität München spricht Maida Hundeling über Brünnhildes Weg zwischen Göttlichkeit und Menschlichkeit, über Erinnerung, Angst und Liebe in Wagners Siegfried sowie über ihre Erfahrungen mit Wagner und Turandot in Peking.

klassik-begeistert: Könnten Sie uns erzählen, wie Sie Ihre Karriere begonnen haben?

Maida Hundeling: Ich habe als Kind im Kirchenchor angefangen zu singen, später dann im Jugendchor. Das hat mir immer große Freude gemacht. Schon damals hieß es oft, meine Stimme sei ungewöhnlich kräftig. Irgendwann kam dann der Vorschlag, Gesangsunterricht an der Musikschule in meiner Heimatstadt zu nehmen. Mein erster Lehrer war großartig. Er hat offenbar sehr früh erkannt, welches Potenzial in der Stimme steckt. Während der Ausbildung habe ich schon begonnen, Wagner-Arien auszuprobieren, unter anderem die Senta. „kb im Gespräch mit Maida Hundeling, Sopran
klassik-begeistert.de, 2. Juni 2026“
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