Gewagt und gelungen: Gegen diese Kundry muss selbst Andreas Schager kämpfen

Parsifal 2023 © Enrico Nawrath, Bayreuther Festspiele

Elīna Garanča krönt sich zur Göttermutter des Gesangs, eine furchtlose Regie und siegessichere Stimmen zaubern einen traumhaften Parsifal auf den heiligen Hügel zusammen. Gewagt, aber gelungen! Einzig Pablo Heras-Casados sehr zugiges Dirigat rattert über die feinen Details des Karfreitagszaubers hinweg.  


Festspielhaus Bayreuth, Bayreuther Festspiele, 12. August 2023

Parsifal
Musik und Libretto von Richard Wagner

von Peter Walter

Elīna Garanča krönt sich zur Königin der Kundrys, nein, sie ist die Göttermutter des Gesangs! Ihre runde, voluminöse Stimme dringt tief in alle Seelen ein und verzaubert das Publikum wie die Bühne. „Parsifal! Weile!“ wird zum wahren Show-Stopper, da stockt die Zeit wie stillgestanden. Ihr warmer Mezzo umschwärmt die Ohren aus den Tiefen wie ein Ozean voller Wagnerzauber. Auch in himmlischen Höhen brilliert ihre Stimme mit intensiver Dramatik, den Stimmumfang von zweieinhalb Oktaven hat sie eben so fest im Griff wie ihren Parsifal. „Richard Wagner, Parsifal
Bayreuther Festspiele, 12. August 2023“
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Zubin Mehta gab bei den Berliner Philharmonikern den dezenten Impulsgeber

Zubin Mehta © Wilfried Hoesl

Philharmonie Berlin, 15. Juni 2023

Robert Schumann: Ouvertüre zu der Oper Genoveva, op.81

Béla Bartók: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2

Peter Tschaikowski: Symphonie Nr. 4 op.36

Yefim Bronfman, Klavier
Zubin Mehta, Dirigent

Berliner Philharmoniker


von Kirsten Liese

Wenn Dirigenten in ein hohes Alter kommen, werden die Zeichen oft minimalistischer. Auf den genialen Sergiu Celibidache traf das genauso zu wie auf Daniel Barenboim.  Und auch bei dessen Freund Zubin Mehta, der bei seinem jüngsten Konzert mit den Berliner Philharmonikern unter tosendem Beifall mit so vorsichtigen, langsamen Schritten das Podium erklomm wie einst Celibidache in seinen letzten Lebensjahren, werden die Bewegungen selbst bei einem so martialischen Stück wie Bartóks zweitem Klavierkonzert von Mal zu Mal reduzierter. „Yefim Bronfman, Klavier, Zubin Mehta, Dirigent, Berliner Philharmoniker
Philharmonie Berlin, 15. Juni 2023“
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Currentzis brilliert mit seiner fulminanten Dritten von Mahler in Berlin

Teodor Currentzis © Liliya Olkhovaya

Gustav Mahler
Symphonie Nr. 3 d-Moll

Wiebke Lehmkuhl, Alt

Staats- und Domchor
Vocalconsort Berlin
Utopia Orchester

Leitung: Teodor Currentzis

Philharmonie Berlin, 13. Juni 2023

von Kirsten Liese

 Es ist ein seltenes großes Glück, wenn sich die Gelegenheit bietet, ein so wunderbares, geniales Werk in kurzer Zeit zwei Mal hintereinander in grandiosen Interpretationen zu hören: das erste Mal unter Thielemann, das zweite Mal unter Currentzis. Streng genommen habe ich Mahlers Dritte sogar innerhalb von drei Wochen drei Mal gehört, zähle ich noch die Aufzeichnung der legendären Einstudierung mit dem Lucerne Festival Orchestra unter Claudio Abbado dazu, die ich mir zur Erinnerung an das legendäre Konzert angeschaut habe, das ich weiland in den frühen 2000er Jahren live in Luzern erleben durfte.

Und was soll ich sagen: Die klanglichen Ergebnisse und Tempi dieser drei so unterschiedlichen Persönlichkeiten Thielemann, Abbado, Currentzis liegen sehr dicht beieinander! Dabei hat jeder für sich eine gänzlich andere Art des Dirigierens. „Gustav Mahler: Dritte Sinfonie, Wiebke Lehmkuhl, Alt
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Liederabend Marlis Petersen: Die Elfenkönigin hält Hof

Marlis Petersen (Foto: Yiorgos Mavroloulos)

Kammermusiksaal, Philharmonie Berlin, 11. Juni 2023

Marlis Petersen, Sopran

Stephan Matthias Lademann, Klavier


von Peter Sommeregger

Die Sopranistin Marlis Petersen versteht es, ihren Liederabenden eine besondere Note zu verleihen. Anders als üblich stellt sie ihre Programme nicht bezogen auf bestimmte Komponisten zusammen, sondern setzt bewusst Themen , zu denen sie dann passende Lieder aussucht. Es spricht für ihr Stilgefühl, dass die Zusammenstellung trotz der Vielzahl der Komponisten ungemein stimmig ausfällt. „Marlis Petersen, Sopran, Stephan Matthias Lademann, Klavier
Kammermusiksaal, Philharmonie Berlin, 11. Juni 2023“
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Der große Rausch – Daniel Barenboim dirigiert die Berliner Philharmoniker

© Peter Adamik, Daniel Barenboim

Philharmonie Berlin, 3. Juni 2023

Gabriel Fauré: Pelléas et Mélisande
Orchestersuite op.80

Richard Wagner: Wesendonck-Lieder

César Franck: Symphonie d-Moll

Berliner Philharmoniker
Elīna Garanča, Mezzosopran

Daniel Barenboim, Dirigent


von Kirsten Liese

Er steht wieder, kerzengerade. Am ersten Abend seiner jüngsten Konzertserie mit den Berliner Philharmonikern hatte man ihm noch wie zu seinen letzten Konzerten einen Stuhl auf das Podium gestellt. Aber den wollte der Altmeister nicht. So kennen wir Daniel Barenboim, als einen Willensstarken, der sich immer das Höchste abverlangt, einen Marathon-Mann, der sich über viele Jahre mit Irrsinns-Projekten stark verausgabt und Rekorde aufgestellt hat. Und der selbst gesundheitlich angegriffen und im hohen Alter seinen Ehrgeiz nicht begraben hat, obwohl er sich nun wirklich nichts mehr beweisen muss. „Werke von Gabriel Fauré, Richard Wagner und César Franck, Daniel Barenboim, Elīna Garanča
Philharmonie Berlin, 3. Juni 2023“
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Die Berliner feiern den Hymnus der Liebe

Simone Young (Foto: Sandra Steh)

Philharmonie Berlin, 25. Mai 2023

Olivier Messiaen
Turangalîla-Symphonie

Berliner Philharmoniker
Simone Young  Dirigentin

Cédric Tiberghien  Klavier
Cynthia Millar  Ondes Martenot

von Sandra Grohmann

Indische Rhythmen plus Tristan plus afrikanischer Tanz plus (natürlich) Vogelstimmen plus alt-mexikanische Themen plus fernöstliche Zeremonialmusik, ach, und was nicht noch alles: Darunter machte es Olivier Messiaen nicht. Der tiefgläubige Katholik verspann in seiner Turangalîla-Symphonie Raum und Zeit zu einem die ganze Welt umschließenden berauschenden Liebeshymnus. Meine Begleiter, mit dieser Musik unvertraut, waren nach pausenlosen 75 Minuten sichtlich aus dieser Welt gerissen. Was für ein Trip! „Olivier Messiaen, Turangalîla-Symphonie
Philharmonie Berlin, 25. Mai 2023“
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Ivan Ilić spielt auf dem neuen Shigeru Kawai

Konzert
Berliner Philharmonie am 21. Mai 2023

Zu Flügeln hat Ivan Ilić schon lange einen besonderen Bezug. Ein neuer Flügel motiviert ihn. Am 21. Mai will er sein Publikum an dieser künstlerischen Symbiose zwischen Interpret und Instrument teilhaben lassen. Auf dem Programm steht unter anderem Anton Reichas zweites Klavierkonzert zusammen mit den Berliner Symphonikern unter Leitung von Hansjörg Schellenberger. „Ivan Ilić spielt auf dem Flügel
Berliner Philharmonie am 21. Mai 2023“
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Anna und der Krieg

Die Nähe Netrebkos zu Putin vor Kriegszeiten war deutlich, gewollt und, ja, infantil. Ihr klares NEIN zum Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine zu zögerlich. Ich habe mich mit Frau Netrebko zweimal als Reporter länger unterhalten können… und sie als sehr unpolitische, ja, eher kindlich-naive Frau erlebt. Sie interessiert sich vor allem für ihre Familie, schöne Klamotten, Schmuck, gutes Essen, Backen und ihre Wohnungen u.a. in St. Petersburg, Wien und New York.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden, 5. Mai 2023

Foto: Anna Netrebko, Staatstheater Wiesbaden

Giuseppe Verdi, Nabucco, konzertante Aufführung 

von Andreas Schmidt

Sie bewegte und berührte die Zuschauer im ausverkauften Haus, sie zwang zu Zwischenapplausen, die bis zu 1 Minuten gingen und sie musste sich nach 3 Stunden (inkl. 30 Minuten Pause) wieder und wieder und wieder einem Publikum zeigen, das außer Rand und Band war.

Den meisten Applaus des Abends bekam mit Abstand die Russin mit österreichischem  Pass, Anna Netrebko, die dem Rezensenten mit ihrer in allen Lagen und Lautstärken göttlichen Stimme den Atem verschlug. Das war Gänsehaut-Feeling pur, Frau Netrebko. Die zarten Vibrati, die Fülle in der Stimme, die Bühnenpräsenz sind von einem anderen Stern. „Giuseppe Verdi, Nabucco, konzertante Aufführung 
Hessisches Staatstheater Wiesbaden, 5. Mai 2023“
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Klaus Mäkelä setzt auf seine Glückszahl 6

© Marco Borrgreve / Concertgebouw Orchestra

Philharmonie Berlin, 22. April 2023

Dmitri Schostakowitsch, Symphonie Nr. 6 h-Moll op.54

Peter Tschaikowsky, Symphonie Nr. 6 h-Moll op.74 „Pathétique“

Berliner Philharmoniker
Klaus Mäkelä  Dirigent


von Peter Sommeregger

Wenn man das Debüt eines 27-jährigen Dirigenten bei den Berliner Philharmonikern als überfällig bezeichnet, sagt das viel über diesen Künstler aus. Dem jungen finnischen Dirigenten Klaus Mäkelä ist es tatsächlich gelungen, die internationale Klassikszene zu rocken, das ehrwürdige Amsterdamer Concertgebouw-Orchester wählte ihn zu seinem neuen Chefdirigenten – ab 1927, vorher ist der junge Mann nämlich gar nicht frei. „Berliner Philharmoniker, Klaus Mäkelä dirigiert Schostakowitsch und Tschaikowsky
Philharmonie Berlin, 22. April 2023“
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Klaus Mäkelä debütiert bei den Berliner Philharmonikern

Royal Concertgebouw Orchestra Foto: Marco Borggreve

Ein triumphaler Abend mit russischer h-Moll-Sinfonik.

Philharmonie Berlin, 22. April 2023

Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) – Sinfonie Nr. 6 op. 54

Pjotr Tschaikowsky (1840-1893) – Sinfonie Nr. 6 op. 74 („Pathétique“)

Berliner Philharmoniker
Klaus Mäkelä, Dirigent

 von Brian Cooper, Bonn

Streng genommen ist es kein Debüt mehr an diesem Samstag, denn bereits zwei Tage zuvor hatte Klaus Mäkelä dieses hinreißende Programm dirigiert. Ebenso am Freitag: zwei russische sechste Sinfonien in h-Moll, die eine sattsam bekannt (Tschaikowsky), die andere beileibe nicht oft genug gespielt (Schostakowitsch). Denn sie ist phänomenal – zumal, wenn sie so aufgeführt wird wie nun in Berlin. „Berliner Philharmoniker, Klaus Mäkelä, Dirigent, Schostakowitsch und Tschaikowsky
Philharmonie Berlin, 22. April 2023“
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