Wiener Staatsoper, mon amour 2: „Wohnst Du eigentlich schon in der Oper?“

Benjamin Bernheim als Rodolfo © Michael Pöhn, Wiener Staatsoper

Frauen und Männer gibt es viele. Wiener Staatsoper nur eine. Erbaut von Eduard van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg, thront sie seit 150 Jahren am Wiener Ring, der Prachtstraße der k.u.k. Monarchie.  Vor 70 Jahren hat man sie wieder eröffnet, am 5. November 1955.
Mit „Fidelio“ – eh klar, was würde besser passen als Beethovens „Freiheitsoper“ nach Jahren des Kriegs und der Zerstörung. Doch selbst US-Bomber konnten sie nicht dahinraffen. Am 18. März 1945, unabsichtlich soll es gewesen sein, der Bombenabwurf direkt über der Wiener Staatsoper. Bis auf die Grundmauern brannte sie nieder. Nur der Fronttrakt, die Feststiege, der Teesalon des Kaisers blieben erhalten. Klassik-begeistert-Autoren berichten über ihre Liebe zum Haus am Ring.

von Peter Sommeregger

Die Wiener Staatsoper feiert im November 2025 das 70-jährige Jubiläum ihrer Wiedereröffnung nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem Festakt am 5. November und einer Reihe weiterer Veranstaltungen.

Eine Ausstellung im Balkonumgang der Staatsoper beleuchtet bis Ende Januar 2026 Zerstörung und Wiederaufbau mit Fotografien und Exponaten.

Die Auseinandersetzung mit der Thematik wird in der laufenden Saison durch verschiedene Veranstaltungen fortgesetzt, unter anderem mit der Fidelio-Premiere im Dezember.

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In Wien im ersten Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg aufzuwachsen, bedeutete, da und dort noch Ruinen zerstörter Gebäude und auch Baulücken als gegeben wahrzunehmen. „Das war der Krieg“ sagten die Erwachsenen, für ein Kind war das ein sehr abstrakter Begriff. „70-jähriges Jubiläum Wiener Staatsoper II
Wiener Staatsoper, 23. November 2025“
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Wiener Staatsoper, mon amour 1: Zwischen Bomben und Berlioz – sie lebe hoch!

Wiederaufbau der Feststiege © Wiener Staatsoper GmbH

Frauen und Männer gibt es viele. Wiener Staatsoper nur eine. Erbaut von Eduard van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg, thront sie seit 150 Jahren am Wiener Ring, der Prachtstraße der k.u.k. Monarchie.  Vor 70 Jahren hat man sie wieder eröffnet, am 5. November 1955.
Mit „Fidelio“ – eh klar, was würde besser passen als Beethovens „Freiheitsoper“ nach Jahren des Kriegs und der Zerstörung. Doch selbst US-Bomber konnten sie nicht dahinraffen. Am 18. März 1945, unabsichtlich soll es gewesen sein, der Bombenabwurf direkt über der Wiener Staatsoper. Bis auf die Grundmauern brannte sie nieder. Nur der Fronttrakt, die Feststiege, der Teesalon des Kaisers blieben erhalten. Klassik-begeistert-Autoren berichten über ihre Liebe zum Haus am Ring.

von Jürgen Pathy

Regelmäßig würdige ich sie, diese stolze Braut aus Stein, Geschichte und Herz. Die Beziehung zu ihr ist eine besondere. Das beweisen nicht nur die regelmäßigen Streicheleinheiten. Früher führte mein Weg in die Arbeit direkt an ihr vorbei. Durch den Arkadengang, vor dem Herbert-von-Karajan-Platz. Die „Stadtseite“, wie Insider den Blick vom Haus in diese Himmelsrichtung bezeichnen. Über mir das Büro des Direktors, darunter die Laterne, schief – seit Direktor Bogdan Roščić die Räumlichkeiten bezogen hat. Vielleicht auch schon früher, aber die Fantasie spielt einem manchmal solche Streiche.

„70-jähriges Jubiläum Wiener Staatsoper I
Wiener Staatsoper, 22. November 2025“
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Ein edles Stück Hamburg für die Dame

© Anita Braun, Atelier Freier Fall

Anita Braun lebt seit 36 Jahren Mode im Herzen Hamburgs, am Großneumarkt, Wexstraße 35.

Ihre Kreationen schätzen Frauen vielerlei Couleur aus ganz Europa.

Ihre Mode setzt sich sowohl aus westlichen und modernen als auch aus östlichen und traditionellen Designelementen zusammen.
Dabei bildet der Kimono die Grundlage ihrer Kreationen.

„Hamburg und die Insel Föhr sind meine Wahlheimat“, sagt Anita Braun, „aufgewachsen bin ich im Schwarzwald.“

klassik-begeistert im Gespräch mit Anita Braun, Atelier Freier Fall

„Porträt: Anita Braun, Atelier Freier Fall
Elbphilharmonie, 17. November 2025“
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Harish Shankar: Ein Dirigent pflegt den Dialog der Kulturen

Harish Shankar GMD SH Landestheater und Sinfonieorchester

© Neda Navaee

Getreu dem Motto „Klassik begeistert“ gelingt es dem seit der vergangenen Spielzeit als Generalmusikdirektor des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters und Sinfonieorchesters wirkenden Dirigenten Harish Shankar, mit seinem Flensburger Orchester ein prägnantes künstlerisches Profil zu entwickeln.

Flensburg, 4. Oktober 2025

von Marc Rohde

Die Besucherzahlen bei den Sinfoniekonzerten im Deutschen Haus steigen seit Shankars Amtsantritt stetig an. Das klingt phänomenal, zumal andernorts das Publikum schwindet, doch Shankar ruht sich auf diesem Erfolg nicht aus. Das Orchester spielt nicht nur in Flensburg, sondern bringt sinfonische Erlebnisse in zahlreiche Gemeinden des nördlichsten Bundeslandes, darunter Schleswig, Rendsburg, Husum, Heide, Neumünster, Itzehoe und Brunsbüttel. „Portrait: GMD Harish Shankar, Dirigent
Flensburg, 4. Oktober 2025“
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Udo-Lindenberg-Bild bringt 10.555 Euro für die Witwe des verstorbenen Hamburger Schiffsführers

NACHTRAG vom 18. März 2024:

Die Galerie teilt mit:

„Das war ein großartiges Projekt, und der Erlös wird sicherlich der Familie eine große Unterstützung sein.

Denn der komplette Erlös geht an die Witwe des verstorbenen Schiffsführers.

Wir freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass das wundervolle
Werk von Udo Lindenberg mit einem Erlös von 10.555,- € ersteigert wurde.

Vielen Dank, dass Sie Teil der wunderbaren Auktion waren.“

Charity-Bild, Unikat, 30 x 40cm

Wir möchten Sie und Euch auf eine aktuelle Charity-Auktion eines Unikates von Udo Lindenberg  aufmerksam machen.

Vor einigen Wochen kam es bei der Reederei Abicht im Hamburger Hafen zu einem Unglück, bei dem der Schiffsführer starb. Als Udo Lindenberg dies erfuhr, hat er spontan ein Unikat / Bild für die hinterbliebene junge Familie gespendet.

Die Reederei Abicht und Udo sind tief betroffen und möchten mit dem Erlös des Bildes die Hinterbliebenen des Verunglückten unterstützen. Das Bild kann in der Udo Lindenberg Galerie in Hamburg besichtigt und abgeholt werden. „Ein Udo-Lindenberg-Bild für einen sehr guten Zweck
klassik-begeistert.de, 12. März 2024“
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Zum dritten Todestag von Stefan Mickisch: Sein Werk lebt weiter – und hoffentlich auch die Scham mancher allzu Anständigen

Stefan Mickisch © Wiener Konzerthaus

Wohl kaum jemand hatte die Werke Richard Wagners und anderer großer Meister stärker durchdrungen und konnte sie geistreicher, humorvoller und pianistisch famoser darstellen als Stefan Mickisch. Der aus dem oberpfälzischen Schwandorf stammende Pianist war mit seinen Werkeinführungen über viele Jahre hinweg der heimliche Star des grünen Hügels. Mit abstrusen Äußerungen zur Corona-Politik wurde jedoch er bei den stets „anständig und gerecht Denkenden“ zum Feindbild. Nicht wenige teils durchaus prominente Weggefährten sahen sich bemüßigt, sich vom einstigen Publikumsliebling öffentlichkeitswirksam zu distanzieren – wissend, dass hier jemand ganz offensichtlich in einer Ausnahmesituation war, an ihr litt und wohl auch psychisch nicht mehr ganz gesund war. Das öffentliche Eintreten auf den gleichsam am Boden liegenden Mickisch endete in dessen Tod, genauer im Suizid. So berichten es ernstzunehmende Quellen. Je öfter – nun zum dritten Male – sich der Tod Mickischs jährt, umso abstoßender wirken die Geschehnisse vor und auch nach seinem Tod. Eine Erinnerung an einen großen Künstler und an jene „Anständigen“, die meinten, sich durch herabsetzendes „Haltungzeigen“ als besonders wertvolle Menschen aufspielen zu sollen.

von Willi Patzelt

28. Juni 2006, Bayreuth. Es ist Festspielzeit. Stefan Mickisch hält am Vormittag einen Einführungsvortrag über Wagners Tristan. Nach einer knappen halben Stunde spricht er über den Liebestrank und das Ende des ersten Aufzugs: „Der Liebestrank ist letztlich eine Chiffre dafür, dass man mit Selbstmord wie auch Schopenhauer sagt nicht weiterkommt.“ Probleme, die sich vor dem Tode nicht gelöst hätten, würden sich auch danach nicht mehr lösen lassen. „Eine sehr weise Einsicht vom Schopenhauer er rät vom Selbstmord ab. Ich kann das nur unterstützen!“ Mickisch lacht herzlich und der ganze Saal mit ihm. Wie so oft in seinen Einführungen.

Heute klingt diese Passage nachzuhören auf CD nicht mehr lustig, vielmehr schaurig. Wie konnte es so weit kommen? „Zum dritten Todestag von Stefan Mickisch: Sein Werk lebt weiter – und hoffentlich auch die Scham mancher allzu Anständigen
klassik-begeistert.de, 17. Februar 2024“
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MeetYourMaster: Singen lernen mit Jonas Kaufmann

Foto: Der „Erfolgsmensch“ Jonas Kaufmann hat einen Video-Kursus aufgezeichnet © Dieter Roosen / MeetYourMaster

von Jürgen Pathy

Schlechte Nachrichten verkaufen sich am besten. Das wusste bereits Vladimir Horowitz. In einem Interview danach gefragt, warum die Gerüchteküche rund um seine Person zu kochen begann, antwortete Horowitz: Only bad news are good news. Zu Deutsch: Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Vielleicht verfolgt Jonas Kaufmann dieselbe Strategie.

Von einer Absage zur anderen, von einer fragwürdigen CD zur nächsten. Da darf sich der deutsche Startenor nicht wundern, wenn man sein Schaffen mit kritischen Augen betrachtet. Aber keine Sorge: Dies wird kein Beitrag, der nur in Kaufmanns Richtung schießt. Dies wird kein Kaufmann-Bashing. Immerhin wird der gebürtige Münchner selbst unter Fachleuten heute noch als höchst professioneller Sänger gehandelt, der das Zeug hat, um zu begeistern. Jetzt vielleicht auch dich und mich.

„MeetYourMaster, Singen lernen mit Jonas Kaufmann
klassik-begeistert.de“
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Mit dem Taktstock...

Sir John Eliot Gardiner (Foto: Sim Canetty Clarke)

Der britische Staatdirigent John Eliot Gardiner soll einen Sänger geschlagen haben. Nun hat er alle Konzerte abgesagt. Ob er jemals wieder nach Hamburg kommt? Zum Glück war HNS beim bislang letzten des nun In-Verruf-Geratenen in der Elbphilharmonie beiwohnen und den tatsächlich sehr autoritären Doyen beobachten – bei aller Schönheit des Brahms.

Internationales Musikfest Hamburg, Elbphilharmonie, 7. und 8. Mai 2023


Royal Concertgebouw Orchestra
Sir John Eliot Gardiner

Brahms: Sinfonien Nr. 1 & 3 

Brahms: Sinfonien Nr. 2 & 4


von Harald Nicolas Stazol

Die Liga des außergewöhnlichen Gentleman

Man will einfach, dass es nicht aufhört, man will nicht, dass es aufhört, nie, nie wieder, dieses traumhafte Dirigat, dieses Traum-Orchester, mit diesem bis zur Vollendung zum Träumerischen getriebenen Brahms, und „Danke!!!“ ruft einer der völlig Begeisterten in die Stille nach der 1. Symphonie folgerichtig, da hat dieser Doyen von einem Dirigenten,  die graue Eminenz, Sir John Eliot Gardiner, seinen so unfassbar elegant geführten Taktstock gerade eben sinken lassen, und dieser Zwischenruf bringt es enthusiastisch auf den Punkt:

Die schiere Dankbarkeit, die man diesem Orchester entgegenbringt in ebenjenen Moment, da das Royal Concertgebouw Orchestra ja auch noch nach der Pause dessen 3. bringen wird, so perfekt, dass es einem schier den Atem nimmt. „Portrait: Sir John Eliot Gardiner
klassik-begeistert.de, 29. August 2023“
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Von Südafrika zu den Bregenzer Festspielen: Megan Kahts zieht es in die Welt

Foto: Megan Kahts ©️ Damian Posse

Ich treffe Megan Kahts in der „Vollpension“. Einem Kaffeehaus, das ein komplett eigenes Konzept verfolgt. Flatrate für 12,90 pro Stunde. Dafür bekommt man so viel Kaffee, wie man möchte. Ein Stück hausgemachter Kuchen inklusive. Den haben Omas frisch gebacken, um sich ihre unzureichende Pension aufzustocken. Tolles Geschäftsmodell, aber etwas gewöhnungsbedürftig. Den Ort hat Megan Kahts eher zufällig gewählt. „Weil er in der Nähe war“, strahlen ihre Augen, während sie mir von den CD-Aufnahmen erzählt. Um die Ecke steht sie gerade im Tonstudio. Eine CD mit Arien aus Händels Oper „Rinaldo“ nimmt sie dort auf. „Um eine Momentaufnahme für die Ewigkeit zu haben“, immerhin verändere sich die Stimme im Laufe der Zeit. Finanzieller Natur kann die Motivation ja nicht sein. Lukratives Geschäft ist eine CD schon lange nicht mehr. „Portrait: Megan Kahts
klassik-begeistert.de, 12. August 2023“
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Mit dem Pianisten, Komponisten und Dirigenten Leon Gurvitch entsteht für mich ein Herzensprojekt

Leon Gurvitch; Foto Henriette Mielke

Auf den Spuren eines ganz besonderen Künstlers

von  Patrik Klein

Leon Gurvitch begegnete mir zum ersten Mal im Sommer 2020 während der Pandemie bei einem Terrassenkonzert des befreundeten Musikers Christian Seibold aus dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg. Weil alle Kunst und Kultur zum Erliegen kam, aber man draußen an der freien Luft zusammenkommen konnte, traf man sich vor seinem Haus und lauschte über Garten und Terrasse hinweg den musikalischen Darbietungen von Freunden und Bekannten aus der Hamburger Musikszene. An diesem besagten Abend gab es Jazz mit Klavier, Klarinette und Kontrabass. An die 50 Nachbarn und informierte Gäste ließen sich mit coronabedingten Abständen bei herrlichem Wetter von der Musik anziehen.

Terrassenkonzert während der Pandemie im Sommer 2020 mit Leon Gurvitch, Omar Rodríguez Calvo und Christian Seibold; Foto Patrik Klein

Zufällig las ich Leon Gurvitchs Namen dann später, als Konzerte wieder stattfinden konnten, auf der Ankündigung einer Lesung des bekannten Schriftstellers Sebastian Fitzek, der in der Elbphilharmonie Hamburg seinen neuesten Roman vorstellte. „Portrait: Leon Gurvitch
klassik-begeistert.de, 22. November 2022“
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