Sabine Weyer: Eine Musikerin, die Schostakowitsch verstanden hat

CD-Rezension, „A Light in the Dark“, Sinfonische Werke von Dmitri Schostakowitsch,  klassik-begeistert-Kritik

Foto: Sabine Weyer – Kaupo Kikkas/NO-TE.com
Rezension, „A Light in the Dark“,
Sinfonische Werke von Dmitri Schostakowitsch
Nordwestdeutsche Philharmonie, Leitung: Erich Polz
Sabine Weyer, Klavier
Ars Produktion 38256

von Hans Ackermann, 3. Oktober 2018

Virtuos und mit grosser klanglicher Klarheit interpretiert die Pianistin Sabine Weyer das Klavierkonzert Nr. 2 von Dmitri Schostakowitsch. Auch die beiden anderen Werke dieser CD – Festliche Ouvertüre und Sinfonie Nr. 9 – wurden mit hörbarer Spielfreude aufgenommen.

Feierlich

Die 1954 komponierte „Festliche Ouvertüre“ fordert zu Beginn vor allem die Blechbläser des im nordrhein-westfälischen Herford angesiedeltenOrchesters. Erich Polz lässt Trompeten und Posaunen freudig strahlen, später gesellen sich elegante Streicher dazu – feierliche Musik, die hier ganz ohne Pathos auskommt.

Grotesk

Ausgerechnet mit der als „Siegeshymne“ erwarteten 9. Sinfonie hatte sich Schostakowitsch Ende 1945 beim Sowjetsystem unbeliebt gemacht – 1948 wurde sogar ein Verbot des Werkes durchgesetzt. Statt schwerer Helden-Sinfonik wählte Schostakowitsch damals für den ersten Satz einen überdrehten Tonfall, den das nordrhein-westfälische Landesorchester mit wunderbar fröhlichen Piccolostimmen aufgreift. Auch im kraftvoll gespielten Largo haben die hervorragenden Bläser des Orchesters wieder ihren Auftritt, bevor das Werk – hell und klar, wie es begonnen hat – mit einem grotesken Siegesmarsch zu Ende geht.

Virtuos

Zwischen Ouvertüre und Sinfonie ist das 1957 uraufgeführte Klavierkonzert Nr. 2 platziert. Sabine Weyer reist darin – wie einst Maxim Schostakowitsch, für dessen Examen sein Vater das Werk geschrieben hatte – durch den Klavierkosmos der „russischen Schule“. Die Luxemburgerin präsentiert mit feinem Anschlag ihre Virtuosität, beeindruckt aber auch mit einem langsamen Satz, der Umsicht und Wissen erfordert. Denn mitten im eigenen Konzert plötzlich wie Rachmaninoff zu klingen – diesen Einfall hat Schostakowitsch sicher nicht ohne Hintergedanken zu Papier gebracht. Sabine Weyer erweist sich gerade in diesem Satz als hervorragende Interpretin der Musik dieses Komponisten, tappt nicht in die Kitsch-Falle, sondern bleibt konsequent bei ihrer modernen pianistischen Sichtweise.

Eine Musikerin, die ganz offenkundig Schostakowitsch verstanden hat.

Hans Ackermann, 3. Oktober 2018, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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