Der Schlauberger 31: Achtung, es wird glitschig! Stilfragen zum Jahresanfang – nicht nur für Fortgeschrittene

Der Schlauberger 31: Achtung, es wird glitschig

Tritt den Sprachpanschern ordentlich auf die Füße! Gern auch unordentlich. Der Journalist und Sprachpurist Reinhard Berger wird unsere Kultur nicht retten, aber er hat einen Mordsspaß daran, „Wichtigtuer und Langweiler und Modesklaven vorzuführen“. Seine satirische Kolumne hat er „Der Schlauberger“ genannt.

von Reinhard Berger

Da hammer den Salat. Die ganze Welt ist eine einzige Rutschbahn. Aber zum Glück nur am Jahresende, wenn es glitschig, laut und hochprozentig wird. Böller, Sekt und Schnaps. Wir verschießen unser Geld und betäuben uns mit Alkohol, um das Elend nicht mit anschauen zu müssen. Da bekommt der Wunsch nach einem guten Rutsch und Gesundheit eine völlig neue Bedeutung.

Meine größte Freude aber sind die vielen bunten Online-Bildchen, die mir zu jedem Jahreswechsel zugeschickt werden. Höchst originell zum Beispiel ist die Flasche Sekt mit zwei Gläsern und allerlei Luftschlangen. Auch die Feuerwerkfotos sind äußerst witzig. Der Einfallsreichtum kennt selbst beim Glücksklee mit Schornsteinfeger keine Grenzen. Und die Veganer unter uns erschrecken wir mit einem Glücksschwein. Niedlich, gell?

Auch sprachlich ist der Jahreswechsel unübertroffen. „Alles Gute zum neuen Jahr!“ ist lieb gewordener Standard. Steigerung: „Alles nur erdenklich Gute!“ Und die ganz Pfiffigen fügen hinzu: „Das Wichtigste ist Gesundheit!“

Für Grußanfänger bietet sich der Dauerbrenner „Komm gut rein!“ an. Bildungsbürger feuern sich mit „A Happy New Year“ an.

Die zweite Stufe des Rituals zum Jahreswechsel ist der gute Vorsatz, der seinen Charme daraus schöpft, dass am Jahresende höchstens ein Nachsatz übrig bleibt. Wenn überhaupt.

Ich jedenfalls will im neuen Jahr meine häuslichen Pflichten optimieren und als erstes alle Gartengeräte zur Bodenbearbeitung mit neuen Stielelementen schmücken. Und beim leidigen Thema „Hecke“ werde ich mit einer elektronischen Stihl-Schere die Stilfrage lösen.

So, und nun wollen wir endlich unsere After New Year Parties feiern. Dazu lade ich die Ladies ein, und die Babies bleiben zu Hause. Besser jedenfalls, als würden wir zu den Partys die Ladys zu Hause lassen und die Babys mitbringen.

Machen Sie was draus. Und nicht vergessen: Es ist glatt!

Foto: markito auf Pixabay
Der mit dem Schwanz wedelt – Merkwürdige Kuriositäten

„Guck mal, mein Hund wedelt mit dem Schwanz“, strahlte mich eine gute Freundin an. Und sie hatte recht: Ihr Hund wedelte wirklich mit dem Schwanz! Tja, mit was soll er auch sonst wedeln. Gut, mit der Rute vielleicht. Aber ich will ja kein pingeliger Korinthenkacker sein.

In meiner neuen kleinen Serie geht es um merkwürdige Kuriositäten, um doppelt gemoppelte Selbstverständlichkeiten. Die kamen mir in den Sinn, als ich mir kürzlich die Haare föhnte. Was ich natürlich nur wegen dieses Wortspiels tat. Denn von einer Haarfrisur kann bei mir wahrlich keine Rede sein. Und außerdem: Was hätte ich auch sonst föhnen können?

Meine Frau, die Nanne, nickte eifrig mit dem Kopf. Ehrlich. Sonst ist ja nichts zum Nicken da.

Und so füllt sich auch diese Kolumne. Was natürlich Quatsch ist. Sie füllt sich ja nicht selbst, sie wird gefüllt. Darauf lassen Sie uns mit einem Glas Sekt anstoßen. Oder lieber mit zwei Gläsern. Das klingt besser. Außerdem: Mit einem Glas wird’s schwierig.

Reinhard Berger, 27. Dezember 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Der Schlauberger 30 klassik-begeistert.de

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Reinhard Berger

Allerleikeiten
Reinhard Berger, geboren 1951 in Kassel, Journalist, Buchautor, Hunde- und Hirnbesitzer.
Vergänglichkeiten: Vor dem Ruhestand leitender Redakteur der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA).
Herzlichkeiten: verheiratet, zwei Söhne, zwei Schwiegertöchter, drei Enkel, ein Rottweiler.
Anhänglichkeiten: Bach, Beethoven, Bergers Nanne (Ehefrau).
Auffälligkeiten: Vorliebe für Loriot, Nietzsche, Fußball, Steinwayflügel, Harley-Davidson.
Öffentlichkeiten: Schlauberger-Satireshow, Kleinkunstbühne.
Alltäglichkeiten: Lebt auf einem ehemaligen Bauernhof.


www.facebook.com/derschlauberger

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