Philharmonie Berlin: Farbenreicher Symbolismus bei Wagner und Debussy

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Rundfunkchor Berlin, Robin Ticciati ,  Philharmonie Berlin, Musikfest Berlin

Foto: Kai Bienert (c)
Philharmonie Berlin,
16. September 2018
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Rundfunkchor Berlin
Robin Ticciati Dirigent
Richard Wagner, Suite aus PARSIFAL
Claude Debussy, Le martyre de Saint Sebastian
Erin Morley Sopran
Anna Stephany Mezzosopran
Katharina Magiera
Alt
Dame Felicity Lott Sprecherin

von Peter Sommeregger

Ein ungewöhnliches Programm präsentierte das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin im Rahmen des diesjährigen Musikfestes. Die Gegenüberstellung von Werken Wagners und Debussys ist schon deshalb reizvoll, weil Debussy nach anfänglicher Verehrung später zu einem Gegner Wagners wurde.

Im ersten Teil erklingt  nach dem Vorspiel zum ersten Akt der Oper Parsifal eine von Claudio Abbadao zusammengestellte Suite aus Teilen des dritten Aktes, unter Mitwirkung des Rundfunkchores Berlin. Der junge Chefdirigent des Orchesters, Robin Ticciati stürzt sich beherzt in die Klangfluten der Parsifal-Musik. Schlank und ohne allzu großes Pathos erleben wir nach dem Vorspiel die klug zusammengestellte Suite aus Teilen des dritten Aktes. Hier wird die Quintessenz des Werkes auf den Punkt musiziert. Ein sehr stimmiger und effektvoller Einfall ist es, den Frauenchor im Finale von der obersten Empore singen zu lassen. So entsteht ein wunderbar differenziertes Klangbild, das optimal zu der mystischen Verklärung am Ende der Oper passt.

Nach der Pause steht das  selten gespielte Mysterienspiel Le martyre de Saint Sebastian von Claude Debussy auf dem Programm. Die auf einen Text von Gabriele D’Annunzio komponierte Musik mit stark manieristischen Stilelementen, wird hier in einer reduzierten Fassung von etwa einstündiger Dauer aufgeführt. Ein gewichtiger Apparat ist aufgeboten, neben dem Chor treten drei Gesangssolistinnen auf. Erin Morley, Anna Stephany und Katharina Magiera entledigen sich ihrer Aufgaben mit Bravour, sie verfügen alle über sehr wohlklingende Stimmen.

Einen wichtigen Part nimmt die Sprecherin ein, hier begegnen wir der einst als Sängerin gefeierten Dame Felicity Lott, die in einer raffinierten schwarz-roten Robe auftritt und damit das optische Highlight des Abends liefert. Sie trägt den umfangreichen Text mit Temperament und feiner Nuancierung vor, auch wenn ihr Französisch  nicht immer idiomatisch sauber klingt. Es gibt deutsche Übertitel zum Mitlesen, denen man entnehmen kann, dass D’Annunzios Text für heutige Ohren doch extrem symbolistisch überfrachtet und schwer verdaulich ist. So gesehen ist die Freude an der durchaus ansprechenden Musik, die allerdings auch ein wenig uneinheitlich wirkt, aber eine nicht zu leugnende Nähe zu Wagners Parsifal verrät, ein eher abstraktes Vergnügen.

Zur Auflockerung des doch recht spröden Werkes kam man auf die ausgezeichnete Idee, den Saal abwechselnd in verschiedenen, warmen Farben zu illuminieren und damit dramaturgisch zu gliedern. Auch die Positionierung der Solistinnen wechselte verschiedentlich, wodurch der Ablauf etwas aufgelockert wurde.

Das groß besetzte Orchester, von Ticciati konzentriert geleitet brillierte vor allem mit seinen stark geforderten Blechbläsern und den Schlaginstrumenten. Einmal mehr konnte man feststellen, dass Berlin in der luxuriösen Situation ist, gleich über mehrere erstklassige Klangkörper und an deren Spitze Weltklassedirigenten zu verfügen. Trotz der Sprödigkeit des Werkes von Debussy war das Publikum am Ende des Abends doch sehr angetan und sparte nicht mit herzlichem Beifall.

Peter Sommeregger, Berlin, 17. September 2018 für
klassik-begeistert.de

 

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