Die SONNTAG-PRESSE – 17. OKTOBER 2021

Die SONNTAG-PRESSE – 17. OKTOBER 2021

Parkett / Eiserner Vorhang © Kristijan Balun, 2015

Hamburger Schauspielintendantin bezeichnet Kritiker als „Scheiße am Ärmel“

Das ist unfassbar. Welche Ignoranz, Arroganz und Feigheit vor Qualitätsbeurteilung durch Dritte! Unglaublich! Aber das wird nicht durchgehen. Es zeigt nur eigene Unsicherheit oder die Gewissheit, dass man dort nichts macht, was entgegen eigener Auffassung berichtenswert wäre. So ein Kommentar käme sicher nicht bei regelmäßig vollem Haus. 

Allein schon aufgrund ihres öffentlichen Auftrags der Theater und der erheblichen Subventionen durch die öffentliche Hand ist so ein Kommentar an Absurdität und Unangemessenheit, ja Vermessenheit kaum noch zu überbieten.

Klaus Billand

Theaterskandal: Karin Beier und die „Scheiße am Ärmel“
https://www.welt.de/kultur/theater/plus234436386/Theaterskandal-Karin-Beier-und-die-Scheisse-am-Aermel.html

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die SONNTAG-PRESSE – 17. OKTOBER 2021

München / Gärtnerplatztheater
Aufwändige Annäherung – „Amors Fest“, eine barocke Ballettoper am Gärtnerplatztheater
Neue Musikzeitung/nmz.de

„Amors Fest“ im Gärtnerplatztheater: Ein Sieg für Spanien
Das Barockspektaktel „Amors Fest“ von Karl Alfred Schreiner und Howard Arman im Gärtnerplatztheater.
Münchner Abendzeitung

Münchener Kammerorchester eröffnet neue Saison: Keine Gefangenen
Das Münchener Kammerorchester eröffnet seine neue Saison im Prinzregententheater.
Münchner Abendzeitung

Berlin
Ricordi Berlin legt Kompositionswettbewerb ricordilab zum dritten Mal auf
Neue Musikzeitung/nmz.de

Leipzig
Dem Meister verpflichtet
Leipzig gibt den Mendelssohn-Festtagen endlich wieder Gewicht.
https://www.concerti.de/festival-portraets/mendelssohn-festtage-2021/

Hamburg
Hamburg Ballett: Emilie Mazon fesselt als Ophelia von Anbeginn an
Wie bei fast allen großen Neumeierballetten werden seine Choreographien bei jedem neuen Sehen tiefgründiger und fesselnder. Manches erscheint geradezu neu, wie bisher noch nicht gesehen.
von Dr.Ralf Wegner
Klassik-begeistert.de

Faszination Telemann: Kantaten zum Hamburger Dienstantritt vor 300 Jahren
bachtrack.com

Linz
Brucknerfest 2021 bilanziert mit 12.000 Besuchern
Oberösterreichische Nachrichten

CD
CD-Rezension: vom Virtuosen für Virtuosen
Der Komponist Franz Liszt war zu seinen Lebzeiten als einer der herausragenden Klaviervirtuosen bekannt und verehrt. In seinen zahlreichen Kompositionen für das Klavier setzte er entsprechend hohe, ja schwindelerregende Anforderungen an den Solisten.
von Peter Sommeregger
Klassik-begeistert.de

Links zu englischsprachigen Artikeln

Rom
Palazzo Altemps Rome 2021 Review: Moro Per Amore
Young Talent Bring Stradella’s Final Opera To The Stage In A Renaissance Palazzo
https://operawire.com/palazzo-altemps-rome-2021-review-moro-per-amore/

London
The Dante Project, Royal Ballet review – a towering achievement
A stupendous score by Thomas Adès powers this inspiring undertaking
theartsdesk.com

The week in classical: Fidelio; Gabriela Montero – review
The Guardian.com

Oxford
Scandinavian Landscapes at the Oxford Lieder Festival
operatoday.com

Ian Bostridge and Imogen Cooper travel “Over Silent Lands” at the Oxford Lieder Festival
operatoday.com

New York
Lang Lang explores a world of nuance and imagination in Bach “Goldbergs” at Carnegie Hall
theclassicalreview

Review: Schumann at the Philharmonic. Robert, Too.
With a debuting pianist and conductor, a solo by Clara Schumann preceded works by her husband and Brahms.
The New York Times

Substitutes step up in Philharmonic’s evening with the Schumanns
thenewyorkclassicalreview

Boston
Lush Strauss and charming Mozart from Nelsons and the Boston Symphony
bachtrack.com

Chicago
A Chicago Puppet Tradition Lives on at Opera in Focus
chicagomag.com

Feuilleton
Criticism on Fridays: Safety First?
How Opera Houses Have Adapted to the New Balance of Safety Requirements & the Political Decisions of the Governments of Different Countries
https://operawire.com/criticism-on-fridays-safety-first/

Recordings
Classical home listening: Quatuor Ébène and the Gesualdo Six
The Guardian.com

Ballett/ Tanz

Amsterdam
Tanz: Eine begeisternde Anna Tsygankova als Mata Hari in Amsterdam
bachtrack.com

Sprechtheater

Hamburg / Schauspielhaus
Karin Beier und die „Scheiße am Ärmel“
Karin Beier will die Theaterkritik abschaffen
Die Welt.deKultur

Wien/ Volkstheater
Volkstheater-Kritik: Kalkulierte Empörung in der Dunkelkammer
Volkstheater-Chef Kay Voges inszeniert die Gewaltsuada seiner Hausautorin Lydia Haider, aktuell auch Klagenfurter Stadtschreiberin.
Kleine Zeitung

Film/ TV

Hollywood
Veranstalter wollen Golden Globes ohne TV-Gala abhalten
Das gab der Verband der Auslandspresse in Hollywood, der die Film- und Fernsehpreise organisiert, am Freitag bekannt.
Oberösterreichische Nachrichten

ORF
Karina Sarkissova ärgert sich über Otto Konrad: „Schlecht erzogen“
Nach der Show gab es laut der Dancing-Stars-Jurorin einen unschönen Zwischenfall.
Kurier.at

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Unter’m Strich

Österreich
Die sieben Todsünden des Systems Kurz
Sebastian Kurz hat das Kanzleramt geräumt, das türkise System bleibt. Welche politischen Methoden haben es nach Erfolgen nun in die Krise und ins Zentrum von Ermittlungen geführt?
Der Standard.at

Regierungskrise: Kogler über Kurz-Rücktritt: Das lief hinter den Kulissen
Erst unter parteiinternem Druck sei Kurz eingeknickt und habe Schallenberg als neuen Kanzler vorgeschlagen, so Kogler. Die Grünen würden „staatspolitische Verantwortung“ wahrnehmen, ist er überzeugt.
Kleine Zeitung

Österreich
Starke Kürzung bei AMS-Geld – so will Kanzler vorgehen
Alexander Schallenberg ist seit knapp einer Woche Österreichs neuer Bundeskanzler. Wie hart fährt er den Kurz-Kurs hinsichtlich der Arbeitslosenfrage?
Heute.at

GB
Mord an britischem Abgeordneten als Terrorakt eingestuft
David Amess wurde in der englischen Grafschaft Essex von einem Angreifer niedergestochen.
Kurier.at

INFOS DES TAGES (SONNTAG, 17. OKTOBER 2021)

INFOS DES TAGES (SONNTAG, 17. OKTOBER 2021)

Quelle: onlinemerker.com

Wien/ Theater an der Wien: PETER GRIMES  – 2 Fotoserien auf Instagram

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Dirigent Thomas Guggeis. Foto: Monika Rittershaus

ZU INSTAGRAM mit weiteren Fotos – Serie 1

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Foto: Monika Rittershaus auf Instagram

ZU INSTAGRAM mit weiteren Fotos – Serie 2
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Wien: Asmik Grigorian vor, während und nach ihrer Tatjana in „Eugen Onegin“ – ein interessantes Video

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ZU INSTAGRAM mit Video

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„Chorabenteuer“ bei „Onegin“

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Gefunden von Fritz Krammer

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WIENER STAATSOPER: EUGEN ONEGIN: FOTOS AUS DER ERSTEN VORSTELLUNG DER SERIE (15.10.2021)

ZUM BERICHT von Manfred A. Schmid

Mit
Andrè Schuen (Eugen Onegin)
Asmik Grigorian (Tatjana)
Anna Goryachova (Olga)
Bogdan Volkov (Lenski)
Dimitry Ivashchenko (Fürst Gremin)
Helene Schneiderman (Larina)

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Asmik Grigorian (Tatjana), Andrè Schuen (Onegin). Foto: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

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Asmik Grigorian (Tatjana). Foto: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

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Bogdan Volkov (Lenski). Foto: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

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Helene Schneiderman (Larina), Asmik Grigorian (Tatjana). Foto: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

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HERBSTTAGE BLINDENMARKT: KONZERT AM STAATSFEIERTAG!

Konzert für Alle II
Klassik-Hits für Groß und Klein!

Startseite — Herbsttage Blindenmarkt

Dienstag, 26. Oktober 2021, 11:00–13:00

Ein Feiertags-Ausflug der besonderen Art: Das Konzert für Alle ist ein Fest der Melodien für Klassik-Liebhaber und Klassik-Neulinge jeden Alters. Anzug, Krawatte und Abendkleid haben Pause!
Zwei Stunden Hörgenuss, die beweisen, dass das klassische, oftmals strenge Konzertformat auch einmal lustvoll auf den Kopf gestellt werden darf. Giuseppe Verdi, Georges Bizet, Johann Strauß oder Wolfgang Amadeus Mozart laden zum Genießen und Entdecken ihrer Klangwelten ein. Vom Radetzkymarsch bis zur Bauernpolka, vom Gefangenenchor bis zur  Champagnerarie! Ein Programm, das die Ohren staunen lässt. Mit dem österreichischen Bariton Clemens Unterreiner, zuhause auf den Opernbühnen der Welt und langjähriges Mitglied der Wiener Staatsoper, ist ein gefeierter Star zu Gast in Blindenmarkt. Die erst 17jährige niederösterreichische Sopranistin und mehrfache Preisträgerin Anja Mittermüller ist ebenfalls zu bewundern. Der international gefragte österreichische Dirigent Gerhard Lessky leitet die Kammerphilharmonie Spirit of Europe, die erstmals in der Mostviertler Operetten-Metropole auftritt. Kurt Dlouhy leitet den Männergesangsverein Ybbs. Die charmante ORF-Lady Teresa Vogl moderiert dieses kulinarische Musik-Ereignis. Das Konzert für Alle – bei freiem Eintritt – ermöglicht Mäzen Reinhard Kubicki (Firma Creditreform).

Lauschen, lachen und für kurze Zeit auf Du und Du sein mit klassischer Musik und ihren Interpreten – die gerne auch Autogramme geben!

Konzert für Alle II

Klassik-Hits für Groß und Klein!
Dienstag, 26. Oktober 2021, 11:00 – 13:00
Ybbsfeldhalle Blindenmarkt

Dirigent: Gerhard Lessky
Bariton: Clemens Unterreiner
Sopran: Anja Mittermüller
Moderation: Teresa Vogl

Kammerphilharmonie Spirit of Europe
Männergesangsverein Ybbs
Chorleitung Kurt Dlouhy

Freikarten im Herbsttage-Büro erhältlich!

 Informationen:
www.herbsttage.at
Karten: 07473-666 80  / Veranstaltungsort: Ybbsfeldhalle Blindenmarkt
Wiener Blut, Johann Strauß, Zusatzvorstellungen bis 31. Oktober 2021
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Prag: „ERSTES FESTIVAL MUSICA NON GRATA“ (Alexander Zemlinsky) Tschechische Staatsoper – 8.-10. 10. 2021

Anfang einer neuen Ära in Prag mit „verbotener Musik“ und der Uraufführung des Opernfragments „Malva“ von Alexander Zemlinsky

Der Geburtstag von Alexander Zemlinsky jährte sich dieser Tage (14.10.) zum 150. Mal

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Die Tschechische Staatsoper vor der Generalsanierung. Jetzt wird man in der zentralen Loggia begrüßt durch Goethe, Schiller und Mozart (mit Büsten, die man in anderen Fellner & Helmer-Theatern wiederfand). (© Národní Divadlo)

 Eine neue Ära beginnt in den drei Prager Opernhäusern. Nachdem diese in den schwierigen Jahren nach der Wende zu „Ausstattungstheatern“ verkommen waren, wo sich die Touristen hauptsächlich die wunderschönen Räumlichkeiten anguckten, wurde auf Regierungsebene eine große Reform eingeleitet. Als erstes wurden/werden die drei Häuser seit 2012 „generalsaniert“. Das alte kleine Barocktheater in der Stadtmitte, heute „Ständetheater“, in dem Mozarts „Don Giovanni“ und „La Clemenza di Tito“ 1787 und 1791 uraufgeführt wurden, erstrahlt jetzt innen in neuer Pracht und mit der Außenfassade wird man dieses Jahr wohl fertig werden. Das ehemalige Tschechische Nationaltheater, heute „Nationaltheater“, das Vier-Sparten-Haus am Ufer der Moldau (mit der Laterna Magika in der angebauten „Neuen Szene“), wurde nur von außen restauriert, da der Spielbetrieb nicht eingestellt werden konnte/sollte während der Sanierung der anderen beiden Bühnen. Und last but not least die Tschechische Staatsoper. Der wunderschöne Bau von Fellner & Helmer neben dem Bahnhof, 1888 als „Neues deutsches Theater“ eröffnet, wurde vorbildlich restauriert – worüber wir im Merkerheft 2/2020 schon berichtet haben. Doch leider musste kaum ein Monat nach der feierlichen Eröffnung der Vorhang Pandemiebedingt schon wieder geschlossen werden – bevor er nun erst richtig wiederaufgeht.

Erst jetzt kann man ermessen, was diese Generalsanierung der Prager Opern wirklich bedeutet. Denn die drei Häuser wurden inzwischen zusammengelegt und bekamen einen neuen künstlerischen Direktor, der ihnen eine erkennbare Identität (wieder)geben soll. Der erfahrene Per Boye Hansen besann sich auf die goldenen Jahre des Prager Opernlebens vor dem Zweiten Weltkrieg und möchte nun wieder anknüpfen mit dem, was damals in Prag alles geleistet wurde. Und das ist viel mehr als heute allgemein üblich bekannt. In Merker-Kreisen kennt man vor allem den Namen des ersten Direktors der Tschechischen Staatsoper, Angelo Neumann, der als Operndirektor in Leipzig 1878 den ersten externen „Ring des Nibelungen“ auf die Beine stellte und mit dem „Reisenden Richard Wagner-Theater“ durch Europa tourte, was er ab 1888 weiter mit seinen Wagner-Produktionen aus Prag tat (bis zu seinem Tode 1910). Sein Nachfolger an der Tschechischen Staatsoper von 1911 bis 1927, Alexander Zemlinsky (1871–1942), hat nicht weniger Interessantes geleistet – was jedoch viel weniger bekannt ist. So waren Zemlinskys Mozart-Dirigate legendär – sogar Igor Strawinsky hat rückblickend davon geschwärmt! Seine eigenen Opern hat er nicht in Prag dirigiert & uraufgeführt – dafür war er zu bescheiden. Aber er hat wohl die Türen seines Opernhauses weit für seine damaligen Kollegen geöffnet. So dirigierte Zemlinsky u.a. die Uraufführung von Arnold Schönbergs „Erwartung“ 1924 und viele Opern von Paul Hindemith, Erich Wolfgang Korngold, Ernst Křenek und Franz Schreker.

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Wiederentdeckung Zemlinskys an der Tschechischen Staatsoper zu seinem 150. Geburtstag. Das Wiener Wunderkind wurde viel weniger bekannt als seine Zeitgenossen und gab sich selbst die Schuld dafür: „Man ist an seinem Schicksal immer selbst schuld – letzten Endes; oder unschuldig schuldig wenigstens. Mir fehlt sicherlich das gewisse Etwas, das man haben muss – und heute mehr denn je – um ganz nach vorne zu kommen. In einem solchen Gedränge nützt es nichts, Ellbogen zu haben, man muss sie auch zu gebrauchen wissen.“ (© Národní Divadlo) 

Das erste Festival „Musica non grata“

Um bei diesem rühmlichen aber leider vergessenen Kapitel der Tschechischen Staatsoper anzusetzen, startet Per Boye Hansen mit dem Musikwochenende „Musica non grata“. Nicht als einmaliges „Eröffnungskonzert“, sondern als ein hoch ambitioniertes Festival, das auf vier Jahre geplant ist. Um ein so großes Projekt auf die Beine zu stemmen, bekam er die Unterstützung von Markus Klimmer, der als „österreichischer Politikberater“ des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier offensichtlich dazu beitrug, dass die deutsche Botschaft in Prag dieses Festival nun mit 4 Millionen Euro unterstützt. Klimmer kommentierte dies diskret in einem Pausengespräch: „Mit Musik kann man etwas erreichen, was die Politik mit den Mitteln der Diplomatie oft nicht schafft.“ Wir gratulieren zu diesem Erfolg, von dem nun die ganze Oper profitiert! So konnte Per Boye Hansen ein internationales Team von Musik-Spezialisten nach Prag einladen für ein Festival, das er in seiner Eröffnungsrede so definierte: „Musica non grata widmet sich der Rekonstruktion des reichen Tschechisch-deutsch-jüdischen Musiklebens in Prag, das 1938/39 mit der Okkupation durch die Nazis zum Erliegen kam. Auch Zemlinsky ist hier einzuordnen. Er war gebürtiger Jude und eine Persona non grata in den Augen der Nazis. (…) Heute ist Zemlinsky vor allem für seine Opern bekannt. In den nächsten Tagen werden Sie ihn aber auch von einer anderen Seite erleben. Es erwarten Sie insgesamt 5 Konzerte: Kammermusik, Gesang, Experimentelles und Klassisches. Oper, Konzert und eine kleine Sensation. Denn es kommt nur selten vor, dass man bei einem so bekannten Komponisten wie Zemlinsky noch auf unbekannte Werke stoßen kann. Hier ist es aber der Fall: Es wird erstmals sein Opernfragment „Malva“ erklingen, das Antony Beaumont rekonstruiert hat – eine Weltpremiere! Insgesamt wollen wir Zemlinskys Musik im Kontext ihrer Zeit präsentieren. So werden wir seine Werke mit der Musik von Zeitgenossen konfrontieren, die ihn besonders prägten. Das sind zum Beispiel Johannes Brahms und Alban Berg. Aber auch Arnold Schönberg, der Schwager von Zemlinsky, und Wolfgang Amadeus Mozart.“

Dr. phil. Kai Hinrich Müller von der Hochschule für Musik und Tanz in Köln stellte ein musikalisch hochinteressantes Programm zusammen, das überraschender Weise mit dem Trio für Klarinette, Klavier und Violoncello a-Moll op. 114 von Johannes Brahms (1891) anfing. Denn Brahms – und nicht Gustav Mahler – war das erste Vorbild des damaligen Wiener Wunderkindes Zemlinsky, der 1884 schon mit 13 Jahren im „Konservatorium“ (damals im Wiener Musikverein) aufgenommen wurde. Zemlinsky galt zuerst als „Brahmine“ und gewann als solcher seine ersten Sporen: Musikwettbewerbe, Stipendien und auch dank Brahms den Druck seines wohl populärsten Kammermusikwerks, das Klarinettentrio d-Moll op. 3 (1896), das nun passend gleich nach Brahms gespielt wurde. Im Januar 1900 – Zemlinsky war nur 19 Jahre alt! – folgte schon sein Debüt als Opernkomponist an der Wiener Staatsoper (damals Hofoper) mit „Es war einmal“, durch Gustav Mahler en personne dirigiert. Anscheinend spielte bei diesem Kometenaufstieg auch eine gewisse Alma Schindler eine Rolle, die sich leidenschaftlich bei Mahler für ihren Klavier- und Kompositionslehrer Zemlinsky einsetzte (der ebenfalls leidenschaftlich in sie verliebt war) – bevor sie die Fronten wechselte und sich kurzentschlossen mit Mahler vermählte (wozu später mehr bei „Malva“). Zu den 14 Werken (8 von Zemlinsky, 5 von seinen Zeitgenossen Alban Berg & Arnold Schönberg und 1 von Mozart) sei gesagt, dass diese Gegenüberstellung in 5 Konzerten – von „Konfrontation“ kann hier keine Rede sein – unerwartete „Höreinblicke“ verschaffte. Denn wer hätte gedacht, dass Mozarts „progressivstes Quartett“ (so Kai H. Müller), das sogenannte „Dissonanzen-Quartett“ KV 465 (1785) ein ganz logischer Vorläufer sein könnte von Zemlinskys klassischem 3. Streichquartett op. 19 (1924), das während seiner Zeit in Prag entstand und zum Andenken an seine Schwester Mathilde geschrieben wurde (inzwischen die Frau seines nur 3 Jahre jüngeren Schülers Schönberg).

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Die Sopranistin Štěpánka Pučálková in den „Sechs Gesängen“ nach Gedichten von Maurice Maeterlinck vor dem ursprünglichen Eisernen Vorhang aus 1888 (der nun nach alten Fotos wieder neu gemalt wurde). (© Serghei Gherciu)

Uraufführung des Opernfragmentes „Malva“

Diese ganzen familiären und emotionellen Verstrickungen erklären die Entstehung von „Malva“ und warum diese Oper nie zur Aufführung kam. Antony Beaumont, der unbestrittene Zemlinsky-Spezialist par excellence (seine 2005 bei Zsolnay in Wien erschienene Zemlinsky-Biografie gilt als das Standardwerk), konnte in zwei Vorträgen wunderbar darüber berichten. – Auch weil er eine vielbeachtete Neuauflage von Mahlers Briefen verlegt hat (mit 188 Briefen & Dokumenten, die Alma zensiert oder ganz gestrichen hatte). Nur kurz dazu: Der sehr belesene und aufgeschlossene Zemlinsky hat die Novelle des damals kaum bekannten Maxim Gorki schon 1901 gelesen, als er leidenschaftlich in seine Schülerin Alma verliebt war, die am 9. März 1902 den 19-Jahre älteren Gustav Mahler heiratete. In Gorkis Erzählung geht es um eine ähnliche Dreiecksbeziehung einer Frau zwischen einem jungen und einem älteren Mann – sei es in ärmlichsten Verhältnissen auf dem Lande, bzw. bei armen Fischern. Dies sei der Grund, dass Mahler ein „non placet“ gab für eine Oper mit einem solchen Thema. Dafür aber wohl grünes Licht für Zemlinkys „Traumgörge“, der auch im Oktober 1907 beinahe an der Wiener Staatoper uraufgeführt wurde. – Bis Mahler seinen Posten in Wien aufgab und sein Nachfolger Felix Weingartner die schon geprobte Premiere kurzerhand annullierte. Erst im Sommer 1912 nahm Zemlinsky, inzwischen schon Operndirektor in Prag, die „Malva“-Partitur mit auf die Ferien, wo sich wieder ein Dreiecks-Drama abspielte, aber jetzt mit seiner Schwester Mathilde, die nach dem Tod ihrer Mutter einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte, und mit seinem Schwager Arnold Schönberg. Aus dem Ferienhaus „Concordia“ in Usedom wurde so Beaumont ein „Haus Discordia“, wo Zemlinsky seinen Emotionen auf dem Notenblatt freien Lauf lassen konnte. Doch danach war die Partitur emotionell für ihn doppelt belastet und hat er die Arbeit anscheinend nie wieder aufgenommen. Als Operndirektor in Prag hatte er sowieso mehr als genug zu tun und bald darauf brach der erste Weltkrieg aus. Erst 80 Jahre später, als Antony Beaumont 1993 Zemlinskys unvollendete Oper „Der König Kandaules“ fertigstellte, stieß er in den Zemlinsky-Archiven in Washington auf viele lose Blätter. Auf Bitten des Zemlinsky-Fonds in Wien kehrte er im Februar 2020 zurück in die Library of Congress, um diese „unidentified sketches“ näher zu betrachten und konnte 39 Notenseiten „Malva“ zuordnen, wovon 13 teilweise oder völlig durchgestrichen waren. Die ersten 26 Seiten formen quasi den ganzen 1. Akt, von der Orchestereinleitung bis zum Schlusstrio, mit nur einigen kleinen (musikalischen) Lücken, die durch zwei gesprochene Szenen überbrückt werden. Da Antony Beaumont wie kein Anderer mit Zemlinskys Tonsprache vertraut ist, konnte er aus diesem unvollendeten Particell eine Orchesterpartitur herstellen. Eine beachtenswerte Leistung!

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Als Abschluss Zemlinskys „Lyrische Symphonie“: Es wirkte so, als ob Michael Nagy (rechts) Zemlinsky (Foto hinten) aus der Seele sang – auf der Bühne des Theaters, wo er sein heute meist gespieltes Werk komponiert hat. (© Serghei Gherciu)

Trotz dieser riesigen dramaturgischen Vorarbeit gab es leider (pandemiebedingt?) kein Programmheft mit dem Libretto, nicht einmal einen vagen Handlungsablauf mit dem man sich orientieren konnte. (Nur einen kleinen Besetzungszettel mit zwei Artikeln von Kai Hinrich Müller und Antony Beaumont aus denen ich jetzt zum Teil zitiere). Aber zum Glück sangen alle drei tschechischen Sänger ein textverständliches Deutsch und sind wir mit der Ton-, Sprach- und Gedankenwelt Zemlinskys so vertraut, dass wir folgen konnten warum es ging. Jiří Hájek sang eindrucksvoll die Rolle des Vaters (Fischers) Wassili, der nicht ohne Sorge sieht wie Malva (Jana Sibera) mit seinem Sohn Jakob liebäugelt, der natürlich ein Tenor ist (Josef Moravec). Sie tut dies mit Wassermotiven, so wie in Zemlinskys ungefähr zeitgleicher Orchestersuite „Die Seejungfrau“ (1902/3). Karl-Heinz Steffens dirigierte entsprechend fließend das Orchester und den Chor der Tschechischen Staatsoper, die uns jedoch in zwei anderen Werken mehr überzeugten. Das waren zuerst die viel zu selten gespielten, wunderbaren „Sechs Gesänge“ (Opus 13, 1910 und danach 1913 orchestriert) nach Gedichten von Maurice Maeterlinck (auf Deutsch übersetzt). In Konzertsälen hört man sie manchmal zusammen mit Liedern von Gustav Mahler (in der Fassung für großes Orchester aus 1924), in diesem Umfeld & Kontext wären die noch seltener gespielten Lieder von Alma Mahler vielleicht angebracht gewesen? (Ihr Lied „Licht in der Nacht“ hätte wunderbar dazu gepasst!) Die aus der Dresdener Semper-Opern eingeflogene Mezzo-Sopranistin Štěpánka Pučálková sang wunderbar. Erstaunlich leicht und ohne das große Vibrato, mit dem man öfters diese Lieder unnötig „einnebelt“. Als Abschluss und für uns auch als musikalischen Höhepunkt gab es Zemlinskys „Lyrische Symphonie“ (Op. 18, 1922/23), eine Lied-Symphonie nach indischen Gedichten von Rabindranath Tagore und durchaus vergleichbar – so Zemlinsky selbst – mit Mahlers „Lied von der Erde“ (nach chinesischen Gedichten). Nur viel persönlicher, denn hier geht es deutlich um Zemlinsky selbst: seine Träume, seine Sehnsüchte, seine nie gestillte Sehnsucht – bis hin zum ersehnten „Liebestod“. Der deutsche Bariton (mit ungarischen Wurzeln) Michael Nagy sang diese Texte mit großem Können und vor allem einer solchen Verinnerlichung, dass man das Gefühl hatte, er sänge Zemlinsky aus der Seele und dieser stünde nun vor uns auf der Bühne des Theaters, wo er sein heute meist gespieltes Werk komponiert hat. Ein wunderbarer Abschluss, ein Geschenk für das Publikum und natürlich für Zemlinsky, der am 14. Oktober 150 Jahre alt geworden wäre.

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 „Malva“, eine Uraufführung als Geschenk zu Zemlinskys 150. Geburtstag. Nun kann sie anderorts auch gespielt werden… (© Serghei Gherciu)

Zukunftspläne mit seltenen Werken und Komponistinnen

Im November geht es gleich schon weiter mit Arnold Schönbergs „Erwartung“ – Zemlinsky dirigierte 1924 die Uraufführung in Prag – zusammen mit „Die sieben Todsünden“ von Kurt Weill. Im März und Mai 2022 folgen Franz Schrekers „Der ferne Klang“ – seit Zemlinskys Dirigat in 1920 nicht mehr in Prag gespielt – und Erwin Schulhoffs Oper „Flammen“ in der ursprünglichen tschechischen Fassung der Uraufführung 1932 in Brno (Brünn) – auch seitdem nicht mehr in Tschechien gespielt. Und in der nächsten Spielzeit Zemlinskys wenig bekannte „Kleider machen Leute“, eine „Musikalische Komödie“, die anscheinend mit jungen tschechischen Modedesignern auf einem Catwalk inszeniert werden soll. Das nächste Festival „Musica non grata“ wird kommenden Herbst vergessenen Prager Komponistinnen aus den 1920/30er Jahren gewidmet werden. Kein Zweifel: eine neue Ära beginnt an der Prager Oper! Waldemar Kamer

Weitere Infos: www.musicanongrata.com

Homepage der Tschechischen Staatsoper: www.narodni-divadlo.cz

Partitur von „Malva“ auf der Homepage des Ricordi Verlags in Berlin

Waldemar Kamer (Paris)

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OPER FRANKFURT: „Amadigi“ statt „The People Out There“ im Bockenheimer Depot

Wie bereits mitgeteilt, bedauert die Oper Frankfurt sehr, die für den 22. Dezember 2021 im Bockenheimer Depot geplante Uraufführung der Oper The People Out There von Hauke Berheide und Amy Stebbins verschieben zu müssen. Aufgrund der coronabedingten Beschränkungen in den vergangenen Monaten konnten wichtige musikalische Experimentierphasen nicht stattfinden, die für den Kompositionsprozess unabdingbar sind. Die Oper Frankfurt freut sich darauf, dieses besondere Werk in einer der kommenden Spielzeiten zu realisieren.

Nun steht ein Teil der Ersatzvorstellungen für The People Out There fest: Am 8., 10., 13., 15. und 16. Dezember 2021 um jeweils 19.00 Uhr wird im Bockenheimer Depot Händels Amadigi in der Produktion von Roland Böer (Musikalische Leitung) und Andrea Bernard (Inszenierung) gezeigt, die kürzlich ihre Frankfurter Erstaufführung feierte und eigentlich für diese Saison bereits abgespielt war. Die Besetzung u.a. mit Countertenor Brennan Hall in der Titelrolle bleibt unverändert, nur wird die Partie der Melissa jetzt von Elizabeth Sutphen anstatt von Kateryna Kasper übernommen.

Darüber hinaus sollen noch zwei Abende mit dem Ensemble Modern angesetzt werden; Details hierzu folgen später.

 Abonnent*innen haben die Wahl, eine dieser Vorstellungen zu besuchen oder sich den Wert des Tauschgutscheins gutschreiben zu lassen.

Karten für Amadigi zum Preis von € 20 bis 65 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf) sind bei den üblichen Vorverkaufsstellen, online unter www.oper-frankfurt.de oder im telefonischen Vorverkauf 069 – 212 49 49 4 erhältlich.
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„IM ZENTRUM“: Zwischen Türkis und Schwarz – Wohin steuert die ÖVP?

Am 17. Oktober um 22.10 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) – Die Regierungsarbeit wird nach dem Rücktritt von Sebastian Kurz fortgesetzt. Nach der Kanzler-Rochade befindet sich die ÖVP aber immer noch unter Druck. Was bedeuten die Korruptionsermittlungen für das Ansehen der Partei und die Zukunft von Sebastian Kurz als Parteichef und Klubobmann? Welcher Werte-Katalog wird als Maßstab für die Neue Volkspartei herangezogen? Wie wird sich Alexander Schallenberg als Bundeskanzler profilieren? War der Rücktritt von Sebastian Kurz alternativlos? Wie viel Macht hat der Parteiobmann und nunmehrige Klubobmann Kurz und wie viel Gewicht haben die Meinungen der Landeshauptleute? Wird Türkis wieder Schwarz und aus der neuen Volkspartei wieder die alte?

Darüber diskutieren am Sonntag, dem 17. Oktober 2021, um 22.10 Uhr in ORF 2 bei Claudia Reiterer „IM ZENTRUM“:

Elisabeth Köstinger   Bundesministerin für Landwirtschaft und Tourismus, ÖVP

Franz Fischler   ehem. EU-Kommissar, ÖVP

Matthias Strolz   ehem. Bundesparteivorsitzender NEOS

Fritz Plasser   Politikwissenschafter

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