"Drei Männer im Schnee":
Gute Laune garantiert im Gärtnerplatztheater

Drei Männer im Schnee, Revueoperette,  Staatstheater am Gärtnerplatz, 28. Februar 2019

Foto: © Christian POGO Zach
Auftragswerk des Staatstheaters am Gärtnerplatz, 28. Februar 2019
Drei Männer im Schnee, Revueoperette
von Thomas Pigor nach dem Roman von Erich Kästner
Musik von Konrad Koselleck, Christoph Israel, Benedikt Eichhorn und Thomas Pigor
Orchestrierung von Konrad Koselleck
Kreative Mitentwicklung: Michael Alexander Rinz

von Barbara Hauter

Mehr Retro geht nicht: Eine turbulente Verwechslungskomödie von Erich Kästner aus dem Jahr 1934 als Vorlage, eine fesche Optik wie aus einem alten UFA-Film, schmissige Musiknummern im Stil der 1930er-Jahre – die Revueoperette „Drei Männer im Schnee“ beamt uns munter zurück in die Zeit von Marlene Dietrich und Louis Armstrong. Dass es nicht staubt vor lauter Nostalgie, sondern wunderbar ins Jahr 2019 passt, das liegt am zeitgemäßen Umgang mit Stoff und Musik.

Alle Ü50 kennen die Story von Erich Kästner aus dem Roman oder aus einer  der vielen Verfilmungen: Die Tobler Werke veranstalten ein Preisausschreiben, die ersten zwei Preisträger werden ins Grandhotel nach Bruckbeuren (Kästner meinte wohl Kitzbühel) eingeladen. Erstplatzierter ist der arbeitslose Werbetexter Dr. Fritz Hagedorn, zweiter ein gewisser Herr Schulze, der sich aber als Direktor der Tobler Werke Eduard Tobler entpuppt. Der etwas spleenige Millionär will sich unerkannt als armer Schlucker ins Hotel einquartieren um die reiche, snobistische Gesellschaft zu studieren. Damit es nicht ganz so ungemütlich wird, nimmt er sicherheitshalber seinen Kammerdiener Johann mit, der sich im Grandhotel als reicher Investor ausgibt. Toblers Hausdame Kunkel ist das Ganze nicht geheuer und warnt den Portier des Grandhotels telefonisch vor dem verkappten Millionär. Beim Einchecken aber hält der Portier Hagedorn für den Millionär und hofiert ihn entsprechend, Tobler dagegen wird als unerwünschter armer Schandfleck in eine ungeheizte Dachkammer abgeschoben. Die drei neuen Gäste Schulze alias Tobler, Hagedorn und  Johann befreunden sich – und die mit Kästners würzigem Wortwitz gepfefferte Komödie nimmt ihren Lauf.

Christoph Israel (Musik), Josef E. Köpplinger (Regie), Thomas Pigor (Komponist), Konrad Koselleck (Orchestrierung) © Christian POGO Zach

Der Stoff  schreit geradezu nach einer musikalischen Bearbeitung. Doch erst vor zwei Jahren gab das Gärtnerplatztheater den Anstoß für die Umsetzung und beauftragte Thomas Pigor. Der vielfach ausgezeichnete wortakrobatische Kabarettist, Liedermacher und Komponist  schrieb im Team mit Konrad Koselleck, Christoph Israel und Benedikt Eichhorn ein wahres Musikfeuerwerk. Swing, Tango, Walzer, Polka und Jazzklänge wechseln sich im hohen Tempo ab. Regisseur und Theaterchef Josef E. Köpplinger setzt das Tempo für bunte Bilder, rasante Wechsel und witzige Regieeinfälle, sogar eine Steppnummer auf Skiern gibt es zu bestaunen.

Die Rollen werden kräftig in die Jetzt-Zeit modernisiert. Hausdame Kunkel, im Original etwas dümmlich, nimmt selbstbewusst und resolut den Lauf der Geschichte in die Hand und  entpuppt sich als die heimliche Partnerin Toblers. Dagmar Hellberg gibt sie brillant bärbeißig. Julia Klotz spielt Toblers Tochter Hilde als eine selbstbewußte Geschäftsfrau, die die Geschicke der Tobler Werke steuert, auch gegen den Willen ihres Vaters. Doch Klotz hat an diesem Abend gesundheitliche Probleme, ihre Singstimme versagt. Nach der Pause kann sie ihre Rolle nur noch sprechen. Die Duette mit ihrem Zukünftigen Hagedorn bewältigt Armin Kahl sehr beeindruckend im Alleingang.

Armin Kahl (Dr. Fritz Hagedorn), Erwin Windegger (Eduard Tobler), Alexander Franzen (Johann Kesselhuth) © Christian POGO Zach

Auch der dritte Mann im Schnee bleibt in der Gärtnerplatz-Bearbeitung nicht allein: Er outet sich zusammen mit Skilehrer Toni, und die beiden übernehmen am Ende als glückliches homosexuelles Paar das Grandhotel. Überall beschwingte Heiterkeit, mit großer Spielfreude gesungen und vom Gärtnerplatz-Orchester gespielt. Doch die kommende Katastrophe wird vorsichtig angedeutet. Bei der ausgelassenen Silvesterparty feiern die ersten Nazis mit.

Doch das trübt die Laune nicht. „Drei Männer im Schnee“ ist beste Unterhaltung mit viel Show und  einigen einprägsamen Melodien. Man merkt, dass es Sängern und Musikern Spaß macht – und das schwappt über aufs Publikum. Ein bisschen Erholung von der anstrengenden Gegenwart in einer wunderschönen Fiktion von 1933.

Barbara Hauter, 9. März 2019, für
klassik-begeistert.de

Musikalische Leitung: Andreas Kowalewitz
Regie: Josef E. Köpplinger
Choreografie: Adam Cooper
Bühne: Rainer Sinell
Kostüm: Dagmar Morell
Licht: Josef E. Köpplinger, Michael Heidinger
Dramaturgie: Michael Alexander Rinz
Eduard Tobler: Erwin Windegger
Hilde Tobler, seine Tochter: Julia Klotz
Dr. Fritz Hagedorn: Armin Kahl
Johann Kesselhuth, Toblers Kammerdiener: Alexander Franzen
Claudia Kunkel, Hausdame bei Toblers: Dagmar Hellberg
Portier Polter: Eduard Wildner
Hoteldirektor Kühne: Frank Berg
Frau Calabré: Sigrid Hauser
Toni Graswander: Peter Neustifter
Sepp Graswander: Stefan Bischoff
Tierhändler Seidelbast / Herr Calabré: Florian Sebastian Fitz
Emir von Bahrein: Alexander Moitzi
Liftboy: Christian Schleinzer
Mrs. Sullivan: Susanne Seimel
Zimmermädchen Herta: Laura Schneiderhan
Zimmermädchen Annamirl: Florine Schnitzel
Zimmermädchen Marianderl: Katharina Wollmann
Page Franzl: Alexander Bambach
SA-Männer: Christian Weindl, Martin Emmerling
Milchfrauen: Veronika Kröppel, Kim Mira Meyer, Corinna Klimek
Chor, Kinderchor und Statisterie des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

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