Beifallsstürme für Edita Gruberova - die letzte Primadonna Assoluta in Wien

Edita Gruberova, Galakonzert,  Wiener Staatsoper

Foto: Michael Pöhn (c)
Galakonzert an der Wiener Staatsoper
, 23. Juni 2018
Edita Gruberova, Sopran
Jinxu Xiahou, Tenor
Marco Armiliato, Dirigent
Orchester der Wiener Staatsoper

Von Charles E. Ritterband

Derartiges gab es zuvor noch nie an der Wiener Staatsoper: Edita Gruberova – im Programmheft als „die letzte Primadonna Assoluta“ gefeiert – wurde von ihrem Publikum nicht nur mit kaum enden wollendem Beifalls-Orkan gefeiert, sondern auch mit einem dichten Schauer von tausenden dunkelgelben Flyern und roten Herzen, die von den Ranglogen auf die Bühne flatterten und bald den Bühnenboden bedeckten: „Danke – 50 Jahre musikalische Leidenschaft“ stand dort in vielen Sprachen der treuen Fans dieser großartigen Sängerin.

Und Edita Gruberova dankte es ihnen mit einem fulminanten Konzert, in dessen Verlauf sie zu alter Hochform aufstieg und sich selbst zu übertreffen schien: Die Primadonna feierte an diesem Abend ihr 50. Bühnenjubiläum an der Wiener Staatsoper – ein Haus, dem sie zeitlebens die Treue gehalten hat: Operndirektor Dominique Meyer würdigte Edita Gruberova mit überaus herzlichen Worten und erwähnte, dass sie hier nicht weniger als 704 Vorstellungen mit insgesamt 49 Partien bestritten hat. Allein 70 Mal war sie die „Königin der Nacht“ in der „Zauberflöte“, seit sie diese anspruchsvolle Rolle im Februar 1970 erstmals verkörpert hatte. Das Haus am Ring ist für die Gruberova ihr „Geburtshaus“, ja ihr „Olymp“. Aber auch dem Zürcher Opernhaus – einige Jahre hindurch war dies ihr „Opernstammhaus“ – war und ist sie eng verbunden.

Gruberova bezauberte ihr Publikum an diesem Abend – mit ihrer nach wie vor überwältigenden Gesangskunst und ihrer Herzlichkeit, ihrem Charme. Für diesen Abend hatte sie sich ein ambitioniertes Programm vorgenommen: Begleitet vom Orchester der Wiener Staatsoper unter der spritzig-humorvollen Stabführung von Marco Armiliato schenkte sie uns ein breit gefächertes Programm, in dem Gruberovas Stärken (Mozart, Belcanto) voll zum Tragen kamen – etwa in der Arie der Konstanze („Entführung“), wobei sie bei der Donna Anna („Don Giovanni“) mit ihrer Stimme schon etwas an ihre Grenzen kam. Grandios dann in musikalischer aber auch schauspielerischer Darbietung die Arie Elettra aus „Idomeneo“; die Anmerkung im Programmheft, „wer Mozart beherrscht, der kann alles andere“ trifft für Edita Gruberova in hohem Maße zu.

Ein Höhepunkt war ein Duett aus „La Traviata“ mit dem jungen chinesischen Tenor Jinxu Xiahou , der mit seinem warmen stimmlichen Schmelz die glockenhelle Stimme der Gruberova aufs wunderschönste ergänzte. In der letzten Arie des offiziellen Programms („Roberto Devereux“) schwang sich Gruberova zu phänomenalen Höchstleistungen auf – ihr Belcanto war virtuos, glasklar und makellos, und sie legte alle Kraft und Stärke in ihre Stimme, die sie zu mobilisieren vermochte. Das war wieder die einmalige, weltweit bewunderte Gruberova in alter Hochform. Mit der Hallenarie aus Wagners „Tannhäuser“ als erste Zugabe manifestierte sie noch einmal die Bandbreite und den Facettenreichtum ihres Könnens, um als zweite und letzte Zugabe eine ihrer Glanzrollen, die Adele aus der „Fledermaus“ („Mein Herr Marquis“) dem begeisterten Publikum als letztes Geschenk darzubringen.

Charles E. Ritterband, 24. Juni 2018, für
klassik-begeistert.de

5 Gedanken zu „Edita Gruberova, Galakonzert,
Wiener Staatsoper“

  1. „Teneste la promessa“ ist nicht das Duett aus „La Traviata“, sondern das Rezitativ vor Violettas Arie, die Hallen-Arie ist aus Tannhäuser, nicht aus dem „Ring“…

    Armin Egger

    1. Und die herzlichen Worte des Herrn Direktors waren an Emotionslosigkeit nicht zu übertreffen, dazu unvorbereitet, nichtssagend und fehlerhaft. Aber jeder blamiert sich halt so gut er kann!

      Schneider

  2. Ich hatte das Glück und die Freude, diesen Abend miterleben zu dürfen und war begeistert. Edita Gruberova hat mich zum Weinen gebracht. Alles andere ist nicht wichtig. Danke für viele wunderbare Opernabende!

    Monika Gewessler

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