"Rigoletto" in Wien: Aida Garifullina beherrscht als Gilda den Abend

Giuseppe Verdi, RIGOLETTO,  Wiener Staatsoper

Foto: Michael Pöhn (c)
Wiener Staatsoper,
7. Juni 2016
Giuseppe Verdi, RIGOLETTO

von Kurt Vlach (Der Neue Merker)

Die Inszenierung von Pierre Audi ist umstritten, allerdings muss ich sagen, dass ich sie im Vergleich zur vorigen Produktion höher einschätze – man muss sich nur auf die Symbolik der Bühnenbilder einlassen. Der Palast des Duca ist heruntergekommen, es ist da kein Glanz zu bemerken – und er spiegelt perfekt die moralische Verkommenheit der Cortigiani und des Duca wider. Über dem Häuschen, in dem Gilda und Rigoletto wohnen, schwebt eine dunkle Wolke – und diese nimmt schon das Schicksal dieser Protagonisten vorweg. Und besonders gelungen ist die Darstellung des Hauses von Maddalena und Sparafucile – allerdings kann man diese nur genießen wenn man sich auch mit Populärkultur beschäftig. Das Haus ist dem Helm von Darth Vader aus Star Wars nachempfunden – der ja in diesem Universum das Böse verkörpert. Ich stehe wahrscheinlich ziemlich einsam mit meiner positiven Einstellung dazu da, allerdings fordert die Inszenierung den Besucher, sich mit etwas mehr als nur dem Gezeigten auseinanderzusetzen. Und das ist gut so.

Leider ächzt die Drehbühne hörbar und das stört außerordentlich… Sparafuciles Mordhäuschen, dem Helm von Darth Vader aus den Star Wars Filmen nachempfunden!

Marco Armiliato ist seit vielen Jahren einer der besten Dirigenten für das italienische Fach, den die Staatsoper dem Publikum präsentiert. Und auch an diesem Abend konnte er das Staatsopernorchester zu einer außerordentlich packenden Leistung animieren.

Der Abend brachte das Wiener Rollendebüt von Ivan Magri, einen gutaussehenden und schauspielerisch überzeugenden Duca. Zu Beginn hörbar nervös, steigerte er sich im Laufe des Abends. Seine baritonal gefärbte, relativ breit geführte Stimme überzeugt mich an den eher lyrischen Stellen. Was mich störte war, dass er sich – auf gut wienerisch gesagt – zu den Höhen „zuweterzelte“. Wie auch bei Flórez wurde ihm die unsägliche Perücke erspart.

Der zweite Rollendebütant war Jongmin Park – und er war seit langer Zeit ein wirklich überzeugender Sparafucile. Die Entwicklung dieses Sängers ist beeindruckend und man kann zukünftige Auftritte freudig erwarten.

Enttäuschend fand ich den Auftritt von Paolo Rumetz. Er wirkte müde und war – für mich – nicht wirklich überzeugend in seiner Rollengestaltung. Ich sah (und hörte) keinen zynischen Menschen, der für seinen Duca Intrigen spinnt, auch keine wirkliche Verzweiflung bei „Cortigiani“, keinen rachsüchtigen Vater. Am ehestens entsprach er in den intimeren Momenten mit Gilda. Wir sahen einen eher gemütlichen reiferen Herren, der – wie auch immer – irgendwann in Mantua gelandet ist und seinen Job macht. Eigentlich schade.

Die Maddalena war bei Elema Maximova in bewährten Händen. Eine solide Leistung an diesem Abend – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Der Star des Abends war – auch dem Schlussapplaus entsprechend – aber Aida Garifullina als Gilda. Die Bewertungen ihrer Leistung bei einer vorigen Vorstellung waren gespalten. An diesem Abend aber beherrschte sie jede Szene, in der sie auftrat. Ihre zerbrechliche Gestalt ist ideal für die Gilda, sie spielte hervorragend. Die Stimme ist vielleicht schon ein klein wenig zu schwer für Koloraturen, aber sie war intonationssicher und hatte auch eine klare Diktion.

Alexandru Moisiuc war ein überzeugend polternder Monterone und Margaret Plummer eine rollendeckende Giovanna (Steht es eigentlich im Libretto dass diese bei der Entführung getötet wird? Macht für mich keinen Sinn…)

Ein Pauschallob für die restlichen Sänger und den Chor.

Die Vorstellung war sehr gut besucht, das Publikum hörbar zufrieden. Für mich eine leicht überdurchschnittliche Repertoirevorstellung.

Kurt Vlach, 8. Juni 2018

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