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Gustav Mahler Musikwochen 2026 in Toblach
11. Juli bis 5. September 2026
Manche Abende entziehen sich jeder Beschreibung. Hoch über dem Südtiroler Pustertal verschmelzen Reinhold Messner, die Kulisse der Dolomiten sowie Musik von Mahler und Beethoven zu einem Erlebnis von seltener Intensität.
Reinhold Messner, Sprecher
Dirk Kaftan, Dirigent
Beethoven Orchester Bonn
Ludwig van Beethoven, Symphonie Nr. 6 F-Dur op. 68 „Pastorale“
Gustav Mahler, Adagietto aus der Symphonie Nr. 5
Klang & Stille, Reinhold Messner Haus, Bergstation Sexten, 19. Juli 2026
von Jürgen Pathy
Für Reinhold Messner hat Zeit eine besondere Bedeutung. Die mittlerweile 81-jährige Bergsteigerlegende wählt mit Bedacht, wie sie diese nutzt. Für die Gustav Mahler Musikwochen hat er sich bereit erklärt, Teil einer besonderen Veranstaltung zu sein: „Gipfel & Klang“ nennt sich dieses Ereignis in rund 2.000 Metern Höhe – in der Bergstation einer früheren Seilbahn in Sexten (Südtirol). Die Station hat man mittlerweile in ein Reinhold Messner Haus umgewidmet.

Die offene Seite hinab zum Tal ist mit einer Glaswand verschlossen. Wo früher Gondeln Touristen auf den Berg brachten, sitzt Messner auf einem kleinen Podium. Fast alleine, nur Dirk Kaftan leitet daneben einige Musiker des Beethoven Orchesters Bonn. Der deutsche Dirigent ist künstlerischer Leiter der Gustav Mahler Musikwochen. Im Rücken der beiden raubt einem der Ausblick auf die Dolomiten fast den Atem. Eine einzigartige Kulisse, betont Messner, die man so in keinem Konzertsaal erleben könne.

Die eigene Endlichkeit und der Fluss des Lebens stehen im Mittelpunkt dieses außergewöhnlichen Abends. Messner erzählt Anekdoten aus seiner langen Bergsteigerkarriere, während Musik von Beethoven und Mahler den Raum erfüllt. Nicht groß, geschätzt 150 Leute finden hier Platz. Die Wirkung allerdings ist unglaublich.
Ganz tief dringt die Art und Weise, mit der Messner aus dem Stegreif erzählt. Dabei könnte man anderes annehmen. Der Blick starr nach hinten gerichtet, wo aber kein Projektor ihm den Text anzeigt. Dort spielen in einer Höhe von knapp drei Metern stattdessen eine Handvoll Blech- und Holzbläser des Orchesters. Die restliche Instrumentierung ist ebenfalls aufs Minimum reduziert: ein Kontrabass, zwei Celli, zwei Bratschen, dazu eine zweite Geige und die Konzertmeisterin, die alleine die ganze Kraft der ersten Geigensektion trägt.
Am tiefsten dringt der Moment, als Messner vom „endlichen Horizont“ erzählt, den wir alle überqueren werden müssen – dem Tod: „Ohne mich nochmals umzudrehen, möchte ich in diese Zeitlosigkeit hineingehen.“ Danach Stille. Wenige Augenblicke später erhebt sich Beethovens „Pastorale“, die Wiederholung des Andantes genau genommen. Diese Kombination sitzt und lässt die Zeit vollkommen stillstehen.

Auch Messners junge Ehefrau Diane Messner, 46, lässt dieser Moment sichtlich nicht kalt. Sie sitzt direkt links neben der kleinen Bühne. Den Blick nach draußen gewandt, wo diese unglaubliche Naturkulisse dem Ganzen eine Größe verleiht, die kaum in Worte zu fassen ist. Dass zum Ende noch das Adagietto aus Gustav Mahlers Fünfter erklingt, setzt dem Ganzen die Krone auf. Musik, inspiriert von der Natur, gespielt inmitten der Natur – eine atemberaubende Symbiose, wie man sie so sonst nirgendwo erleben darf.
Jürgen Pathy, 21. Juli 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
4. Symphoniekonzert, Gustav Mahler, Symphonie Nr. 5 cis-Moll MUK Lübeck, 14. Dezember 2025
9. Gustav Mahler Festival 2025, Teil I Steinbach am Attersee, 18. bis 22. Juni 2025