Glückwunsch, Elphi! Vier Überraschungen zum Dreijährigen

Happy Birthday, Elbphilharmonie  klassik-begeistert.de

von Guido Marquardt
Foto: © Maxim Schulz

Die bisherige Geschichte der Elbphilharmonie Hamburg – für mich ist das eine einzige Geschichte von Überraschungen und, ja doch: Sensationen.

Sensation 1: Mit so großer Verspätung und so massiver Kostenüberschreitung gestartet – mehr Akzeptanzhypothek geht eigentlich kaum. Doch bereits in der Eröffnungssaison sprach eigentlich niemand mehr darüber.

Überraschung 2: Die totale und sofortige Einbeziehung in das touristische Pflichtprogramm, die unglaublichen Massen an Plaza-Besuchern, das immerwährende Bestaunen von außen und innen – phänomenal.

Sensation 3
: Mehr als 2.000 Plätze, ein prall gefüllter Veranstaltungskalender – und immer ist die Hütte voll. Natürlich, gerade am Anfang wollten viele einfach nur mal den Saal sehen. Und ja, nicht alle verhalten sich immer so, wie es in einem klassischen Konzert angemessen erscheint. Oft erwähnt, oft beklagt, nicht zuletzt auch auf dieser Seite. Doch die andere Seite ist: Wenn auch nur jeder Zehnte dieser Saaltouristen Feuer fängt, wiederkommt, herumerzählt, über Komponisten und Musiker zu recherchieren beginnt, ist dies die Keimzelle für dringend benötigte Auffrischung des Publikums von morgen, vielleicht sogar der Zündfunke unserer musikalischen Kultur von übermorgen. Warum soll nicht die Tochter des Touristen aus Magdeburg oder der Enkel der Reisegruppe aus Schmalkalden genau hier eine musikalische Begeisterungsinitiation erfahren und mit dem festen Wunsch nach Hause fahren: Genau auf dieser Bühne will ich auch einmal stehen!?

Überraschung 4
: Das Gesamterlebnis. Unbestechlicher, hoch transparenter Klang. Und zwar potentiell für fast jede Art von Musik. Die Schostakowitsch-Sinfonie im Riesenorchester – grandios wuchtig, absolut überwältigend. Die Solo-Violine im intimen Vortrag – atemberaubend klangschön und berührend nah. Und auch dies gehört zum Gesamterlebnis Elbphilharmonie: Viel besser als in einem klassischen Schuhkarton kann man miterleben, wie auch andere Gäste sich begeistern lassen, kann in ihre leuchtenden Augen blicken und beobachten, wie sie oft genug schlicht in ihre Sitze gedrückt werden vor schierer Ergriffenheit.

Schließlich noch dies: Auch der Kleine Saal bereichert das musikalische Leben der Stadt enorm. Falls Sie noch nicht dort gewesen sind – gehen Sie rein, noch duftet es unwiderstehlich nach frischem Eichenholz. Und auch die Laeiszhalle ist noch da! Keinesfalls ist sie vergessen, in die dritte Reihe abgesackt. Nach und nach mendelt es sich aus, welches Programm und welche Künstler in diesem schönen Saal vielleicht besser aufgehoben sind. Hamburg ist wahrlich groß genug für diese Koexistenz.

Guido Marquardt, 8. Januar 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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