Foto: Artem Yasynskyy (c) Inna Kravchenko
Artem Yasynskyy gehört zu den begeisterndsten Pianisten seiner Generation, insbesondere durch seine Fusion seiner gefeierten Interpretationen klassischer Werke mit Improvisationen. Er ist Preisträger zahlreicher internationaler Wettbewerbe und widmet sich neben dem Solorepertoire auch intensiv der Kammermusik. Im Januar spielte er beim Ball der Wiener Philharmoniker, über den wir im ersten Teil unseres Interviews sprechen.
Johannes Karl Fischer im Gespräch mit Artem Yasynskyy
klassik-begeistert: Lieber Herr Yasynskyy, Sie haben im Januar beim Philharmonikerball, ein in Wien ja sehr besonderer Anlass, gespielt. Wie war es für Sie, dort zu spielen?
Artem Yasynskyy: Unglaublich, weil es war mein erstes Mal und ich war besonders von der Akustik und den Orchesterklängen wirklich fasziniert. Und natürlich von der feierlichen Atmosphäre, die Blumen und das Ambiente, das fehlt in normalen Sälen. Ich war sehr berührt und bin sehr froh, dass ich da spielen durfte. Die Leute, die das organisieren, sind unglaublich herzlich und nett. Es war ein bisschen wie eine unendliche Feier.
klassik-begeistert: Wie lange hat die unendliche Feier dann gedauert?
Artem Yasynskyy: Bis fünf Uhr morgens, gespielt haben wir bis zwanzig vor Fünf gespielt.
klassik-begeistert: Was haben Sie nach dem Ball gemacht? Da gibt es die verschiedensten Traditionen…
Artem Yasynskyy: Wir sind ins Grand Hotel Wien gegangen, da gab’s dann Frühstück. Ich konnte auch nicht sofort einschlafen, die ganze Atmosphäre hat noch lange nachgeklungen.
klassik-begeistert: Kannten Sie sich vorher mit der Balltradition in Wien aus? Hatten Sie dazu Berührungspunkte?
Artem Yasynskyy: Leider nicht, aber ich habe davor zumindest ein bisschen tanzen geübt. Mein Berührungspunkt zu diesem Ball war einzig die Musik. Es war eine große Freude, dabei zu sein und auch in Kontakt mit dem Publikum zu kommen, vor allem zu improvisieren, das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Und auch das Publikum: Es ist bewundernswert, wie viele von den Leuten dort Klavier spielen, singen oder Musik machen. Jeder hat irgendeine Verbindung zur Musik.
klassik-begeistert: Ist das speziell der Philharmonikerball oder allgemein die Stadt Wien?
Artem Yasynskyy: Beides!
klassik-begeistert: Stichwort Musik – was genau stand auf Ihrem Programm? Waren auch Wiener Walzer dabei?

Artem Yasynskyy: Walzer ja, aber von Chopin. Eigentlich alles, was zum Wiener Ball passt: Mazurken, Walzer, Polkas, alles in diese Richtung. Ein Menuett auch. Ich habe auch Stücke gespielt, die nicht auf dem Programm standen.
klassik-begeistert: Wie reagiert das Publikum auf sowas?
Artem Yasynskyy: Die Atmosphäre war weniger wie in einem klassischen Konzertsaal, sondern mehr wie in einer Pianobar, für mich ein Novum. Ich habe zuerst gespielt, und dann mit den Leuten ein wenig darüber gesprochen, was als nächstes kommt. Es war sehr erstaunlich, wie musikalisch gebildet das Publikum ist, wie sehr sie an diesem Geschehen interessiert sind.
klassik-begeistert: Sie spielen bei Ihren Konzerten auch häufiger Improvisationen, haben Sie das beim Philharmonikerball auch gemacht?
Artem Yasynskyy: Ja, ich liebe das! Vor einiger Zeit habe ich das bei einem Konzert ausprobiert, es war einfach ein sehr schönes Gefühl, weil man weiß oft wirklich nicht, was musikalisch kommt. Man kann sich nicht wirklich darauf vorbereiten, weil man weiß nie, wie die Laune und Stimmung im Publikum ist und das beeinflusst dann die Musik. Dieses Gefühl, das Changieren, ist für mich das interessante am Improvisieren. Am Anfang hat man natürlich sehr viel Adrenalin. Bei meinen ersten Improvisationen habe ich versucht einem Plan zu folgen, aber das klappt nicht immer. Ich glaube, es ist besser, einem Flow zu folgen und zu gucken, was daraus wird…
klassik-begeistert: Aber wie funktioniert das? Ich habe vor vielen Jahren mal eine Radiosendung gehört, wo der Pianist das Publikum Noten in den Saal hat rufen lassen, als „Beweis“, dass es auch wirklich eine Improvisation ist…
Artem Yasynskyy: Genau, das mache ich auch so, oder ich lasse die Leute eine Melodie vorsingen oder eine Tonart vorgeben. Beim Philharmonikerball wollte jemand unbedingt etwas von Bohemian Rhapsody. Einmal hat jemand im Publikum Spotify geöffnet und gesagt „ich will dieses Lied jetzt im Stil Chopins oder Bachs hören.“ Das kann alles sehr unterschiedliche Züge nehmen, und das macht es fast noch spannender.
klassik-begeistert:Herzlichen Dank für Ihre Zeit und das aufschlußreiche Gespräch.
Johannes Fischer, 22. Juni 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Den zweiten und letzten Teil unseres Interviews mit Artem Yasynskyy lesen Sie Dienstag, 23. Juni 2026, hier auf klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at.
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