Kommerz schlägt Kunst: Jonas Kaufmann sagt prestigereiche Radioaufnahme in Paris ab...

Jonas Kaufmann sagt prestigereiche Radioaufnahme in Paris ab  Opéra national de Paris, 20. November 2020

… und promoted seine peinliche Weihnachts-Doppel-CD

Opéra national de Paris, 20. November 2020
Foto: © Gregor Hohenberg / Sony Classical

Der Münchner Jonas Kaufmann, 51, scheint sich mal wieder verausgabt zu haben. Oder hat er keinen Bock mehr auf ernsthafte Musik? Kann er sie nicht mehr (passabel) darbieten? Meidet er unnötige Anstrengungen? Hat er Bedenken, sich in seiner derzeitigen Verfassung anspruchsvollen Radiohörern zu präsentieren? Oder alles zusammen?

Der Tenor, dem nichts wichtiger erscheine als Ruhm, Reichweite und Rubel, wie ein Kulturjournalist es formulierte, hat jetzt eine prestigereiche Produktion aus der Pariser Oper für France Musique von Richard Wagners „Die Walküre“, dem zweiten Teil des „Rings des Nibelungen“, abgesagt. Ihn als Siegmund ersetzen wird Stuart Skelton – was stimmlich gesehen eine Verbesserung ist. Die Opéra national de Paris hat diese Personalie am 18. November verkündet.

Eigentlich sollte der „Ring“ unter der Leitung von Philippe Jordan, directeur musical der Opéra national de Paris, mit allem Drum und dran in der Opéra Bastille ab dem 23. November erklingen. Corona ließ alle Aufführungen im November obsolet werden. Jetzt werden drei von vier Teilen Ende November in der Opéra Bastille aufgenommen, der dritte Teil (Siegfried) kommt Anfang Dezember unter Dach und Fach im Auditorium de Radio France.

Die Aufnahme der „Walküre“ ist mittlerweile seit dem 24. November unter Dach und Fach.

Hier die Sendetermine bei francemusique.fr – ein Muss für jeden RING-LIEBHABER.

  • Samedi 26 décembre 2020, 20h : L’Or du Rhin. Présenté par Judith Chaine.
  • Lundi 28 décembre 2020, 20h : La Walkyrie. Présenté par Clément Rochefort.
  • Mercredi 30 décembre 2020, 20h : Siegfried. Présenté par Arnaud Merlin.
  • Samedi 2 janvier 2021, 20h : Le Crépuscule des dieux. Présenté par Judith Chaine.

Jonas Kaufmann – dessen Stimme einst zum Verlieben schön war und der seinen Zenit schon vor vielen Jahren erklommen hatte – wäre mit richtig guten Sängerinnen und Sängern aufgetreten, die ihm – in seiner derzeitigen Verfassung – an Präsenz, Power und Präzision alle überlegen sind:  Iain Paterson (Wotan), Ekaterina Gubanova (Frika), Stuart Skelton (Siegmund), Günther Groissböck(Hunding), Lise Davidsen (Sieglinde), Ricarda Merbeth (Brünnhilde) et Andreas Schager (Siegfried).

Kaufmann, Träges des Bundesverdienstkreuzes, hatte bereits seine seichte „Weihnachtstournee“ vom 6. bis zum 22. Dezember wegen Corona abgesagt. Auf seiner Homepage lässt er verlautbaren: „Aufgrund von Covid-19 können zum jetzigen Zeitpunkt leider keine verlässlichen Prognosen zu Absagen der Veranstaltungen in fernerer Zukunft getroffen werden. Die Weihnachtstournee wird auf das Jahr 2021 verschoben. Die Veranstalter befinden sich derzeit noch in Terminfindungen und werden diese so bald wie möglich bekannt geben. Die Termine von Jonas Kaufmann werden täglich überprüft und neue Absagen auf dieser Website bekanntgegeben.“

Es ist ein Segen, dass diese „Weihnachtstournee“ des Jonas K. an deutschen und internationalen Ohren vorbeigegangen ist. Schon in diesem Jahr bekam der Tenor, der immer mehr ins Baritonale gleitet und im höheren Register kaum noch punkten kann und viele Töne nur gepresst, unsauber und „belegt“ ansingt – was er auch am 4. Oktober dieses Jahres als Don Carlos in Verdis gleichnamiger Oper auf Französisch unter Beweis stellte (zur Zeit im Stream auf www.wiener-staatsoper.at) –, zurecht haarsträubende Kritiken für seine Wien-Tour. Naturellement: Herr Kaufmann hatte ja ein Album aufgenommen: „Wien“, das musste unters Volk gebracht werden (München, Budapest, Stuttgart, Berlin, Paris, Hamburg, Brüssel, Düsseldorf, Luzern, Baden-Baden). Vielen Wienern graust es, wenn der Münchner Jonas Kaufmann versucht, Wiener Lieder / auf Wienerisch zu singen.

Eigentlich findet es der Bayer richtig leiwand, wie die Wiener sagen, wenn er wieder mal in der Öffentlichkeit erscheinen darf. Diese Gelegenheit hatte JK jetzt in Paris: France Musique ist das in Frankreich vor allem terrestrisch verbreitete Klassik- und Jazz-Programm der öffentlich-rechtlichen Hörfunkanstalt Radio France. Hervorzuheben sind die gemeinsamen Konzertübertragungen mit einigen Hörfunkanstalten der ARD („Deutsch-Französische Konzerte“).

Foto Instagram © : Fernsehaufzeichnung im Stille-Nacht-Ort Oberndorf bei Salzburg für die Weihnachtssendung; hier Jonas Kaufmann bei der Probe.

Jetzt ist zu vernehmen, dass Jonas Kaufmann sich derweil statt um Hochkultur um die Promotion seiner unsäglichen Weihnachts-Doppel-CD „it’s Christmas“ kümmert – Kommerz schlägt Kultur. klassik-begeistert.de warnt dringend vor dem Kauf dieser unweihnachtlichen CD und schrieb:

Keine CD-Empfehlung: Greller die Glocken nie klingen – Jonas Kaufmanns Weihnachts-Overkill

Jonas Kaufmann, it’s Christmas!, der Tenor singt 42 Weihnachtslieder klassik-begeistert.de

Andreas Schmidt, 20. November 2020, für
klassik-begeistert.de

Diffusion les 26, 28, 30 décembre 2020 et le 2 janvier 2021 à 20h par Judith Chaine, Clément Rochefort et Arnaud Merlin

France Musique diffusera les quatre volets du Ring de Wagner entre le 26 décembre 2020 et le 2 janvier 2021 à 20h en exclusivité. Ils seront également disponibles en réécoute à la demande pendant un mois sur francemusique.fr Les captations auront lieu fin novembre à l’Opéra Bastille et début décembre à l’Auditorium de Radio France (Siegfried), les directs ayant été annulés en raison de la crise sanitaire. Prévue à l’origine en version scénique, la production musicale intégrale de ce Ring de Wagner a été portée, contre vents et marées, par l’Opéra national de Paris et son directeur musical, Philippe Jordan – qui ponctuera ainsi un mandat de plus de 10 années.
Programme

  • Samedi 26 décembre 2020, 20h : L’Or du Rhin. Présenté par Judith Chaine.
  • Lundi 28 décembre 2020, 20h : La Walkyrie. Présenté par Clément Rochefort.
  • Mercredi 30 décembre 2020, 20h : Siegfried. Présenté par Arnaud Merlin.
  • Samedi 2 janvier 2021, 20h : Le Crépuscule des dieux. Présenté par Judith Chaine.

 

6 Gedanken zu „Jonas Kaufmann sagt prestigereiche Radioaufnahme in Paris ab
Opéra national de Paris, 20. November 2020“

  1. Kaufmanns Absage in Paris war eine Folge der vielen Terminverschiebungen bei „Die Walküre“, die dann mit „La Bohème“ in München kollidierte und nicht mit Werbung für eine CD.

    Simon Mortena

  2. Ich musste erleben, wie Kaufmann sich zuletzt durch die fünfaktige französische Don Carlos-Fassung quälte, und man am Ende befürchten musste, dass er im letzten Akt außer heißer Luft nichts mehr produzierte. Die Stimme ist von gestern. Dazu matt, gequetscht, kein Tenor mehr, falsche Piani, falsche Vokalfärbungen, nasale Unarten, Registerbrüche. Kaufmann, nein danke. Außer Kommerz ist da nichts mehr. Und die Weihnachts-Doppel-CD tut mächtig weh.

    Franco Bastiano

  3. Die Weihnachts-CD kenne ich nicht. Weihnachtslieder – gesungen von Opernsängern, das geht nur selten gut… Aber sein Radamès in Paris war bemerkenswert. Dieser grossartige Sänger ist vielleicht nicht mehr ganz so gut wie vor einigen Jahren, aber in dieser Verdi-Oper ist er weiterhin glänzend und kann momentan wohl kaum von einem anderen Tenor getoppt werden.

    Henning Beil

  4. Diese z. T. niederschmetternde Kritik an der Stimmqualität von Jonas Kaufmann finde ich völlig überzogen. Die Walküre, 1.Akt, jetzt in München war ein gelungener Auftritt und seine Stimme großartig. Sicher, nicht alles perfekt, aber lieber eine Stimme mit Gefühl als die z. T. kalten perfekten Stimmen jüngerer Kollegen/innen. Und was die Schmäh über seine kommerziellen Ambitionen betrifft: Na und? Ich mag auch seine Weihnachtslieder!!

    Gabriele Reindell

  5. OMG jetzt geht das Bashen also auch hier los. Leute, bitte, reißt euch zusammen. Es geht doch nicht darum, jemanden vom Thron zu stürzen, das erledigt sich doch, wenn, ganz von selbst. Also bewahrt doch mal ein bisschen Respekt und Anstand und freut euch an dem, was es an Schönem gibt und folgt nicht dem Hang zum konsequenzlosen Verriss aus den Hinterbänken. Danke.

    HC Schuster

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