Weltklassetenor singt mit fast kindlicher Stimme

Foto: B. Stöß (c)
Die Hugenotten, Giacomo Meyerbeer
Deutsche Oper Berlin, 13. November 2016

Frei nach Sven Regener, Gründer der deutschen Band Element of Crime: „Ich hab lang darauf gewartet, doch gelohnt hat es sich nicht.“ Dieses Gefühl machte sich ein wenig am Ende der Premiere „Die Hugenotten“ von Giacomo Meyerbeer an der Deutschen Oper Berlin bei mir breit. Vor ungefähr zwei Jahren geisterte das Gerücht durch die Foyers an der Bismarckstraße, der peruanische Startenor Juan Diego Flórez werde in einer Neuinszenierung der „Hugenotten“ (angeblich in einer Inszenierung des Norwegers Stefan Herheim) den Raoul singen. Am Sonntag nun war es so weit: Die Inszenierung war aber nicht von Herheim, sondern von David Alden. Flórez sang, und die Vorfreude und die Erwartung waren groß. Wer sollte die Rolle sonst singen, wer wäre besser geeignet als der Superstar? „Die Hugenotten, Giacomo Meyerbeer,
Deutsche Oper Berlin“
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Mutter spielt 26 Minuten auf ihrer Stradivari

Konzert für Violine und Orchester e-Moll, Felix Mendelssohn Bartholdy / Sinfonie Nr. 4 Es-Dur, Anton Bruckner

Laeiszhalle, Hamburg, 11. November 2016

Das Schöne hat seinen Preis. Das gilt leider auch für Konzerte der Weltklasse, auch in der Hamburger Laeiszhalle. Dort gaben die Ausnahmegeigerin Anne-Sophie Mutter und das phänomenale London Philharmonic Orchestra unter der Leitung des 33 Jahre alten Robin Ticciati ein Konzert der Extraklasse. Die über 2000 Sitzgelegenheiten der ehrwürdigen Laeiszhalle am Johannes-Brahms-Platz waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Es war eine Sternstunde für den Saal, der ab 2017 musikalisch in die zweite Reihe treten wird, wenn die Elbphilharmonie in der Hamburger Hafen-City eröffnet. „Anne-Sophie Mutter / London Philharmonic Orchestra,
Laeiszhalle, Hamburg“
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Himmlische Klänge vom Chor um die Ecke

Requiem, Gabriel Fauré / Motetten und Choräle
Christianskirche, Hamburg-Ottensen

Das Schöne liegt so nah. Wer himmlische Klänge hören möchte, braucht dafür gar nicht zu den Bayreuther Festspielen oder zur Staatsoper in Hamburg, Berlin, München oder Wien zu fahren. Phantastischen Hörgenuss bietet auch der Chor um die Ecke – so in der Kirche Ottensen, wo der ChorAltona und die Capella Peregrina aus Hamburg sowie der Bülowchor Berlin gemeinsam Motetten, Choräle und ein Requiem zu Gehör brachten und damit gut 300 Zuhörer, die in die wunderschöne Christianskirche in Hamburg-Ottensen gekommen waren, in größte Verzückung und Begeisterung versetzten. „Requiem, G. Fauré,
, Christianskirche, Hamburg-Ottensen“
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Anja Harteros überstrahlt 1-A-Opernabend

Foto: M. Borggreve (c)
Tosca, Giacomo Puccini
Deutsche Oper Berlin, 8. November 2016

„Vissi d’arte, vissi d’amore“ – „Ich lebte für die Kunst, ich lebte für die Liebe… keiner Seele tat ich je was zu Leide.“ So lauten die wunderschönen Worte in einer der schönsten Arien der Operngeschichte, gesungen von Tosca in der gleichnamigen Oper von Giacomo Puccini im zweiten Akt. An diesem Abend an der Deutschen Oper Berlin ist Anja Harteros die Tosca. Sie singt diese unsterblichen Worte. Und sie macht sich vor den 1850 Zuschauern an der Bismarckstraße unsterblich. „Tosca, Giacomo Puccini,
Deutsche Oper Berlin“
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„Ich komponiere meine Opern auch im Schlaf“ – Sternstunden mit dem Komponisten Péter Eötvös

Senza Sangue / Herzog Blaubarts Burg, Péter Eötvös / Béla Bartók
Hamburgische Staatsoper, 6. November 2016

Diese Premiere an der Hamburgischen Staatsoper war eine Sternstunde für das Haus an der Dammtorstraße. Die beiden Opern „Senza Sangue“ des Ungarn Péter Eötvös und „Herzog Blaubarts Burg“ seines Landsmannes Béla Bartók machen süchtig. Wer einen berauschenden, eindringlichen, unvergesslichen Abend mit einer zeitgenössischen Komposition und einer zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918 erstmals in Budapest aufgeführten Oper erleben will, muss die Gelegenheit nutzen, noch gute Plätze zu ergattern. „Senza Sangue, Herzog Blaubarts Burg, Péter Eötvös, Béla Bartok,
Hamburgische Staatsoper“
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"Die Elbphilharmonie wird die Welt begeistern“

Festakt zur Eröffnung der Elbphilharmonie-Plaza,
Hamburg, 4. November 2016

Sie ist eine Schöne, eine Wunderschöne „an der Elbe Auen“. Sie macht atemlos. Sie bewegt. Sie sagt: An diesem betörenden Ort möchte ich unvergängliche Musikwerke zu Gehör bekommen. Sie sagt: Hier darf ich träumen und meine Seele baumeln lassen. „Elbphilharmonie Hamburg, Voraberöffnung,
Hamburg-Hafencity“
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Zwei Nebenrollen glänzen an der Dammtorstraße

Rigoletto, Giuseppe Verdi
Hamburgische Staatsoper, 30. Oktober 2016

Dass Opernproduktionen im Laufe eines Vorführungszyklus deutlich besser werden und reifen können, davon zeugte am Sonntagabend die 102. Darbietung des Meisterwerks „Rigoletto“ von Giuseppe Verdi an der ausverkauften Hamburgischen Staatsoper. War noch die 100. Aufführung (siehe Kritik vom 22. November 2016) von zum Teil recht mittelmäßigen Gesangsleistungen und Abstimmungsproblemen mit dem Orchester geprägt gewesen, so kam es neun Tage später zu einer deutlichen Leistungssteigerung der Solisten sowie des Philharmonischen Staatsorchesters unter der Leitung von Gregor Bühl. „Rigoletto 2, Giuseppe Verdi,
Hamburgische Staatsoper“
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Touristen verhöhnen Beethovens Messe im Michel

Missa solemnis, Ludwig van Beethoven
St. Michaelis, Hamburg, 29. Oktober 2016

Können Sie sich vorstellen, dass zwei Menschen während einer Aufführung der Missa solemnis im Hamburger Wahrzeichen St. Michaelis Tränen lachen? Es klingt wie ein schlechter Scherz, ist aber bittere Wahrheit: Zwei Touristen aus Italien haben in Reihe 29, Platz 1 und 2, zur Eröffnung der Bach-Wochen während des himmlischen Sanctus zehn Minuten lang gelacht. Der etwa 30 Jahre alten Frau kamen vor Erheiterung gar die Tränen, der gleichaltrige Freund musste nach Luft schnappen. Erst das couragierte Eingreifen eines 50 Jahre alten Besuchers, der dem Italiener anzeigte, ob er noch ganz richtig im Kopf sei, brachte die beiden erheiterten Zuhörer zur Ruhe. „Missa solemnis, Ludwig van Beethoven,
St. Michaelis, Hamburg“
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Jahrhundert-Elektra feiert grandiose Premiere

Foto: B. Rittershaus (c)
Elektra, Richard Strauss
Staatsoper im Schillertheater, Berlin, 23. Oktober 2016

Diese Premiere war überwältigend. Gigantisch gut. Energiegeladen. Beglückend. Stimmlich eine Glanznummer. Bravo! Danke! Wunderbar!

Diese „Elektra“ von Richard Strauss an der Staatsoper im Schillertheater in Berlin dürfte als Jahrhundert-Aufführung in die Annalen eingehen. Was die vier Hauptdarsteller auf der Bühne boten, war an Intensität, Hingabe und Leidenschaft nicht zu überbieten. Wer die großartige Musik Richard Strauss’ mag, sollte es nicht versäumen, eine der kommenden vier Aufführungen in dem Haus an der Bismarckstraße zu besuchen. „Elektra, Richard Strauss,
Staatsoper Berlin“
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Tenor singt im Liegen schöner als im Stehen

Rigoletto, Giuseppe Verdi
Hamburgische Staatsoper, 22. Oktober 2016

Wer eine etwas in die Jahre gekommene Rigoletto-Inszenierung mit nicht vollends überzeugenden Solisten und einem akzeptablen Dirigat an der Hamburgischen Staatsoper erleben möchte, der kann sich in noch fünf weiteren Aufführungen im Haus an der Dammtorstraße einen schönen Abend bei einer wunderbaren Jahrhundertkomposition machen. „Rigoletto, G. Verdi,
Hamburgische Staatsoper“
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