"Parsifal" in Bayreuth: Groissböck, Schager, Chor und Orchester Weltklasse! Bychkov zurückhaltend nobel

Richard Wagner, Parsifal, Andreas Schager, Günther Groissböck, Thomas J. Mayer,  Bayreuther Festspiele, 25. August 2018

Foto: © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath
Richard Wagner, Parsifal, Bayreuther Festspiele
, 25. August 2018
Semyon Bychkov, Musikalische Leitung
Uwe Eric Laufenberg, Inszenierung
Gisbert Jäkel, Bühne
Eberhard Friedrich, Chorleitung
Andreas Schager, Parsifal
Günther Groissböck, Gurnemanz
Elena Pankratova, Kundry,
Thomas J. Mayer, Amfortas
Tobias Kehrer, Titurel
Derek Welton, Klingsor
Festspielorchester und Festspielchor der Bayreuther Festspiele

von Sebastian Koik

Andreas Schager beweist als Parsifal mal wieder, welch’ große Stimme er hat. Ohne jegliche Müdigkeitserscheinung singt und schmettert er scheinbar lässig mit natürlicher und geerdeter Stimme alles in den Saal, was in der anspruchsvollen Partie von ihm gefordert wird. Parsifals “Amfortas!“-Ruf im zweiten Aufzug geht durch Mark und Bein. Andreas Schager ist ein prächtiger Parsifal!

Eine wahrlich große, unerschütterliche und mit massiver Souveränität ausgestattete Stimme hat auch Günther Groissböck. Der Österreicher ist eine Gurnemanz-Idealbesetzung, so wie er wohl für so ziemlich jede Bass-Rolle eine Idealbesetzung sein dürfte. Was ist das aber auch für ein großartiger Sänger! Er begeistert in jedem Bereich des geforderten Spektrums und in jeder Situation, seine Stimme ist dicht, sein Auftritt rundum perfekt, auch im dritten Akt mit zwei Kilo Schminke im Gesicht für den dann stark gealterten Gurnemanz.

Elena Pankratova ist eine gute Kundry, herrlich klar und stabil sind ihre Höhen, in denen sie manchmal allerdings etwas schrill klingt, wo sie aber mit sauberen Ausbrüchen und strahlenden Spitzentönen begeistert, die sie sehr lange halten kann.  Anders als ihre männlichen Solisten-Kollegen, die alle mit exzellenter Textverständlichkeit glänzen, ist sie in dieser Aufführung die Einzige, die nicht wirklich gut zu verstehen ist.

Thomas J. Mayer gefällt als Amfortas mit sehr schönen Tiefen. Lange Töne kann er allerdings nicht immer ganz überzeugend halten, und sie sind teilweise etwas dünn. Er legt immer wieder stark Schmerz und Leiden in seinen Gesang. Seine beste und eine starke Leistung zeigt er gegen Ende.

Tobias Kehrer macht seine Sache gut als Titurel, aber auch er klingt etwas unnatürlich und hat manchmal etwas zu wenig Atem für lange Phrasen.

Derek Welton ist ein guter Klingsor mit schönen Tiefen, allerdings klingt sein Singen an diesem Tag leicht gedrückt und unnatürlich. Auch trifft er nicht jeden Ton.

Der Chor, besonders der Herrenchor,  begeistert mit einer Glanzleistung. – So wie es Chöre des begnadeten Chorleiters Eberhard Friedrich immer zu tun pflegen. Teilweise singt der Herrenchor herrlich rein und zart, teilweise mit ergreifender Inbrunst, die Gänsehaut erzeugt. Immer hoch präzise, immer klangschön! Teilweise wirkt das berückend leicht – bei gleichzeitig großer Intensität.

Das Orchester musiziert mit großer Spannung, Musikalität und Eleganz. Technisch ist das ganz stark und beeindruckend klangschön. Der Vortrag des Orchesters ist weltklasse!

Für Semyon Bychkov sind es die ersten Bayreuther Festspiele als Dirigent. Er scheint sehr viel Wert auf Transparenz und analytische Klarheit zu legen. So Pathos-fern und nüchtern hat man „Parsifal“ wohl sehr selten gehört.

Bychkov scheint mit sehr kühlem Kopf zu dirigieren. Es gibt emotionale Aufwallungen, die stark wirken im Kontrast zum eher gedämpften Ton und der zurückhaltenden Gangart zuvor, doch insgesamt wirkt das Dirigat etwas zu zurückhaltend, zu gedämpft und nicht leidenschaftlich genug. Wer auf noble Zurückhaltung bei Wagner steht, der dürfte sich an Bychkovs Interpretation ergötzen. Die meisten Zuhörer erfreuen sich dann doch über insgesamt etwas mehr Leidenschaft und Überschwang. Die meisten Menschen lassen sich doch sehr gerne von Wagners Musik mitreißen und davontragen. Bychkovs Ansatz hat etwas, ist mal etwas anders, doch Spaßfaktor, Berührung und Überwältigung sind bei Wagner-Dirigenten wie Thielemann und Petrenko besser aufgehoben.

Sebastian Koik, 26. August 2018, für
klassik-begeistert.de

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