Weihnachtssatire II: König Kaufmann als Salzburger Marionette

Satire: Opernsänger Jonas Kaufmann als Marionettenpuppe  klassik-begeistert.de

Foto: Youtube (c)

Stille zieht ein in diesen Tagen, in die festlich geschmückten Stuben und die erwartungsfrohen Herzen. Nur einer gibt keine Ruhe. Denn wer glaubt, dass mit der Weihnachts-Doppel-CD „it’s Christmas“ der Kaufmann-Kult seine funkelnde Spitze erreicht hat, kennt unseren Jonas schlecht. Und seine Salzburger Fans. Das dortige Marionettentheater hat nämlich einen ganz speziellen Weihnachtsgruß mit dem König der Tenöre kreiert (https://www.youtube.com/watch?v=vDax_RTXUe0). Der singt, natürlich, „Stille Nacht“.

von Dr. Andreas Ströbl

Leise rieselt der Schnee auf das Dacherl des neobarocken Salzburger Marionettentheaters. Darunter, in seiner Schnitzstube, sitzt wie einst Meister Geppetto am Pinocchio-Pinienklotz, ein gebeugter alter Herr mit grauen Locken und Nickelbrille, durch die die freundlichen Äuglein das Holz kundig betrachten. Die geübten Hände führen behutsam das Schnitzmesser.

Jonas Kaufmann als Marionette, Quelle: orf.at (c)

So stellen wir uns die Entstehung, nein Geburt, der singenden Puppe vor – und werden harsch enttäuscht: Ein 3-D-Drucker ist der Vater des Bindfaden-Kaufmanns, denn es war hohe Zeit, und Weihnachten stand dieses Jahr noch eher als sonst vor der Türe des Hauses in der Schwarzstraße.

Es entstand ein Musikvideo voller Glitzerschnee, einer Eisprinzessin und einem Pferdeschlitten. Auf dem nähert sich der singende, klingende Jonas einer Villa mit schmiedeeisernem Gitter, auf dessen Spitzen kleine Schneehäuberl blitzen. Im heimeligen Gründerzeit-Interieur angekommen, singt er immer weiter „Stille Nacht“, gerahmt von Standuhr und Kachelofen. Eine Harfenistin mit schweren Lidern und burgunderrotem Kleid schlägt die Saiten zum Sang. Ihr nähert sich der Sänger zum Ende des Liedes und des Videos immer mehr und erhebt schließlich sanft seine Hand. Dann fällt der Vorhang. Der Rest ist Schweigen. Und Stille.

Wir dürfen froher Hoffnung sein, dass es das noch nicht war. Hier schon mal ein paar Vorschläge für weitere Produktionen mit dem Startenor:

  1. In Sachen Marionettentheater ist die Sache ausbaufähig. Es kann hier nur eines geben: Die Augsburger Puppenkiste. „Jim Knopf und Jonas der Lokomotivführer“ fahren auf der Dampflok „Emma“ durch ein Winter-Wonder-Lummerland und singen „Eine Insel mit zwei Bergen und ’nem flotten Startenor“.
  2. The „King of Tenors“ meets the King of Drama: Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“ mit Jonas als „Singing Shylock“. Das hat Zeug zum Kultmusical, und an der Hamburger Norderelbe findet sich bestimmt noch ein Stückerl erschwingliches Bauland neben dem „König der Löwen“.
  3. Das ganz große Pilger-Schauspiel. Jonas Kaufmann als Hape Kerkeling und Tannhäuser und Pilgerchor im „Sängerkrieg in Santiago“. Wagnerianer und Sinnsuchende kommen auf ihre Kosten. Und Kaufmann natürlich auch.

Ich bin dann mal weg. Und jetzt: Stille. Weil’s Kindlein schlafen will.

Dr. Andreas Ströbl, 26. Dezember 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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Quelle: orf.at
„Kultur
Opernsänger Jonas Kaufmann als Marionettenpuppe

Für ein Musikvideo wird der Startenor Jonas Kaufmann zu einer Figur im Salzburger Marionettentheater. In Szene gesetzt wurde die Idee vom Salzburger Filmproduzenten Bernhard Fleischer.

Startenor Kaufmann singt auf seinem Weihnachtsalbum gemeinsam mit dem Mozarteumorchester ‚Stille Nacht, heilige Nacht‘. Für ein Musikvideo des Liedes wurde der Sänger in eine Marionettenfigur verwandelt. Der Salzburger Filmproduzent Bernhard Fleischer hatte die Aufgabe, das Musikvideo zu gestalten und ist für die Ideenfindung ins Marionettentheater gegangen.

Das Ergebnis war, dass Startenor Kaufmann als Marionettenfigur auf der Bühne singt. ‚Wir haben uns überlegt, dass wir daraus gleich eine große Salzburger Produktion gemeinsam mit dem Salzburger Marionettentheater machen. Jonas Kaufmann war sofort begeistert und hat das von Anfang an unterstützt.‘

Kopf von Marionettenfigur mit 3-D-Drucker hergestellt

Innerhalb einer Woche entwickelte das Künstlerische Team des Marionettentheater mit Vorlagen von mehreren Fotos von Jonas Kaufmann das Modell für die Kaufmann-Marionettenfigur. Wegen einem zu knappen Zeitplan wurde der Kopf nicht handgeschnitzt, wie sonst im Marionettentheater üblich, sondern im 3-D-Druck hergestellt.“ (orf.at (c) )

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