Sommereggers Klassikwelt 119 : Vom Erzgebirge an die Metropolitan Opera New York – Elisabeth Rethbergs glanzvolle Karriere

Sommereggers Klassikwelt 119 : Vom Erzgebirge an die Metropolitan Opera New York – Elisabeth Rethbergs glanzvolle Karriere,  klassik-begeistert.de

Foto: Elisabeth Rethberg (c) pinterest.com

von Peter Sommeregger

Das Wiener Auktionshaus Dorotheum vermerkte stolz in seinem letzten Newsletter, ein Gemälde des Tiroler Malers Albin Egger-Lienz wäre für über eine Million Euro versteigert worden. Es stammte aus US-amerikanischen Privatbesitz, als ursprüngliche Besitzerin wurde die Opernsängerin Elisabeth Rethberg genannt, die das Gemälde wohl nach den USA mitgenommen hatte, als sie ihren Wohnsitz in den 1930er Jahren endgültig nach New York verlegte.

Diese Meldung ist eine gute Gelegenheit, um wieder an diesen Opernstar der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu erinnern. Geboren am 22. September 1894 im erzgebirgischen Schwarzenberg als Tochter eines Lehrers. Unter ihrem Mädchennamen Lisabeth Sättler absolvierte sie ein Gesangsstudium in Dresden, und erhielt nach dessen Abschluss 1915 ein Engagement an die dortige Staatsoper.

Hier erarbeitete sich die junge Sängerin ein umfangreiches Repertoire von lyrischen Sopranpartien. Im Jahr 1917 wirkte sie an der Uraufführung von Hans Pfitzners Oper „Christelflein“ mit. Zu diesem Zeitpunkt nahm sie den Künstlernamen Elisabeth Rethberg an.

Von Dresden aus verbreitete sich ihr Ruf schnell in Europa, und die Sängerin gastierte an zahlreichen großen Opernhäusern. Bereits 1922 trat sie erstmals bei den neu gegründeten Salzburger Festspielen als Gräfin in Mozarts Figaros Hochzeit auf. Arturo Toscanini, der damals wohl berühmteste Dirigent der Welt holte sie 1922 zunächst mit einem Vertrag für fünf Jahre an die Metropolitan Opera New York, wo sie wahre Triumphe feierte, und bis zu ihrem Bühnenabschied im Jahr 1942 engagiert blieb.

Ihre Glanz- und Antrittsrolle an der Met war die Aida. Es existieren mehrere Schallplatten mit Arien und Szenen aus dieser Oper, die Toscaninis Urteil, die Rethberg hätte eine Stimme wie eine Stradivari, plausibel nachzuvollziehen lassen. Hauptsächlich in den USA entstand eine große Zahl von Schallplatten mit der Sängerin, die ihren hell timbrierten, in den höheren Lagen wunderbar aufblühenden Sopran für die Nachwelt konserviert haben.

Darüber hinaus existieren mehrere Live-Mitschnitte von Aufführungen an der Met, aus San Francisco und von den Salzburger Festspielen. In einer Don Giovanni-Aufführung vom 2. August 1937 singt sie unter Bruno Walter eine Donna Anna, die bis heute Maßstäbe für diese Rolle gesetzt hat. In einem Otello-Mitschnitt ist sie die Partnerin des legendären Giovanni Martinelli, unter Bruno Walter ist sie in einem Figaro von 1941 zu hören, mit Lauritz Melchior singt sie in einem Lohengrin von 1940, aus dem Jahr 1939 stammt der Mitschnitt eines Simone Boccanegra mit Lawrence Tibbett und Giovanni Martinelli. Es gibt also erfreulich viele Möglichkeiten, die technisch perfekte Stimme der Rethberg kennenzulernen. Leider nicht verewigt hat die Sängerin die „Ägyptische Helena“ von Richard Strauss, die sie 1928 in der Dresdner Uraufführung der Oper auf ausdrücklichen Wunsch des Komponisten sang.

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Elisabeth Rethberg war mit ihrem ersten Ehemann, dem Industriellen Albert Doman 1932 endgültig in die USA übersiedelt. 1957 heiratete sie in zweiter Ehe den Bariton George Cehanovsky, mit dem sie viele Jahre gemeinsam an der Metropolitan Opera aufgetreten war. Von der Bühne hatte sie bereits 1942 Abschied genommen.

Elisabeth Rethberg starb am 6. Juni 1976 in New York nach einer Alzheimer-Erkrankung. Die Sängerin gehörte zu den Stars der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts, die uns durch ihre Tonaufnahmen noch heute beeindrucken, und für Liebhaber des Operngesanges einen hohen Standard gesetzt haben.

Peter Sommeregger, 28. Dezember 2021, für
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Der gebürtige Wiener Peter Sommeregger (Jahrgang 1946) besuchte das Humanistische Gymnasium. Er wuchs ganz in der Nähe von Franz Schuberts Geburtshaus auf. Schon vor der Einschulung verzauberten ihn an der Wiener Staatsoper Mozarts „Zauberflöte“ und Webers „Freischütz“ – die Oper wurde die Liebe seines Lebens. Mit 19 Jahren zog der gelernte Buchhändler nach München. Peter kennt alle wichtigen Spielstätten wie die in Paris, Barcelona, Madrid, Verona, Wien und die New Yorker Met. Er hat alles singen und dirigieren gehört, was Rang und Namen hatte und hat – von Maria Callas und Herbert von Karajan bis zu Riccardo Muti und Anna Netrebko. Seit 1994 lebt Peter in Berlin-Weißensee – in der deutschen Hauptstadt gibt es ja gleich drei Opernhäuser. Buchveröffentlichungen: „‘Wir Künstler sind andere Naturen‘. Das Leben der Sächsischen Hofopernsängerin Margarethe Siems“ und „Die drei Leben der Jetty Treffz – der ersten Frau des Walzerkönigs“. Peter ist seit 2018 Autor bei klassik-begeistert.de. Jeden Mittwoch: „Sommereggers Klassikwelt“.

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