Heras-Casado kleidet Bruckner in musikalisch historische Gewänder

Foto: Anima Eterna Brugge © Jan Landau

Auditorium Grafenegg, 14. August 2022

Anton Bruckner: Symphonie Nr. 7 E-Dur

Anima Eterna Brugge
Pablo Heras-Casado, Dirigent

von Herbert Hiess

Man weiß ja nie, warum Musik mit Originalinstrumenten aufgeführt wird – ist es tatsächlich die Neugier nach dem historischen Originalklang oder bloß das Bedienen einer Marktlücke nach dem Motto „Schaut her, ich bringe euch was ganz Neues“.

Nikolaus Harnoncourt war der Apostel der Originalklangbewegung und machte diese in Musikerkreisen eigentlich salonfähig. Natürlich müssen sich die Musiker und das Publikum mit den akustischen und spieltechnischen Eigenheiten anfreunden; aber letztlich hat das durchaus seinen Reiz. „Matinee Anima Eterna Brugge, Pablo Heras-Casado dirigiert Bruckners siebte Symphonie.
Auditorium Grafenegg, 14. August 2022 “
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Die SONNTAG-PRESSE – 14. AUGUST 2022

Foto: Martigny/Schweiz, Tosca (c) Charles E. Ritterband

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die SONNTAG-PRESSE – 14. AUGUST 2022

Martigny/Schweiz
„Tosca“ fasziniert in der Römerarena Martigny mit großen Stimmen
Martigny – ein kleines Städtchen im Schweizer Kanton Wallis, umgeben von einem Kranz hoher Berge und Reben, die steile Abhänge emporklettern und exzellenten Weißwein gedeihen lassen und die Überreste eines römischen Amphitheaters: Nicht unbedingt ein Ort, an dem wir eine musikalisch exzellente und szenisch perfekte Aufführung einer der ganz großen Opern Puccinis erwarten würden. Aber doch war es so
Klassik-begeistert.de

Rising Stars 31: Serena Sáenz, Sopran – die mit den Koloraturen tanzt
Die Entwicklung und Karriere vielversprechender NachwuchskünstlerInnen übt eine unvergleichliche Faszination aus. Es lohnt sich dabei zu sein, wenn herausragende Talente die Leiter Stufe um Stufe hochsteigen, sich weiterentwickeln und ihr Publikum immer wieder von neuem mit Sternstunden überraschen. Wir stellen Ihnen bei Klassik-begeistert jeden zweiten Donnerstag diese Rising Stars vor: junge SängerInnen, DirigentInnen und MusikerInnen mit sehr großen Begabungen, außergewöhnlichem Potenzial und ganz viel Herzblut sowie Charisma.
Von Dr. Lorenz Kerscher
Klassik-begeistert.de

Hamburg/Elbphilharmonie
Kenny Barron Quartet: Wenig Neues
Von Nikolai Röckrath
Klassik-begeistert.de

Hamburg St. Michaelis / Dom zu Lübeck
Der Abend der Traditionschöre: So viel Schönheit war nie
Matthias Janz: Was dieser Mann an schöner Musik geradezu ausstrahlt, ist wahrlich wundersam.
Von Harald Nicolas Stazol
Klassik-begeistert.de

„Aida“ bei den Salzburger Festspielen
Zwischen stummen Gesichtern und Todesengeln
BR.Klassik.de

Macht, Ethnie und Gender
Festspiele / Aida
DrehpunktKultur.at

„Aida“ in Salzburg: Wenn es in einem Krieg nichts zu triumphieren gibt (Bezahlartikel)
Kurier.at

Salzburger Festspiele: Einige Buhs für Antikriegs-„Aida“
DerStandard.at

Salzburg
Opernsängerin Corinne Winters im SN-Gespräch: „Katja sieht die Welt anders als wir“ (Bezahlartikel)
SalzburgerNachrichten.at

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Tristan und Isolde: Leidenschaftlich, dramatisch, stellenweise zu laut

Foto: Bayreuther Festspiele 2022; Tristan und Isolde; Insz. Roland Schwab, © Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele, 12. August 2022

Richard Wagner, Tristan und Isolde 

Jolanta Łada-Zielke berichtet von den Bayreuther Festspielen, wo gerade die zweiten Vorstellungen stattfinden.

„Nur starke Menschen kennen die Liebe, nur die Liebe erfaßt die Schönheit, nur die Schönheit bildet die Kunst“ [1]dies schrieb Richard Wagner in seiner Abhandlung „Die Kunst und die Revolution“, drei Jahre bevor er Mathilde Wesendonck kennenlernte. All das befindet sich in der „Tristan“-Inszenierung von Roland Schwab: die leidenschaftliche Liebe, die ungezwungene Schönheit und die Kunst auf hohem Niveau. Am besten gefällt mir die Anspielung auf die Liebesgeschichte von „Philemon und Baucis“ des römischen Dichters Ovid, deren Helden sich nach dem Tod in Bäumen verwandelten. Dieses Motiv stellt Piero Vinciguerra in dem Bühnenbild dar, am deutlichsten im dritten Akt. Drei Statistenpaare zeigen drei verschiedene Stadien der Liebe: kindlich, jugendlich und reif. All diese Etappen erfahren Tristan und Isolde in einer sehr kompakten Zeit. „Richard Wagner, Tristan und Isolde 
Bayreuther Festspiele, 12. August 2022“
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Frenetischer Applaus für Barenboim und sein West-Eastern Divan Orchestra

Foto: West-Eastern Divan Orchestra, Daniel Barenboim Dirigent © Marco Borrelli

Salzburger Festspiele 2022

Großes Festspielhaus, 10. und 11. August 2022
West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim 

Jedes Jahr bei den Salzburger Festspielen tritt das West-Eastern Divan Orchestra zweimal auf, meist einmal unter seinem Schöpfer Daniel Barenboim und das andere Mal unter einem Schüler. Diesmal hatte sich der Maestro es nicht nehmen lassen, beide Abende zu dirigieren. Der erste war ganz Bedřich Smetana (1824-1884) gewidmet, und zwar mit seinem Zyklus der Sechs symphonischen Dichtungen Má vlast (Mein Vaterland). Er entstand zwischen 1872 und 1879 und erlebte seine Uraufführung am 5. November 1882 in Prag. Von den sechs Sätzen 1. Vyšehrad, 2. Vltava (Die Moldau), 3. Šárka, 4. Aus Böhmens Hain und Flur, 5. Tabor und 6. Blaník ist natürlich der 2. Vltava mit seinen charakteristischen Melodien zum Fluss der Moldau und dem sich langsam musikalisch ankündigenden und dann intensiv musizierten Wasserfall am bekanntesten.

Das West-Eastern Divan Orchestra kam mir diesmal viel stärker vor als in den Jahren zuvor, mit einem größeren Ensemble und auch intensiver in seiner musikalischen Leistung. Zehn Celli und neun Kontrabässe sprechen ohnehin eine eigene Sprache, aber auch alle anderen Gruppen waren nahezu maximal besetzt. Im 1. Satz von Má vlast spielen die Harfen eine maßgebliche Rolle und tragen zu den slawischen Klangfarben um die Burg Vyšehrad bei, die schon hier unerkennbar zu vernehmen sind. Tutti zeugen von den Kämpfen um die Königsburg, engagiert musiziert von den meist jungen Musikern. Der 2. Satz schildert äußerst nachvollziehbar den Lauf der Moldau, erst gemächlich, dann über den Wasserfall und schließlich majestätisch bis zur Mündung in die Elbe. Die Musiker nehmen einen eindrucksvoll mit auf diese Flussreise. „West-Eastern Divan Orchestra, Daniel Barenboim
Salzburger Festspiele, 10. und 11. August 2022“
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Der Abend der Traditionschöre: So viel Schönheit war nie

Matthias Janz: Was dieser Mann an schöner Musik geradezu ausstrahlt, ist wahrlich wundersam.

Foto: 6. April 2019: Matthias Janz dirigiert Johann Sebastian Bachs Johannespassion in der Laeiszhalle Hamburg mit dem Symphonischen Chor Hamburg und dem Flensburger Bach-Chor

Schleswig-Holstein Musik Festival

St. Michaelis, K 146, Hamburg,
12. August 2022
Dom zu Lübeck, K 150, 13. August 2022

Iwona Sobotka, Sopran
Gerhild Romberger, Alt
Benjamin Appl, Bariton
Flensburger Bach-Chor
Symphonischer Chor Hamburg
Elbipolis Barockorchester
Matthias Janz, Dirigent

Johannes Brahms:

Schicksalslied op. 54 für 
Chor und Orchester
Rhapsodie für Alt, Männerchor und Orchester op. 53

Pēteris Vasks:
Pater Noster für Chor und Streichorchester

Johannes Brahms:
„Nänie“  für Chor und Orchester op. 82

Gabriel Fauré:
Requiem op. 48

von Harald Nicolas Stazol

Dass einem die Worte fehlen, ist für einen Kritiker eine schlechte Voraussetzung. Wenn einem vor schierer Schönheit der Atem stockt, ist es etwas Wunderbares, Seltenes, Kostbares. Dass einem aber die Spucke wegbleibt bei Brahms, Fauré und Pēteris Vasks, bei einem Zusammenspiel von einem überragenden Zweifach-Chor, einem überragenden Orchester, überragenden Solisten, sorglich-zärtlich-virtuos geführt von einem ALLES überragenden Dirigenten.

Dieser Abend in St. Michaelis lässt einen – endlich, endlich wieder – an Wunder glauben!

Da ist die „Retterin“, Gerhild Romberger, sie springt ein (was für eine Leistung!), „die Konzerte“ rettend, auch das in Lübeck des Schleswig-Holstein Musik Festivals… die vorgesehene Altistin Sophie Harmsen ist erkrankt, und die Romberger überstrahlt alles, wenn man den Symphonischen Chor Hamburg und den Flensburger Bach-Chor hört, selber leuchtend, und die Pianissimi des geradezu glänzenden Elbipolis Barockorchesters – …aber da ist auch ein Erleuchteter:

Matthias Janz. „SHMF, Brahms, Vasks, Fauré
St. Michaelis, K 146, Hamburg, 12. August 2022“
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Die SAMSTAG-PRESSE – 13. AUGUST 2022

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die SAMSTAG-PRESSE – 13. AUGUST 2022

Salzburg
„Aida“ – Die Inszenierung bleibt die Schwäche der Produktion
2017 hat Anna Netrebko alles überstrahlt, selbst die Schwächen der Inszenierung. Wie sehr sie heuer feht, merkte man bei der gestrigen Premiere
Kleine Zeitung.at

Festspielprominenz lieferte farbenfrohes Schaulaufen vor „Aida
Klicken Sie sich durch das bunte Treiben vor der Premiere
Salzburger Nachrichten

Salzburger Festspiele öffnen sich für die Jugend
Es gibt im Kulturbetrieb an der Salzach beides: Die treuen Besucher und Neulinge. Präsidentin Kristina Hammer spannt sie zusammen.
Kurier.at

Salzburg
Was ist Sünde? Puccinis „Il Trittico“ bei den Salzburger Festspielen ein Publikumserfolg
Wenn es mal nicht die Uraufführungsreihenfolge der drei Puccini-Einakter im Trittico von 1918 gibt, wie jetzt in Salzburg, dann ist man überrascht, dass es auch anders geht. Eingestellt ist man auf die Abfolge „Il tabarro“ (Der Mantel), „Suor Angelica“ (Schwester Angelica) und dann, nach so viel Tragischem als komödiantisches Schmankerl, „Gianni Schicchi“. Schon, weil man lieber beschwingt und lächelnd in die sommerliche Dunkelheit der Hofstallgasse und in seine Salzburger Festspielherberge zurückkehren würde
NeueMusikzeitung/nmz.de

Salzburger Festspiele: Vom Menschheitsdrama bis zum Horror-Haus
Puccinis „Il Trittico“ als überwältigendes Menschheitsdrama, Janaceks „Kata Kabanova“ als geschlossene Gesellschaft und Mozarts „Zauberflöte“ im Horror-Haus auf ORF 2, ServusTV, 3Sat und Arte.
https://www.news.at/a/salzburger-festspiele-puccini-kabanova-mozart

Als die Pariser ganz spanisch wurden. Zweiter Abend des West-Eastern Divan Orchestra in Salzburg.
Paris erfasst von einer musikalischen Spanien-Mode? Die Stadt wurde „zu einem der größten Umschlagplätze für einen musikalischen Tausch- und Verarbeitungshandel, der in beide Richtungen verlief“, hieß es im Programmheft zum zweiten Salzburger Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim am Donnerstag.
WienerZeitung.at

Salzburger Festspiele: Barenboim und Orchestra „besingen“ das Vaterland
DerStandard.de

Salzburg/ Katja Kabanova
Káťas innere Zerissenheit raubt mir die Sinne
Verdienter aufbrandender Schlussapplaus für Sopran Corinne Winters in der titelgebenden Hauptrolle. Sie singt wahrhaftig und inbrünstig die innere Zerrissenheit, die Religiosität, die treue zugeneigte Ehefrau Tichons, aber auch die Boris liebende seitenspringende Frau.
Von Frank Heublein
https://klassik-begeistert.de/leos-janacek-kata-kabanova-felsenreitschule-salzburg-11-august-2022/

Bayreuth/ „Die Walküre“ im zweiten Durchlauf
Diesmal hält auch Wotans Sessel bis zum Ende durch: Die Walküre in Bayreuth
Diesmal brach der Sessel nicht zusammen, Tomasz Konieczny konnte die ganze Walküre zu Ende singen. Die Inszenierung ist auch beim zweiten Mal nicht weniger sehenswert als beim ersten. Und Lise Davidsen und Klaus Florian Vogt als Wälsung-Zwillings-Paar sind einfach nicht zu toppen.
Von Peter Walter
https://klassik-begeistert.de/richard-wagner-die-walkuere-bayreuther-festspiele-11-august-2022/

Hamburg/ Sommerfestival Kampnagel
Choreografin Oona Doherty:Raus aus der Depression
SueddeutscheZeitung.de

Dirigentin Simone Young: Nennt mich nicht Maestra
Immer und überall die Erste: Eine Biografie zeichnet den steinigen Karriereweg der australischen Dirigentin Simone Young bis an die Spitze der Klassikwelt nach.
Tagesspiegel.de

Salzburg
Saraste springt für Blomstedt ein
Bei den Salzburger Festspielen wird Dirigent Jukka-Pekka Saraste beim Konzert mit dem Gustav Mahler Jugendorchester am 25. August für seinen Kollegen Herbert Blomstedt einspringen. Blomstedt war im Juni 2022 gestürzt – auf ärztlichen Rat pausiert der 95-Jährige bis Mitte September.
http://salzburg.orf.at/stories/3168883/

St. Florian
Die Himmelsleiter zur Ewigkeit. „Nearer to Bruckner“
– Start der Florianer Brucknertage am Samstag
https://volksblatt.at/die-himmelsleiter-zur-ewigkeit/

London
RSO Wien erstmals bei den Proms
https://oe1.orf.at/artikel/696255/RSO-Wien-erstmals-bei-den-Proms

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Diesmal hält auch Wotans Sessel bis zum Ende durch: Walküre in Bayreuth

Foto: Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele

Festspielhaus Bayreuth, Bayreuther Festspiele, 11. August 2022

Die Walküre
Musik und Libretto von Richard Wagner

Diesmal brach der Sessel nicht zusammen, Tomasz Konieczny konnte die ganze Walküre zu Ende singen. Die Inszenierung ist auch beim zweiten Mal nicht weniger sehenswert als beim ersten. Und Lise Davidsen und Klaus Florian Vogt als Wälsung-Zwillings-Paar sind einfach nicht zu toppen.

von Peter Walter

An dem neuen Bayreuther Traumpaar Lise Davidsen und Klaus Florian Vogt – wie ich schon zur Premiere geschrieben hatte – kommt im Moment einfach niemand vorbei. Kein Aufzug hat das Publikum so fest an die unbequemen Holzstühle gefesselt wie dieser! Die strahlende Sieglinde ist eine Sonne des Gesangs, magische Gefühle löst sie in einem aus, wenn ihre Stimmlippen zu schwingen beginnen. Vogt sang beim zweiten Mal sogar noch etwas besser als vor 11 Tagen, konnte mit einer fast schon lyrischen Melodik im zweiten Aufzug wahrhaftig verzaubern. „Grüßt mich in Walhall froh eine Frau?“, eine Jahrhundert-Sternstunde der Musik!

Lise Davidsen (Sieglinde), Klaus Florian Vogt (Siegmund). Foto: Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele

Georg Zeppenfeld sang seine sechste Vorstellung, zum sechsten Mal makellos. Die Fricka von Christa Meyer hatte einen gewohnt selbstbewussten, souveränen Auftritt. Sie ist es, die Wotans Willen steuert, er steht eigentlich auf Siegmunds Seite, muss sich aber seiner Frau zu Füßen werfen. Ihr stimmstarker, runder Mezzo-Sopran fordert selbst einen routinierten Wotan ordentlich heraus.  „Richard Wagner, Die Walküre
Bayreuther Festspiele, 11. August 2022“
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Káťas innere Zerissenheit raubt mir die Sinne

Corinne Winters (Káťa). Foto: Monika Rittershaus/Salzburger Festspiele

Felsenreitschule, Salzburg, 11. August 2022

Leoš Janáček    Káťa Kabanová

Oper in drei Akten (1921)

Libretto von Leoš Janáček nach dem Schauspiel Das Gewitter (1859) von Alexander Nikolajewitsch Ostrowski in der tschechischen Übersetzung von Vincenc Červinka

von Frank Heublein

In der Felsenreitschule in Salzburg wird heute Káťa Kabanová von Leoš Janáček aufgeführt. Verdienter aufbrandender Schlussapplaus für Sopran Corinne Winters in der titelgebenden Hauptrolle. Sie singt wahrhaftig und inbrünstig die innere Zerrissenheit, die Religiosität, die treue zugeneigte Ehefrau Tichons, aber auch die Boris liebende seitenspringende Frau.

Corinne Winters Sopran hat eine warme Note. In den liebenden leisen Szenen im ersten und zweiten Akt schmeichelt ihre Stimme. Zugleich kann sie ansatzlos umschalten und ich höre eine dramatische energetische Stimme, wenn sie der innere Zweifel, die sündige Versuchung peinigt. Im dritten Akt höre ich dann von ihr eine endgültig zerrissen verzweifelte Stimme. Sie stößt alle durch ihr Geständnis des Seitensprungs mit Boris von sich weg. Erleichterung bringt es ihr nicht. Als Boris in einem ersehnten Zusammentreffen berichtet, von seinem Onkel auf Geschäftsreise nach Sibirien geschickt zu werden, springt sie in die Wolga und nimmt sich das Leben. „Leoš Janáček,  Káťa Kabanová
Felsenreitschule, Salzburg, 11. August 2022“
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Wenig Neues

Foto: © Maxim Schulz

Elbphilharmonie, 10. August 2022

Elbphilharmonie Sommer
Jazz in der Elbphilharmonie

Kenny Barron Quartet:

Kenny Barron piano
Peter Washington bass
Justin Faulkner drums
Jesse Davis saxophone

von Nikolai Röckrath

Magisch, diese Momente vor dem Konzert. Erwartungsvoll steht der glänzende Flügel im Raum, daneben der Bass in yogischer Tiefenentspannung, im „Savasana“. Alles ist bereit für den großen Moment, den Moment, in dem die Saiten in Schwingung versetzt werden und sich das gedämpfte Murmeln im Raum und die darauffolgende sehnsüchtige Stille in Klang verwandeln.

Auftritt der Musiker. Träge, beiläufig betreten sie den nahezu ausverkauften Saal der Elbphilharmonie, finden ihre jeweiligen Instrumente und – noch bevor überhaupt ein Ansatz von Stille den Raum verhüllt – beginnen sie das Murmeln, Husten und Rascheln mit Bill Evans‘ „Like Someone in Love“ zu umspielen. Verweben es mit subtilen, zarten sechzehntel Läufen, sind direkt mittendrin, ganz so als wäre das Publikum soeben ins zweite Set geplatzt. Wenig Raum bleibt da für Zauber.

Gedankensprung. Eine Frage, die mich das Konzert über nicht loslässt aber elementar ist, um darauffolgende Ausführungen einzuordnen: Muss Musik „Neues“ schaffen? Und weiter: Muss mit Kenny Barron ein fast 80-jähriger Pianist in einem seiner etlichen Konzerte womöglich am Ende seiner pianistischen Laufbahn „Neues“ schaffen? Oder Peter Washington, der in seiner langen Wirkenszeit bereits über 450 Titel eingespielt hat und damit womöglich der gefragteste Bassist unserer Zeit ist?

Wenn es die Beiden nicht tun, muss dann zumindest ein Funke „Neues“ von dem nur 31-jährigen Schlagzeuger Justin Faulkner überspringen, etwas Unerwartetes, etwas, das hinhorchen lässt? Etwas, was einen an die Kante des Stuhls rücken lässt, angeregt fragend, wohin die Reise geht und was um Steigerung, spannungsvolle Zerrissenheit und deren Auflösung fleht.
Kurzum, Musik, die bewegt.

Zumindest die übergeordnete Frage beantworte ich für mich mit: Ja. Wer dies nicht tut, möge diesen Eintrag getrost zur Seite legen, möge die einwandfrei vorgetragenen, technisch makellosen und wundervoll klingenden Jazzstandards an diesem Abend genussvoll nachwirken lassen. Denn daran gibt es keine Zweifel: alle hier anwesenden Musiker stehen fraglos mit größter Berechtigung seit Jahren an der Weltspitze und haben in der Jazzwelt dank großer, innovativer Einspielungen bereits ihren eigenen Fußabdruck hinterlassen.

Handwerklich spielen die vier Musiker jeder für sich einwandfrei, spicken ihr Spiel mit schönen melodischen Linien, perlenden Läufen und konstanten, ungehetzten Tempi. Faulkner darf dabei in schnelleren Stücken voranschreiten, wird jedoch stets durch den unaufgeregten Peter Washington auf Linie gehalten, Jesse Davis kreiert besonders in den Balladen wärmste Klänge und schnörkellose Melodielinien auf seinem Saxophon.

Innovative Ideen werden jedoch bei so viel trockener Abgeklärtheit im Keime erstickt. Pflichtbewusst, wenig ambitioniert, ja geradezu eingestaubt wirkt das. Wenig Platz bleibt für die gemeinsame Exploration und das Suchen nach Antworten. Fast schon karikativ, wie Faulkner alle seine explosiven Kräfte zu bündeln scheint vor seinen phlegmatischen Kollegen und sie in seinen Soli immer wieder ansatzweise entflammen. Lichtblick dabei der Auftakt zu Thelonious Monks‘ „Well You Needn’t“, bei dem Barron und Faulkner im Duo einsteigen. Es entsteht kurzzeitig der Eindruck, da säßen sich Lehrer und Schüler gegenüber, wobei der Lehrer diesmal durchaus gewillt ist, seinem engagierten Schüler Gehör zu schenken und dessen Ideen fortzuspinnen. Diese Lebendigkeit und das gegenseitige Eingeständnis zu Fehlern sind an diesem Abend jedoch Mangelware.

Wer vor knapp vier Monaten besagten Justin Faulkner in der Laeiszhalle an der Seite von alten Jazzgrößen wie Branford Marsalis und Joey Calderazzo gehört, gesehen und erlebt hat weiß mit Sicherheit: selbst ein über 30 Jahre hinweg bestehendes Quartett kann sich ständig neu erfinden und sich an einem Abend in absolute Ekstase spielen. Was es dazu braucht: Das absolute Eingeständnis von Experimentierfreude, Lust auf das Neue, das Bedürfnis, mit der Musik etwas auszudrücken, etwas, das unmittelbar von Innen kommt.

Dieses Wagnis geht der heutige Abend nicht ein. Er strebt nach Perfektion und stürzt dadurch ins Klischeehafte. Auch der unerschöpfliche und unübertroffene Ideenreichtum von Kenny Barrons Spiel sowie dessen schlichte Eleganz in den großartigen Alben wie „Live at Bradley’s“, „What if?“ oder „Landscape“ bleiben am heutigen Abend ein uneingelöstes Versprechen.

Nach Blue Mitchells‘ „Fungji Mama“, dem siebten und letzten Stück vor der Blueszugabe treten die Musiker schließlich ganz physisch in Interaktion, etwas ungelenk wirkt die Verbeugung vor den sich genügsam zeigenden, applaudierenden und sich langsam leerenden Rängen.

Kenny Barron merkte gleich zu Beginn über die seit den 80ern nicht mehr besuchte Hansestadt an: „It changed a lot“. Vielleicht ist zu viel Wandel auch gar nicht unbedingt wünschenswert. Zumindest hier und heute bleibt alles beim Alten. Und damals war ja auch nicht alles schlechter, mögen sich einige denken.

Nikolai Röckrath, 12. August 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Branford Marsalis Quartet, »The Secret Between the Shadow and the Soul«, Laeiszhalle,  4. April 2022

SWR Symphonieorchester, Antoine Tamestit, Viola, Teodor Currentzis, Elbphilharmonie, 2. April 2022

Branford Marsalis Quartet, Elbphilharmonie Hamburg, 9. März 2019

„Tosca“ fasziniert in der Römerarena Martigny mit großen Stimmen

Martigny – ein kleines Städtchen im Schweizer Kanton Wallis, umgeben von einem Kranz hoher Berge und Reben, die steile Abhänge emporklettern und exzellenten Weißwein gedeihen lassen und die Überreste eines römischen Amphitheaters: Nicht unbedingt ein Ort, an dem wir eine musikalisch exzellente und szenisch perfekte Aufführung einer der ganz großen Opern Puccinis erwarten würden. Aber doch war es so: Geschickt hat die Lausanner Regisseurin und Musikerin Véronique Chevillard den romantischen Rahmen des römischen Amphitheaters von Martigny zum Einsatz gebracht, um eine klassisch-perfekte, detailreiche und doch originelle Inszenierung der „Tosca“ zu produzieren – und das war besser als manches, was wir an prätentiösen Inszenierungen in großen Opernhäusern gesehen haben. Das Sedunum String Orchestra unter der Stabführung von Sébastien Bagnoud begeisterte mit den gewaltigen Tonfolgen beim Auftritt des Polizeichefs Scarpia ebenso wie die Stimmen der Protagonistinnen und Protagonisten.

Römische Arena Martigny, Wallis, 10. August 2022

Giacomo Puccini, Tosca

von Dr. Charles E. Ritterband (Text und Fotos)

Es war ein fantastischer Abend: Die Berge rundum verglühten im Abendrot, irgendwo hinter den Sitzreihen rauschte die kleine Lokalbahn vorbei, an Holztischen vor der Arena wurde das berühmte Walliser Raclette serviert, ein mächtiger Bernhardiner (man ist hier zu Füssen des Grossen Sankt Bernhard) bahnt sich einen Weg durchs Publikum. Langsam wird es Nacht und wenn Cavaradossi vor seiner Hinrichtung inbrünstig sein berühmtes „E lucevan le stelle“ intoniert funkeln tatsächlich die Sterne in dieser klaren Nacht zwischen den Berggipfeln.

Puccinis Klangwolken über römischen Ruinen

Das Lausanner Orchester Sedunum String Orchestra unter seinem Gründer Sébastien Bagnoud sendete Klangwolken von großer Intensität und dann wieder feiner Subtilität in die Publikumsränge des relativ unbekannten Amphitheaters, einige Fahrstunden nordwestlich des weltberühmten Amphitheaters von Verona, wo Nacht für Nacht gigantische Opernaufführungen mit großen Namen im Programmheft und vor Tausenden zu sehen sind.

Umso berührender der Aufwand wie hier, im kleinen Martigny und in einem kleinen, entzückenden Amphitheater vor ein paar Hundert Zuschauern aus dem Wallis und dem benachbarten Waadtland große Oper in hoher Qualität gezeigt wird. Hut ab vor den Künstlerinnen und Künstlern, Hut ab vor den Initiatoren, die höchste Kultur in diese abgelegene Bergwelt bringen.

Die Tosca der an der Londoner Guildhall School of Music ausgebildeten Delphine Gillot beeindruckte mit kraftvollen, warmen Tönen, einer stets kontrollierten und nie auch nur im Geringsten dem Vibrato anheimfallenden Stimme. Ihr Spiel – als eifersüchtige und doch hingebungsvolle Geliebte und als kalt entschlossene Tyrannenmörderin – war überzeugend. Ihr stand als kongenialer Partner ein Tenor, der mehrfach preisgekrönte Lausanner Jérémie Schütz gegenüber, der – anfangs hörbar unsicher, dann mehr und mehr souverän – mit stimmlichen Feinheiten und dann wieder emotionsgeladenen Tiefen aufwartete, die einen erschaudern ließen. Der in Paris ausgebildete Marc Mazuir, der ein bedeutendes Repertoire an großen Rollen in seinem Curriculum Vitae aufweisen kann, glänzte als kraftvoller Bariton und überzeugend kalt agierender Bösewicht – niemals dramatisch überspielend und ganz in seiner Rolle ruhend. „Giacomo Puccini, Tosca
Römische Arena Martigny, Wallis, 10. August 2022“
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