Jawoll!! Wolfgang Boettcher in memoriam 1935-2021 – eine schöne work of love

Buch-Rezension: Jawoll!! Wolfgang Boettcher in memoriam 1935-2021  klassik-begeistert.de

Buch-Rezension:

Claus-Ulrich Bader (Hrsg.):

Jawoll!!
Wolfgang Boettcher
in memoriam
1935-2021

Ries und Erler (Verlag)

von Peter Sommeregger

Die Resonanz auf den Tod des Cellisten Wolfgang Boettcher im Februar 2021 war überwältigend und ist Ausdruck der großen Verehrung, die der Musiker genossen hat, gleichzeitig aber auch ein Beweis für sein erfolgreiches pädagogisches Wirken und seine starke Persönlichkeit.

Schon ein gutes Jahr nach Boettchers Tod liegt nun eine Publikation vor, die Ausdruck der Verehrung und Dankbarkeit von Weggefährten und Schülern ist. Die Namen der an dieser Würdigung Beteiligten reichen von Berühmtheiten wie Daniel Barenboim und Ulf Hoelscher über Journalisten, Kollegen aus dem Lehrkörper der Universität der Künste in Berlin, bis zu ehemaligen Schülern und den verschiedensten Persönlichkeiten, die Boettcher auf seinem langen und erfolgreichen Lebensweg begegnet sind.

Der gebürtige Berliner des Jahrganges 1935 entschloss sich schon frühzeitig für den Beruf des Musikers, auch seine Wahl des Instruments, des Cellos stand früh fest. Sein Vater fiel im 2. Weltkrieg und so wurde er für seine jüngeren Geschwister ein wenig Vaterersatz, er führte die beiden Schwestern auch an die Musik heran. Marianne wurde Geigerin, Ursula Pianistin, als Trio sind die Geschwister häufig gemeinsam aufgetreten, zuletzt nur Monate vor Wolfgang Boettchers Tod.

Bereits im Jahr 1958 wurde er Cellist bei den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan, nachdem er zuvor den ARD-Wettbewerb gewonnen hatte, ab 1963 war er deren Solo-Cellist. Daneben betätigte er sich aber auch lebenslang als Kammermusiker, war Mitbegründer des Brandis-Quartetts und der 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker. Freundschaften schloss er mit zahlreichen Musikern, deren große Zahl in diesem Buch auch zu Worte kommt.

Im Jahr 1976 trat er von seiner Stelle als Solocellist zurück, um mehr Zeit für eigene Projekte zu haben. Über die Jahre blieb er dem Orchester aber freundschaftlich verbunden, mit dem er auch mehrere Uraufführungen gespielt hatte. Im Jahr 1990 kreierte er das ihm gewidmete Cello-Konzert Giselher Klebes unter Daniel Barenboim.

Schwerpunkt in seinen späteren Jahren wurde aber die Lehrtätigkeit an der Hochschule, inzwischen Universität der Künste in Berlin. Hier gingen aus seiner Schule zahlreiche namhafte Solisten und Orchestermitglieder hervor. Deren schriftliche Zeugnisse sind ein Spiegel der charismatischen Persönlichkeit Wolfgang Boettchers.

Herausgeber des umfangreichen Bandes ist Claus-Ulrich Bader, der als ehemaliger Schüler und lebenslanger Freund Boettchers für diese Aufgabe bestens geeignet war. Gelungen ist ihm eine eindrucksvolle Würdigung des Verstorbenen. Sehr berührend ist das Geleitwort von Boettchers Kindern, das an den Anfang des Buches gestellt ist.

Diese Veröffentlichung ist sicher für alle Verehrer und Freude von Boettchers starker, nachwirkender Persönlichkeit auch ein schönes Buch der Erinnerung, ein work of love.

Peter Sommeregger, 11. Juli 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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