Lieses Klassikwelt 33: Schule

„Ich weiß, wovon ich rede, habe ich doch selbst Schulmusik studiert und mein Referendariat schon anno 1991 nach einem halben Jahr abgebrochen. Bis heute habe ich diesen Schritt nicht  bereut.“

von Kirsten Liese

Am Montag öffnen neben größeren Geschäften und Friseuren wieder die Schulen. Es wäre wohl allzu schön, wenn damit auch die mannigfachen Probleme, die das deutsche Bildungssystem schon lange vor dem Shutdown belasteten, hinweggefegt wären. Aber dem wird vermutlich nicht so sein. Wie auch? Eine Besinnung über all die Dinge, die im Argen liegen, hat in Zeiten von Corona nicht stattgefunden. Schon allein deswegen, weil es unter den Verantwortlichen an starken Persönlichkeiten fehlt und an einem politischen Willen der tiefgreifenden Veränderung.

Über kurz oder lang werden uns die alten Probleme, über die ich heute noch einmal sinnieren möchte, deshalb wieder einholen. Fangen wir mit dem triftigsten an: dem erschreckend niedrig gewordenen Bildungsstandard. Ob einfachste Bewerbungstests in Wirtschaft oder Verwaltung: Immer häufiger ließen sich in den vergangenen Jahren Klagen vernehmen, dass deutsche Abiturienten sich mit Mathematikaufgaben ebenso schwer tun wie mit der Rechtschreibung, wiewohl diese doch schon über Reformen vereinfacht wurde, oder mit Aufgaben, in denen es darum geht, einfache Zusammenhänge zu erfassen. Von Allgemeinbildung reden wir erst gar nicht. „Lieses Klassikwelt 33: Schule
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Langes Klassikwelt 12: Jammerlappen-Pop

Frau Lange oder wie sie die Welt sieht

Die Popmusik der letzten Jahre eröffnet eher selten fröhliche Fluchten aus dem Alltag. Heftiges Verliebtsein, einfach mal vor Glück schweben? Da muss man schon hinten im Plattenschrank kramen. Auch als Ventil für Frust, Zorn, Enttäuschung bietet sich der Mainstream-Pop kaum an. Seit längerer Zeit regiert resignierte Langeweile. Perfekt verpackt. Leidenschaft? Fehlanzeige. Was ist da los?

von Gabriele Lange

„Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer“

Nein, das ist kein Beitrag aus der Reihe „Zeitgemäße Musik“. Obwohl das Zitat so etwas vermuten lässt. Und obwohl der Mann, der diesen Song zu verantworten hat, es in letzter Zeit wieder laufend in die Schlagzeilen schafft. Darauf, was dieser arme Wirrkopf zu erzählen hat, mag ich gar nicht eingehen. Damit sollen sich qualifizierte Seelenärzte beschäftigen. Nein, ich möchte diesen Hit zum Anlass nehmen, mich ein bisschen über ein Phänomen auszulassen, das ich schon vor Jahren „Jammerlappen-Pop“ getauft habe. Und das mit ein Grund dafür ist, warum ich einen Großteil der in den Charts erfolgreichen Musik zunehmend unerträglich finde, obwohl ich wirklich ein großes Herz für die unterschiedlichsten musikalischen Spielarten habe – ob sie nun einige hundert Jahre oder wenige Tage alt sind und egal, wie seltsam das beim ersten Hören klingen mag.

Versetzen wir uns zurück ins Jahr 2006. Deutschland erlebt das sogenannte Sommermärchen. Sprich: Es wird Fußball gespielt, es wird gefeiert, getrötet, die Leute liegen sich in den Armen – manche meinen die angeblich so nüchternen, strengen Deutschen nicht wiederzuerkennen. Die Nationalmannschaft hat ein Lied des ehemaligen Mannheim-Sohns Naidoo zur Quasi-Hymne erkoren. „Langes Klassikwelt 12: Jammerlappen-Pop
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Hauters Hauspost 5: Das Schlüsselbundtrauma und die Entdeckung meiner Stimme

von Barbara Hauter

In den sensiblen Jahren der Pubertät wurde ich musikalisch von fliegenden Schlüsselbunden geprägt. Unser Musiklehrer zielte gut, erreicht damit bei mir aber vor allem eins: Ich wollte nie wieder singen. Mein letzter Bericht darüber hat Menschen bewegt. Übers Internet und Whatsapp erzählten mir einige Leser, wie es ihnen ergangen ist, von einfühlsamen Pädagogen und viel Freude im Unterricht. Mein Glaube an die positive Macht der Erziehung ist wieder hergestellt. Danke dafür.

Besonders berührt hat mich die Reaktion einer professionellen Opernsängerin. Sie lud mich spontan ein, es doch mal bei ihr mit einer Unterrichtsstunde im Fach Singen zu probieren. Sofort wurde mein ganzer Körper steif und in meinem Magen baute sich eine Backstein-Pyramide auf. Doch die beste Lebensgefährtin von allen meinte: „Probier es, über Skype kann dir ja nicht viel passieren. Notfalls machst Du einfach den Computer aus.“ Ich schlief zwei Nächte darüber. Dann sagte ich zu. „Hauters Hauspost 5: Das Schlüsselbundtrauma und die Entdeckung meiner Stimme
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Sommereggers Klassikwelt 33: Interrupted Melody – das bewegte Leben der Sängerin Marjorie Lawrence

Hört man heute die gar nicht so wenigen überspielten Schellack-Platten, oder besser noch die existierenden Live-Mitschnitte, muss man neben der Schönheit und Sicherheit ihres Gesangs auch die Vielseitigkeit der Künstlerin bewundern. Sie sang sowohl Sopran- als auch Mezzopartien und verfügte über eine eindrucksvolle dramatische Durchschlagskraft jener Art, die man heutzutage bei den Wagnersängerinnen schmerzlich vermisst.

von Peter Sommeregger

Weder der glanzvolle Aufstieg zu einem internationalen Opernstar, noch die krankheitsbedingte Katastrophe am Höhepunkt ihrer Karriere war der Tochter eines Metzgers im australischen Städtchen Dean’s March nahe Melbourne an der Wiege gesungen worden, als sie dort am 17. Februar 1909, nach anderen Quellen 1907, geboren wurde.

Die Liebe zur Musik und speziell dem Gesang spielte aber schon früh im Leben der jungen Marjorie eine entscheidende Rolle. Als sie in einem Gesangswettbewerb den ersten Preis gewann, der mit einem Stipendium für ein Gesangsstudium in Paris verbunden war, nahm ihr Schicksal die entscheidende Wendung. „Sommereggers Klassikwelt 33: Interrupted Melody – das bewegte Leben der Sängerin Marjorie Lawrence“ weiterlesen

Schweitzers Klassikwelt 4: Opernzitate

„Oft sind es ganz kurze Sätze, die in unseren Sprachgebrauch eingegangen sind und im Anlassfall automatisch gedacht und ausgesprochen werden. Wenn zum Beispiel das Mobiltelefon in Zeiten der Entspannung Töne von sich gibt. „Wer stört mir den Schlaf?“ Oder wenn Enkelsohn Aeneas gefährlich zu tollen beginnt: „Hast du Übermut?“ Er weiß bereits, dass diese ritualisierte Reaktion aus der Oper „Siegfried“ ist, wenngleich der Komponist ihm noch nichts sagt.“

 von Lothar Schweitzer

Während meiner temporären Kanzleitätigkeit im Rahmen des Präsenzdienstes beim österreichischen Bundesheer hatte ich das Glück und Vergnügen einem Chef unterstellt zu sein, der mir Befehle in Form von Zitaten aus Opern erteilte. Ich genoss das Privileg auch dementsprechend antworten zu dürfen. Vorgesetzter und Untergebener waren Opernnarren.

Das hat abgefärbt. Auch heute lassen meine Frau und ich gerne Operntexte in unsere Gespräche einfließen. Bei Gelegenheit auch in familiärem Kreis.  „Geht nur, geht, ich komm gleich nach. – Aus welcher Oper ist das?“ Meine Frage richtete sich an Tochter und Schwiegersohn. Ich flüsterte dem kleinen Enkel (5 Jahre) etwas zu. „Tiefland!“ posaunte Aeneas altklug heraus. Ich hatte bei dem Zitat Paul Schöffler im Ohr. „Schweitzers Klassikwelt 4: Opernzitate“ weiterlesen

Ladas Klassikwelt 29: Die Götter sind unter uns – Teil I

„Die Welt erscheint uns eindeutig, hat aber auch eine ganz andere Dimension. Neben Wotan, Mime, Alberich treten moderne Menschen auf der Bühne auf: Ingenieure, die die Geräte kontrollieren, Techniker im Wald, ein Liebespaar. Mythologische und moderne Charaktere existieren nebeneinander ohne gegenseitigen Kontakt. Die Zuschauer haben die Möglichkeit, beide zu beobachten, aber sie können sich nicht sehen – wie bei Hoffmann.“

Ein Gespräch mit Tankred Dorst (1925-2017)

Foto: Jolanta Lada-Zielke mit dem Regisseur und Dramatiker Tankred Dorst. Das Bild entstand im Jahr 2006 im Restaurant Bürgerreuth in Bayreuth.

von Jolanta Lada-Zielke

Die neue Inszenierung des „Ring des Nibelungen“ in Bayreuth wurde wegen der Corona-Krise abgesagt. Jedoch kann man sich an die früheren Produktionen der Tetralogie Wagners erinnern, die einen wichtigen Platz nicht nur in der Geschichte der Bayreuther Festspiele einnehmen. Im Jahr 2006, also zum 130-jährigen Jubiläum der Uraufführung des „ Rings“ am Grünen Hügel wurde die Inszenierung von Tankred Dorst präsentiert. Der Regisseur stand vor einer Herausforderung: Seine Interpretation sollte außergewöhnlich sein, aber auch die traditionellen Geschmäcker im Publikum ansprechen. „Ladas Klassikwelt 29: Die Götter sind unter uns – Teil I“ weiterlesen

Lieses Klassikwelt 32: Klassiker Eiskunstlaufen

Foto (2014) wikipedia.de (c) – Katarina Witt (* 3. Dezember 1965 in Falkensee), ehemalige deutsche Eiskunstläuferin, die im Einzellauf für die DDR und nach der deutschen Einheit für Deutschland startete. Sie wurde zweimal Olympiasiegerin (1984, 1988) und mehrfach Weltmeisterin (1984, 1985, 1987, 1988). Seit Beendigung ihrer Karriere ist sie als Schauspielerin und Moderatorin tätig.

„Ein Abstand von zwei Metern im Paarlauf oder beim Eistanzen scheint absurd. Hebungen, Todesspiralen und Berührungen jeglicher Art ließen sich dann nicht mehr realisieren. Werden diese Disziplinen überleben? Erzwingt Corona eine Reduktion auf die Einzelkonkurrenz der Damen und Herren? Oder steht womöglich der gesamte Eiskunstlauf vor dem Aus? Derzeit türmen sich wie in der Kultur nur Fragen über Fragen. Und die Antworten will man sich am besten gar nicht ausmalen.“

von Kirsten Liese

Fußball, internationale Messen oder das Münchner Oktoberfest, das sind wohl die einzigen Großveranstaltungen, die in den Medien im Kontext mit Corona zur Sprache kommen.

Die Frage, ob und wann Kinos, Theater und Opernhäuser wieder ihren Spielbetrieb aufnehmen könnten, stellt dagegen kaum einer im deutschen Fernsehen. Das stimmt traurig und ist eigentlich doch kaum verwunderlich vor dem Hintergrund, dass das Gros der Deutschen an der Hochkultur gar nicht partizipiert. „Lieses Klassikwelt 32: Eiskunstlaufen
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Sommereggers Klassikwelt 32: Wer jetzt kein Haus hat…

Foto: Staatsoper Unter den Linden, Berlin, © Gordon Welters

von Peter Sommeregger

Berlin leistet sich den Luxus von drei Opernhäusern, was zum Teil in der Stadtgeschichte begründet liegt. Die heutige Staats-, früher Hofoper Unter den Linden entstand in der Barockzeit, erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Charlottenburger Opernhaus von der damals noch selbständigen Kommune Charlottenburg erbaut, das wir heute unter dem Namen Deutsche Oper kennen. Was heute als Komische Oper firmiert, sind die Reste des ehemaligen Metropol-Theaters, das nach dem 2. Weltkrieg von der DDR als Opernhaus wieder eröffnet wurde. So viel zur Vorgeschichte der aktuellen Situation. „Sommereggers Klassikwelt 32: Wer jetzt kein Haus hat…
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Schweitzers Klassikwelt 3: Ein Rigoletto ruft herzzerreißend nach seiner Gilda

von Lothar Schweitzer

Soll ich mir in der Wiener Volksoper Ermanno Wolf-Ferraris Oper „Die vier Grobiane“ anhören, die mir nur vom Opernführer her ein Begriff war, oder wieder einmal meine Verdi-Lieblingsoper „Rigoletto“ in der Wiener Staatsoper? Ich entschied mich für die zweite Option. Ich wollte Herbert Lackner als Sparafucile kennenlernen. „Schweitzers Klassikwelt 3
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Ladas Klassikwelt 28: „Dominantseptakkord ist sexy“ oder: Harmonielehre, die Spaß macht
(für Musiklehrer, die Gesangsstudenten nicht besonders mögen😀)

von Jolanta Lada-Zielke

Die Lehrer für theoretische Fächer an polnischen Musikober- und Hochschulen haben nicht die beste Meinung über Sänger. Die Aufnahmeprüfung an der Gesangsfakultät darf man ohne musikalische Vorkenntnisse ablegen und muss vor allem die Stimme zeigen. So war es auch in meinem Fall. In der Kindheit lernte ich zwar Klavierspielen, schloss aber keine Grundschule für Musik ab, weil meine Familie oft den Wohnort wechselte. Als ich mein Gesangsstudium an einer Musikschule zweiten Grades in Krakau anfing, sagte man mir, dass Sänger außer Singen nichts könnten und besonders im Bereich Musiktheorie schwer von Begriff seien. In meiner Klasse gab es nur zwei Personen mit abgeschlossener Musikgrundschule, der Rest war ganz neu. Während des ersten Studienjahres schieden vier von uns aus, nur fünf blieben bis zum nächsten. Und dann kam ein völlig neues Studienfach: die Harmonielehre. „Ladas Klassikwelt 28: „Dominantseptakkord ist sexy“ oder Harmonielehre, die Spaß macht“ weiterlesen