Sophies Welt 3: Über Töne, Denker und Don Giovannis

von Sophie Reyer

Setzt man sich mit dem Werk des als Genie propagierten und zweifellos überaus begnadeten – sei es durch die Umstände, den Druck des Vaters, sei es durch neuronale Veranlagung – Mozart auseinander, so fällt im Besonderen ein überaus breit gefächertes Männerbild auf, was die Protagonisten in den Opern des Komponisten betrifft. Oder?

In diesem Kontext ist es spannend, sich mit einem Aufsatz des Philosophen Kierkegaard auseinanderzusetzen. Ja, denn dieser hat Papageno, Don Giovanni und auch die Figuren aus Cosi fan tutte einmal unter die Lupe genommen und im Spiegel seiner Zeit betrachtet – und das im Hinblick auf das Thema Sexualität. Der Philosoph widmet sich hier in seinen Papieren im Abschnitt A des Textes den „unmittelbaren erotischen Stadien oder das Musikalisch – Erotische“ … den möglichen Formen der Sexualität im Kontext der Mozart’schen Musik – und kommt so zu der Auffassung, dass es im sexuellen Erleben eines Menschen drei unterschiedliche Stadien gäbe. „Sophies Welt 3: Über Töne, Denker und Don Giovannis“ weiterlesen

Sommereggers Klassikwelt 45: Ida Haendel – der Gesang der Stradivari

von Peter Sommeregger

Vor drei Wochen, am 30. Juni 2020, starb die weltberühmte Geigerin Ida Haendel im amerikanischen Miami im 92. Lebensjahr.

Bis ins hohe Alter konnte man der zierlichen Künstlerin auf den Konzertpodien der Welt begegnen. Stets in bunte Gewänder gehüllt, mit aufgetürmter Haarpracht und hohen Schuhabsätzen strahlte sie das Selbstbewusstsein einer reifen künstlerischen Persönlichkeit aus, die auch optisch ein Ausrufungszeichen setzte. „Sommereggers Klassikwelt 45: Ida Haendel – der Gesang der Stradivari“ weiterlesen

Frau Lange hört zu (18): Kassandra und die selbstsicheren Dummköpfe

Juhu. Corona ist besiegt. Jedenfalls bei uns. Also wieder rein ins Vergnügen. USA, Brasilien, Türkei … Tönnies? Was da passiert, hat doch nichts mit uns zu tun! Einfach die Nachrichten und diese nervenden Kassandras ignorieren. Und so ziehen die Trojaner fröhlich die Masken aus – ähm – das Holzpferd in die Stadt. Eine Polemik über die Selbstgefälligkeit der Inkompetenz. Natürlich mit Musik.

von Gabriele Lange

Als Galileo darauf bestand, dass sich die Erde um die Sonne dreht, setzten Priester und Dummköpfe alles daran, diese Erkenntnis zu unterdrücken, sperrten das Genie ein und demütigten ihn.

Philipp Glass, Galileo Galilei „Frau Lange hört zu (18): Kassandra und die selbstsicheren Dummköpfe“ weiterlesen

Ladas Klassikwelt 41: Musikalisches Potpourri des Saxophonquartetts Meier’s Clan

von Jolanta Łada-Zielke

Vor zwei Wochen habe ich mit meinem Mann den Urlaub im Ostseebad Heringsdorf auf der Insel Usedom verbracht. Wir wollten dort unter anderem ein Open-Air-Revue-Konzert sehen, das wegen schlechten Wetters abgesagt wurde. Stattdessen hatten wir ein anderes, ebenso interessantes Musikerlebnis in der örtlichen evangelischen Kirche, nämlich das Konzert des Saxophonquartetts Meier’s Clan.

Dieses Potsdamer Ensemble bestehend aus: Ralf Benschu (Sopransaxophon), Matthias Wacker (Altsaxophon), Mark Wallbrecht (Tenorsaxophon) und Sebastian Hillmann (Baritonsaxophon) feiert gerade sein 20-jähriges Gründungsjubiläum. Die Musiker spielten damals zum ersten Mal zusammen, um ihren Saxophonlehrer Werner Meier zu seinem 70. Geburtstag zu ehren. Dann beschlossen sie, ein festes Quartett zu bilden und es nach ihrem Meister zu benennen. „Ladas Klassikwelt 41
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Der Schlauberger 9 – Sehr klug: Die Tür ist immer dabei...Neues aus der Region

Tritt den Sprachpanschern ordentlich auf die Füße! Gern auch unordentlich. Der Journalist und Sprachpurist Reinhard Berger wird unsere Kultur nicht retten, aber er hat einen Mordsspaß daran, „Wichtigtuer und Langweiler und Modesklaven vorzuführen“. Seine satirische Kolumne hat er „Der Schlauberger“ genannt.

Lieblingswörter und -begriffe sind kosmetische Mittel unserer Sprache. Zum Beispiel: Die Haustür.

Eine Reise ohne meine Haustür? Undenkbar. Das Bedürfnis, sie immer dabei zu haben, befriedigen manche Reiseveranstalter mit einem tollen Service: der Haustürabholung. Das Schöne daran ist, dass ich mich überall auf der Welt wie daheim fühle. Einziges Problem: Mein Heim ist dann für jedermann frei zugänglich.. Ohne Brecheisen. „Der Schlauberger 9
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Lieses Klassikwelt 44: Bruckner

Ich bin vor vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten, aber wenn ich Musik von Bruckner höre, empfinde ich so etwas wie Göttlichkeit. Noch zu meiner Studienzeit hätte ich nicht in Worte fassen können, warum das so ist. Ich war einfach nur emotional berührt von all den herrlichen Themen, die sich durch Bruckners Sinfonien ziehen, gepackt von der aufwühlenden Dramatik, der großen Feierlichkeit, den weihevollen Bläserchören und den imposanten Gipfelstürmen.

von Kirsten Liese

Als ich anfing, mich mit dem genialen Brucknerdirigenten Sergiu Celibidache zu beschäftigen und alles zu wissen begehrte, was er über den Spätromantiker und seine bahnbrechenden Werke zu sagen hatte, wurde mir meine Faszination bewusster. „Was du an Bruckner schätzt, ist nicht seine ‚Musik‘, sondern, was seine Klänge in dir hinterlassen, was absolut nicht fassbar, nicht zu definieren ist“, sagte Celi. Und: „Am Ende einer Bruckner-Symphonie erleben wir ein Gefühl der Vollkommenheit – das Gefühl, durch alles gegangen zu sein“, schließlich ist „niemand soweit wie Bruckner mit seiner klangbezogenen Korrelationsfähigkeit in den Kosmos eingedrungen“. Zwar tun sich zwischen gewaltigen Fortissimo-Klängen auch immer wieder Abgründe auf, wendet sich die Musik nach kraftvollen Passagen in tiefe Depression und Weltschmerz, aber in den finalen Apotheosen siegt immer die Hoffnung auf eine andere Welt und Rettung. „Lieses Klassikwelt 44: Bruckner“ weiterlesen

Schweitzers Klassikwelt 9: EIN ÜBERRASCHENDER OPERNABEND

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Warum ich Taormina nach einer Stunde wieder verlassen habe, ist mir heute nicht ganz klar. In Schlagern der Fünfzigerjahre des vorigen Jahrhunderts nach unsrem heutigen Geschmack kitschig besungen hatte ich mir diese Hügelstadt anscheinend anders vorgestellt. Ich setzte mich ins Auto und fuhr weiter und kam vom Regen in die Traufe, in die zweitgrößte Stadt Siziliens mit grauen Häusern und viel Lärm, nach Catania. Ich suchte ein Hotel auf, wo es durch einen hochoffiziellen Empfang gerade noch mehr Wirbel gab. Verdrossen und erschöpft schloss ich mich in mein Zimmer ein und gab mich einem „sonnellino“ hin. „Schweitzers Klassikwelt 9: EIN ÜBERRASCHENDER OPERNABEND“ weiterlesen

Ladas Klassikwelt 40: Krakau tanzt trotz der Pandemie

Als das Hofballett „Cracovia Danza“ im Herbst 2015 anlässlich des 600. Jahrestages der türkisch-polnischen Beziehungen in Bayreuth auftrat, gestand ich seinen Mitgliedern: „Wenn ich meine Heimatstadt Krakau überhaupt vermisse, dann vor allem wegen Euch!“

von Jolanta Łada-Zielke

Das Ensemble ist ein wichtiges künstlerisches Markenzeichen von Krakau. Ende Juli oder Anfang August organisiert das Ballett jedes Jahr zusammen mit der Ardente Sole-Stiftung das Internationale Festival der Hoftänze. Dabei kann man sehen und auch erleben, wie Leute an königlichen Höfen in vergangenen Epochen tanzten und welche Gewohnheiten in alten Zeiten herrschten. „Ladas Klassikwelt 40: Krakau tanzt trotz der Pandemie“ weiterlesen

Der Schlauberger 8: Hier wird nicht protestiert! Höchstens geballert

Tritt den Sprachpanschern ordentlich auf die Füße! Gern auch unordentlich. Der Journalist und Sprachpurist Reinhard Berger wird unsere Kultur nicht retten, aber er hat einen Mordsspaß daran, „Wichtigtuer und Langweiler und Modesklaven vorzuführen“. Seine satirische Kolumne hat er „Der Schlauberger“ genannt.

Hurra, schon wieder ein neues Wort! Dozierende. Also Dozenten und Dozentinnen. Logisch. Nachdem die Studenten abgeschafft worden sind, wurde es höchste Zeit, auch die Dozenten von der sprachlichen Landkarte zu tilgen. Und so las ich auf Bento.de, dem jungen SPIEGEL-Portal: „Zur Wissenschaftsfreiheit gehört auch der direkte Diskurs zwischen Dozierenden und Studierenden.“ Vereinfacht ausgedrückt: den Sprechenden und den Zuhörenden, also den Diskutierenden. „Der Schlauberger 8
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Lieses Klassikwelt 43: Kirsten Flagstad

von Kirsten Liese

Foto: Kirsten Flagstad, das die Archives der Met für mein Buch „Wagnerheldinnen“ zur Verfügung gestellt haben.

Die Norwegerin Kirsten Flagstad (1895-1962) war eine der größten Wagner-Sängerinnen aller Zeiten und mit ihrer monumentalen Stimme der Inbegriff einer hochdramatischen Sängerin. Nicht zufällig trage ich denselben Vornamen, meine Eltern waren von ihrer Stimme derart fasziniert, dass sie  mich nach ihr benannt haben. Am 12. Juli wäre die Heroine, die ihre Karriere klug disponierte, 125 Jahre alt geworden. Grund genug, sie mit einem Porträt zu würdigen.

Es hat allerdings seine Zeit gebraucht, bevor ich meinen Namen in Ehren halten konnte. Als kleines Kind war ich mit ihm sehr unglücklich, weil nur wenige ihn richtig aussprachen. Oft nannte man mich Kerstin, Kirstin oder Kristin, gelegentlich Christine, und bisweilen hielten die Leute Liese für meinen Vor- und Kirsten für den Zunamen. Es war zum Verrücktwerden, wie gerne hätte ich doch einen so einfachen, unverwechselbaren Namen wie Susanne, Andrea oder Birgit getragen. Als ich mit meiner Mutter darüber sprach, erklärte sie mir, nach wem ich benannt sei. Aber das konnte ich erst würdigen, als ich älter wurde und anfing, mich für historische Aufnahmen zu interessieren. „Lieses Klassikwelt 43: Kirsten Flagstad
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