Ein beschwingtes Spätwerk Meyerbeers

CD-Rezension: Giacomo Meyerbeer, L’Étoile du Nord  klassik-begeistert.de

CD-Rezension:

Giacomo Meyerbeer
L’Étoile du Nord

Wexford Festival Chorus

National Symphony Orchestra of Ireland
Vladimir Jurowski

NAXOS 8.660498-500

 von Peter Sommeregger

Giacomo Meyerbeer beherrschte in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Opernszene von Paris, hatte speziell mit der von ihm mit erfundenen Gattung der Grand Opéra lang anhaltende Erfolge, die sich auch international niederschlugen.

Als drittletzte seiner Opern entstand 1854 „L’Étoile du Nord“, eine dreiaktige opéra comique. Der Komponist griff dabei auf die zehn Jahre zuvor für Berlin geschriebene Oper „Ein Feldlager in Schlesien“ zurück, und verwendete sechs Nummern daraus für das neue Werk.

Stilistisch findet Meyerbeer dafür zu einem unerwartet jugendlich heiteren Stil, der dem Werk eine beschwingte Heiterkeit verleiht. Die Handlung um den russischen Zaren Peter den Großen erinnert ein wenig an Lortzings „Zar und Zimmermann“. Im Rahmen einer turbulenten Komödie begegnen wir auch der weiblichen Hauptfigur Catherine, die im wirklichen Leben tatsächlich Peters zweite Ehefrau, und nach seinem Tod zur Zarin Katharina wurde.Die Besonderheit dieser Aufnahme ist, dass sie bereits 1996 als Mitschnitt vom Wexford Opera Festival entstand. Einige der beteiligten Künstler sind mittlerweile von der Bildfläche verschwunden, andere haben dagegen große Karriere gemacht.

Das gilt für den Dirigenten der Produktion, Vladimir Jurowski, der vom seinerzeit hoffnungsvollen Nachwuchs-Dirigenten inzwischen zu einem der bedeutendsten Dirigenten der mittleren Generation avancierte.

In der weiblichen Hauptrolle der Catherine bezaubert die amerikanische Sopranistin Elizabeth Futral, die eine bedeutende Karriere als lyrischer Sopran hatte, inzwischen aber ihre Laufbahn offenbar beendet hat.

Den Tenor Juan Diego Flórez, inzwischen einer der großen Stars seines Faches, erleben wir hier noch in seinen Anfängen in der eher kleinen Rolle des George, die noch sehr lyrisch angelegt ist. Inzwischen hat Flórez sich erfolgreich das Spinto-Fach erobert.

Ebenfalls stark entwickelt hat sich Christopher Maltman, hier noch in einer Nebenrolle zu hören. Heute ist der Weltklasse-Bariton in großen Partien wie dem Don Giovanni und den großen Verdi-Rollen wie Rigoletto international unterwegs.

Der Bassist Vladimir Ognev, hier als Peter der Große zu hören, singt inzwischen nur noch an Theatern seiner russischen Heimat. Die bulgarische Sopranistin Darina Takova hat sich bereits von der Bühne zurückgezogen. Der walisische Tenor Aled Hall tritt noch in kleineren Rollen auf.

Die Tradition des Irischen Wexford Opera Festival geht bereits auf das Jahr 1951 zurück. Seither ist dieses Festival, das jedes Jahr eine selten gespielte Oper aufführt, zu einer Institution geworden. Der nostalgische Rückblick auf das Jahr 1996 hat durchaus seinen Reiz, erleben wir doch inzwischen stark weiter entwickelte Künstler in ihren Anfängen. Im Katalog der Aufnahmen von Meyerbeers Opern füllt diese Aufführung außerdem eine Lücke. Absolut hörenswert!

Peter Sommeregger, 21. Juni 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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Ein Gedanke zu „CD-Rezension: Giacomo Meyerbeer, L’Étoile du Nord
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  1. Alles gut, Herr Sommeregger, aber vom Spintofach ist Flórez, den ich überaus schätze, noch weit entfernt. Seine Rollen im lyrisch-dramatischen Fach sind inzwischen beachtlich, wie auch seine makellose Karriere, in der Intelligenz, Maß und kluge Rollenwahl seine einzigartige Stellung bedingen.
    Cavaradossi, Chénier, Turiddu, Manrico etc. werden noch ziemlich lange warten müssen, wenn er diese Rollen überhaupt singen wird.
    Ansonsten schätze ich Ihre Artikel.

    Robert Forst

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