Spätromantisches Feuer

CD-Rezension: Richard Strauss / César Franck, Brieuc Vourch, Guillaume Vincent

CD-Rezension: Richard Strauss / César Franck

Brieuc Vourch, Violine
Guillaume Vincent, Klavier

FARAO classics, B 108112

von Peter Sommeregger

Der junge französische Geiger Brieuc Vourch und sein Landsmann, der Pianist Guillaume Vincent, haben sich für ihr gemeinsames Debüt-Album zwei äußerst diffizile Stücke vorgenommen. Die Sonaten für Violine und Klavier von Richard Strauss und César Franck haben gemeinsam, noch den Geist der Spätromantik zu atmen, dem ihre Komponisten entstammen. Überaus deutlich ist in den Stücken aber auch schon das heraufziehende 20. Jahrhundert durchhörbar, das Franck allerdings nicht mehr erlebt hat, er starb bereits 1890.

Interessant ist, dass die beiden Sonaten beinahe zeitgleich entstanden, wobei Strauss zum Zeitpunkt der Komposition erst 23 Jahre zählte, Franck dagegen bereits über 60. Hier steht also ein Früh- einem Spätwerk gegenüber. Gemeinsam ist beiden Werken auch die reiche Palette musikalischer Einfälle, die sie beinhalten.

Man merkt der Einspielung an, dass ihr intensive Proben vorausgegangen sind, entsprechend souverän und vertraut wirkt das Zusammenspiel der beiden jungen französischen Musiker. Vourch, der ein Instrument  Francesco Ruggeris von 1690 spielt, verfügt bereits über einen sehr individuellen Ton und kostet den Melodienreichtum der Stücke hoch sensibel aus. Bei aller Kraft seines Spiels ist er gleichzeitig auch zu zart ziselierten Phrasierungen fähig.

In Guillaume Vincent verfügt er über einen kongenialen Partner, der sein Spiel stilistisch perfekt der dominierenden Geige anpasst. So entsteht eine künstlerische Harmonie, die sich in einer geglückten Interpretation der beiden Sonaten dokumentiert.

Der Erwähnung wert ist auch die brillante Aufnahmetechnik dieser CD, deren Einspielung im November 2020 in der Immanuelskirche in Wuppertal stattfand. Der Klang ist wunderbar transparent und ausgewogen, dabei auch in den Forte-Passagen niemals übersteuert, sondern stets rund und gut durchhörbar.

Eine ansprechende optische Gestaltung dieses Debüt-Albums vervollständigt den positiven Eindruck. Die beiden jungen Musiker scheinen auf einem guten Weg zu sein, man ist neugierig, mehr von ihnen zu hören!

Peter Sommeregger, 22. Juli 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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