CD-Rezension ROOTS von SALAPUTIA BRASS: Sehr rein und klar

CD-Rezension ROOTS von SALAPUTIA BRASS

CD Rezension ROOTS von SALAPUTIA BRASS

von Frank Heublein

Felix Eckert ist Solo-Posaunist des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, und er hat daneben ein Blechbläserensemble namens SALAPUTIA BRASS gegründet. Die dritte CD des Ensembles trägt den Titel ROOTS.

Eingespielt ist Musik von der britischen Insel. Großbritannien kann man als Wurzel (Englisch root) der Blechbläsermusik bezeichnen. Im 19. Jahrhundert entstanden aus zwei Bereichen viele solcher Ensembles. Zum einen setzte die Heilsarmee Blechbläser ein. Zum anderen entstanden Werkskapellen im Bergbau, insbesondere in den Kohlezechen. So entstand seit den 1830er-Jahren eine weit gefächerte Bläser-Szene.

Im Falle des SALAPUTIA BRASS sind elf Blechbläser und zwei Schlagwerker im Ensemble aktiv. Über alle Stücke hinweg empfinde ich den Klang des Ensembles als sehr rein und klar. Die nicht im Original für Bläser und Schlagwerk komponierten Stücke klingen natürlich, so gelungen sind die Adaptionen. Die Integration des Schlagwerks ist dabei ein sehr geschickter Schachzug.

Die CD arbeitet sich zeitlich in etwa chronologisch vor.

Die Tanzsuite „The Fairie Round“ von Anthony Holborne aus der Renaissance macht den Anfang. Sehr wahrscheinlich wurde am Hofe Elisabeths I. diese Suite nicht von einem reinen Bläserensemble interpretiert, Streicher waren mit von der Partie. Doch als Fan der alten Musik hört sich diese Version sehr eingängig, sehr höfisch an. Mit dem beginnenden Trommelwirbel, der einsetzenden Trompete. Das Interessante in diesen musikalischen Zeiten war die Flexibilität, mit Instrumenten zu operieren, die verfügbar waren. SALAPUTIA BRASS setzt diesen pragmatischen Ansatz in einen hervorragenden und ganz und gar passenden Klang für eine Tanzsuite um.

Sehr harmonisch ist der Übergang zur von Gustav Holst für Bläser komponierten „A Moorside Suite“. Zugleich entsteht eine im Vergleich zum vorherigen Stück gänzlich andere musikalische Atmosphäre. Sickernd, nebelig, schwelend ist das Scherzo. Das Nocturne dann suchend schwermütig. Der Marsch weckt mich auf, reißt mich aus der Schwermut. Forsche drängende Aktivität, die einhält und wieder langsam anschwellt. Das trommelnde Schlagwerk lässt mich aufrecht sitzen und aufmerksam den entdeckungsfreudigen Klängen folgen bis zum strahlenden Finale.

Arthur Butterworths ebenfalls für Bläser gesetztes Werk „A Triton Suite“ erzählt vom Meergott Triton. Die Suite beginnt mit einem Aufruf, dem Maestoso. Das folgende Vivace ist rhythmisch strudelige Bewegung auf den Wellen reitend. Das Lament spielt für mich am Meeresgrund. Vorsichtig wird eine dunkle Grotte inspiziert, mit unterschwelliger Spannung die vielen kleinen Winkel musikalisch erkundet. Das Scherzo wieder heller, erst eilig dahinschwebend, dann hält die Musik ein, als hätte sie den Gegenstand der Suche endlich gefunden. Um dann geschwind mit ihm zu enteilen.

„Bond for brass“ ist für mich als James Bond-Fan, der alle Bond Filme im Kino gesehen hat, ein Durchstreifen vor dem geistigen Auge der bisher 24 veröffentlichen Filme. In diesem 13-minütigen Medley zeigt das Ensemble seine Flexibilität, auf engstem zeitlichen Raum die unterschiedlichen Atmosphären der Filme aufscheinen zu lassen. Ein bisschen Wehmut schwingt dabei mit, auf das 25. Abenteuer so lange warten zu müssen. Ich erkenne in der Geschichte James Bonds, die in den Filmen mit Bond-Darsteller Daniel Craig erzählt wird, eine nachvollziehbare und enge Beziehung zu den erwähnten Wurzeln der englischen Blechblasmusik.

Einen kurzen Moment stocke ich, denn der folgende Kompositionsauftrag „From Koris by…“ von Paul McGhee klingt eines 007 Geheimagenten Epos anfangs gar nicht unähnlich. Doch überraschender. Das Schlagwerk, ein Vibraphon führt dunkel entspannt ein. Mein kurzer Holzweg heißt „Diamonds are forever“ („Diamantenfieber“).

Aus dieser entspannt dunklen Tiefe formiert sich ein Bläsercrescendo, das in überraschend gedehnten Tönen kulminiert. Die helleren Trompeten attackieren gemeinsam mit dem Schlagwerk, die Posaunentöne wehren wie eine abfedernde Tonwand diese Attacken mit den gedehnten und flächig steigenden und fallenden Tönen ab.

Das Schlagwerk gibt den Takt vor. Wieder durchbrechen die gedehnten Töne der Posaunen das forsche musikalische Fortschreiten.

Das dunkle Xylophon leitet für mich einen neuen Abschnitt ein, der eine gefühlte Achterbahnfahrt ist. So geschichtet hören sich die Töne an, wie mein Magen in der Achterbahn. Das Finale klingt dann wieder spannend treibend wie eine Verfolgungsjagd, die dramatisch offen in der Luft hängend als Cliffhänger endet.

Als langanhaltender 12-minütiger Rausschmeißer aus der CD dient ein Beatles Medley. In einigen originalen Songs werden Bläser eingesetzt. So klingt auch dieses Medley „All you need is brass“ sehr vertraut. Ich muss mich zurückhalten, nicht mit zu wippen, zu schwingen, zu pfeifen oder zu singen. Aber warum eigentlich – so allein in der Wohnung?

Frank Heublein, 20. März 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Anthony Holborne (1545 – 1602) – The Fairie Round (Tanzsuite)

  1. The fairie round
  2. The honie suckle
  3. The choise
  4. Muy Linda
  5. Last will and testament
  6. Galliarde
  7. The night watch

Gustav Holst (1874 – 1934) – A Moorside Suite

  1. Scherzo
  2. Nocturne
  3. Marsch

Arthur Butterworth (1923- 2014) – A Triton Suite op. 46

  1. Maestoso
  2. Vivace
  3. Lament
  4. Scherzo

Bond for brass (bearb. von Peter Dörpinghaus)

Paul McGhee (*1980) – From Koris by… (Kompositionsauftrag)

All you need is brass (bearb. von Peter Dörpinghaus)

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