Foto: Georg Nigl (Prinz Friedrich Artur von Homburg), ORF Radio-Symphonieorchester Wien © SF/Marco Borrelli
Herausragend ist die Leistung Georg Nigls als Prinz von Homburg. Dazu ein grandioser Orchesterklang, durch den ich die wunderbaren Facetten Henzes Musik – mal filgran mal mit großer Wucht – entdecke.
Der Prinz von Homburg (1960)
Oper in drei Akten und neun Bildern
Komposition: Hans Werner Henze
Libretto: eingerichtet von Ingeborg Bachmann nach dem Schauspiel Prinz Friedrich von Homburg von Heinrich von Kleist
Konzertante Aufführung
Musikalische Leitung: Ingo Metzmacher
Prinz Friedrich Artur von Homburg Georg Nigl
Prinzessin Natalie von Oranien Kathrin Zukowski
Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg Maximilian Schmitt
ORF Radio-Symphonieorchester Wien
Felsenreitschule, Salzburg, 20. August 2026
von Frank Heublein
An diesem Abend wird in der Felsenreitschule Hans Werner Henzes Oper Der Prinz von Homburg bei den Salzburger Festspielen 2026 konzertant aufgeführt. Ingeborg Bachmann richtete Kleists Drama für die Opernbühne ein. Sprachlich klingt es daher wie von Kleist und nicht wie Bachmann.
Der Prinz von Homburg träumt und erwischt schlafwandlerisch doch wirklich den Handschuh seiner Angebeteten Natalie. Da er ihn hat und während des Befehlsempfangs nicht richtig zuhört, weil er über diesen Handschuh nachdenkt, ignoriert er den Befehl des Kurfürsten. So gewinnt er diesem die Schlacht. Doch auf Befehlsverweigerung steht Kriegsgericht und Tod. Erst jammerlappt der Prinz ein bisschen. Um dann den Wink des Kurfürsten zu erkennen. Dieser verkehrt des Prinzen Gnadengesuch in eine Entscheidung der Würde. Der Prinz erkennt, dass er den Befehl ignoriert hat und seine Schuld sühnen muss, sei es auch mit dem Tod.

Ingo Metzmacher ist ein Dirigent der die Orchestermitglieder mit klaren direkten Fingerzeigen auffordert. Er setzt das ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter stetige Spannung. Was für eine Energie! Was für ein dichter kompakter spannungsvoller Klang. Durchscheinend am Anfang. Dramatisch fulminant am Ende des ersten Aktes. Im zweiten Akt klingt es an einer Stelle wie im Kinokrimi kurz vor der Auflösung, hier wird die Todesvorstellung des Prinzen musikalisch beschrieben. Im dritten Akt keimt und wabert der Klang Richtung Ende, wenn das Überleben des Prinzens unsicher ist. Er schließt mir den jederzeit eine überraschende Wendung bereithaltenden musikalischen Kosmos von Henzes Prinz von Homburg auf. Wunderbar.

Eine mich sehr beindruckende Szene: wenn der Prinz von Homburg anfangs a capella die Kurfürstin ansingt „als sprächst Du nicht,/ Wenn dich der Tod umschauerte wie mich.“ Das Orchester setzt ein. Verstärkend. Ich merke es verzögert, meine volle Aufmerksamkeit gilt dem Prinzen und seinem angstvollen Ton. Bariton Georg Nigl legt in diese Rolle alles rein. Ich hänge an seinen Lippen, seiner kraftvollen sonoren entschiedenen zugleich flexiblen Stimme. Ich nehme ihm alle Facetten ab: den Träumer. Den Draufgänger. Den Liebenden. Den Jammerer. Den Geständigen voller Würde, auch wenn das seinen Tod bedeutet. Wach, aktiv, voller konzentrierter Spannung. Kraftvoll, einfühlsam. Georg Nigls Leistung ist umwerfend gut.

Sopran Kathrin Zukowski singt die Prinzessin Natalie von Oranien. Ihr Gesang ist im Vergleich zu Nigls krasser Energie vorsichtig, bedächtig. Die Liebe nehme ich ihr nicht ganz ab. Doch in der Bitte um Gnade beim Kurfürsten trifft sie mit dieser kontrollierten Stimme den Punkt. In dieser Szene ist sie stark. Unterwürfig doch zugleich unumwunden klar macht sie dem Kurfürsten klar, was sie mit dem Prinzen verbindet: „das Kriegsgesetz, das weiß ich wohl, soll herrschen. / Jedoch die lieblichen Gefühle auch.“
Tenor Maximilian Schmitt singt Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg. Er läuft im dritten Akt zu guter Form auf. Wenn er den Unterstützern des Prinzen Mores lehrt und ihnen gar am Ende mit dem geläuterten Prinzen konfrontiert: „der wird euch lehren,/ Was Freiheit und was Würde sei.“ Mit klarer, entschiedener, schneidender Stimme.
Herausragend ist die Leistung Georg Nigls als Prinz von Homburg. Gegen seine extreme stimmliche Präsenz vermögen sich die anderen Stimmen nicht durchgängig ebenso auffällig zu positionieren. Das gelingt partiell in Szenen. Ein grandioser Orchesterklang, durch den ich die wunderbaren Facetten Henzes Musik – mal filgran mal mit großer Wucht – entdecke.
Frank Heublein, 21. August 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Franz Schubert, Die schöne Müllerin, Georg Nigl, Bariton klassik-begeistert.de, 6. August 2026
Interview: Bariton Georg Nigl klassik-begeistert.de, 14. September 2023
CD-Rezension: ECHO, Georg Nigl, Olga Pashchenko klassik-begeistert.de, 1. September 2023