Der Schlauberger 5: ´Ne Wahl ist mir zu langweilig – das ganze Leben ist Kampf

Der Schlauberger 5  klassik-begeistert.de

Tritt den Sprachpanschern ordentlich auf die Füße! Gern auch unordentlich. Der Journalist und Sprachpurist Reinhard Berger wird unsere Kultur nicht retten, aber er hat einen Mordsspaß daran, „Wichtigtuer und Langweiler und Modesklaven vorzuführen“. Seine satirische Kolumne hat er „Der Schlauberger“ genannt.

So etwas macht mich ganz kirre: Bei der CDU sollte es vor einiger Zeit eine Krampfkandidatur, also eine Kampfkandidatur um den Parteivorsitz geben. Warum um alles in der Welt muss immer alles mit Kämpfen verbunden sein? Können die nicht friedlich gegeneinander antreten?

Kampf hat immer etwas Kriegerisches, und Worte können eine gefährliche Waffe sein. Vielleicht nicht unbedingt bei Politikern, die das Unverbindliche schätzen. So wie die Kanzlerin: „Ein Weiter-so gibt es nicht.“ Na klar, schließlich verlangen die Herausforderungen für die Zukunft eine lückenlose Aufklärung für die hart arbeitenden Menschen draußen im Lande. Und treiben damit das Polit-Geschwafel auf den Höhepunkt.

Wie schön, dass wir die Herausforderungen für die Zukunft herbeisehnen. Herausforderungen für die Vergangenheit wären Quatsch. Und Kraftverschwendung. Weil die Vergangenheit Vergangenheit ist.

Und die „lückenlose Aufklärung“ ist auch eine Perle deutschen Polit-Sprechs. Eine lückenhafte Aufklärung braucht nun wirklich keiner. Schon gar nicht die „hart arbeitenden Menschen“. Na ja, ich kenne welche, die nicht den ganzen Tag so wahnsinnig hart arbeiten.

Franz-Josef Strauß hat das Dilemma mal so zusammengefasst: „Man darf keinen Hund mit der Bewachung eines Wurstvorrats beauftragen.“ Was auch immer das bedeuten mag.

Und was wäre, wenn wir die Kampfkandidatur einfach als Wahl bezeichneten? Huch, wie langweilig.

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Wer mag schon Pickel… Aber: Sicherheit geht vor

Wenn ich das schon höre: „Wir müssen uns den Herausforderungen stellen. Bezahlbarer Wohnraum in Städten, Zusammenhalt von Europa …“ Annalena

Baerbock (Grüne) hat das mal in einer Fernsehrunde gesagt.

Warum ergehen sich unsere Profi-Politiker so gern in ausgelutschten Textbausteinen? Weil das Sicherheit gibt. Mit Geschwafel können sie nicht viel falsch machen. Hingegen eigene Gedanken in eigene Worte zu fassen, das ist schon, siehe oben, eine Herausforderung. Zielsetzung statt Ziel. Konkrete Fragestellung statt Frage. Themenfelder statt Themen. Geltende Gesetze statt Gesetze (wen interessieren schon nicht-geltende Gesetze?).

Christian Lindner (FDP) hat das mal so schön formuliert: „Die Grundlagen unseres Erfolges sind die Innovationskraft, die Leistungsfreude und die Zukunftsorientierung.“ Heißt auf deutsch: „Ich wollte mal eben heiße Luft ablassen.“

Aber warum machen sie das? Weil sie Pickel mögen. Denn: Floskeln sind die Pickel unserer Sprache. Beide haben etwas mit ausdrücken zu tun.

Basta!

Reinhard Berger, 20. Juni 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
aus: HNA

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Reinhard Berger

Allerleikeiten
Reinhard Berger, geboren 1951 in Kassel, Journalist, Buchautor, Hunde- und Hirnbesitzer.
Vergänglichkeiten: Vor dem Ruhestand leitender Redakteur der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA).
Herzlichkeiten: verheiratet, zwei Söhne, zwei Schwiegertöchter, drei Enkel, ein Rottweiler.
Anhänglichkeiten: Bach, Beethoven, Bergers Nanne (Ehefrau).
Auffälligkeiten: Vorliebe für Loriot, Nietzsche, Fußball, Steinwayflügel, Harley-Davidson.
Öffentlichkeiten: Schlauberger-Satireshow, Kleinkunstbühne.
Alltäglichkeiten: Lebt auf einem ehemaligen Bauernhof.


www.facebook.com/derschlauberger

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Wartberg-Verlag

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