Die DIENSTAG-PRESSE – 30. JUNI 2020

Die DIENSTAG-PRESSE – 30. JUNI 2020

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die DIENSTAG-PRESSE – 30. JUNI 2020

Foto: Teatro alla Scala, Milano, (c) © Andreas Schmidt

Mailand/Scala
Requiem für Covid-19-Opfer
Nach der Sommerpause will die Mailänder Scala die Toten des Coronavirus ehren – mit einem Requiem von Verdi, gespielt im Dom. Schon im Juli soll es erste Konzerte im Opernhaus geben.
Der Spiegel

Wien/ Volksoper
Saisonende in der Volksoper: Mineralwasser für alle!
Operetten- und Musicalkonzert als ein Best-of-Stammrepertoire
Der Standard

Britische Künstler fürchten Corona-Ruin: „Unsere Kulturszene ist am Zusammenbrechen“
Großbritannien lockert seinen Lockdown. Doch die Situation vieler britischer Künstler bleibt davon unberührt. Sie sind verzweifelt und wütend. Eine Reportage.
Tagesspiegel

Ladas Klassikwelt 38: Virtuell oder real, Hauptsache: international!
„Die schwierige Situation der Künstler während der Corona-Pandemie hat bei einigen außergewöhnliche Kreativität ausgelöst. Der israelische Ashirachor fing mit virtuellen Proben an und lud das befreundete Ensemble aus Deutschland – den Zamirchor aus Bayreuth – dazu ein. Die Leiterin des Zamirchors Barbara Baier nahm diese Einladung mit Begeisterung an.“
Jolanta Lada-Zielke hat mit der Bayreuther Chorleiterin Barbara Baier gesprochen
Klassik-begeistert

Die Pianistin Uta Weyand reist in die Vergangenheit: Mit einem Steinway-Flügel aus dem Baujahr 1892
„Im Jahr 2014 schließlich wurde eine umfangreiche Restaurierung des historischen Instruments im Hamburger Steinway-Werk vorgenommen. Hier kommt Uta Weyand ins Spiel, die als ihren Beitrag zur Restaurierung ein Benefizkonzert gab. Dabei scheint sich so etwas wie eine emotionale Beziehung zwischen dem Flügel und der Pianistin entwickelt zu haben, die letztlich zur Idee dieser nun vorliegenden CD führte.“
Peter Sommeregger berichtet regelmäßig über neue CDs
https://klassik-begeistert.de/cd-besprechung-uta-weyand-1892-reflections/

Wien
Staatsoperndirektor Meyer verabschiedet sich
Ein bunter Vokalabend und die Ehrenmitgliedschaft des Hauses am Ring
Der Standard

Meyer-Abschied: Virtuoses Adieu in allen Tonlagen
Die Presse

Symphoniker und Honeck sehr menschlich
Orchesterglanz mit Tschaikowski und Verdi im Musikverein
Der Standard

Eisenstadt
Kulturgala mit Weltstar Netrebko im Publikum
Eine Gala für die ORF-III-Reihe „Wir spielen für Österreich“ im Schloss Esterhazy hat am Sonntag die Pause nach dem Coronavirus-Lockdown beendet .
https://burgenland.orf.at/stories/3055519/

Abschied vom Opernstudio in die beste Zukunft
Großes Künstleradieu mit Blumen und Geschenken am Sonntag im Musiktheater in Linz
https://volksblatt.at/abschied-vom-opernstudio-in-die-beste-zukunft/

Stuttgart
Iron Mozart
Musiktheater im Autokinomodus:
Die Stuttgarter Staatsoper hat auf dem Kulturwasen die „Zauberflöte“ coronatauglich aufbereitet und auf originelle Weise flott gemacht.
Stuttgarter Nachrichten

Düsseldorf
Saisonstart mit viel Kreativität in der Krise
https://www.report-d.de/Kultur/Musik/Duesseldorf-Saisonstart-der-Oper-mit-viel

Düsseldorfer Operndirektor Stephen Harrison:„Das Tüfteln hat mich schon immer gereizt“
https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/duesseldorfs-scheidender

Interview mit Bayreuths „Ring“-Regisseur Valentin Schwarz:
Demokratie üben mit Richard Wagner
Stuttgarter Zeitung

Berlin/Wien
Olga Neuwirth und Co präsentierten Corona-Musik in Berlin
Zehn Komponisten stellen ihre in Zeiten der Pandemie entstandenen Werke vor
Berlin/Wien – Wie klingt neue Musik in Coronazeiten? Zehn zeitgenössische Komponisten wie die Österreicherin Olga Neuwirth oder ihr deutscher Kollege Jörg Widmann wollen auf Anregung des Dirigenten Daniel Barenboim und des Flötisten Emmanuel Pahud von den Berliner Philharmonikern ihre in der Zeit der Pandemie geschriebenen Werke vorstellen.
Der Standard

Wien
So war das letzte Klassikwochenende einer einzigartigen Saison
Das letzte Konzert unter der Intendanz von Thomas Angyan, Abschied von Dominique Meyer und Ausblicke in der Volksoper.
Kurier

Links zu englischsprachigen Artikeln

Streams
Jonas Kaufmann, Karita Mattila, Jessye Norman, Hildegard Behrens Headline Top 10 Operas to Stream This Week
https://operawire.com/jonas-kaufmann-karita-mattila-jessye-norman-hildegard-behrens

Virtual Concerts You Absolutely Need To See This Week
https://www.ludwig-van.com/toronto/2020/06/29/critics-picks-virtual-concerts

London
‚In my end is my beginning‘: Mark Padmore and Mitsuko Uchida perform Winterreise at Wigmore Hall
http://www.operatoday.com/content/2020/06/in_my_end_is_my.php

Dublin
The show must go on: Making opera in the lockdown age
https://www.irishtimes.com/culture/music/the-show-must-go-on-making-opera

Los Angeles
Concert Life Begins to Rise From the Ashes
https://www.sfcv.org/article/concert-life-begins-to-rise-from-the-ashes

Feuilleton
Coronavirus-era concert-going: exploring the new normal
Performance activities are picking up in Germany. Our reporter went to find out how it feels to sit in a philharmonic hall with standards slightly loosened.
https://www.dw.com/en/coronavirus-era-concert-going-exploring-the-new

Why I Love… Götterdämmerung
https://www.musicomh.com/classical/why-i-love-gotterdammerung

Ballett/ Tanz

Wien
Christiana Stefanou neue Direktorin der Ballettakademie der Staatsoper
Im April vorigen Jahres waren schwere Vorwürfe bekannt geworden
Der Standard

Christiana Stefanou neue Direktorin der Wiener Ballettakademie
Ein Gesamtkonzept soll von neuer Chefin umgesetzt werden.
Wiener Zeitung

Berlin
Ballettschule: Geschichte eines Rufmords
Eltern fordern von Senatorin Scheeres den Schutz ihrer Kinder vor zwei ungezügelten Tanzlehrern an der Staatlichen Ballettschule – ohne Erfolg. Ein Vater erstattet Strafanzeige. Statt zu handeln, arbeitet sich die Politik mit medialem Lärm an obskuren Kündigungen von Schulleitern ab.
https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/geschichte-eines

Sprechtheater

Salzburg
Aufbau der Jedermann-Bühne gestartet
Monteure der Salzburger Festspiele bauen ab Montag am Domplatz Bühne und Zuschauertribüne für den Jedermann auf. Dass das Spiel vom „Leben und Sterben des reichen Mannes“ von Hugo von Hofmannsthal heuer trotz Coronapandemie überhaupt aufgeführt werden soll, steht erst seit wenigen Wochen fest.
https://salzburg.orf.at/stories/3055618/

Ausstellungen/ Kunst

Wien
Oberes Belvedere lockt Besucher mit billigeren Tickets
Am 1. Juli öffnet das Obere Belvedere seine Tore wieder für Besucher.
https://k.at/news/oberes-belvedere-lockt-besucher-mit-billigeren-tickets

New York
Neue Auktionsformate
Sotheby’s startet nächste Woche mit den Prestigeauktionen in New York, allerdings nur im virtuellen Raum. Das Angebot ist hochkarätig.
https://www.diepresse.com/5831870/neue-auktionsformate

TV/ Film

„Golden Girls“-Folge wegen „Blackfacing“ aus Programm gestrichen
„Scrubs“, „30 Rock“, „Simpsons“ und „Family Guy“: Immer mehr Comedyserien sind von Streichungen betroffen.
Kurier

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Unter’m Strich

Flu virus with ‚pandemic potential‘ found in China – BBC News
https://www.bbc.com/news/health-53218704

Neuregelung: Griechenland-Urlaub wird zur Reise ins Ungewisse
Spätestens 48 Stunden vor Einreise muss man sich registrieren. Bei der Ankunft erfährt man, ob ein PCR-Test samt Quarantäne bis zum Vorliegen des Ergebnisses notwendig ist.
Kurier

INFOS DES TAGES (DIENSTAG, 30. JUNI 2020)

INFOS DES TAGES (DIENSTAG, 30. JUNI 2020

www.onlinemerker.com (Quelle)

DIE DIREKTION DOMINIQUE MEYER – WAS BLEIBT DAVON

Mir ist die Ehre widerfahren ... - e-shop der Wiener Staatsoper

(Heinrich Schramm-Schiessl)

Es war eigentlich ganz anders geplant. Der damalige Bundeskanzler Alfred Gusenbauer wünschte sich, dass sein Freund, der Tenor Neil Shicoff, Nachfolger von Joan Holender als Staatsoperndirektor werden soll. Er hatte hier zumindest einen Teil der Boulevardpresse hinter sich. Noch am Tag der Bestellung, dem 7.6.2007,  titelte eine der Boulevardzeitungen „Heute wird Neil Shicoff neuer Staastsoperndirektor“. Hier sollte offenbar Druck auf die zuständige Ministerin Claudia Schmied ausgeübt werden. Allerdings waren die Würfel bereits anders gefallen. Ministerin Schmied hat offenbar erkannt oder wurde von ihren Beratern darauf hingewiesen, dass es einfach nicht geht, dass man Herrn Shicoff auf Kosten der Steuerzahler Staatsoperrndirektor lernen läßt.

Schon in den Tagen vor der Bestellung machte in Wien das Gerücht die Runde, dass sich die Ministerin für den Direktor des „Theátre des Champs-Elysées“, Dominique Meyer, entschieden habe. Bei der Präsentation wurde dann neben Meyer der österreichische Dirigent Franz Welser-Möst als Generalmusikdirektor präsentiert, wobei es diese Position an sich gar nicht gibt. Allerdings wurde offenbar im Vorfeld verabsäumt, klar die Kompetenzen bzw. die Zuständigkeiten der beiden Herren abzuklären, sodass es am Beginn der Saison 2014/15 zum Bruch kam.

Mit heutigem Tag endet also die Direktionszeit von Direktor Meyer tatsächlich, auch wenn sie infolge der Schließung des Hauses wegen der Corona-Krise bereits am 9. März dieses Jahres zu Ende war. Es ist also Zeit Bilanz zu ziehen und darüber nachzudenken, was von der Direktion Meyer bleiben wird.

Wenn man die Direktion Meyer im Rückblick betrachtet, so muss man sie als unauffällig bezeichnen. Es gab nur wenige Höhepunkte, wie die Abende unter Christisan Thielemann und hier insbesonders sein leider nur einmaliges Dirigat von Wagners „Ring“ die Premiere von „Anna Bolena“ mit Anna Netrebko und Elina Garanca und die Aufführungsserie von „Adriana Lecouvreur“ mit Anna Netrebko, Elena Zhidkova und Pjotr Beczala. Auf der anderen Seite gab es keinen wirklichen „Skandal“. Missfallenskundgebungen nach Premieren, meistens in Hinblick auf die Inszenierung, gehören letztlich zur Normalität in einem Opernhaus eines demokratischen Landes.

Neuinszenierungen haben einerseits die Aufgabe das Repertoire zu erweitern, andererseits weniger geglückte vorhandene Inszenierungen zu ersetzen. Was das erste betrifft, so gab es hier durchaus interessante Projekte. Da waren in erster Linie die Werke aus der Frühzeit der Operngeschichte, egal wie man letztlich zu ihnen steht. Es war nur schade, dass diese auf Händel und Gluck beschränkt waren und auf Monteverdi vergessen wurde. Dass man für die Aufführung der Händel-Opern Spezielensembles engagiert hat, war vertretbar, nicht zu akzeptieren war dies bei den Gluck-Opern, diese hätte das Staatsopernorchester besser gespielt. Ebenso positiv ist die Erweiterung des Janacek-Repertoires und die Produktion einiger Werke des 20. und 21. Jahrhunderts inkl. zweier Uraufführungen.

Leider waren jedoch viele dieser Neuinszenierung nicht nachhaltig, d.h. sie sind nach der Premierenserie wieder vom Spielplan verschwunden. Ich denke hier z.B. an „Vec Markropulos“, „Der Spieler“ oder „Samson et Dalila“. Ähnliches musste man bei Wiederaufnahmen älterer Produktionen festellen.

Die Neuinszenierung von Werken, die im Repertoire vorhanden waren, ist hingegen mit ganz wenigen Ausnahmen (Macbetto, Falstaff) missglückt iund hat uns zum Teril absolut unzulängliche Neugestaltungen beschert. Die schlimmsten Machwerke waren hier zweifelsohne „La Traviata“, „Lohengrin“, „Parsifal“, „Lucia“ und – besonders schmerzhaft – die drei Mozart-Opern „Don Giovanni“ „Figaro“ und „Zauberflöte“.

Beim Engagement von Regisseuren hatte Direktor Meyer nur selten eine gkückliche Hand. Er wollte es hier eine pragmatische Linie verfolgen und ist damit gescheitert.

 

Über die gesamten Saisonen hinweg war der Spielpan im Verghleich zu anderen Opernhäusern durchaus respektabel, denn es wurden immer 48-50 Werke pro Saison aufgeführt. Das Problem lag im Detail. Direktor Meyer reizte die blockweise Aufführung von Opern, was heute internationaler Standard ist, insofern extrem aus, als auch Standardwerke des Repertoires darunter fielen und man diese dann oft nur in einer Serie sehen konnte und nicht, wie früher, über die ganze Saison verstreut jedes Monat ein- oder zweimal. Auch war die Zusammenstellung der Monatsspielpläne oft etwas einseitig, die richtige Mischung die alle Besucher gleichermaßen angesperochen hätte, fehlte. Besonders schmerzlich war die geringe Anzahl der Werke Richard Wagners. Sicher es gab fast jede Saison eine Aufführung des kompletten „Rings“, aber dafür fehlten andere Werke. Von den „Meistersingern“ gab es z.B. in den zehn Jahren gerade einmal vier Aufführungen. Dazu einmal befragt gab Meyer die Schuld den Tourneen der Wr. Philharmoniker, die ja einen großen Teil des Staatsopernorchesters ausmachen. Von seitens des Orchester wurde andererseits geklagt, dass man verärgert darüber sei, dass man nicht mehr Wagner und auch Richard Strauss spielen könne.

Kommen wir nun zu den Dirigenten und Sängern, dem wichtigsten in der Oper. Bei den Dirigenten konnte man bedingt zufrieden sein, auch wenn es z.B. bei Mozart doch ziemliche Probleme gab. Dass man einen Mann wir Christoph Eschenbach zwei Mozart-Premieren dirigieren ließ, war der Tradition die das Haus diesem Komponisten gegenüber verpflichtet ist, nicht angemessen. Dagegen hatte man für das italienische Fach einen verlässlichen Mann wie Marco Armiliato.

Mehr Abende hätte man sich von Christian Thielemann, dem heute wohl wichtigsten Wagner- und Strauss-Dirigenten gewünscht.

Was die Sänger betrifft, so muss man feststellen, dass die Spitzensänger unserer Zeit nur in einem ziemlich bescheidenen Ausmaß in Wien aufgetreten sind. Oft waren sie – wenn überhaupt – nur in einer Rolle pro Saison in einer Serie von 3-4 Vorstellungen zu hören, manche sogar nur über mehrere Saisonen hinweg in immer in der gleichen Rolle in nur zwei Aufführungen. Jetzt weiß man natürlich, dass die absoluten Spitze heute einigermaßen kleiner ist als früher, wesentlich mehr Opernhäuser sich bemühen, diese Sänger zu bekommen und diese wiederum weniger komplette Opernabende bestreiten möchten und oft die wesentlich lukrativeren Soloabende oder Freiluftkonzerte vorziehen, aber es liegt dann halt am Geschick des jeweiligen Direktors, diesen Sänger entsprechende Angebote zu machen. Rollendebuts wichtiger Sänger fanden fast immer wo anders statt. Dieses Manko muss man Direktor Meyer anlasten, denn ich könnte mir vorstellen, dass man z.B. Anna Netrebkos Debut in „Forza del destino“ oder jenes von Elina Garanca in „La Favorite“ bei entsprechenden Verhandlungsgeschick in Wien hätte stattfinden lassen können, zumal die Ressourcen, wenn auch in nicht unproblematischer Form, vorhanden waren.

Der Repertoirealltag war eher durchwachsen. Durchaus erfreulichen Vorstellungen folgten Abende, die man besser gleich wieder vergessen sollte. Unter den Neuengagements befanden sich ohne Zweifel Sängerinnen und Sänger die sich als Stützen des Repertoires behaupteten, in Premieren aber oft nicht reüssieren konnten, aber auch solche, für die ein Engagement an der Staatsoper zu früh gekommen ist, und die besser beraten gewesen wären, sich zunächst in kleinen und/oder mittleren Häusern ein  Repertoire aufzubauen. Bei manchen Sängerinnen – und bitte, mir das jetzt nicht als sexistisch auszulegen – mußte man leider feststellen, dass ihre gesanglichen Leistungen nicht mit ihrem attraktiven Aussehen mithalten konnten.

Nun, was bleibt von der Direktionszeit von Dominique Meyer? Ich fürchte, nicht all zuviel. Man wird sich erinnern, dass es eine Zeit ohne wirklichen Skandal war, aber auch mit nur wenigen Höhepunkten. In den Wiener Operngeschichtsbüchern wird über die Direktion Meyer – und ich habe das schon in der Einleitung meiner Kritik zu Olga Neuwirths „Oralando“ geschrieben – wahrscheinlich nur stehen, dass unter seiner Direktion erstmals ein abendfüllendes Werk einer Komponistin uraufgeführt wurde.

Allerdings, wer die Wiener Opernfreunde kennt, weiß, dass manche Meyer bereits nach wenigen Wochen des neuen Direktors nachweinen werden.

Heinrich Schramm-Schiessl

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SALZBURGER FESTSPIELE/ Kartenweitergabe

Blühender Online-Handel - Salzburg-Magazin

Das Rätsel, was passiert, wenn jemand aus welchem Grund aucgh immer doch nicht zu den Festspielen fahren kann ist gelöst. Er kann die Karte(n) auf den neuen Besitzer umschreiben lassen, Das kostet pro Karte EUR 15.-.

H.S.S

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Dominique Meyers Abschiedsfest im  Ristorante Sole (27.6.): ADDIO mit strahlenden Gesichtern


Dominique Meyer und Aki Nuredini in Erwartung des Tortengenusses. Credit: Sole

Eine gut gelaunte Sängerprozession zu später Stunde ist nach dem ‚Galaabend des jungen Ensembles‘ von der Wiener Staatsoper in Richtung des Ristorante Sole in der Annagasse nicht zu übersehen gewesen. Der scheidende Operndirektor Dominique Meyer hat nach seinem letzten Auftritt als Chef zu einem Adieu in sein Wiener Stammlokal gebeten. Dürfte wohl in kleinerem Kreis geplant gewesen sein, ein amüsantes Opernszene-Treffen mit strahlenden Gesichtern der überwiegend jüngeren SängerInnen ist es dann allerdings geworden. Bis der Padrone des Künstlerlokals, Aki Nuredini, eilig drängend, doch sehr, sehr Corona-korrekt, seine sich blendend unterhaltende Gästeschar um ein Uhr nach Haus schicken musste.

ORF-Intendant Alexander Wrabetz, locker sich einfügend, fühlte sich wohl, der Geschäftsführer der Bundestheater-Holding Christian Kircher, einige andere Mitgestalter der Opernszene. Keiner der bekannten Gesangstars allerdings. Dafür aber vibrierte das gut gestimmtes Haus mit von Meyer nach Wien geholten Sängern der jüngeren Generation. Leicht gespickt mit auch bereits Arrivierteren, welche sich ebenfalls im Abschiedskonzert auszeichnen durften. Eine internationale Schar. Die Jungen salopp und recht ausgelassen, gleich zwei Geburtstagskinder unter ihnen, die Älteren noch kultiviert in älterem Stil. Teils Sänger, welche unter dem neuen Direktor in Wien bleiben dürfen – mehr aber, welche von diesem weggeschickt wurden. Heimische Sänger, hier ausgebildete, befinden sich in der Wiener Staatsoper schon sehr in einer unguten Minderheit, sind nur mehr ein kleines Häufchen. Daniela Fally, Clemens Unterreiner, beide nach ihren Erfolgen bestens gestimmt, waren mit dabei. Oder Tenor Benedikt Kobel, der sich nach drei Jahrzehnten im Wiener Opernhaus von diesem sich nun verabschiedet.

In einer Woche geht es für Dominique Meyer in Richtung Mailand, in die Scala di Milano. Eine Sole-Freundschaftstorte für den Stammgast durfte zum Abschied nicht fehlen. Liebevoll gestaltet mit einem Porträt Meyers vor der Staatsoper und mit blauem Himmel: Tarte tatin con gelato alla vaniglia. Venezianisches Aroma, mehr Cremeschnitte als Torte, zuckerig im Mund zerfließend. Wohl angehört haben sich all diese heiteren Töne zum Addio des scheidenden Direktors.

Meinhard Rüdenauer

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Neue Leiterin der Wiener Ballettakademie: Christina Stefanou

Mehr darüber morgen – mit dem detailliert vorliegenden Konzept

Πηγή: iefimerida.grhttps://www.iefimerida.gr/politismos/ellinida-nea-dieythyntria-akadimias-mpaletoy-bienni

ΠΟΙΑ ΕΙΝΑΙ

Χριστιάνα Στεφάνου: Μια Ελληνίδα η νέα διευθύντρια της Ακαδημίας Μπαλέτου της Κρατικής Οπερας Βιέννης

ΠΟΛΙΤΙΣΜΟΣ29|06|2020 | 20:34

Χριστιάνα Στεφάνου / Φωτογραφία: Facebook @Christiana Stefanou

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ORF / styriarte 2020: ORF III präsentiert Eröffnungs-Kurzoper „Die Musen vom Parnass“ live sowie Barock-Rarität „Die Geschenke der Nacht“

ORF Steiermark mit umfassendem Programmangebot

Wien (OTS) – Mit der Live-Übertragung der diesjährigen Festspiel-Eröffnung und einer Barockoper begleitet ORF III Kultur und Information die steirischen Festspiele „styriarte“, die von 1. bis 26. Juli 2020 stattfinden. Die Klassikplattform fidelio (www.myfidelio.at) präsentiert die komplette Eröffnung ebenfalls live bzw. anschließend auf Abruf in der Klassithek.

Aufgrund der Corona-Krise wartet das Festival mit neuem, adaptiertem Programm auf und präsentiert am Mittwoch, dem 1. Juli, um 17.00 Uhr unter dem Titel „Die Musen vom Parnass“ die wohl schnellste Opernproduktion des Jahrhunderts. Das Libretto stammt von Thomas Höft und wurde erst am 12. Juni dieses Jahres beauftragt. Die Musik kommt von der österreichischen Komponistin Flora Geißelbrecht, die am 13. Juni mit ihrer Komposition begann und diese nur vier Tage später fertigstellte. ORF III und die Klassikplattform fidelio übertragen die Festival-Eröffnung aus der Grazer Helmut List Halle live. Unter der musikalischen Leitung von Alfredo Bernardini spielt das styriarte Festspiel-Orchester Musik von Johann Joseph Fux. Die singenden Musen sind Barbara Pöltl, Dorit Machatsch, Maria Wester, Verena Gunz, Feride Büyükdenktas und Annette Schönmüller. Die vierköpfige Musikergruppe „Spafudla“ steuert Volksmusik bei. Für die Inszenierung zeichnet Wolfgang Atzenhofer verantwortlich, Lilli Hartmann für die Kostüme.

Am Samstag, dem 4. Juli, steht in „Erlebnis Bühne“ weiters ein Querschnitt aus der Barockoper „Die Geschenke der Nacht“ (Gli Ossequi della Notte) (8.50 Uhr), ebenfalls aus der Helmut List Halle, auf dem Programm. Das steirische Barockgenie Johann Joseph Fux widmete diese einst Kaiserin Amalie Wilhelmine im Jahr 1709 zu ihrem Geburtstag – bei der styriarte 2020 bringt sie den Zauber einer barocken Sommernacht ins Graz von Heute. Fantastische Barockstimmen brillieren mit den schönsten Arien des Werkes, während das styriarte-Festspiel-Orchester stimmungsvolle nächtliche Klangbilder darbietet. Als Intermezzi in der konzertanten Aufführung der Opernszenen dienen Vivaldis Nachtkonzert für Flöte und Fagott sowie ein besonders bildreiches Orchesterwerk von Johann Joseph Fux: „Die Süßigkeiten und Bitternisse der Nacht“. Es singen die Sopranistin Maria Ladurner und Tenor Valerio Contaldo.

Umfassende Berichterstattung des ORF Steiermark zur styriarte 2020

Der ORF Steiermark begleitet die styriarte 2020 mit einem umfassenden Programmangebot. Im Rahmen der ausführlichen trimedialen Vorberichterstattung bringen „Steiermark heute“ (19.00 Uhr, ORF 2/St), Radio Steiermark und steiermark.ORF.at ab Mittwoch, dem 1. Juli, zahlreiche Beiträge über die Höhepunkte des Festivals; weiters produziert das steirische Landesstudio zwölf Konzertaufzeichnungen für Radio Steiermark und Ö1.

Zur passenden Einstimmung bringt Radio Steiermark bereits heute, am Sonntag, dem 28. Juni, um 22.05 Uhr eine „Kultur Spezial“-Sendung zum Thema „Geschenke der Nacht“ − mit einem Blick auf das Programm der styriarte 2020. Am Auftaktabend des diesjährigen Festivals, am Mittwoch, dem 1. Juli, sendet „Steiermark heute“ einen Live-Bericht von der Eröffnung in der Helmut List Halle. „styriarte Kostproben“ gibt es am Sonntag, dem 12. Juli, auf Radio Steiermark. Darüber hinaus erwarten das ORF-Publikum in den styriarte-Wochen weitere Schwerpunkte rund um die Festival-Highlights.

ORF-III-Programmgeschäftsführer Peter Schöber: „In der derzeit besonders herausfordernden Krisensituation haben wir mit Initiativen wie ‚Wir spielen für Österreich‘, oder auch der Umsetzung des diesjährigen Bachmannpreises unsere Anstrengungen, für die österreichischen Kulturschaffenden eine breite Bühne zu bieten, stark intensiviert. Das Land Steiermark trägt in besonderer Weise mit seinen qualitativ hochwertigen Bühnenproduktionen und namhaften Festivals wie ‚styriarte‘ und ‚Klanglicht‘-Kunstfestival der Bühnen Graz zur Bereicherung dieser Kulturlandschaft bei. Dass das styriarte-Festival in diesem Kultursommer trotz schwieriger Bedingungen stattfinden kann, zeugt von einem ungebrochenen Willen der Veranstalter, den es zu honorieren gilt. Aus diesem Grund freut es uns besonders, die Eröffnungsoper in ORF III live zu übertragen sowie mit der Barockoper ‚Die Geschenke der Nacht‘ eine zweite Produktion des steirischen Festivals österreichweit zugänglich zu machen und somit auch in diesem Sommer die langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Land Steiermark fortzuführen.“

styriarte-Intendant Mathis Huber: „Am 1. Juli startet der österreichische Festspielsommer in der Grazer Helmut List Halle. Mit der schnellsten Opernproduktion des Jahrhunderts, der Polit-Kurzoper „Die Musen vom Parnass“. Da sich zu diesem Start Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Kulturminister Werner Kogler, Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und viele weitere Ehrengäste einfinden wollen, hat die styriarte dieses Öperchen in Auftrag gegeben, das nun die Eröffnungsreden des Bundespräsidenten und der anderen Ehrengäste umschließen wird. Das Libretto stammt von Thomas Höft und wurde an einem Tag geschrieben. Die Musik kommt von der jungen österreichischen Komponistin Flora Geißelbrecht und brauchte weitere vier Tage. Jetzt liegt das Stück für sechs Frauenstimmen, die Musen, vor und wird schon geprobt. Wir freuen uns, dass ORF III die Eröffnung am 1. Juli ab 17.00 Uhr live überträgt. fidelio bringt gleichzeitig einen Live-Stream der Vorstellung in die Welt, und auch auf den Seiten der styriarte kann man via Live-Stream dabei sein. Das wird ein Erlebnis!“

ORF Steiermark-Landesdirektor Gerhard Koch: „Die Entschlossenheit und Kreativität der styriarte unter ihrem Intendanten Mathis Huber, das größte Klassikfestival der Steiermark auch in Zeiten höchst einschränkender Covid-19-Bestimmungen umzusetzen, sind beeindruckend. Der ORF Steiermark zeichnet auch heuer wieder einen großen Teil des Programms auf und erreicht damit ein breites regionales, nationales und internationales Hörfunk-Publikum! Gemeinsam werden wir beweisen, dass auch unter Covid-19-Schutzbestimmungen ein erstklassiger Festival- und Konzertbetrieb ermöglicht und über unser Medium verbreitet werden kann.“

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Sommer in der Österreichischen Nationalbibliothek: Vielfältiges Führungsprogramm für Erwachsene und Kinder / Aktionen / Das besondere Objekt / Beethoven-Sonderausstellung verlängert

Veranstaltungen - Österreichische Nationalbibliothek

WIEDERERÖFFNUNG MUSEEN

Freier Eintritt am 1. Juli

Am 1. Juli gibt es vierfachen Grund zu feiern: Papyrus-, Globen- und Esperantomuseum sowie das Haus der Geschichte Österreich öffnen nach der coronabedingten Schließzeit endlich wieder ihre Pforten! Alle vier Museen können an diesem Tag von 10 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt besucht werden. Rechtzeitig zu den Sommerferien sind damit alle Museen der Österreichischen Nationalbibliothek geöffnet und freuen sich über zahlreiche Besuche.

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„BEETHOVEN“-FÜHRUNGEN

Zugabe!

Gute Nachricht für alle, die die erfolgreiche Sonderausstellung anlässlich Ludwig van Beethovens 250. Geburtstag noch nicht sehen konnten: „Beethoven. Menschwelt und Götterfunken“ ist bis einschließlich 10. Jänner 2021 verlängert und damit das ganze Jubiläumsjahr hindurch im Prunksaal zu sehen. Öffentliche Führungen jeden Donnerstag um 17 Uhr und jeden Sonntag um 15 Uhr bieten die Gelegenheit, mehr über das Musikgenie zu erfahren.

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„DAS BESONDERE OBJEKT“ BIS 12. 7.

Antikes Zirkusprogramm

Das „besondere Objekt“, das derzeit im Prunksaal gezeigt wird, ist ein antikes Zirkusprogramm aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. Bislang konnten nur sieben dieser kulturgeschichtlich so bedeutenden Texte identifiziert werden; einen davon bewahrt die Österreichische Nationalbibliothek in ihrer Papyrussammlung auf. Ein Blogbeitrag inklusive Video bietet interessante Hintergrundinformationen zu diesem außergewöhnlichen Papyrusfragment, das noch bis 12. Juli im Original besichtigt werden kann.

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„DAS BESONDERE OBJEKT“ AB 14. 7.

Kaiserin Elisabeths Reisehandbücher

In den 1950er-Jahren kam ein Teil der Privatbibliothek von Kaiserin Elisabeth in den Besitz der Österreichischen Nationalbibliothek. Darunter befand sich eine weinrote Schatulle mit insgesamt 22 Reiseführern zu Städten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie – vermutlich ein Geschenk des Verlages Leo Woerl an die Kaiserin. Ab 14. Juli kann dieses „besondere Objekt“ im Prunksaal besichtigt werden. Der kostenlose Expertenvortrag dazu findet am 21. Juli statt; eine Anmeldung ist nicht erforderlich, bitte beachten Sie jedoch die speziellen Sicherheitshinweise auf der Website.

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LITERATURMUSEUM

Literarischer Spaziergang

Jeden ersten Sonntag im Monat – und damit das nächste Mal am 5. Juli – findet um 11 Uhr der beliebte literarische Spaziergang statt, der zwei schöne Dinge miteinander kombiniert: die persönliche Präsentation von bemerkenswerten Objekten im Literaturmuseum und eine Erkundungsreise zu literarischen Orten der Wiener Innenstadt. Apropos Literaturmuseum: Die bereits angekündigte Sonderausstellung „Utopien und Apokalypsen“ ist ab 8. Oktober zu sehen.

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KINDERFÜHRUNGEN

Tolles Ferienprogramm

Schon Pläne für die großen Ferien? Virtuelle Bücherwürmer, freche Krokodile und neugierige Löwen freuen sich schon sehr darauf, in den Sommermonaten jungen BesucherInnen ausgewählte Museen der Österreichischen Nationalbibliothek näherzubringen. Das vielfältige Programm beginnt am 6. Juli und steht schon jetzt auf der Website zum Erkunden bereit. Aufgrund der beschränkten Platzanzahl empfiehlt es sich, die Tickets vorab zu buchen.

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BUNDESMUSEEN CARD

Große Sommeraktion

Eine Karte – acht Museen – acht Erlebnisse: Alle Bundesmuseen, und damit auch der Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek, können ab 1. Juli um nur 19 Euro entdeckt werden. Diese Sommeraktion läuft bis einschließlich 15. September. Ob Technik, Literatur, Naturwissenschaft, angewandte oder bildende Kunst – bei der Bundesmuseen Card ist für Jede und Jeden etwas dabei.

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BITTE BEACHTEN

Öffnungszeiten & Sicherheitshinweise

Im Sommer gelten verkürzte Öffnungszeiten. Literatur-, Globen-, Papyrus- und Esperantomuseum sowie das Haus der Geschichte Österreich können ab 2. Juli von Donnerstag bis Sonntag besucht werden. Der Prunksaal ist, wie schon in den letzten Wochen, von Dienstag bis Sonntag geöffnet.
Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes wird bei einem Museumsbesuch empfohlen, verpflichtend ist es derzeit nur im Rahmen einer Führung für alle Personen ab sechs Jahren. Über allfällige Änderungen dieser behördlich vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen informiert wie immer die Website.

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VOLLE VORTEILE, HALBER PREIS

Freunde sehen mehr

Das exklusive Programm für FreundInnen der Österreichischen Nationalbibliothek ab 1. Juli zum halben Preis genießen! FreundInnen freuen sich unter anderem über zahlreiche Vorteile wie zum Beispiel freien Eintritt in die Museen der Österreichischen Nationalbibliothek, inklusive dem Prunksaal, über Einladungen zu Ausstellungseröffnungen und exklusive Führungen durch die KuratorInnen höchstpersönlich. Eine Mitgliedschaft für das Netzwerk bibliophiler und kunstinteressierter FörderInnen kann übrigens auch verschenkt werden. Mit dem Beitrag wird die kulturelle Schatzkammer Österreichs und eine der bedeutendsten Bibliotheken der Welt unterstützt!

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WIEN/theaterfranzjosefskai21: „WITTGENSTEINS NEFFE“ (Thomas Bernhard) als „Szenische Lesung“

„Grotesk, grotesk!“

am 28.6. 2020 – Karl Masek


Foto: Barbara Palffy

„Hurra, wir spielen wieder! Wir haben nur 48 Plätze und irgendwann muss es ja auch ein Vorteil sein, so klein zu sein. In einer so verrückten Zeit ist es ganz wichtig, sich mit Verrückten zu beschäftigen und Paul Wittgenstein stellt einen Höhepunkt in der Geschichte der Verrücktheit dar. So wie sein Onkel Ludwig Wittgenstein einen Höhepunkt in der Geschichte der Philosophie darstellt, jedenfalls war sein Freund Thomas Bernhard dieser Meinung“, so Alexander Waechter im Flyer dieser Produktion, mit der er „sein“ Theater am 17.6. nach der Corona-Zwangspause wieder eröffnete. Premiere dieser Produktion war übrigens am 12.5. 2015.

Penibel, ja geradezu listig-pedantisch werden die „Corona“-Vorgaben, der „Mindestens-ein-Meter-Abstand“, eingehalten. Es ist nicht jeder der 48 Plätze besetzt. Zwei Nebensitze in der 4. Reihe blieben frei, dafür durfte ich in einem zusätzlichen provisorischen Zusatzsessel („C 7“) Platz nehmen. Wenn ich mich nicht verzählt habe, so waren auf diese Weise 44 oder 45 Menschen in der Vorstellung – also praktisch (wirklich!) ausverkauft…

2014 hat Alexander Waechter am Schwedenplatz begonnen. Mit Franz Kafkas Erzählung  „Die Verwandlung“ in einer szenischen Umsetzung. Und es wurde ein Wiederaufleben einer glorreichen Wiener Kellertheater-Tradition der 50er bis 80er Jahre. Die Zeitzeugen erinnern sich beispielsweise an Stella Kadmons „Theater der Courage“ (auch am Franz Josefs-Kai!) oder an Conny Hannes Meyers „Komödianten im Künstlerhaus“, oder an Dieter Haspels „Ensembletheater am Petersplatz“ – und an Herbert Lederers „Theater am Schwedenplatz“ als Vorgängerin der nunmehrigen Waechter-Keller-Location.

Auch Lederer machte als grandioser Verwandlungskünstler  „Theater im Alleingang“ mit szenischen Adaptierungen und Collagen großer Literatur. Von Villon bis Scholem Aleychem. Das Porträt „Playboy Nestroy“. Und auch Thomas Bernhard kam damals schon vor,  u.a. mit einer köstlichen Parodie des Schauspielers Bernhard Minetti.

Womit die Kurve zu Thomas Bernhard und „Wittgensteins Neffe“ gekratzt wäre. Der Ich-Erzähler, er ist mit dem Autor zu identifizieren, erinnert sich 1981/82 an seinen verstorbenen Freund Paul Wittgenstein (1907-1979), einen Neffen Zweiten Grades von Ludwig Wittgenstein, dem Philosophen.

Ein Musterbeispiel dafür, wie man „mit fast nichts“ hochspannendes (Einmann)-Theater machen kann! Eine Bank am Steinhof, dahinter, stilisiert gezeichnet, die Otto-Wagner-Kirche. Mit dem Rücken zum Publikum hängt eine Gestalt in einem typischen Spitals-Pyjama. Dort haben der Lungenkranke des Pavillons Hermann und der Verrückte des Pavillons Ludwig (!) ihre Freundschaft, die in einer Wohnung in der Blumenstockgasse begann, vertieft.

Waechter (* 1948) kannte, nach eigenen Angaben, sowohl Paul Wittgenstein als auch Thomas Bernhard. Mit einer Empathie sondergleichen verwandelt er sich, sozusagen bis in die Haarspitzen, den Mantel und die Maßschuhe  (und den Anstaltspyjama der Lungenkranken) hinein, in den „Misanthropen & Nestbeschmutzer“. Wer jemals Bernhard über den Graben spazieren oder im „Bräunerhof“ sitzen gesehen hat, wird bestätigen können: Auch Waechter ist, wie einst Herbert Lederer, ein grandioser Verwandlungskünstler. Bis in die subtilsten Bewegungen. Grotesk, grotesk!

Die beiden Freunde (mit all ihrer Verrücktheit) teilen das sardonische Vergnügen der gnadenlosen Beobachtung von Umgebung und Mitmenschen. Sie führen leidenschaftliche Diskussionen über musikalische Themen. Über „Frau ohne Schatten“ und die „Haffnersymphonie“, über die Dirigenten Schuricht und Klemperer, darüber, dass Paul als leidenschaftlicher Operngeher über Triumph und Durchfall von Premieren entscheiden konnte, indem er Bravorufe oder Pfiffe Sekundenbruchteile vorher setzte, bevor das sonstige Publikum reagierte. Und da wird in der hohen, kreischenden Stimme auch Paul Wittgenstein „lebendig“. Auch als Publikum lernt man Paul und seine Eigenheiten, Marotten, das sukzessiv immer stärkere Kippen in die Geisteskrankheit, kennen. (Die Wittgenstein-Puppe auf der Parkbank spricht naturgemäß  kein Wort)…

Ätzende Kommentare (wenn es, wie immer wieder bei Bernhard, um desaströs verlaufene Preisverleihungen oder den Misserfolg der „Jagdgesellschaft“ am Burgtheater geht). Immer wieder ist Paul dabei und zeigt sich solidarisch mit dem Freund. Grotesk, grotesk!“ auch die Episode um das erfolglose Erstehen der „Neuen Zürcher Zeitung“, samt einer Autofahrt von 350 Kilometern von Salzburg über Bad Reichenhall, Bad Hall, Steyr, Wels und Passau, nur um einen Artikel über Mozarts „Zaïde“ lesen zu können.

Bernhards Text ist, wie der unmittelbar zuvor abgeschlossene autobiografische Zyklus mit „Ein Kind“, voll von menschlichen  Zügen, momentweise von leichter Komödiantik, oft von geradezu liebevoller Tonalität. Nur ganz selten blitzt sein sonstiger Zynismus des Misanthropen durch. Tief berührend wird es, wenn er den Verlauf von Pauls  Geisteskrankheit, die in immer kürzeren Abständen auftretenden „Schübe“ und die damit verbundenen Aufenthalte in Steinhof und dem  Wagner-Jauregg-Krankenhaus in Linz schildert. Schließlich sein Verlöschen nach dem Tod der zweiten Ehefrau, Edith. Die Schilderung des letzten, bewaffneten Überfalls auf seinen Cousin, den Juwelier Gottfried mit dem (scherzhaft gemeinten) Ansinnen, dieser möge ihm eine bestimmte Perle herausgeben, „…die Perle aus deiner Krone!“

Alexander Waechter schafft es, 100 pausenlose Minuten lang, atemlose szenische Spannung zu erzeugen. Er hat den Text dabei, schaut (ich glaube, nur scheinbar) auch von Zeit zu Zeit hinein. Er schafft es meisterhaft, beide Figuren lebendig werden zu lassen. Man ertappt sich, man wäre gerne dabei gewesen, wenn Paul sich im Nathaler Innenhof von Thomas Schallpatten anhörte („Bitte einen Mozart, bitte einen Strauss, bitte einen Beethoven!“) oder bei der bizarren letzten Segelpartie am Traunsee mit Paul, Thomas und dessen Halbbruder…

Man konnte die berühmte Stecknadel fallen hören nach den letzten beiden Sätzen: „Er liegt, wie gesagt wird, auf dem Wiener Zentralfriedhof. Sein Grab habe ich bis heute nicht aufgesucht“.  Dann der einzige Moment, Hinwendung zur Wittgenstein-Puppe und eine zärtliche Berührung des Rückens.


Alexander Waechter. Foto: Barbara Palffy

Starker Applaus, Bravorufe. Es geht also wieder los. Hoffentlich wirklich dauerhaft!

P.S.: Weitere Vorstellungen: 30.6.; 1./3./7./8./11./14./15.17./18./21./22.7., jeweils 20.00 Uhr

So, 5.7. und So, 12.7. um 18.00 Uhr

Karten:   oder 0664/179 80 50

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Die beiden jüngsten Bände der „Leipziger Beiträge zur Wagner-Forschung“

 Als im Jahre 2009 der „Richard-Wagner-Verband Leipzig e.V.“ mit einer neuen Publikationsreihe an die Öffentlichkeit trat, mag es Skeptiker gegeben haben, die nicht nur die Notwendigkeit eines solchen Periodikums, sondern vielmehr auch seine Überlebensfähigkeit bezweifelt haben mögen. Indessen hatten sich der Verband und namentlich sein damaliger Vorsitzender Thomas Krakow  vorgenommen, mit ihrer Arbeit vor Ort nicht nur dafür zu sorgen, dass einerseits manchem Leipziger selbst (!) bewusst wurde, andererseits im allgemeinen Bewusstsein dafür gesorgt werden sollte, dass der Slogan des Verbandes „Richard ist Leipziger“ Selbstverständlichkeit wird. Vielfältige Aktivitäten in der Geburtsstadt des Komponisten haben davon Zeugnis abgelegt, das Wichtigste aber war wohl, diese Buch-Reihe nicht aufzugeben. Nach nunmehr elf Jahren liegt mit Band 8 eine bedeutende wissenschaftliche Reihe zum Thema „Leipziger Beiträge zur Wagner-Forschung“ vor, zu der noch eine Sonderveröffentlichung zum Wagner-Jahr 2013 (in besonderer Ausstattung und im Großformat) zu zählen wäre, alle Bände zuverlässig verlegerisch betreut vom Sax-Verlag Markkleeberg / Beucha, ebenso wie der prachtvolle Band „Wagner in Mitteldeutschland“ (herausgegeben im Auftrag der Wagner-Verbände von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen und verlegt im Passage-Verlag Leipzig) –  mithin  z e h n  gewichtige Publikationen, die Wagner und seine Leipziger bzw. mitteldeutschen „Wurzeln“ auf vielfältige Weise untersuchen und dokumentieren. Das ist nicht nur eine grandiose wissenschaftliche, sondern vor allem auch eine gewaltige herausgeberische – sprich: „finanzielle“ Leistung – denn „ohne Geld ist alles nichts“, wie Thomas Krakow im Vorwort des jüngsten Bandes betont, soll heißen: neben allem was dazu gehört, wäre die Reihe ohne die großzügige Unterstützung vieler Spender, allen voran der Mitglieder dieses Vereins, nicht möglich gewesen. „Was wäre ein Verein ohne solche Mitglieder“ stellt Krakow mit Genugtuung und großer Dankbarkeit fest. Und so gesehen ist die Reihe auch ein wichtiger Beitrag zum bürgerschaftlichem Engagement, für das man den Leipzigern nur mit Hochachtung gratulieren kann.


Thomas Krakow, der unermüdliche Streiter für den Leipziger Richard-Wagner-Verband, dem er über elf Jahre als Vorsitzender vorstand, und dessen Zähigkeit und Fleiß die hier besprochene Buch-Reihe zu danken ist. Foto: LVZ

Nun hat Peter Uhrbach mit den beiden jüngsten Bänden  eine wahrhaft  monumentale Fleißarbeit vorgelegt, die Werk und Erscheinungsbild Richard Wagners im Spiegel der Leipziger Presse dokumentiert – „von den Anfängen bis zum Tode des Dichter-Komponisten“ (Richard Wagners Werk in Leipzig – Band 7) und „… vom Tode des Dichter-Komponisten bis zum Ende des Deutschen Kaiserreiches“ (Wagners Werk und Wirkung im Deutschen Kaiserreich – Band 8). Ein Zeitraum von 1813 bis 1918 wird akribisch untersucht – wahrhaft ein „Jahrhundertwerk“! – schon von der Menge des Materials her fast nicht zu überschauen. Leipzig als bedeutender Pressestandort im 19. und dem beginnenden 20. Jahrhundert bietet dafür mannigfaltige Grundlagen.

Uhrbach hat mit großer Genauigkeit die heute schwer zugänglichen, nicht mal alle in Leipzig erreichbaren Presseorgane durchforstet: Die „Allgemeine Musikalische Zeitung, Leipzig (die heute in der University of Michigan bzw. der Harvard University zu finden ist), „Die Grenzboten“ – Zeitschrift für Politik, Literatur und Kunst, Leipzig (heute in der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen), das „Leipziger Kunstblatt, insbesondere für Theater und Musik (Bayerische Staatsbibliothek), das „Musikalische Wochenblatt, Leipzig“ (Österreichische Nationalbibliothek), „Neue Leipziger Zeitung für Musik (unter wechselnden Namen von 1834 – 1944, heute in der Bayerischen Staatsbibliothek) sowie die „Zeitung für die elegante Welt, Leipzig (heute in der Bayerischen Staatsbibliothek bzw. der Indiana University/USA); die im Leipziger Stadtarchiv bzw. der dortigen Universitätsbibliothek befindlichen „Leipziger Nachrichten“ und die „Leipziger Neueste Nachrichten“, das „Leipziger Tageblatt“, die „Neue Leipziger Zeitung“. Dazu kommen Beiträge aus der „Berliner-Börsen-Zeitung“(Staatsbibliothek Berlin) und dem „Fremdenblatt, Wien“ (Öster-reichische Nationalbibliothek). Wahrhaft ein beeindruckendes Kompendium, einst „für die Bürger die wichtigste und aktuellste Informationsquelle“, die heute für die Forschung „eine einzigartige und bisher wenig genutzte Fundgrube“ darstellt  (S. 9).


Band 7 Leipzig 2018

Beginnend mit Hinweisen auf Wagners Geburt und das Schicksal seines an den Folgen der Völkerschlacht früh verstorbenen Vaters, seiner Wiederkehr nach Leipzig im Jahre 1827 mit Verweisen auf die schulische Bildung und das Musikstudium ab 1831 erfährt man vom Bekanntsein des Namens „Wagner“ in Leipzig  v o r  Richard durch Verweis auf die Tätigkeit der Schwester Rosalie, die eine beliebte Schauspielerin und in Leipzig das erste Gretchen in Goethes „Faust“ war, von seiner Nichte Johanna, die 1844 erstmals als Sängerin gastiert und deren Schwester Franziska, die als Rezitatorin ebenfalls in Leipzig auftritt.  Mit großem Interesse liest man von Wagners Bewunderung des Oratoriums „Paulus“ von Felix Mendelssohn Bartholdy (S.26) und ebenso von den Reaktionen auf sein „Judentum in der Musik“, auf das E. M. Oettinger im „Leipziger Tageblatt“ vom 5.3.1869 mit den Worten reagiert: „Fahren Sie fort, Musik zu componieren; aber hören Sie zu schreiben auf, denn Sie machen sich unnütze Feinde und schaden ihren Opern dadurch mehr, als Sie ihnen nützen… Glauben Sie mir ferner, daß, falls Sie so glücklich sein sollten, wieder einmal eine Oper wie >Tannhäuser< zu schreiben, die Juden, die Sie für Ihre Feinde halten, die Ersten sein werden, die Ihnen warmen Beifall zujauchzen…“ (S. 35).

Großen Raum nehmen natürlich die Erstaufführungen der Wagnerschen Werke im Leipziger Stadttheater ein und bezeugen, dass diese anfangs durchaus umstritten waren. So kann man sich eines gewissen Schmunzelns nicht erwehren, wenn man – gelegentlich der Erstaufführung der TANNHÄUSER-Ouvertüre im Jahre 1846 liest (S. 49) „…daß, was uns Wagner in dieser Ouvertüre bietet, gar keine, oder wenigstens nicht die rechte Musik ist… fehlt es doch überall an der Hauptsache: an Melodie, Einheit, künstlerischer Ruhe und Mäßigung … wir danken Gott, daß heut zu Tage noch andere Musik geschrieben wird, als diese Ouvertüre bietet. Einen Fortschritt in der Kunst bezeichnet letztere sicherlich nicht.“

Für heutige Verhältnisse ist das starke und ausführliche Interesse, das in einigen Blättern durch umfangreiche Berichterstattung auch von Aufführungen außerhalb Leipzigs dokumentiert ist, besonders bemerkenswert. Erst 1853 – acht Jahre nach der Dresdner Uraufführung! – kommt der  TANNHÄUSER als erstes Wagner-Werk auf den Leipziger Spielplan. Die Leipziger Presse, die natürlich über die Uraufführung in Dresden – eher verhalten! – berichtet hatte, lobte im Vorfeld eine sehr gelungene Aufführung des Werkes in Breslau und forderte die Leipziger Theaterleitung geradezu heraus, nun doch endlich dieses Werk auch in Leipzig zur Aufführung zu bringen. Es wurde ein großer Erfolg:  „Es ist höchst ehrenwerth, und muß gebührend hervorgehoben werden, daß Leipzig innerhalb fünf Monaten einige zwanzig Vorstellungen des Tannhäuser, bei fast immer gefülltem Hause und meist erhöhten Preisen erlebte, ohne daß das Interesse des Publicums abgenommen hätte.“ („Neue Zeitschrift für Musik, September 1853 – S. 105).  Bereits ein Jahr später, am 7.1.1854 folgt die Erstaufführung des LOHENGRIN, offensichtlich als Werk erfolgreich, die Aufführung bekommt durchaus kritische Einschätzungen; der FLIEGENDE HOLLÄNDER am 27.9.1862 wird dann wieder als großer Erfolg bezeichnet. RIENZI folgt am 15.09.1869 und erregt äußeres Aufsehen: „Die Leipziger Bühne hat wohl noch niemals eine so immense Zahl von Mitwirkenden getragen, weshalb sich auch ein früher noch nie wahrgenommenes Leben auf den Brettern entwickelte.“ (S. 133)  Sehr umfangreich ist die Berichterstattung im Vorfeld der ersten MEISTERSINGER VON NÜRNBERG, die am 6.12.1870 zu „wahrhaft fessellosem Enthusiasmus“ bei Publikum und Ensemble führte. (S. 149) Wagner war in Leipzig endgültig „angekommen“.

Die beachtlichste Tat der Leipziger Oper indessen ist mit dem Namen Angelo Neumann verbunden, der Wagner die Rechte am RING abgekauft und diesen nach Bayreuth zum ersten Male im Jahre 1878 in Leipzig zur Aufführung brachte. Sehr umfangreich ist die Berichterstattung über dieses für damalige Zeiten große Ereignis. Aufschlussreich in diesem Zusammenhang ein Vorfall, der bisher unbekannt schien, im Rahmen eines Gesamtgastspiels mit dem RING im Berliner Victoria-Theater: „Richard Wagner, welchem nach Schluß der >Götterdämmerung< von den scheidenden Künstlern mit Herrn Angelo Neumann an der Spitze eine Ovation dargebracht wurde, mußte, von Unwohlsein übermannt, die Bühne verlassen, bevor Herr Neumann seine mit brausendem Beifall vom Publicum aufgenommene Rede beendet hatte. Leider haben, wie Berliner Blätter berichteten, die Ärzte erklärt, daß Richard Wagner sich sehr schonen müsse, weil er sich sonst der Gefahr eines Blutsturzes aussetze…“ (Leipziger Tageblatt v. 01.06.1881 – S. 292).

Mit Wagners Tod am 13.02.1883 und die darauf erfolgenden Reaktionen endet dieser Teil der Dokumentation. Die umfangreichen Quellenverweise sowie ein ausführliches Verzeichnis zu „weiterführender Literatur“ vervollständigen diesen Band.


Band 8 Leipzig 2020

Unmittelbar anschließend folgt Band 8, fußend auf den bereits genannten Quellen und wesentlich ergänzt durch zwei neue Presseorgane, die „Leipziger Neuesten Nachrichten“ und die bis heute existierende „Leipziger Volkszeitung“, die ab 1892 bzw. 1894 erscheinen, aber auch das „illustrierte Familienblatt“ „Die Gartenlaube“. Und weil das Material im Laufe der Jahre immer umfangreicher wurde, ist der Autor zu einer Auswahl gezwungen,  liefert aber einen Überblick über das gesamte Schrifttum im sehr umfangreichen Anhang – gewisser- maßen eine  Ermutigung zu selbständiger eigener Weiterbeschäftigung durch den Leser. In diesem Zusammenhang ist eine Maxime des Autors von besonderer Bedeutung: „Auf eine Kommentierung der zitierten Originale wird weitestgehend verzichtet. Es werden keine Bezüge zur Gegenwart hergestellt, keine Vergleiche zu Hier und Heute gezogen; jeder Lesende möge sich seine eigene Meinung bilden.“ (S. 12)  Das ist insofern wichtig, als man – vom heutigen Standpunkt betrachtet – erstaunt ist, mit welcher Ausführlichkeit damals in der Presse über Aufführungen berichtet wurde. Selbst kleinste Details der Bühnengestaltung oder auch gesangstechnische Hinweise finden sich immer wieder und ermöglichen so, sich ein Bild davon zu machen, wie die eine oder andere Aufführung, selbst einzelne Sängerleistungen gewesen sein mögen. Das zeigt nicht nur auf, dass die Printmedien damals ein Alleinstellungsmerkmal hatten, sondern zeugt auch von großem Interesse bei der Leserschaft; auch wurden durchaus nicht nur „Premieren“ besprochen – was die Möglichkeit des Vergleichens begünstigt. Arthur Nikisch findet rühmliche Erwähnung (S. 156), gelang es ihm u. a. doch  im Jahre 1904 eine MEISTERSINGER-Aufführung mit nur zwei Proben aus dem Theateralltag zu einer Sternstunde zu erheben: „… Wenn jeder Herr im Orchester die augenblickliche Willensregung des Leiters in dem Maße spürt, daß er gar nicht anders zu können scheint, als im Sinne des Dirigenten diese und jene Phrase zu spielen, mit den difficilsten Nüancen in Stärkegrad, Tempo und Rhythmus, so ist der Leiter in der glücklichen Lage des phantasierenden Pianisten, nur daß ihm anstatt des doch recht unvollkommenen Klaviers der ganze wunderbare Apparat des Orchesters zur Mitteilung seiner Auffassung eines Tonstückes zu Gebote steht.“  Die bereits im Band 7 begonnenen Berichte über Angelo Neumann und sein reisendes Wagner-Theater finden hier interessante Fortsetzung.  (S. 100). Der 300. Aufführung des „Lohengrin“ in Leipzig am 2. Juli 1908 widmet die „Leipziger Volkszeitung“ zwei gegensätzliche Beiträge, die den Lesern die Möglichkeit bieten, für und wider zu vergleichen (S. 177f.). Und immer wieder kann man die Bestrebungen und Nöte im Hinblick auf die Errichtung eines Wagner-Denkmales in Leipzig verfolgen, die letztlich durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges endgültig scheiterten.  In diesem Zusammenhang ist eine Leipziger Aktivität von Interesse, die sich seinerzeit für den Ankauf der Oesterleinschen Wagner-Sammlung stark machte und dahingehend argumentierte, dass Leipzig mit dieser Sammlung ein „Wagner-Museum“ das  „… das würdigste Ehrendenkmal sei, das Leipzig seinem großen Sohne errichten könnte, ein Denkmal, das unsere Stadt zur Hüterin eines Schatzes machen würde, auf welchen die Blicke und der Antheil der ganzen gebildeten Welt gerichtet sind, den zu bewahren und zu besitzen gerade Leipzig die vornehmste Pflicht und das beste Recht aufzuweisen vermag.“ (S. 81) – Dazu freilich kam es nicht, ebenso wenig wie zum Denkmal! (Die Oesterlein-Sammlung befindet sich heute im Reuter-Wagner-Museum am Fuße der Wartburg bei Eisenach.)

Eine großes Verdienst dieses Bandes ist eine „Chronologische Übersicht der Aufführungen Wagnerscher Bühnenwerke im Leipziger Stadttheater von 1883 bis 1918“, mit der der Autor ganz bewusst an eine solche von Walter Lange anschließt, die in dessen Buch „Richard Wagner und seine Vaterstadt“ ( Leipzig 1933) von den Anfängen bis 1883 zu finden ist. Es wäre – nicht nur deshalb! – zu wünschen, dass Uhrbach, seine Studien über die Zeit der „Weimarer Republik“ fortsetzt (was er im Vorwort andeutet!) und dass diesen dann auch eine Untersuchung der Jahre von 1933 bis 1945 folgen könnte, damit schlüge die Reihe dann gleichsam einen Bogen zurück zum Band 4 („Wagner in der DDR“) – und wir hätten von seiner Geburtsstadt eine verlässliche Beschreibung von den Anfängen bis zum (fast) Ende des 20. Jahrhunderts. Das wäre doch der Mühe wert.

Die Titelseite dieses Bandes kann noch mit einer kleinen Sensation aufwarten: es zeigt die Marmor-Wagner-Büste, die einst im Leipziger Neuen Theater stand und an verborgenem Ort als einziges „Original“-Requisit Bombenhagel, Enttrümmerung und Neubau des jetzigen Opernhauses überlebte: der ehemalige technische Direktor der Leipziger Oper, Helmut Ernst, entdeckte die „Rarität“ – und so kann sie nun wieder (seit 2010) – im Foyer der Leipziger Oper vom großen Sohn der Stadt künden.

Zwei sehr aufschlussreiche Bände, nicht nur zum Lesen, sondern auch zum selbständigen „Weiterforschen“, zu denen man dem Autor Peter Uhrbach, dem Leipziger Richard-Wagner-Verband und dem Sax-Verlag nur höchste Anerkennung und ehrlichen Dank zollen muss – und die Hoffnung ausdrücken, dass die Reihe ihre Fortsetzung findet.

Werner P. Seiferth
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HANNOVER/Herrenhäuser Gärten: „SH*T HAPPENS“ – Premiere am 20. Juni 2020

Ein Konzertprogramm mit Protagonisten des Ensembles der Staatsoper Hannover im Herrenhäuser Heckentheater

Die Staatsoper Hannover war der Corona-bedingten Pause überdrüssig und kam wieder einmal in die Herrenhäuser Gärten, die das älteste Heckentheater in der Gartengeschichte beherbergen. Die Verbindung zwischen der ursprünglichen Schlossoper und den Gärten währt schon seit 1691, also 330 Jahre (!) – sogar beide Grundrisse ähneln sich sehr. Herrlich muten die vielen Statuen in den weitläufigen Gartenanlagen an. Jene im Heckentheater sind vergoldet und wechseln sich mit den konusförmig geschnittenen grünen Heckenpflanzen ab, sodass sich der Eindruck einer seitlich begrenzten und sich weit nach hinten ziehenden Bühne ergibt. „Summer Sessions 2020“ nennt die Staatsoper die Serie von Vorstellungen, die noch bis zum 12 Juli gehen. Man achtet streng auf die Hygieneauflagen der Pandemie-Anordnungen, also immer zwei leere Stühle zwischen zwei besetzten. Die Aufführung schien ausverkauft, die Leute waren hungrig auf live-Musik – wer konnte es ihnen verdenken?!


Helen Donath. Foto: Clemens Heidrich

Der Abend mit dem merkwürdigen Titel „Sh*t happens“ – wobei natürlich klar ist, wofür das Sternchen steht – wurde von Helen Donath moderiert, die häufig an der Staatsoper Hannover sang, wo sie auch ihren Mann kennenlernte, wie sie begeistert darstellte. Sie wagte gleich zu Beginn den Versuch einer Erklärung. Der Titel sollt auf die schwierige Lage, genauer, den aktuellen Gemütszustand verweisen, in denen sich die Kulturbranche in diesen Monaten durch die Corona-Pandemie befindet. Er steht damit für die eher negativ und tragisch ausgerichtete Programmwahl dieses Abends, an dem es in der Tat in die tieferen Lagen der Oper gehen sollte und auch ging. Wenngleich die Assoziation im Prinzip verständlich ist, musste ich zumindest die Nase rümpfen angesichts der Wortwahl der Intendanz für die Veranstaltung, mit der man erstens Klassik nicht unbedingt verbindet und die sicher direkt und möglicherweise von lebensbedrohenden Folgen der Pandemie Betroffenen nicht unbedingt zu vermitteln ist. Aber das nur am Rande.


Long Long. Foto: Jannes Frubel

An diesem Abend traten die beiden Flaggschiffe des Hannoverschen Sänger-Ensembles auf, der junge Chinese Long Long, den ich schon anlässlich seines Tamino in der Hannover im vergangenen Jahr interviewt hatte. Daneben die ebenso eindrucksvolle Usbekin Barno Ismatullaeva, die ich schon von ihrem Sieg bei der Competizione dell’Opera in Tashkent im Jahre 2014 her kannte, zuletzt als erstklassige Suor Angelica in Innsbruck erleben konnte und die ich nun in Hannover ebenfalls interviewte. Sie traten mit drei Bässen der Staatsoper auf, wobei Shavleg Armasi, ein schon 13 Jahre dem Ensemble angehöriger Georgier, hervorzuheben ist, und den noch recht jungen Pavel Chervinsky und Daniel Miroslaw. Gesungen wurde mit Mikroports, was aufgrund der nicht allzu großen Entfernung von den Zuschauern zu den Sängern nicht unbedingt erforderlich schien. Das zeigte sich später bei der Arie des Werther „Pourquoi me reveiller“ von Long Long, der die Mikroports zu diesem seinem ersten Auftritt schlicht vergessen hatte.

Tragendes musikalisches Element des Abends war ein von Valtteri Rauhalammi dirigiertes Blechbläserensemble aus Mitgliedern des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover mit Renate Hupka am Horn, Volker Pohlmann, Lukas Kay, Stefan Fleißnerund Markus Günther an der Trompete, Michael Kokott, Lukas Klingler, Max Eisenhut und Tobias Schiessler an der Posaune sowie Ulrich Stamm an der Tuba. Am Klavier agierte der Mexikaner Carlos Vásquez, schon viele Jahre der Staatsoper Hannover verbunden.

Die Blechbläser stellen ihre Qualität gleich zu Beginn unter Beweis mit der „Fanfare pour précéder La Péri“ von Paul Dukas und dem „Canzon duodecomi toni“ von Giovanni Gabrieli, welches durch seinen getragenen, ja fast hymnischen Vortrag Eindruck hinterlässt.


Pavel Chervinsky. Foto: Clemens Heidrich

Dann kommt Pavel Chervinsky mit der Arie des Massimiliano „Un ignoto tre lune or saranno“ aus „I Masnadieri“ von G. Verdi und der Arie des Müllers „Ach, to-to wise wy, djewki maladyje“ aus „Russalka“ von A. S. Dargomyschski. Man merkt, dass die Stimme zwar ein gutes Potenzial hat, der Sänger ja auch noch recht jung ist, sie aber technisch, und was die Resonanz betrifft, noch nicht ausgereift ist. Den ersten vokalen Höhepunkt setzt danach Long Long mit der o.g. Arie des Werther und lässt dabei nicht nur seine exzellente Stimmführung und Technik hören, sowie blendende und lang gehaltene Höhen, sondern auch etwas Italianità. Hinzu kommt eine gute Diktion und ein auch mimisch zutreffender Ausdruck. Das war schon beeindruckend.


Barno Ismatullaeva. Foto: Klaus Billand

Das darauf folgende Duett zwischen Barno Ismatullaeva und Shavleg Armasi bringt mit der Auseinandersetzung der Leonora mit Padre Guardiano ein besonders dramatisches Element in das Programm. Die beiden singen „Or siam soli … infelice, delusa, reietta“aus „La Forza del destino“ von G. Verdi mit viel Verve und einer gewissen darstellerischen Note durch entsprechende Mimik, mit der besonders die junge Usbekin glänzt. Der relativ hohe Altersunterschied der beiden trägt zur Überzeugungskraft der Szene bei. Ismatullaeva besticht durch ihr dunkel angehauchtes Sopran-Timbre und ihre mit Leichtigkeit und großem Ausdruck gesungenen Höhen. Aber auch die Intonation lyrischer Phrasen, dazu auch lyrisch angesungener Höhen, ist bemerkenswert. Bei ihr ist, de facto, auf jeder Note auch ein klangvoller Ton! Der erfahrene Armasi lässt einen gut facettierenden Bass mit beachtlichem Volumen und also Resonanz sowie großer Wortdeutlichkeit hören. Er hätte sich szenisch vielleicht noch etwa intensiver engagieren können.

Darauf singt Long Long die Arie des Don Carlo „Io l’ho perdutta … Io la vidi“ aus „Don Carlo“ von G. Verdi mit hoher musikalischer und und darstellerischer Intensität. Es wird einem immer klarer, warum er 2019 den begehrten Internationalen Gesangswettbewerb „Neue Stimmen“ der Bertelsmann-Stiftung unter 43 Teilnehmern aus fünf Kontinenten in Gütersloh gewann. Shavleg Armasi setzt sodann noch einmal eine Bass-Note mit der Arie des Königs René „Gospod moi“ aus „Iolanta“ von P. I. Tschaikowski. Ihm folgt Barno Ismatullaeva mit der Arie der Iolanta „A tschevo“ aus „Iolanta“ vom selben Komponisten. Hier gelingt ihr neben der hohen stimmlichen Qualität auch die dramatische Durchdringung der Rolle.


Bläserensemble. Foto: Clemens Heidrich

Zuvor spielte das Blechbläserensemble die Ouvertüre von „La Forza del destino“ von G. Verdi. Der Vortrag belegt, warum dieses Stück eindrucksvoller mit Orchester gespielt wird. Der Blech-Klassiker „Brass Symphony“ von Jan Koestier klang da schon viel besser und runder mit sehr schönen auratsichen Tönen im Larghetto und hoher Dynamik im Rondo.

Daniel Miroslaw beendet den gesanglichen Teil mit der Arie des Grafen Walter „Il mio sangue, la vita darei“ aus „Luisa Miller“ von G. Verdi. Die Stimme ist relativ unflexibel, die Höhen klingen etwas eng. Auch fehlt Weichheit im Klang und somit Resonanz. Der gesamte Vortrag wirkt etwas monoton und offenbart die Notwendigkeit weiterer Arbeit. Aber der Sänger ist ja noch recht jung.

Den Schlusspunkt bildet die „Capriol Suite“ und Nr. 5 „Pieds-en-l’air“von P. Warlock. Mit harmonischen Linien und ruhigen, fast hymnischen Tönen sowie weichem Klang stellt das Ensemble nochmals unter Beweis, was in ihm steckt, wenn nur das richtige Stück gespielt wird. Ein guter Ausklang in idyllischem Ambiente!

Klaus Billand

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