Getanzte Einsamkeit: Hans Zender interpretiert Franz Schuberts „Winterreise“ als Ballett

DVD Rezension: Hans Zender, Schuberts Winterreise, Ballett Zürich, Christian Spuck  klassik-begeistert.de

Tatsächlich ist es Christian Spuck gelungen, eine optische Umsetzung der Winterreise zu kreieren, die Schuberts und Zenders Werk kongenial ergänzt. Chapeau!

Hans Zender Komponist

Franz Schuberts „Winterreise“

Ballett Zürich
Christian Spuck Choreographie

accentus music  ACC 10545

von Peter Sommeregger

Der im Jahr 2019 verstorbene Dirigent und Komponist Hans Zender hat mit dieser „komponierten Interpretation“ von Franz Schuberts Liederzyklus Winterreise eine interessante und erfolgreiche Erweiterung der Interpretationsmöglichkeiten dieses Werkes geschaffen. In der Fassung für Kammerorchester und Tenor ergeben sich Möglichkeiten der Vertiefung der Komposition Schuberts, ohne in das Werk einzugreifen, oder es zu verändern.

Zenders Version hat bereits ihren Platz im Repertoire gefunden. Einen neuen, noch um die optische Dimension erweiterten Ansatz erprobt nun das Ballett Zürich in der Choreographie von Christian Spuck am Opernhaus Zürich.

Was an dieser im Februar 2021 im Opernhaus aufgezeichneten Aufführung besticht, ist die Sensibilität der optischen Umsetzung dieses Liederzyklus. Es sind starke Bilder, die Spuck mit seinen Tänzern entwirft, die zumeist paarweise auftreten und sich in immer neuen Formationen finden. Auf allzu plakative Extravaganzen wird erfreulicherweise verzichtet, so bleibt der gesungene Text der hauptsächliche Träger der Handlung.

Der junge Schweizer Tenor Mauro Peter, längst auf den internationalen Opernbühnen zu Hause, singt diese höchst emotionalen Lieder mit der großen Bandbreite seines angenehm baritonal gefärbten Tenors. Nur in wenigen Sequenzen betritt er die Bühne, die meiste Zeit singt er aus dem Orchestergraben. Peters klarer, wortdeutlicher Gesang ist das Gerüst, an dem sich die Choreographie orientiert und entwickelt. Wenn auch einzelne Textstellen tänzerisch umgesetzt werden, bleibt die Choreographie aber weitgehend abstrakt, wobei sie in ihrer Vielfalt durchaus zu Assoziationen einlädt. Die Ballettsolisten sind ausnahmslos Spitzenkräfte denen man fasziniert folgt.

Das Orchester Philharmonia Zürich, Klangkörper des Opernhauses, musiziert unter Benjamin Schneider Zenders Komposition ganz im Geiste Schuberts, hält das Volumen des Kammerorchesters bewusst klein, womit die erwünschte Intimität für dieses Werk gewährleistet ist.

Tatsächlich ist es Christian Spuck gelungen, eine optische Umsetzung der Winterreise zu kreieren, die Schuberts und Zenders Werk kongenial ergänzt. Chapeau!

Peter Sommeregger, 13. Dezember 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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