Dudamel und die Berliner Philharmoniker widmen Mahlers 2. Symphonie dem Volk der Ukraine: „Der Mensch liegt in größter Not“

Gustav Mahler, Symphonie Nr.2 c-Moll „Auferstehung“,  Philharmonie Berlin, 26. Februar 2022

Foto: Gustavo Dudamel, © Stephan Rabold

Philharmonie Berlin, 26. Februar 2022

Gustav Mahler
Symphonie Nr.2 c-Moll „Auferstehung“

Nadine Sierra
Okka von der Damerau

Rundfunkchor Berlin
Berliner Philharmoniker
Gustavo Dudamel

von Peter Sommeregger

Allein schon das angesetzte Werk, Mahlers emotionale Auferstehungssymphonie hätte den Abend zu etwas Besonderem gemacht, aber vor Beginn des Konzertes trat einer der Musiker nach vorne und teilte mit, dass Gustavo Dudamel und die Berliner Philharmoniker diese Aufführung dem Volk der Ukraine widmeten. Das Publikum erhob sich spontan und applaudierte für Minuten. Anschließend wurde noch um eine Schweigeminute gebeten.

Nach diesem bewegenden Beginn wirkte Mahlers Symphonie wie eigens ausgesucht für diesen bedrückenden dritten Tag des Krieges. Gustavo Dudamel zeigt schon mit der schneidend scharfen Einleitung, dass er diese Musik in ihrer ganzen emotionalen Tiefe ausloten kann und will. Das wuchtige Allegro maestoso des ersten Satzes stürmt mächtig voran, erst im zweiten Satz glätten sich die Wogen um dann im dritten, einem Wunderhorn-Lied nachempfundenen Satz „in ruhig fließender Bewegung“ zu den Vokalpassagen überzuleiten. Okka von der Damerau gestaltete das „Urlicht“ mit sonorem, vollem Klang, die Textzeile „Der Mensch liegt in größter Not“ traf den Nerv des sensibilisierten Publikums. Nadine Sierra ergänzte das Gesangsduo mit hellem, eher zartem Sopran.Die Chorpassagen lagen in den bewährten Kehlen des Rundfunkchores Berlin, der vom raunenden Piano bis zum mächtigen Forte souverän gestaltete. Dudamels Tempi wirkten teilweise etwas schroff und kantig, strukturierten aber auf diese Weise das Werk sehr deutlich. Der inbrünstige Glaube an die Auferstehung teilt sich dem Publikum diesmal besonders intensiv mit, emotionalisiert durch diesen besonderen geschichtlichen Tag und das Mitleid mit dem überfallenen Volk rührt das Werk fast zu Tränen. Am Ende löst sich die Spannung in minutenlangem Jubel.

Als dann am Ende noch der langjährige Hornist Stefan de Leval Jezierski mit einer launigen Ansprache in den Ruhestand verabschiedet wird, geht ein denkwürdiger Abend in dem Haus am Tiergarten zu Ende. Wie schön, dass sich Gefühle am besten mit Musik ausdrücken lassen.

Peter Sommeregger, 26. Februar 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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Philharmonie Berlin, 26. Februar 2022“

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