Zarzuela: eine musikalischen Sprache, die aus dem Herzen des Volkes kommt

CD-Besprechung:

Lisette Oropesa
MIS AMORES SON LAS FLORES

Zarzuela

Orquesta Titular del Teatro Real
Óliver Díaz, Dirigent

Euroarts 2011117

von Ralf Krüger

Mis amores son las flores ist eine Textzeile aus der kubanischen Zarzuela Cecilia Valdés. Mein Liebe sind die Blumen, singt Lisette Oropesa dort und schon die optische Aufmachung dieses Albums verspricht viel Blühendes und Wärmendes in diesen kalten Tagen. Und schon beim ersten Titel mit der Refrain-Zeile über María la O taucht man ein in diese prickelnde und gleichzeitig so traurige Musik. Man vergisst die Nachrichten-Lage der Welt, träumt von Urlaub, Sonne und Liebe – um dann lesen zu müssen, dass die Liebe in dieser Zarzuela kein glückliches Ende fand und von Dramatik und Gewalt beherrscht war. „CD-Besprechung: Lisette Oropesa MIS AMORES SON LAS FLORES
klassik-begeistert.de, 21. November 2024“
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Die English National Opera brilliert mit Donizettis “Elisir“

ENO Elixir Foto: Dr. Ritterband

Die bereits auf das späte 19. Jahrhundert zurückgehende English National Opera ENO bringt Opern grundsätzlich in englischer Übersetzung – und glänzt stets mit originellen, intelligent durchdachten Inszenierungen, die sich vom allzu oft vermurksten kontinentalen Regietheater stets wohltuend abheben.

So auch in der Neuinszenierung von Donizettis Elisir d’amore (hier: The Elixir of Love) – durch den weltweit tätigen englischen Regisseur Harry Fehr vom ursprünglichen baskischen Dorf um 1815 in ein etwas heruntergekommenes englisches Landhaus während des zweiten Weltkriegs transferiert. Im Unterschied zum Original, das unter dem freien südlichen Himmel stattfindet, ist hier die Handlung in die große Halle des Landhauses verlegt worden.

Gaetano Donizetti, The Elixir of Love (L’elisir d’amore)
Libretto: Felice Romani, englische Übersetzung: Amanda Holden

Dirigentin: Teresa Rivieiro Böhm

Regie: Harry Fehr
Bühne: Nicky Shaw
Licht: Mark Jonathan

Chor und Orchester der English National Opera
Chormeister: Matthew Quinn

English National Opera, ENO im London Coliseum, 15. November 2024 Premiere

von Dr. Charles E. Ritterband

Der letzte Krieg löst bei den Briten (besonders angesichts der gegenwärtigen Misere) nach wie vor nostalgisch-heroische Reflexe und ungebrochenen Nationalstolz aus, und alles was damit verbunden wird, ist „vintage“ und damit höchst begehrt. So löste auch diese so verblüffend völlig andere „Elisir“-Inszenierung beim Publikum Begeisterung aus – die Dorfbewohner („Rustici“ wie sie der Quacksalber Dulcamara herablassend tituliert) sind hier junge Frauen der WLA (Woman’s Land Army) in schlabbriger Arbeitsuniform, die zur Ernte-Arbeit herangezogen wurden, weil die Männer in die Armee eingerückt waren. „Gaetano Donizetti, The Elixir of Love
ENO im London Coliseum, 15. November 2024 Premiere“
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Klein beleuchtet kurz 49: Sabine Devieilhe bietet absoluten Hörgenuss

Mathieu Pordoy und Sabine Devieilhe; Foto Patrik Klein

Nach der musikalischen Pleite am vergangenen Wochenende in der Staatsopernpremiere des „Freischütz“ erfreut sich das geplagte Ohr nun an allerfeinster Liedkunst im kleinen Saal der Elbphilharmonie Hamburg

von Patrik Klein

Die französische Sopranistin Sabine Devieilhe, die vor einiger Zeit im Großen Saal in einer konzertanten Aufführung von Bizets Oper „Carmen“ als Micaëla mit ihrer betörend reinen Stimme und Erscheinung glänzte, brachte zusammen mit ihrem langjährigen Klavierbegleiter Mathieu Pordoy ein klug durchdachtes Programm zu Gehör, das aus einer farbenfrohen Zusammenstellung von weiblich fokussierten Kunstliedern bestand, und welches sozusagen einen Weg beschrieb, der von Frauen in der Kunst über die letzten Hektoden beschritten wurde. „Klein beleuchtet kurz 49: Sabine Devieilhe
Elbphilharmonie, 20. November 2024“
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Hubert Kowalczyk: „Auf der Bühne kann man sich innerlich beschmutzen“

Hubert Kowalczyk © Natalia Jansen

Jolanta Łada-Zielke im Gespräch mit dem polnischen Bass Hubert Kowalczyk

klassik-begeistert: Was waren Ihre musikalischen Anfänge?

Hubert Kowalczyk: Ich habe mit sechs Jahren mit Klavierunterricht angefangen und später eine Episode mit dem Akkordeon gehabt. Nach dem Stimmbruch, der bei mir überraschend früh eintrat, nahm ich Gesangsunterricht. Zunächst beschäftigte ich mich mit populärer Musik, hauptsächlich mit Liedern, aber mein erster Gesangslehrer behauptete, dass meine Stimme für dieses Repertoire zu schwer sei und riet mir, mit klassischer Musik zu versuchen. Zunächst betrachtete ich das Singen als ein Hobby. Doch dank meines Schauspiellehrers an der Musikschule begann ich mich ernsthaft für Theater und Oper zu interessieren. „Interview: Der polnische Bass Hubert Kowalczyk
klassik-begeistert.de, 21. November 2024“
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DIE DONNERSTAG-PRESSE – 21. NOVEMBER 2024

Sabine Devieilhe © Anna Dabrowska

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE DONNERSTAG-PRESSE – 21. NOVEMBER 2024

Wien/Konzerthaus
Sabine Devieilhe im Konzerthaus: Ein Liederabend wie ein Traum
Atemlose Stille, dann tosende Begeisterung über eine Sternstunde der erfüllten Gesangskunst im Mozartsaal des Wiener Konzerthauses.
DiePresse.com

Die nächsten Tage im Radio: Cent’anni, Giacomo morto!
Nichts zelebriert sich im Kulturradio so schön wie der lange zurückliegende Todestag eines Dichters oder Komponisten, bilden nachgelassene Werke doch ein abgeschlossenes Sammelgebiet, vergleichbar etwa mit DDR-Briefmarken, das sich zu einer handlichen Sendeabraumhalde zusammendisponieren lässt. Der große italienische Komponist Giacomo Puccini fragte am 29. November 1924 auf dem Totenbett seine Gattin Elvira: »Wird man meiner in hundert Jahren noch gedenken?« – »Aber ganz sicher, mein Herz, wenn sie noch Zeit übrig haben im großen Kafka-Jahr 2024.« Der Hustenanfall, der Puccini daraufhin dahinraffte, wurde in der Literatur milde auf seine Zigarrenleidenschaft zurückgeführt, und Elvira Puccini behielt Recht. Kafka wurde von den Kulturradios bereits im Sommer abschließend nekrojubiliert, so dass im Herbst noch Zeit bleibt für viel Puccini-Gedenkhören.
JungeWelt.de

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Manzel goes Broadway: Sweeney Todd begeistert auf Englisch an der Komischen Oper Berlin

© Jan Windszus Photography


Dagmar Manzel nach zwanzig Jahren in der gleichen Rolle wieder zu erleben, wäre schon Freude genug, aber sie verblüfft und überzeugt diesmal auch im englischen Original. Mühelos fügt sie sich in das multi-linguale Ensemble ein, an der Seite von Christopher Purves führt sie die Aufführung zum umjubelten Triumph.

Stephen Sondheim    Sweeney Todd

Christopher Purves  Sweeney Todd
Dagmar Manzel  Mrs. Lovett

Barrie Kosky  Regie
James Gaffigan  Dirigent

Komische Oper Berlin, Premiere 17. November 2024

von Peter Sommeregger

Stammgäste der Berliner Komischen Oper werden sich erinnern: im Jahr 2004 wurde dieses erfolgreiche Broadway-Musical schon einmal, damals an der Behrenstraße in deutscher Übersetzung gegeben. Als Mrs. Lovett hatte die Schauspielerin Dagmar Manzel ihr Debüt als Sängerin und am Haus.

Sie nach zwanzig Jahren in der gleichen Rolle wieder zu erleben, wäre schon Freude genug, aber sie verblüfft und überzeugt diesmal auch im englischen Original. Mühelos fügt sie sich in das multi-linguale Ensemble ein, an der Seite von Christopher Purves führt sie die Aufführung zum umjubelten Triumph. „Stephen Sondheim, Sweeney Todd
Komische Oper Berlin, Premiere 17. November 2024“
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„Casanova“ setzt neue Maßstäbe in Riga

Large Premiere of Ballet-Casanova © Kristaps Kalns opera.lv

Mit der Lettischen Staatsoper in Riga inszeniert eine große Bühne Kenneth Tindalls Ballett „Casanova“ in einer packenden Interpretation eines frühen Meisters der Aufmerksamkeits-Ökonomie. 

Ballett „Casanova“

Choreographie  Kenneth Tindall
Komponist  Kerry Muzzey
Bühne und Kostüm  Christopher Oram
Dramaturgie  Ian Kelly

Latvijas Nacionālā Opera un Balets, Riga, 2. November 2024 PREMIERE

von Ginta Rubene & Christian Hammes

Riga… überall wehen die kaminrot-weißen Fahnen und Flaggen. In Lettland – und insbesondere in dieser Stadt – ist der November jedes Jahr jener Monat mit den meisten kulturellen Veranstaltungen.

Schließlich wird am 18. November der Tag der Ausrufung der Republik Lettland gefeiert, in 2024 zum 106. Mal. Die Straßen und Gebäude in der Hauptstadt werden prächtig geschmückt. Nicht zufällig landen leichtfüßige heitere Stoffe in dieser Zeit nicht im Premierenkalender der Lettischen Staatsoper. Und es kann auch kein Zufall sein, dass das Ballett „Casanova“ drei Tage vor der Wiederwahl Donald Trumps seine Premiere feierte. Ist Casanova doch einer der ersten Influencer seiner Zeit, eine höchst ambivalente Persönlichkeit – die am Ende auch noch ihr eigener Geschichtserzähler wird. „Ballett „Casanova“
Lettische Nationaloper Riga, 2. November 2024 PREMIERE“
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DIE MITTWOCH-PRESSE – 20. NOVEMBER 2024

Jonas Kaufmann © Instagram 

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE MITTWOCH-PRESSE – 20. NOVEMBER 2024

Mailänder Scala: Startenor Jonas Kaufmann sagt Scala-Saisonstart ab
Startenor Jonas Kaufmann wird heuer nicht bei der Scala-Saisoneröffnung dabei sein: Familiäre Gründe verunmöglichen ihm die Probenteilnahme für „La forza del destino“ in Mailand, weswegen er absagen muss. Brian Jagde übernimmt.
msn.com

Porträt zum Geburtstag. Sich selbst die größte Rivalin: Agnes Baltsa wurde 80
Hinsichtlich dramatischen Ausdrucks, Temperament und Expressivität gehört Agnes Baltsa seit den 70er-Jahren zu den Besten in ihrem Fach. Mit Hosenrollen machte sie in ihren Anfängen auf sich aufmerksam, ihre Virtuosität konnte sie in Rossini-Partien ausloten. Als mit den Jahren die Durchschlagskraft wuchs, machte die Mezzosopranistin mit Partien von Verdi und französischen Opern Furore – vor allem mit Bizets Carmen und der Eboli im „Don Carlos“. Heute wird sie 80 Jahre alt. Kirsten Liese mit einem Porträt.
swr.de

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Sommereggers Klassikwelt 261: Wir gratulieren Agnes Baltsa zum 80. Geburtstag

Vielen Opernfreunden wird die griechische Mezzosopranistin Agnes Baltsa noch ein Begriff sein, es scheint noch gar nicht so lange, dass sie ihre große internationale Karriere beendet hat. Kaum zu glauben, dass sie jetzt bereits ihren 80. Geburtstag feiert!

von Peter Sommeregger

Zur Zeit ihrer Geburt, am 19. November 1944 auf der griechischen Insel Lefkas, konnte sich ihre Heimat gerade von der deutschen Besatzung befreien.

Zunächst studierte sie am Konservatorium in Athen Gesang, dank eines Maria-Callas-Stipendiums konnte sie ihre Studien in München und Frankfurt am Main fortsetzen. In Frankfurt hatte sie 1968 auch ihr Bühnendebüt als Cherubino in Mozarts „Nozze di Figaro“. Bis 1972 blieb sie der Frankfurter Oper verbunden, ab 1969 trat sie auch regelmäßig an der Deutschen Oper Berlin auf. Ihre Karriere entwickelte sich schnell, an der Wiener Staatsoper hatte sie 1969 ein glanzvolles Debüt als Octavian im „Rosenkavalier“, ab 1972 war sie ständig im Haus am Ring zu hören. „Sommereggers Klassikwelt 261: Agnes Baltsa
klassik-begeistert.de, 19. November 2024“
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Ich glaub, ich steh im Wald!

Carl Maria von Weber DER FREISCHÜTZ © Brinkhoff-Moegenburg

Der Freischütz
Romantische Oper in drei Aufzügen
Text von Johann Friedrich Kind
Musik von Carl Maria von Weber

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
musikalische Leitung   Yoel Gamzou

Inszenierung:  Andreas Kriegenburg
Bühne: Harald B. Thor, Kostüme:  Andrea Schraad

Staatsoper Hamburg, Premiere am 17. November 2024


von Harald Nicolas Stazol

Soviel Holz in der Hüttn war nie! Und dürfte es in der Hamburger Staatsoper selten gegeben haben, zur „Freischütz“-Premiere, der 10. Inszenierung am Haus seit dem 26. Dezember 1917, von der ersten Hamburger Aufführung 1822 ist wenig bekannt – nein, an Holz mangelt es Andreas Kriegenburg und seiner mit großer Spannung erwarteten Aufführung nicht, bzw. seinem bevorzugten Bühnenbildner Harald B. Thor.

Ist doch der hier so bedeutsame, und den Deutschen seit der Romantik so symbolträchtige Wald, bereits abgeholzt, und in riesigen, braunen und spektakulär hin und her gefahrenen Wänden aus recht gigantischen Holzquadern zusammengesetzt, es duftet bis in die Mitte des Parketts, aber wer nun Waldgrün und Tannen erwartet hat, wird nun enttäuscht werden, „Schrecklich, ganz schrecklich“ höre ich vor mir einen Naturalisten, nun denn, dem kann ich mich MITNICHTEN anschließen, ist das Ganze für ja GANZ neu, und dann gleich bei Kriegenburg zu landen, ist ja wohl ein Glücksfall?

„Carl Maria von Weber, Der Freischütz
Staatsoper Hamburg, Premiere am 17. November 2024“
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