„Je ne sais rien!“ – Gounods „Faust“ kommt nach Lübeck

Kasper Wilton, Photo Jakob Søby

Faust (Marga­rethe)
Oper in fünf Akten von Charles Gounod

Einführungsabend & Öffentliche Probe

Theater Lübeck, 1. November 2023

von Dr. Andreas Ströbl

Erneut lud das Theater Lübeck zu einer Soirée mit anschließender öffentlicher Probe zur Vorstellung einer Produktion, nämlich am 1. November, also zu Allerheiligen, ins Große Haus. Im protestantischen Norden fällt der Termin nicht weiter auf, aber der zweifellos religiöse Charles Gounod hätte es wahrscheinlich begrüßt, dass an ebendem Gedenktag, an dem aller Heiligen gedacht wird, zur Vorstellung seines Stückes gebeten wird. In seinem „Faust“ (die längste Zeit unter dem Titel „Margarethe“ geführt), der am 17. November im Jugendstiltheater der Hansestadt Premiere haben wird, geht es natürlich mit dem Teufel zu, aber – das hat der dänische Regisseur Kasper Wilton schon verraten – es gibt ein himmlisches Happy-End. „Faust (Marga­rethe), Oper von Charles Gounod
Einführungsabend & Öffentliche Probe, 1. November 2023“
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„Wenn man dieser Musik verfällt, dann für immer“

Foto: Christoph Gedschold © Tom Schulze

Richard Wagners Oper „Tristan und Isolde“ erzählt von einer unmöglichen, verbotenen Leidenschaft, von zwei Menschen, die sich vollständig in der Liebe auflösen. Beide hören auf, Individuen zu sein: „Tristan du, ich Isolde“, singt Tristan, „Du Isolde, Tristan ich“, singt Isolde.

Christoph Gedschold (* 1977 in Magdeburg) ist seit der Spielzeit 2022/2023 Musikdirektor der Oper Leipzig. Zur Wiederaufnahme wird er am Sonntag, dem 5. November 2023, das erste Mal bei dieser „Oper aller Opern“ am Pult stehen. Im Interview mit klassik-begeistert spricht der Dirigent über die Erlösung durch Liebe, die Wichtigkeit, das Leben wirklich zu leben, erklärt, warum Wagner der genialste Schwamm war und bestätigt, dass man Richard Strauss nie widersprechen kann.

Das Interview führte Leander Bull am 31. Oktober 2023.

klassik-begeistert: Herr Gedschold, „Tristan und Isolde“ ist, wie viele Wagner-Opern, von zahlreichen Mythen umgeben. Schon Wagner selbst hielt die Oper für „gefährlich“. Der Tenor Ludwig Schnorr von Carolsfeld, der die Rolle des Tristan bei der Uraufführung 1865 sang, ist wenige Wochen danach unter ungeklärten Umständen gestorben. Solche Vorfälle ziehen sich durch die Aufführungsgeschichte. Es gibt ja sogar zwei Dirigenten – Joseph Keilberth und Felix Mottl – die noch während ihrer „Tristan“-Dirigate zusammengebrochen und gestorben sind. Ihr Leipziger „Tristan“ feiert am Sonntag Wiederaufnahme – geht es Ihnen gut?

Christoph Gedschold: (lacht) Noch geht es mir gut, ja! Alles noch im Rahmen, aber die Aufregung steigt. Ich hatte jetzt über zwei Wochen lang Proben mit den Sängern. Morgen kommt das Orchester dazu, dann setzen wir das Ganze zusammen. Ja, es ist eine an die Seele greifende Musik, wie ich es in der Form bisher noch nicht erlebt habe.

klassik-begeistert: Das hört man oft. Dieses Werk erschlägt einen förmlich mit einer solch quälenden Liebe, das ist nicht so leicht zu verdauen wie andere Opern. Würden Sie denn auch sagen, dass der „Tristan“ gefährlich ist? Sollte man Angst vor dieser Oper haben?

„Interview mit Christoph Gedschold von Leander Bull
klassik-begeistert.de, 2. November 2023“
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Das Philadelphia Orchestra setzt seine Rachmaninow-Reise fort

Schöne CD-Einspielung der zweiten und dritten Sinfonie unter Yannick Nézet-Séguin.

Sergei Rachmaninoff (1873-1943)
Symphony No. 2 in E minor, Op 27 (1907-08)
Symphony No. 3 in A minor, Op 44 (1935-36)
The Isle of the Dead, Op 29 (1909)
The Philadelphia Orchestra/Yannick Nézet-Séguin

Deutsche Grammophon, DG 486 4775

von Brian Cooper, Bonn

Der joviale Dave Hurwitz war ja so gar nicht begeistert von diesem Doppel-Album: „Uninteresting“, schalt er, und „Not bad, but just not great.“ Umso gespannter war ich darauf, dieses Album endlich selbst zu hören (man kommt ja zu nix), nachdem ich bereits vor ein paar Wochen Hurwitz’ unterhaltsame Rezension (inklusive Gesangseinlage!) bei Classics Today im Netz konsumiert hatte. „CD-Rezension: Sergei Rachmaninoff (1873-1943) Symphony No. 2 und Symphony No. 3
Klassik-begeistert.de, 2. November 2023“
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„Man soll Wagner 'all’italiana' singen“

Andrzej Dobber in der Titelrolle in Alexander Borodins „Fürst Igor“ (2012) © Staatsoper Hamburg, Karl Forster

Andrzej Dobber braucht man unseren Lesern nicht vorzustellen. Er ist den Stammgästen der größten Opernhäuser als „einer der führenden Verdi-Baritone der Welt“ gut bekannt. Eine beeindruckende Liste von Rollen und Aufnahmen sowie der Titel Hamburger Kammersänger, den der Sänger 2015 erhielt, runden sein künstlerisches Erscheinungsbild ab. Am 3. Oktober 2023 singt Andrzej Dobber wieder auf der Bühne der Staatsoper Hamburg als Baron Scarpia in Puccinis „Tosca“ unter der Leitung von Paolo Carignani.

Unser Gespräch fand während der Probenzeit für diese Aufführung statt.

von Jolanta Łada-Zielke 

klassik-begeistert: In Ihrer künstlerischen Biographie tauchen die Namen von drei Giganten auf:  Wagner, Verdi, R. Strauss…

Andrzej Dobber: Und Puccini. Nach dem Abschluss meines Stipendiums des Meistersinger-Konservatoriums (heute Hochschule für Musik Nürnberg) begann ich am dortigen Theater als „Bass 2. Fach“ zu arbeiten. Das heißt, ich habe kleinere Partien gesungen. Ein Jahr später wurde Christian Thielemann, heute ein großer deutscher Wagner-Dirigent und Strauss-Interpret, zum Generalmusikdirektor des Staatstheaters Nürnberg. Er erlaubte mir nach einem Vorsingen, in eine höhere Stimme zu wechseln. Seitdem steht in meinem Vertrag, dass ich ein Heldenbariton bin. „Interview mit Andrzej Dobber, Bariton
Klassik-begeistert.de, 2. November 2023“
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John Neumeiers großartiges Ballett Nijinsky begeistert das Publikum auch mit einer völlig neuen Besetzung

Foto: Ida Praetorius (Romola Nijinska), Aleix Martínez (Vaslaw Nijinsky), Matias Oberlin (Serge Diaghilew), Silvia Azzoni (Die Ballerina, Tamara Karsavina), Ida Stempelmann (Bronislava Nijinska), Louis Musin (Stanislaw Nijinsky) (Fotos: RW)

Aleix Martínez tanzte die Hauptpartie, von Anfang an den ambivalenten, den Wahnsinn vorausahnenden Charakter des Ausnahmetänzers Nijinsky darstellend. Das Publikum im ausverkauften großen Saal der Hamburgischen Staatsoper war von der Aufführung hellauf begeistert, applaudierte lange stehend und ließ seinen Emotionen, vor allem für die großartige Leistung von Aleix Martínez, freien Lauf.

 

Ballett

Nijinsky
von John Neumeier

Staatsoper Hamburg, 31. Oktober 2023


von Dr. Ralf Wegner

Vaslaw Nijinsky, einer der größten Tänzer der Ballettgeschichte, wurde um 1889 in Kiew als Sohn des Tänzers Thomas Nijinsky und der Tänzerin Eleonora Bereda geboren. Seine um drei Jahre jüngere Schwester Bronislava Nijinska arbeitete später ebenfalls als Tänzerin sowie als Choreographin, sein zwei Jahre älterer Bruder Stanislaw starb 1917 nach längerem Seelenleiden. 1908 begann die Beziehung Nijinskys mit dem Ballett-Impresario Serge Diaghilew, 1913 heiratete er die ungarische Tänzerin Romola de Pulszky, die er während einer Tournee nach Südamerika kennengelernt hatte. „Ballett Nijinsky von John Neumeier
Staatsoper Hamburg, 31. Oktober 2023“
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DIE DONNERSTAG-PRESSE – 2. NOVEMBER 2023

Le nozze di Figaro © W. Hösl

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE DONNERSTAG-PRESSE – 2. NOVEMBER 2023

München
Premiere von Le nozze di Figaro in München: Gesang und Spiel verschmilzt aufs Prächtigste
An diesem Abend wird Wolfgang Amadeus’ erste Opernzusammenarbeit mit dem Librettisten Lorenzo Da Ponte, Le nozze di Figaro, im Nationaltheater in München aufgeführt. Ich höre drei der vier Stimmen der zwei Paare, die bei der Münchner Così van tutte Neuinszenierung im letzten Jahr ebenfalls mitgewirkt haben. Figaro-Sänger Konstantin Krimmel, Louise Alder in der Rolle der Susanna und hier in der Hosenrolle des Cherubino Avery Amereau. Sind sie ein eingespieltes Mozartteam? Aber ja! Das gesamte Ensemble ist an diesem Abend eine einzige großartige Einheit.
Von Frank Heublein
Klassik-begeistert.de

München
Intrigantes Verkleidungsspiel und leise Versöhnung: Figaro an der Bayerischen Staatsoper
bachtrack.com.de

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Rising Stars 48: Guido Sant’Anna, Violine – ein junger Brasilianer kommt zu internationalen Ehren

Guido-Sant’Anna @ cauediniz, https://artemusica-stiftung.de/guido-santanna

Die Entwicklung und Karriere vielversprechender NachwuchskünstlerInnen übt eine unvergleichliche Faszination aus. Es lohnt sich dabei zu sein, wenn herausragende Talente die Leiter Stufe um Stufe hochsteigen, sich weiterentwickeln und ihr Publikum immer wieder von neuem mit Sternstunden überraschen. Wir stellen Ihnen bei Klassik-begeistert jeden zweiten Donnerstag diese Rising Stars vor: junge SängerInnen, DirigentInnen und MusikerInnen mit sehr großen Begabungen, außergewöhnlichem Potenzial und ganz viel Herzblut sowie Charisma.

von Dr. Lorenz Kerscher

Auf dem YouTube-Kanal des HR-Sinfonieorchesters stieß ich kürzlich auf eine neue Videoaufnahme der Symphonie espagnole für Solovioline und Orchester von Édouard Lalo. Auch wenn mir der Name des Solisten gänzlich unbekannt war, verlockte es mich doch, dieses packende Violinkonzert wieder mal zu erleben. Es war eine Aufzeichnung vom Eröffnungskonzert des Rheingau-Musikfestivals 2023 im Kloster Eberbach. Der Dirigent Alain Altinoglu arbeitete die Kontraste zwischen dramatischen und poetischen Abschnitten wirkungsvoll heraus und der Solist Guido Sant’Anna beeindruckte mich mit technischer Bewältigung kraftvoller wie auch zarter Passagen und höchster Musikalität. „Rising Stars 48: Guido Sant’Anna, Violine
klassik-begeistert.de, 2. November 2023“
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Das Kammermusikfest One Hundred Ears ist ein Kleinod von großer Güte

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wohnturm Schloss Schmidtheim (Dahlem)

Zum Auftakt des von Ekkehard Welkens in der Eifel organisierten Festivals erklingt Musik für – im weitesten Sinne – zwei Gitarren

Italienische Musik des 17. und 18. Jahrhunderts für Theorbe und Barockgitarre von Arcangelo Corelli, Andrea Falconieri, Giovanni Girolamo Kapsberger, Alessandro Piccinini und Ludovico Roncalli; Johann Sebastian Bach (1685-1750) – „Italienisches Konzert“ BWV 971

Lorenzo Micheli, Theorbe, Barockgitarre und klassische Gitarre

Matteo Mela, Barockgitarre und klassische Gitarre

Dahlem, Schloss Schmidtheim, Blauer Salon, 31. Oktober 2022

von Brian Cooper, Bonn

Seit etwa 20 Jahren bringt der Künstler Ekkehard Welkens exquisite Kammermusik in die Eifel, wo er schon sehr lange lebt. Zunächst „Zwischen den Jahren“ – so der Name des damals dreitägigen Kammermusikfests – in den Kornspeicher von „Gilligs Mühle“ in Antweiler, später nach Blankenheim und nun in das wunderschöne Schloss Schmidtheim, wo man beim freundlichen und humorvoll-entspannten gräflichen Gastgeberpaar von Beissel dem Hören von Kammermusik frönen darf. „Kammermusikfest One Hundred Ears
Schloss Schmidtheim, Blauer Salon, 31. Oktober 2022“
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DIE MITTWOCH-PRESSE – 1. NOVEMBER 2023 

Le nozze di Figaro © W. Hösl

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE MITTWOCH-PRESSE – 1. NOVEMBER 2023

München
Kritik – „Figaros Hochzeit“ an der Bayerischen Staatsoper: Darauf einen Joint
Es wird inhaliert in dieser Komödie, und zwar nicht nur Mozart. Der russische Regisseur Evgeny Titov setzt auf Tempo und Witz einer Boulevardkomödie in der Cannabis-Plantage. Das ist unterhaltsam, aber nicht über die volle Länge, zumal Dirigent Stefano Montanari zu einem exaltierten Stil neigt.
BR-Klassik.de

„Le Nozze di Figaro“ in München: Im Haschischdickicht
Evgeny Titov schickt Mozarts „Figaro“ an der Bayerischen Staatsoper ins Hanfgebüsch – und auf einen Sessel der Lust. Eine bejubelte Neuinszenierung, dirigiert von Stefano Montanari.
SueddeutscheZeitung.de

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Sommereggers Klassikwelt 209: Die Musikerfamilie Rosé schrieb Musikgeschichte

von Peter Sommeregger

In Wien, aber auch darüber hinaus hat der Name Rosé, bzw. Rosé-Quartett bis heute einen legendären Ruf. Es lohnt sich, die Rolle, die jene Familie im Wiener Musikleben spielte, historisch auszuleuchten. „Sommereggers Klassikwelt 209: Die Musikerfamilie Rosé schrieb Musikgeschichte
klassik-begeistert.de, 1. November 2023“
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