Santa Cruz de Tenerife,
Ópera de Tenerife, Auditorio Adán Martín, 11. März 2023
von Dr. Klaus Billand
Als durchaus exotische Besonderheit für kanarische Gefilde brachte die Ópera de Tenerife im Auditorio Adán Martín von Santa Cruz de Tenerife im März in einer Koproduktion mit den Opern Lille und Rennes sowie der Fondation Royaumont und dem Theater von Caen Alexander von Zemlinskys selten gespielte Oper „Der Zwerg“ nach dem Märchen „Der Geburtstag der Infantin“ von Oscar Wilde heraus. „Alexander von Zemlinsky, Der Zwerg Ópera de Tenerife, 11. März 2023“ weiterlesen
Wenn man in eine „Tosca“-Aufführung geht, zumal wenn es sich um eine ältere Inszenierung wie die von Robert Carsen aus dem Jahr 2000 (Bühnenbild und Kostüme: Anthony Ward) handelt, dann steht natürlich im Raum, wie leidenschaftlich die Titelheldin ihre Liebe und Eifersucht gestaltet, auch wie heroisch und standhaft Cavaradossi seine Überzeugung verteidigen wird. Seien wir ehrlich – am meisten gespannt sind wir doch alle, wie fies der Scarpia seine Ränke spinnen wird und wie brutal sein hässliches Wesen sich in der jeweiligen Interpretation äußern mag. „Giacomo Puccini, Tosca Staatsoper Hamburg, 30. März 2023“ weiterlesen
Die Saison 2023 der Amigos Canarios de la Ópera – ACO (Kanarische Freunde der Oper) im wunderschönen Teatro Pérez Galdós von Las Palmas de Gran Canaria ging im März mit Giuseppe Verdis „Aida“ weiter, in ihrer immerhin schon 56. Temporada de Ópera de Gran Canaria Alfredo Kraus, 2023. Man zeigt mit Giordanos „Fedora“, Verdis „Aida“, Ponchiellis „La Gioconda”, Donizettis „Lucia di Lammermoor“ und Verdis „Rigoletto” diesmal ausschließlich Titel aus dem italienischen Fach, wie immer mit exzellenten Sängerbesetzungen, ein wesentliches Merkmal der künstlerischen Arbeit der Amigos.
Giuseppe Verdi AIDA
Las Palmas de Gran Canaria, Teatro Pérez Galdós, 14. März 2023
von Dr. Klaus Billand
Daniele Piscopos Neuinszenierung für die ACO zeigt alle klassischen Elemente, die man bei einer wahrlich werktreuen Inszenierung der „Aida“ erwarten würde. Das trug an diesem Premierenabend jedoch nicht unbedingt zu einer gesteigerten dramaturgischen Spannung bei. So wirkten die Bilder von Italo Grassi durchaus attraktiv bis spektakulär, insbesondere die Szene der Hohepriesterin und jene des Triumphmarsches. Sie hätten aber mit einer intensiveren Personenregie belebt werden müssen. So sah man über den ganzen Abend die klassischen altägyptischen Aperçus wie die Pyramiden im Nil-Akt, die Bauten von Theben und ähnliches sowie die Kostüme aus jener Zeit von Claudio Martín. Die zu statische Bewegungsregie wurde erfreulicherweise im zweiten Teil durch eine intensivere Dramatik, die sich auch darstellisch unter den zentralen Figuren äußerte, abgelöst, sodass gegen Ende diese „Aida“ noch an Tiefgang gewann. „Giuseppe Verdi, AIDA Las Palmas de Gran Canaria, Teatro Pérez Galdós, 14. März 2023“ weiterlesen
Leon Gurvitch & Ensemble nach der Uraufführung von „Silentium“; Foto Patrik Klein
Leon Gurvitch und sein internationales Ensemble setzen ein Zeichen für den Frieden in der Elbphilharmonie
von Patrik Klein
In der Hamburger Musikszene hat er sich seit Jahren zu einer bekannten und erfolgreichen Größe entwickelt: Der Komponist, Pianist, Performer und Dirigent Leon Gurvitch. Vor über 20 Jahren aus seiner Heimat Weißrussland geflohen und in Hamburg ansässig geworden, hat er es im Blut, seine vielseitige Musikalität emotionsgeladen an sein zahlreiches Publikum zu transferieren.
Bei seinen Kompositionen nimmt er seine Zuhörerschaft mit in die Gedanken- und Gefühlswelt eines Künstlers, der nicht einfach Noten vom Blatt oder auswendig spielt, sondern der die Musik in sich trägt in jeder Faser seines Körpers, in seiner Mimik und seiner gesamten Ausstrahlung. Seine Musik ist lebendig, oft gegensätzlich und voller Kontraste und feinster Nuancen.
Dabei gibt er nicht nur unzählige Solokonzerte auf seinem Instrument, sondern arbeitet häufig mit besonderen Künstlern zusammen, die seine musikalischen Ideen tragen und gemeinsam zu neuen Kunstwerken formen.
Seine neue Komposition Silentium für Piano und Streicher feierte nun in der Elbphilharmonie ihre umjubelte Weltpremiere.
Ein Gespräch mit der polnischen Komponistin Joanna Wnuk-Nazarowa Grygiel über ihre Oper „Wanda”
von Jolanta Łada-Zielke
Die polnische Legende von der Königin Wanda, „die einen Deutschen nicht wollte“, habe ich bereits in KB im Artikel über Stanisław Wyspiański besprochen. Mit diesem Thema setzte sich auch von einem anderen polnischen Dichter und Dramatiker der Romantik, Cyprian Kamil Norwid, auseinander, der das in 1851 veröffentlichte Mysteriendrama „Wanda“ schrieb. Der Text dieses Stücks diente der zeitgenössischen polnischen Komponistin Joanna Wnuk-Nazarowa als Libretto für eine Oper mit demselben Titel. Das Werk entstand im Jahr 2021 und seine halbszenische Uraufführung fand damals im Arkadenhof des Königsschlosses Wawel statt. Zu den Solisten gehörten Agata Schmidt in der Titelrolle, Andrzej Lampert als Rytyger, Tomasz Konieczny als Grodny und das Ensemble der Krakauer Oper und des Balletts unter der Leitung von Michał Klauza. Die Premiere der vollständigen Inszenierung des Werks unter der Regie von Waldemar Zawodziński und mit einer ähnlichen Besetzung findet am kommenden Samstag, dem 1. April 2023, statt.
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DIE SAMSTAG-PRESSE – 1. April 2023
Sinnliche Dialektik Die Pianistin Khatia Buniatishvili begeistert bei ihrem Konzert in der Isarphilharmonie mit harten Kontrasten und Spaß am Destruktiven. SueddeutscheZeitung.de
Berlin/Deutsche Oper Pink Power für Puccini Die neue Spielzeit der Deutschen Oper möchte mit einem Programm zwischen Wagner und Minimal Musik bunter sein. Der Opernbetrieb ist oft dann am spannendsten, wenn improvisiert werden muss. Der Stuhl von Generalmusikdirektor Donald Runnicles bleibt bei der Saisonvorschau am Donnerstag in der Deutschen Oper leer. Intendant Dietmar Schwarz kippt symbolisch das Namensschild des kurzfristig erkrankten Dirigenten um. Irgendwann läuft Operndirektor Christoph Seuferle mit seinem Handy aus dem Raum… Berliner Morgenpost
Berlin Dirigent Robin Ticciati: Time To Say Goodbye
Nach acht erfolgreichen Jahren wird der Dirigent Robin Ticciati zum Sommer 2025 seinen Posten als Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin abgeben. Tagesspiegel.de
Junge Deutsche Philharmonie Stefan Dohr Horn Andreas Becker Horn
Florian Gamberger Horn
Daniel Schimmer Horn
Jonathan Nott Dirigent
PROGRAMM György Ligeti
Hamburgisches Konzert für Horn und Kammerorchester
Antonín Dvořák
Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88
– Pause –
Minas Borboudakis
Z Metamorphosis für Orchester
Robert Schumann
Konzertstück für vier Hörner und großes Orchester F-Dur op. 86
Elbphilharmonie, 29. März 2023
von Harald Nicolas Stazol
Verständnisvoll, liebevoll, fast zärtlich dirigiert Jonathan Nott – er selbst kein gerade unbeschriebenes Blatt rein musiktechnisch – die „Junge Deutsche Philharmonie“, das Stück des György Ligeti seinem „Hamburgischen Konzert für Horn und großes Orchester“, das auch dem hervorragenden Hornisten Stefan Dohr Höchstleistung abverlangt. Allein, man hofft eben, dass sie alles richtig machen, denn es liegt nicht in meinem Ermessen, herauszuhören, ob sie falsch spielen, das ganze Werk ist ja dann doch sehr dissonant… „Junge Deutsche Philharmonie, Stefan Dohr Elbphilharmonie, 29. März 2023“ weiterlesen
Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE FREITAG-PRESSE – 31. MÄRZ 2023
Film-Tipp: „Anne-Sophie Mutter“: Nach Karajan zu den Krokodilen
Neu im Kino: Die Dokumentation „Vivace“ zeichnet ein plastisches Bild der Stargeigerin Anne-Sophie Mutter. WienerZeitung.at
Hamburg/Staatsoper Endlich eine durch die Bank herausragend besetzte und gespielte Verdioper: Simon Boccanegra Die erst 34 Jahre alte schlanke und hoch gewachsene Selene Zanetti trat wie aus einem Gemälde Tizians kommend auf die Bühne und sang die Partie der Amelia Grimaldi mit einer Farbpalette, satt und voll, wie sie der berühmte Venezianer auf die Leinwand gebracht hat.
Von Dr. Ralf Wegner Klassik-begeistert.de
Wien/Staatsoper Opernpremiere: „Will mich nicht festzurren lassen“
Bariton Georg Nigl über die Premiere von Monteverdis „Ulisse“ an der Wiener Staatsoper. WienerZeitung.at
Sofia Philharmonic Orchestra and Chorus Dario Salvi
von Peter Sommeregger
Das Opernschaffen Giacomo Meyerbeers erlebt in den letzten Jahren bereits eine zweite Renaissance. Seine Grand Opéras finden sich wieder auf den Spielplänen bedeutender Opernhäuser. Vernachlässigt wird aber nach wie vor sein Frühwerk, obwohl auch in seinen ersten Opern sein großes musikalisches Talent, speziell für die Bühne, sichtbar wird. „CD-Rezension: Giacomo Meyerbeer, Jephtas Gelübde klassik-begeistert.de, 14. März 2023“ weiterlesen
Die erst 34 Jahre alte schlanke und hoch gewachsene Selene Zanetti trat wie aus einem Gemälde Tizians kommend auf die Bühne und sang die Partie der Amelia Grimaldi mit einer Farbpalette, satt und voll, wie sie der berühmte Venezianer auf die Leinwand gebracht hat.
Giuseppe Verdi
Simon Boccanegra
Staatsoper Hamburg, 29. März 2023
von Dr. Ralf Wegner
So eine herausragende Boccanegra-Aufführung habe ich lange nicht erlebt. Das Orchester spielte unter der Leitung von Ivan Repušić hervorragend, mit wunderbaren Streicher- und Bläserklängen, tiefen Emotionen und das der Komposition inne wohnende Gefühl von Sehnsucht nach einer besseren, anderen Welt, voll auskostend.
Die ursprünglich als Amelia Grimaldi angesetzte Saioa Hernández war schon einige Zeit vorher durch die mir bis dahin unbekannte italienische Sängerin Selene Zanetti ersetzt worden. Was für ein Glückstreffer, nie habe ich diese Partie in den letzten Jahren besser gehört, besser selbst als Barbara Frittoli (2015) oder Guanqun Yu (2017). Die erst 34 Jahre alte schlanke und hoch gewachsene Sopranistin trat wie aus einem Gemälde Tizians kommend auf die Bühne und sang mit einer Farbpalette, satt und voll, wie sie der berühmte Venezianer auf die Leinwand gebracht hat.
Von Lorenz Kerscher – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Lorenz Kerscher, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons
Großes Volumen, feine Dynamikabstufungen und klare, nicht verschliffene Tonbindungen kennzeichneten ihren Gesang, ebenso wie eine blühende Höhe und eine angenehm rund klingende Mittellage, dabei alles ohne jede Schärfe und mit einer Strahlkraft, die ihresgleichen sucht. Hier wächst ein Spinto-Sopran heran, den man sich merken sollte. Schade, dass sie in der nächsten Saison nicht als Leonora im Troubadour, sondern (nur) als Giorgetta und Suor Angelica in Puccinis Trittico besetzt ist. Aber auch darauf kann man sich jetzt schon freuen.
Das Boccanegra-Ensemble (Foto: RW)
Alexander Vinogradov sang einen fabelaften Jacopo Fiesco, sein Legato überzeugte, ebenso seine Strahlkraft und seine mit bis in die Tiefe mit vollem Klang verbundene Spannweite. Blake Denson, der als Verräter Paolo Albiani besetzt war, firmiert als Bariton, klingt aber eher wie ein Bass, jedenfalls hat er einen profunden Tiefenklang in der Stimme, die beeindruckt. Auch der mittlerweile 62jährige mexikanische Tenor Ramón Vargas (Gabriele Adorno) überzeugte mit dem virilen Klang seiner Stimme und immer noch vorhandenem Glanz in der Höhe. Bleibt noch George Petean als Simon Boccanegra. Er sang idiomatisch perfekt mit schöner Tonbildung und -bindung und angenehmen Stimmklang. Was bei der gesanglichen Gestaltung im Vergleich mit dem Vorgänger Franz Grundheber noch etwas prononcierter sein könnte, ist, dem Gefühl des Leides und der Brutalität eines Dogen stimmlich etwas mehr Ausdruck zu verleihen. Insgesamt ist Petean derzeit aber wohl einer der besten, wenn nicht der beste Rollenvertreter seines Fachs.
Das Publikum war von der Sängerin und den Sängern begeistert, ebenso von der Orchesterleistung unter Ivan Repušić. Leider zieht Verdis Boccanegra nicht genügend Publikum ins Haus, es fehlen die Radiohits bzw. die Ohrwürmer, die noch lange nachklingen. Dafür erlebt man aber schönsten Verdi und noch bis zum 10. April in vier weiteren Aufführungen eine gesangliche Spitzenbesetzung, die so leicht nicht wieder auf die Bühne zu bringen sein wird. Also, es gibt noch Karten, man möge diese Aufführungen nicht verpassen.
Dr. Ralf Wegner, 30. März 2023, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at