Rising Stars 31: Serena Sáenz, Sopran – die mit den Koloraturen tanzt

Rising Stars 31: Serena Sáenz, Sopran – die mit den Koloraturen tanzt  klassik-begeistert.de

Bild aus Agenturprofil:  © Natalia Cornudella

Die Entwicklung und Karriere vielversprechender NachwuchskünstlerInnen übt eine unvergleichliche Faszination aus. Es lohnt sich dabei zu sein, wenn herausragende Talente die Leiter Stufe um Stufe hochsteigen, sich weiterentwickeln und ihr Publikum immer wieder von neuem mit Sternstunden überraschen. Wir stellen Ihnen bei Klassik-begeistert jeden zweiten Donnerstag diese Rising Stars vor: junge SängerInnen, DirigentInnen und MusikerInnen mit sehr großen Begabungen, außergewöhnlichem Potenzial und ganz viel Herzblut sowie Charisma.

von Dr. Lorenz Kerscher

 

Serena Sáenz als Puppe Olympia: Les oiseaux dans la charmille

Es hat schon viele Regieideen gegeben, um die Puppe Olympia in Hoffmanns Erzählungen in Szene zu setzen, doch eine Sängerin, die gleichzeitig als perfekte Ballerina auftritt, steht nur selten zur Verfügung. Doch mit Serena Sáenz könnte man das machen, denn sie hat parallel zum Gesangsstudium auch eine Ballettausbildung durchlaufen. Noch hat sie die Olympia nicht dargestellt, aber in bedeutenden Rollen als lyrischer und Belcanto-Sopran hat sie schon gezeigt, wie gut die Eleganz ihrer Bewegungen mit ihrer stimmlichen Agilität harmoniert. Schon in sehr jungen Jahren machte sie an namhaften Häusern auf sich aufmerksam. Das war nicht nur das heimatliche Gran Teatre del Liceu in Barcelona, sondern vor allem auch die Berliner Staatsoper Unter den Linden, an der sie von 2018 bis 2020 dem Opernstudio angehörte und sehr bald in bedeutenden Rollen des lyrischen Sopranfachs eingesetzt wurde. Das waren u. a. die Pamina in der Zauberflöte und die Zerlina in Don Giovanni, bei der ihr das Regiekonzept sehr entgegenkam. Hier war der verruchte Lebemann ein Fotograf und Zerlina ein bezauberndes Fotomodell, dessen Posen sie in dem berühmten Duett „Reich mir die Hand, mein Leben“ sehr beeindruckend in Szene setzte.

Video unter https://youtu.be/sZVF5WiNR0s

„Là ci darem la mano“ aus Mozarts Don Giovanni mit Michael Volle und Serena Sáenz (2022)

Geboren wurde Serena Sáenz Molinero, wie sie mit vollständigem Namen heißt, 1994 in Barcelona. Dort begann sie im Alter von zwölf Jahren mit Chorgesang und trat schon bald darauf als Solistin in Kinderopern auf. Sie studierte Gesang am Liceu Conservatoire in Barcelona bei Dolors Aldea, danach an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin bei Anna Samuil und erhielt auch eine Ausbildung in Ballett und Modern Dance. Die schlanke junge Frau ist sehr fitnessbewusst und bot während der Coronapandemie persönliche online-Trainingsprogramme an. Glücklicherweise kann sie ihr Auskommen jetzt wieder mit künstlerischer Tätigkeit finden.

Während sie an der Berliner Staatsoper in attraktiven Rollen des lyrischen Fachs eingesetzt wurde, nach Abschluss ihrer Opernstudiozeit z. B. auch als Nannetta in Falstaff, entstand wohl auch aus sportlichem Ehrgeiz der Anreiz, sich bei Wettbewerben als Koloratursopranistin zu präsentieren. Das war auch von Erfolg gekrönt: einen 1. Preis ersang sie sich 2021 beim Montserrat-Caballé-Wettbewerb in Barcelona u. a. mit der Wahnsinnsarie aus Lucia di Lammermoor und einen 3. Preis beim Paris Opera Competition 2022 mit der halsbrecherischen Glöckchenarie aus Leo Delibes Lakmé.

Serena Sáenz singt Lakmé „Air des clochettes“, Delibes

Tatsächlich konnte sie 2021 mit der Königin der Nacht die bekannteste und typischste aller Koloraturpartien auf die Bühne der Ópera de Oviedo bringen. Belcantopartien wie Lucia di Lammermoor, als die sie im selben Jahr in Barcelona debütierte, und Norina in Don Pasquale, die sie 2022 in einer Tourneeproduktion an verschiedenen katalanischen Bühnen darstellte, liegen ihr m. E. derzeit besonders gut. In diesen Rollen kann sie zum einen den schönen lyrischen Kern ihrer Stimme zur Geltung bringen und zum anderen sehr von der Koloratursicherheit profitieren, die sie sich erarbeitet hat. Mit stabilen Standbeinen in Barcelona und Berlin hat sie gute Startchancen für eine internationale Karriere und dabei das besondere Bonus, dass sie nicht nur eine Gesangs-, sondern auch eine Bewegungskünstlerin ist, die zu Lucias Wahnsinnsarie auch sehr wirkungsvoll schlafwandeln kann.

Master Class Accademia Chigiana 2018 – Serena Saenz: Il dolce suono

Dr. Lorenz Kerscher, 11. August 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Rising Stars (c) erscheint jeden zweiten Donnerstag

Weiterführende Information:

Biografisch sortierte Playlist in Youtube

Offizielle Webseite

Serena Sáenz in Wikipedia

Lorenz Kerscher, Jahrgang 1950, in Penzberg südlich von München lebend, ist von Jugend an Klassikliebhaber und gab das auch während seiner beruflichen Laufbahn als Biochemiker niemals auf. Gerne recherchiert er in den Internetmedien nach unentdeckten Juwelen und wirkt als Autor in Wikipedia an Künstlerporträts mit.

Dr. Lorenz Kerscher„‘Musik ist Beziehungssache’, so lautet mein Credo. Deshalb bin ich auch als Chorsänger aktiv und treffe mich gerne mit Freunden zur Hausmusik. Eine neue Dimension der Gemeinsamkeit eröffnet sich durch die Präsenz vieler, vor allem junger Künstler im Internet, wo man Interessantes über ihre Entwicklung erfährt, Anregungen zur Entdeckung von musikalischem Neuland bekommt und auch in persönlichen Kontakt treten kann. Man ist dann kein Fremder mehr, wenn man ihnen als Autogrammjäger begegnet oder sie sogar bei einem Konzertbesuch im Publikum trifft. Das ist eine schöne Basis, um mit Begeisterung die Karrieren vielversprechender Nachwuchskünstler mitzuerleben und bei Gelegenheit auch durch Publikationen zu unterstützen.“

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