© Shigeru Kawai Europa
In der Hamburger Alfred Schnittke Akademie hat man zuletzt so einige herausragende Klavierabende junger Künstlerinnen und Künstlern erlebt, doch dieser Auftritt von Robert Bily war eine Klasse für sich. Neben einigen altbekannten und sensationell gespielten Meisterwerken von Chopin und Ravel haute er vor allem mit einem majestätischen Satz aus Dutilleux’ Klaviersonate das Hamburger Publikum völlig vom Hocker!
Robert Bily, Klavier
Werke von Frédéric Chopin, Claude Debussy, Maurice Ravel und Henri Dutilleux
Alfred Schnittke Akademie, Hamburg, 17. Juli 2026
von Johannes Karl Fischer
Robert Bilys Lebenslauf schmücken nicht zuletzt Erfolge bei 70 internationalen Wettbewerben und Meisterkurse bei Klavierlegenden wie Emanuel Ax. Nicht weniger spektakulär war aber seine heutige musikalische Paradeleistung in der Hamburger Alfred Schnittke Akademie. Das extrem fordernde Programm – einige Chopin-Werke, Debussy, dazu das gefürchtete „Scarbo“ von Ravel und dann noch ein bisschen Dutilleux dazu – meisterte er völlig mühelos, als wäre dieser Spaziergang im pianistischen Himalaya einfach nur seine größte Lebensfreude.

Mit Chopins b-Moll-Klaviersonate eröffnete er eindrucksvoll den Abend und ließ bereits in den ersten Takten die Saiten des Shigeru Kawai Flügels prachtvoll durch den Saal schwingen. Die Melodien flossen gefühlvoll in die Luft, mit brennender Passion für diese Musik stürzte er sich in die Tasten. Der an dritter Stelle dieses Werks stehende Trauermarsch rollte wie eine malerische, aus der Ferne daher gleitende Ozeanwelle durch den Raum, ehe er die raschen Läufe des Finales furchtlos über die Klaviatur perlen ließ.
Nicht weniger eindrucksvoll spielte er die musikalisch ebenso gehaltvoll komponierten Scherzi: Aus dem ersten in h-Moll kostete er alle vielschichtigen musikalischen Seiten dieses Werks aus, auch das Schlager-Scherzo in b-Moll meisterte er ähnlich schwungvoll und bravourös. Auf diese absolut umwerfenden Meisterwerke folgten nach der Pause noch die vier Mazurken op. 24, wo er auch die luftigen Seiten Chopins zauberhaft zum Klingen brachte. Jede Note dieser recht knapp gehaltenen Tänze war mit musikalischer Liebe geformt und strömte in angenehmen Ton in die Ohren des Publikums. Als würde er das Klavier an der Hand nehmen und in einem leidenschaftlichen Tanz schwerelos über die Bühne gleiten …

Schon nach dieser Chopin-Stunde der Extraklasse fühlte man sich völlig verwandelt, eine wohltuende Auszeit von der seit Wochen durch Europa ziehenden stressigen Sommerluft. Doch war das längst nicht alles: Mit Debussys „Reflets dans l’eau“ führte er das Publikum in eine völlig andere Klangwelt, auch die glitzernden Melodien mit ihren fast unzählbaren Tönen sprudelten wie das Wasser eines perlenden Springbrunnens aus den Tasten. Nach dessen Suite „Pour le piano“ mit seinen musikalisch farbenfrohen, energetischen Tanzsätzen wirkte Ravels, von den größten Klavierlegenden für seine fast unspielbaren Passagen gefürchtetes „Scarbo“ fast schon wie eine kleine Zugabe. Na, dann eben ein bisschen Ravel dazu …

In diesem recht kleinen, doch feinen Saal herrschte bereits eine furiose Stimmung mit vielen Bravo-Rufen. Doch das Beste kam zuletzt: Ein Satz aus Henri Dutilleux’ Klaviersonate, „Choral et Variations“. Dieses kaum bekannte Werk stieg hier zu einem Highlight dieses ohnehin mit eindrucksvollen Meisterwerken gefüllten Programms auf. Wie majestätische Kirchenglocken schallte das Thema aus dem Flügel, man spürte die mächtigen Saiten des Flügels im Raum resonieren. Die teils jazzigen, lockeren Variationen zogen einen in den Rausch dieser Musik und sorgten für viel feurige Applausstimmung am Ende dieser sensationellen musikalischen Leistung!

Das Publikum war völlig aus dem Häuschen, so einen eindrucksvollen Klavierabend wird die Hansestadt nicht so schnell wieder sehen. Und der Pianist? Robert Bily wirkte gar entspannt, als hätte er auch an diesem vor allem für das Klavier extrem fordernden Programm sogar sehr viel Spaß gehabt.
Einfach nur ein Pianist und seine Liebe zu seiner Kunst.
Nächstes Mal vielleicht in der Elbphilharmonie?
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