Kirill Petrenko präsentiert frühe Geniestreiche von Brahms und Richard Strauss

Brahms Konzert für Klavier und Orchester Nr.1, Víkingur Ólafsson  Philharmonie Berlin, 2. Oktober 2026

Kirill Petrenko © Chris Christodoulou

Am Ende will der Applaus kein Ende nehmen. Beim letzten Hervorruf wirft Petrenko spontan eine Kusshand ins Orchester. Mehr muss man über das Verhältnis zwischen ihm und den Berliner Philharmonikern nicht sagen.

Johannes Brahms
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 op. 15

Richard Strauss
Also sprach Zarathustra op. 30

Víkingur Ólafsson   Klavier
Kirill Petrenko   Dirigent

Philharmonie Berlin, 2. Oktober 2026

von Peter Sommeregger

Beide an diesem Abend aufgeführten Werke entstanden noch früh im Schaffen ihrer Komponisten. Johannes Brahms war vor seinem ersten Klavierkonzert erst mit wenigen Kompositionen für Klavier hervorgetreten, sein symphonisches Oeuvre entstand erst später. Richard Strauss komponierte seine Opern auch erst deutlich später als den „Zarathustra“.

Petrenko bringt das Orchester bereits bei der Einleitung zu Brahms’ op. 15 auf hohe Betriebstemperatur, die das lange Ringen des Komponisten mit dieser Komposition deutlich hörbar macht.

Víkingur Ólafsson © Ari Magg

Dann übernimmt Víkingur Ólafsson, und vom ersten Einsatz an ist klar, dass dieser isländische Pianist nicht einfach nur Einspringer für den erkrankten Daniil Trifonov ist, sondern eine große pianistische Persönlichkeit. Er wirkt nervös, was sicher nur Ausdruck seiner musikalischen Hypersensibilität ist. Der selbst gefeierte Pianist Brahms hat einen Klavierpart komponiert, der dem Interpreten viel abverlangt, gleichzeitig aber auch Gelegenheit gibt, seine Virtuosität auf dem Instrument vorzuführen, was Ólafsson hervorragend gelingt. Der Jubel des Publikums wird mit einer Zugabe, einem Stück von Rameau in der Transkription von Bach, belohnt.

Akademiekonzert: Kirill Petrenko. Foto: W. Hösl (c)

Die erste Passage von Strauss’ Zarathustra hat, trotz Verwendung als Filmmusik und in der Werbung, nichts von ihrer Schönheit und Eindringlichkeit verloren. Es ist ein Werk, das den Solisten innerhalb des Orchesters reichlich Gelegenheit gibt, zu glänzen, hervorgehoben sei hier der Konzertmeister Daishin Kashimoto mit einem überirdisch schön gespielten Violinsolo. Petrenko entfaltet dazu die volle Wucht des Klangkörpers, und schwelgt in dem schier unerschöpflichen Melodienreichtum, den Richard Strauss hier gebündelt hat.

Bei einer Generalpause mitten im Stück erstarrt das komplette Orchester auf einmal kurz zu einem „lebenden Bild“. Das geschieht fast unbemerkt, hat aber Charme und ist ein origineller Einfall.

Am Ende will der Applaus kein Ende nehmen. Beim letzten Hervorruf wirft Petrenko spontan eine Kusshand ins Orchester. Mehr muss man über das Verhältnis zwischen ihm und den Berliner Philharmonikern nicht sagen.

Peter Sommeregger, 3. Oktober 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Saisoneröffnung Kirill Petrenko, Tschaikowski und Elgar Philharmonie Berlin, 21. August 2026

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