Skurril und zauberhaft: "Oberon" im Theater an der Wien

Foto: © Werner Kmetitsch

Carl Maria von Weber, Oberon
Theater an der Wien, 17. Mai 2019

Thomas Guggeis, Musikalische Leitung
Nikolaus Habjan, Regie
Jakob Brossmann, Bühne
Denise Heschl, Kostüme
Michael Bauer, Licht

Mauro Peter, Oberon
Juliette Mars, Titiana, seine Gemahlin
Annette Dasch, Rezia, des Kalifen Tochter
Natalia Kawałek, Fatime, deren Vertraute
Vincent Wolfsteiner, Hüon von Bordeaux
Daniel Schmutzhard, Scherasmin, sein Knappe
Manuela Linshalm, Erster Puck
Daniel-Frantisek Kamen, Zweiter Puck
Sebastian Mock, Dritter Puck
Jenna Siladie, Meermädchen

von Jürgen Pathy

Liebe und Treue auf dem Prüfstand in einem Labor. Das alles in einer revuehaft-wechselnden Welt zwischen Rittern, Feen und Orient. So könnte man den „Oberon“, eine romantische Feenoper in drei Aufzügen, in der skurrilen Inszenierung des Regisseurs Nikolaus Habjan, 31, im Theater an der Wien kurz zusammenfassen.

Ein Singspiel, dessen Nähe zur „Zauberflöte“ kaum jemand bestreiten können wird und das laut der Meinung des österreichischen Regisseurs „viel zu selten in Szene gesetzt wird“. Um das zu ändern, wurde Habjan, der 2012 mit dem österreichischen Theaterpreis „Nestroy“ ausgezeichnet wurde, zum ersten Mal am Theater an der Wien engagiert.

Das Bühnenbild ist geprägt von bildstarken Eindrücken, von bunten Wesen und von lebensgroßen Klappmaulpuppen, die sich im Laufe des Abends als der Renner herausstellen werden und im ausverkauften Haus das ein oder andere Mal für herzhaftes Gelächter sorgen können.

Ansonsten mag sich der Erfolg nicht gleich von Beginn an einstellen, ist der Rausch der Sinne erstmal nur den Bühnenfiguren vergönnt. Oberon versetzt sich plakativ einen „Schuss“, der schönen Rezia und dem heldenhaften Hüon von Bordeaux werden mittels halluzinogener Horrortrips die Suche nach der ewigen Treue erschwert und der Rest der Protagonisten schwebt irgendwo in einer surrealen Welt zwischen Albert Hoffmanns LSD-Labor und John Lennons „Lucy in the sky with diamonds“.

In den größeren Partien einzig und alleine ohne Startschwierigkeiten zeigt sich der Schweizer Mauro Peter, 32, der aufgrund regelmäßiger Engagements bei den Salzburger Festspielen mittlerweile allen Opernfans ein Begriff sein sollte.

In der lyrischen Titelpartie des Oberon ist er nicht nur in der Lage, Rezia und Hüon zu verzaubern, auch große Teile des Publikums dürften der äußerst geschmeidigen und weichen Stimme des jungen Tenors verfallen sein, der niemals auch nur annähernd den Anschein erweckt, als könnte er ins Penetrante, Scharfe oder Aufdringliche entgleiten.

Das kann von Annette Dasch, 43, anfangs nicht behauptet werden, erweist sich die vielseitige Partie der Rezia doch als etwas zu lyrisch für die deutsche Sopranistin, deren Stärken eher im dramatischen Fach angesiedelt sein dürften.

An der Wiener Staatsoper konnte sie letzte Saison als Elsa in „Lohengrin“ noch einen starken Gesamteindruck hinterlassen, in der zu Beginn überwiegend zarten, leisen Partie der Rezia kämpft sie jedoch schwer mit den Höhen. Erst im Laufe des Abends offenbaren sich die Qualitäten der Berlinerin, kann die Bayreuth-erprobte Sängerin bei der „Ozean-Arie“ ihre dramatischen Kernkompetenzen vollends ausspielen und in die Wogen werfen.

Schleierhaft, weshalb ein Herr, dessen Kompetenzen in der Musik nicht zu liegen scheinen dürften, diese astreine Deklamation mit einem schmerzhaften Buh quittiert.

Ein breites Spektrum der Gesangskunst fordert Carl Maria von Webers Komposition auch von der großen, tragenden Partie des Hüon von Bordeaux, der ohne jegliches Warmsingen gleich mit einer unheimlich schwierigen Arie aufhorchen lassen muss.

Vincent Wolfsteiner, 53, erweist sich in dieser undankbaren Partie, die teilweise gar an den Florestan von „Fidelio“ erinnert, zwar nicht immer als intonationssicher, glänzt aber vor allem, wenn es so richtig laut, hoch und heldenhaft wird. Dort fühlt sich der gebürtige Münchner hörbar wohl, überzeugt er mit großer Strahlkraft und einer sicheren Gesangstechnik.

Werden zärtlichere Töne gefordert, lyrische Bögen und Flexibilität, fehlt es ab und zu ein wenig an der Geschmeidigkeit, scheint der Fehlerteufel nur einen Katzensprung entfernt zu lauern und schlägt immer wieder zu.

Einen mächtigen Eindruck hinterlässt Juliette Mars als Oberons Gemahlin Titiana, die zum Glück ein gewichtiges Wort mitzureden hat und sich nicht wie in der Originalpartitur einer stummen Rolle ausgeliefert sieht. Im strengen Rektorinnenlook mit Hornbrille, roten Haaren und Strapsen bekleidet dominiert sie die Szenerie von oben herab und ähnelt aufgrund ihrer mächtigen Bühnenpräsenz ein wenig der Ortrud aus Andreas Homokis aktueller „Lohengrin“-Inszenierung an der Wiener Staatsoper.

Hemdsärmelig, boshaft blickend und noch dazu mit einem klangschönen Mezzo ausgestattet, der äußerst flexibel von dramatisch bis operettenhaft aufhorchen lässt.

Daniel Schmutzhards wunderschöner Bariton darf leider viel zu selten ran. In der Partie des Scherasmin, der als Hüons Knappe viele Abenteuer erleben darf, beweist der Österreicher jedoch, dass er selbst als Schauspieler bestimmt sein Auskommen und seinen Lebensabend sichern könnte. Mit viel Witz, Charme und Ironie verkörpert er diese tollpatschige Figur, deren Nähe zum Papageno, den er ebenfalls schon am Theater an der Wien verkörpern durfte, ganz offensichtlich scheint.

Einen starken Eindruck hinterlässt ein weiteres Mal auch der bestens disponierte Arnold Schönberg Chor. Ebenso die drei Puppenspieler, die als erster, zweiter und dritter Puck den Abend nachhaltig gestalten und eindeutig den lautesten Schlussapplaus kassieren.

Darstellerisch als auch gesanglich auf keinen Fall hinter ihrer Herrin Rezia verstecken muss sich die junge Mezzosopranistin Natalia Kawalek, 32, die einen gelungenen Abend feiern darf.

Am Pult überrascht der blutjunge Thomas Guggeis, 25. Hat das Wiener Kammerorchester anfangs noch etwas stumpf und fahl geklungen, entwickelt sich die musikalische Reise im Laufe des Abends zu einem mitreißenden Wellenritt, der gezeichnet ist von packender Dramatik und berauschenden Klangfarben.

Und auf den Herrn, der trotz seiner Jugend bereits auf rund siebzig Dirigate zurückblicken kann, dürften bereits größere Aufgaben warten: Ein Engagement an der Wiener Staatsoper unter der Patronanz des designierten Staatsoperndirektors Bogdan Roščić scheint bereits unter Dach und Fach.

Jürgen Pathy (klassikpunk.de), 19. Mai 2019, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Die SONNTAG-PRESSE – 19. Mai 2019

Foto: © Rupert Steiner

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Wien/ Konzerthaus
Konzerthaus: Konzert mit stürmischen Römern
Antonio Pappano, das Orchestra dell’Accademia Nazionale und Lisa Batiashvili gastierten mit Mahler, Russen und Bartók in Wien: vital, aber auch ganz intim.
Die Presse

Wien/ Staatsoper
Lieben und sterben in Paris
KS Anna Netrebko und Yusif Eyvazov im Interview zu „Andrea Chénier“.
https://www.wiener-staatsoper.at/die-staatsoper/aktuelles/detail/news

Wien/ Musikverein
Zyklus „Young Musicians“ –
Vera Karner, Klarinette, Simply Quartet, Streichquartett,  und Dominik Wagner, Kontrabass im  Gläsernen Saal des Musikvereins am 17. Mai 2019
Christian Beinhoff

Karlsruhe
Generalmusikdirektor wechselt von Kiel nach Karlsruhe
Sueddeutsche Zeitung

Berlin/ Philharmonie
Magische Momente mit Bronfman und Blomstedt in der Philharmonie Berlin
Auftritte Herbert Blomstedts am Pult der Berliner Philharmoniker sind zu einer festen Größe in den letzten Spielzeiten des Orchesters geworden. Auch dieses Jahr enttäuscht der inzwischen fast 92-Jährige das Publikum nicht, und eilt mit einem unglaublich jugendlichen Elan auf das Podium.
Blomstedt ist bei dieser Musik in seinem skandinavischen Element, seinen plastischen Dirigierstil zu beobachten, ist ein ästhetisches Vergnügen. Wie gewohnt ohne Stab formt er mit seinen Händen die Musik. Bei Entgegennahme des mehr als verdienten Schlussapplauses drückt er einigen Orchestermusikern sogar die Hand, auch das ein Zeichen eines uneitlen Selbstverständnisses, welches den Teamgeist über das eigene Ego stellt.
Klassik-begeistert

Justus Frantz wird 75: Klassikboom und Finanzskandale
Millionen Menschen begeisterte Justus Frantz mit seinen legendären Klassiksendungen im Fernsehen. Er gründete die Philharmonie der Nationen und das Schleswig-Holstein Musik Festival. Frantz selbst wurde weltberühmt. Und doch war sein Weg nicht immer vom Glück gesegnet. Am 18. Mai wird Justus Frantz 75 Jahre alt.
BR-Klassik

Auftakt mit neuer Besetzung Artemis Quartett: Das Ich und das Wir
Stabübergabe im Kammermusiksaal: Das Artemis Quartett spielt mit neuer Besetzung. Die Temperamente unterscheiden sich – doch am Ende finden sie zueinander.
Tagesspiegel

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Strahlende Sinfonik und getrübte Liedkunst bei den Dresdner Musikfestspielen

Foto: Ivor Bolton. © Ben Wright

Eröffnungskonzert der Dresdner Musikfestspiele
Kulturpalast Dresden, 16. Mai 2019

Ivor Bolton, Dirigent
René Pape, Bass
Dresdner Festspielorchester

Carl Maria von Weber, Ouvertüre zur Oper »Euryanthe«
Franz Schubert, »Prometheus« D 674; Ausgewählte Lieder aus dem Zyklus »Schwanengesang« D 957 (Bearbeitung: Stuchasch Dyma)
Robert Schumann, Sinfonie Nr. 1 B-Dur op. 38 »Frühlingssinfonie«

von Pauline Lehmann

Das festliche Eröffnungskonzert der 42. Dresdner Musikfestspiele entführt in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts und vereint große Sinfonik und sensible Liedkunst. Zwischen die Ouvertüre zu Carl Maria von Webers Oper »Euryanthe« und Robert Schumanns »Frühlingssinfonie« Nr. 1 B-Dur  tritt das Liedschaffen Franz Schuberts. Aus seinem umfangreichen Œuvre erklingen die »Prometheus«-Vertonung sowie sieben Lieder aus dem Zyklus »Schwanengesang« nach Texten Heinrich Heines. „Ivor Bolton, René Pape, Dresdner Festspielorchester,
Kulturpalast Dresden, 16. Mai 2019“
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Magische Momente mit Bronfman und Blomstedt in der Philharmonie Berlin

Foto: Herbert Blomstedt, © Martin U. K. Lengemann
Philharmonie Berlin
, 16. Mai 2019
Yefim Bronfman Klavier
Herbert Blomstedt Dirigent

Ludwig van Beethoven, Klavierkonzert Nr.2 B-Dur op. 19
Wilhelm Stenhammar, Symphonie Nr.2 g-moll op. 34

von  Peter Sommeregger

Auftritte Herbert Blomstedts am Pult der Berliner Philharmoniker sind zu einer festen Größe in den letzten Spielzeiten des Orchesters geworden. Auch dieses Jahr enttäuscht der inzwischen fast 92-Jährige das Publikum nicht, und eilt mit einem unglaublich jugendlichen Elan auf das Podium. „Yefim Bronfman, Herbert Blomstedt,
Philharmonie Berlin“
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Die SAMSTAG-PRESSE – 18. Mai 2019

Foto: Peter Sellars. © Ruth Walz

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Salzburg
Peter Sellars hält die Eröffnungsrede der Salzburger Festspiele
Der US-amerikanische Regisseur begeistert mit seinen bildmächtigen Inszenierungen seit 1992 das Festspielpublikum. Am 27. Juli wird er die Festrede beim Eröffnungsfestakt in der Felsenreitschule halten.
Salzburger Nachrichten
Salzburger Festspiele: US-Regisseur Peter Sellars hält Eröffnungsrede
Der Opern- und Theaterregisseur wird am 27. Juli in der Felsenreitschule die Festrede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele 2019 halten. Titel: Das Meer als Erzähler“
Der Standard

Im Portrait Peter Sellars: Unruhestifter und Genius
DrehpunktKultur

Wien/ Konzerthaus
Mahlers Sechste Symphonie im Konzerthaus
Antonio Pappano dirigiert das Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia.
Wiener Zeitung

Hamburg
Elbphilharmonie: Zwischen See- und Sensenmann
Wie gut klingt die Elbphilharmonie? Zu Jahresbeginn in der Kritik, begeisterte sie nun mit der Oper „Le Grand Macabre“.
Wiener Zeitung

Wien/ Musikverein
Pianist Kirill Gerstein gastierte im Wiener Musikverein
Dramatisch, abgründig, kühn bei Chopin – und lyrisch und poetisch bei Liszt
Der Standard
Kirill Gerstein: Pianist ohne Müh‘ und Tadel
Virtuoser Klavierabend im Musikverein.
Wiener Zeitung

„Konzertgänger in Berlin
KURZ UND KRYPTISCH (2): Blomstedt bringt Wilhelm Stenhammar nach Berlin
„Kurz und kritisch“ hieß einst eine Rubrik im Tagesspiegel, die es leider nicht mehr gibt. Da aber k & k immer fein ist, wird der Konzertgänger, wenn er wenig Zeit hat, in Zukunft immer mal KURZ UND KRYPTISCH rezensieren. Heute: Herbert Blomstedt und Yefim Bronfman bei den Berliner Philharmonikern.
Konzertgänger in Berlin

München
Jewish Chamber Orchestra Ein Festival für Mieczyslaw Weinberg
Unter seinem Chefdirigenten Daniel Grossmann porträtiert das Jewish Chamber Orchestra Munich den Komponisten Mieczyslaw Weinberg
Münchner Abendzeitung

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Die FREITAG-PRESSE – 17. Mai 2019

Foto: © Dario Acosta
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Wien
Anna Netrebko: Schwarze Tiefe, flammende Höhe
Jubel für Anna Netrebko und drei Verdi-Arien sowie das Mariinsky-Orchester unter Valery Gergiev.
Die Presse

Salzburg/ Landestheater
Keine sexual-hygienische Endlösung
Landestheater / Mozart-Da Ponte-Zyklus
DrehpunktKultur

Wien/ Konzerthaus
Mahlers Sechste Symphonie im Konzerthaus
Antonio Pappano dirigiert das Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia.
Wiener Zeitung

Berlin
Lars Vogt und das Mahler Chamber Orchestra Mozart aus der Kiste
Das Projekt „Unboxing Mozart“ macht Zuhörer zu Orchestermitgliedern. Und bereitet sie auf das Konzert von Lars Vogt und dem Mahler Chamber Orchestra vor.
Tagesspiegel

Interview mit Thomas Hampson: „Ich gehe oft an meine Grenzen“
Die Leidenschaft für seinen Beruf treibt Thomas Hampson immer wieder an. Vor allem die Welt der Lieder hat es ihm angetan. Jetzt singt er beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks die „Four Walt Whitman Songs“ von Kurt Weill. Im Interview mit BR-KLASSIK verrät Thomas Hampson, warum er immer wieder an seine Grenzen geht, und dass es eine Nonne war, die seine Liebe zum Liedgesang weckte.
BR-Klassik

München
„The Rake’s Progress“ in der Philharmonie: Im Wanderkubus
https://www.sueddeutsche.de/kultur/philharmonie-muenchen-rakes-progress-1.4447501 „Die FREITAG-PRESSE – 17. Mai 2019“ weiterlesen

Antonio Pappano und das Orchestra dell’Academia Nazionale di Santa Cecilia sorgen mit einer fulminanten Darbietung von Mahlers 6. Sinfonie für Begeisterungsstürme

Foto: Antonio Pappano © Musacchio & Ianniell
Wiener Konzerthaus
, 15. Mai 2019

Sir Antonio Pappano Dirigent
Orchestra dell’Academia Nazionale di Santa Cecilia
Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 6, a-moll

von Julia Lenart

Mahlers Sechste, auch die „Tragische“ genannt, ist ein wahrlich monumentales Orchesterwerk. Der Beiname passt. Schon der Laie erkennt die Schwere der Themen, die bedrohlich über dem Werk hängen. Kritiker und Theoretiker wundern sich ihrer eigentümlichen Gestaltung wegen, die zwischen Dur und Moll schwankt, in ständiger Ungewissheit, dem Schicksalspendel ausgeliefert. „Sir Antonio Pappano, Orchestra dell’Academia Nazionale di Santa Cecilia,
Wiener Konzerthaus“
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Die DONNERSTAG-PRESSE – 16. Mai 2019

Foto: Anna Netrebko und Andreas Schmidt, 16. Februar 2017, Wiener Staatsoper

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Die DONNERSTAG-PRESSE – 16. Mai 2019

Wien/ Musikverein
Netrebko im Musikverein: Bedürfnis nach mehr
Anna Netrebko brilliert mit Werken von Verdi und Strawinski.
Wiener Zeitung

Wien/ Staatsoper
Thielemann über „Frau ohne Schatten“: „Die Musik sagt alles aus“
Zum 150-Jahr-Jubiläum der Wiener Staatsoper gibt es eine prominent besetzte Premiere. Der Dirigent über Handwerk und brüllende Sänger.
Kurier

Bregenz
Monumental: Endlich zu Hause: Kirill Petrenkos Bregenzer Mahler-Zyklus
Abendblatt

München/Philharmonie
„The Rake’s Progress“ in der Philharmonie: Im Wanderkubus
Mit Strawinskys „The Rake’s Progress“ begann ihre Gesangskarriere. Nun sieht Barbara Hannigan in dieser Oper auch eine Chance für den Nachwuchs.
https://www.sueddeutsche.de/kultur/klassik-im-wanderkubus-1.4447501

Wien/ Konzerthaus
Die Himmel erzählen in Haydns „Schöpfung“
Das geniale Oratorium klang schön und präzise im Konzerthaus.
Wiener Zeitung

Wien/ Konzerthaus
Große Vielfalt, junge Talente
Im Wiener Konzerthaus stehen in der nächsten Saison wieder renommierte Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne. Aber auch aufstrebende Talente haben dann ihre großen Auftritte.
https://kurier.at/cm/grosse-vielfalt-junge-talente/400486774

«Dirigentin zu werden – diesen Drang verspürte ich schon als Kind»
Die Französin Emmanuelle Haïm hat ihr Handwerk bei Meistern wie William Christie und Simon Rattle gelernt. Am Sonntag dirigiert sie im Opernhaus Zürich die Erstaufführung von Jean-Philippe Rameaus «Hippolyte et Aricie».
Neue Zürcher Zeitung „Die DONNERSTAG-PRESSE – 16. Mai 2019“ weiterlesen

Das Trio Adorno kommt mit Henze und Schumann in die Alfred Schnittke Akademie

Foto: RP/Homepage Trio Adorno

HÖRSALON –
Balance und Kontrast

23. Mai 2019, 20 Uhr
Eintritt: 15,- €

Interpreten: Christoph Callies (Violine)
Samuel Selle (Cello)
Lion Hinnrichs (Piano)
und Thomas Mittelberger

Programm:
Hans Werner Henze: Kammersonate von 1948
Robert Schumann: Klaviertrio g-moll, op. 110

Ort: Alfred Schnittke Akademie International (Konzertsaal Altona), Max-Brauer-Allee 24, 22765 Hamburg

Das TRIO ADORNO (Christoph Callies, Violine; Samuel Selle, Cello; Lion Hinnrichs, Piano) werden mit ihrem Mentor Thomas Mittelberger einen ganz besonderen Abend gestalten. Zunächst gibt es eine Einführung in die 12-Ton-Musik anhand der Kammersonate von Hans Werner Henze aus dem Jahr 1948. „TRIO ADORNO, Hans Werner Henze, Robert Schumann,
Alfred Schnittke Akademie International (Konzertsaal Altona)“
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Große Musik kommt auch aus Hamburg

Foto: Le Grand Macabre, Elbphilharmonie, Peter Hundert (c)
4. Internationales Musikfest Hamburg, 27. April – 29. Mai 2019

Das 4. Internationale Musikfest Hamburg ist ein voller Erfolg. Alle Aufführungen in der Elbphilharmonie sind ausverkauft. Star-Musiker wie Anne-Sophie Mutter und Elina Garanca sowie Star-Dirigenten wie Daniel Barenboim und Alan Gilbert reichen sich die Klinke. Das Internationale Musikfest wird Hamburgs Ruf als europäische Kulturmetropole festigen und untermauern. Wenn nun auch die Staatsoper Hamburg ihre Hausaufgaben macht, ihre schlechte Auslastung nachhaltig steigert und mit herausragenden Produktionen und Sängern wieder die deutsche und europäische Spitze erschließt, könnte der Slogan der „Musikstadt Hamburg“ Realität werden.

Das Musikfest nähert sich dem Motto »Identität« auf vielgestaltige Weise und legt zudem einen Schwerpunkt auf das Schaffen des Komponisten György Ligeti, der lange Jahre in Hamburg als Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und Theater wirkte und seine Wohnung in Alsternähe auch nach seiner Emeritierung beibehielt. Der Komponisten-Schwerpunkt gehört zu den Charakteristika des Internationalen Musikfests. Nach Johannes Brahms (2016) und Karlheinz Stockhausen (2018) ist Ligeti,  dessen Werken das Musikfest in mustergültigen Interpretationen breiten Raum gibt, der dritte Komponist mit starkem Bezug zu Hamburg. Spektakulärer Höhepunkt hierbei waren drei Aufführungen seiner einzigen Oper »Le Grand Macabre« (10., 12./13.5.).

Die Produktion von »Le Grand Macabre« mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester und internationalen Solisten war eine auf die Gegebenheiten des Großen Saals der Elbphilharmonie abgestimmte Wiederaufnahme der Inszenierung von Doug Fitch aus dem Jahr 2010 in New York, mit der Alan Gilbert damals ein sensationeller Überraschungserfolg in seiner ersten Saison als Chefdirigent des New York Philharmonic glückte. Die Hamburger Aufführungsserie markierte nun zugleich so etwas wie den vorgezogenen Einstand von Alan Gilbert als neuer Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters ab der Saison 2019/20.

Einige der Höhepunkte des Musikfests waren und sind:

Klavierabende von Krystian Zimerman(1.5.) und Pierre-Laurent Aimard (2.5.)
»Kreatur«Sasha Waltz & Guests (2.- 4.5., Kampnagel)
»Le Grand Macabre«NDR Elbphilharmonie Orchester, Solisten, Alan Gilbert (10., 12./13.5.)
Anne-Sophie Mutter / Kammerorchester Wien-Berlin (11./18.5.)
Staatskapelle Berlin / Daniel Barenboim(15.5)
»Thérèse« von Philipp Maintz (Kammeroper, DEA, 18./19.21.22.5.)
Arienabend mit Elina Garanca (19.5.)
»War Requiem«, Orchestre de Paris, Solisten / Daniel Harding (21./22.5.)
»The Rake’s Progress«, konzertante Aufführung, Ludwig Orchester, Solisten / Barbara Hannigan (29.5.).

klassik-begeistert.de besuchte die dritte Aufführung von „Le Grand Macabre“. Die Meinungen der Besucher waren gespalten. Nicht wenige waren schlicht und ergreifend „genervt“, vor allem von der Musik. Nach der Pause blieben zahlreiche Plätze leer. Andere waren berauscht und sehr zufrieden. Auch die (Hamburger) Zeitungen waren voll des Lobes für die Ligeti-Oper:

»Ein berauschender Erfolg, eine brillante Präsentation von Ligetis respekteinflößender Partitur und eine entwaffnende Produktion.« So urteilte die New York Times nach drei ausverkauften Aufführungen von György Ligetis Oper »Le Grand Macabre«.

„Bei dem unterhaltsamen Weltuntergangs-Spektakel wurden am Freitag Videos auf Leinwänden gezeigt, es erklangen Geräusche wie Autohupen oder Türklingeln. Das Publikum war mitten im Geschehen. Ligeti nannte das Stück ‚Anti-Anti-Oper’“, schrieb die Hamburger Morgenpost.

„Nicht alle Zuschauer konnten mit der modernen Inszenierung etwas anfangen. Wer aber bis zum Ende blieb, war begeistert, feierte das Ensemble für die Mischung aus Fantasie-Abenteuer, Apokalypse-Schauspiel und mitreißender Komödie.“

Das Hamburger Abendblatt überschlug sich vor Begeisterung:

„Für zwei tolle, rauschhafte Stunden verwandelte sich der Große Saal der Elbphilharmonie in eine Avantgarde-Arena mit Surround-Beschallung und Rundum-Bespaßung. Ein Dada-Verona, so selbstverständlich und effekttrittsicher, als sei dieser Raum genau für derartigen Wahnsinn entworfen worden. Für diese Anstrengung dürfte das NDR Elbphilharmonie Orchester bei der Vorarbeit bis an tariflich geregelten Schmerzgrenzen gegangen sein, wahrscheinlicher ist: weit darüber hinaus.

Doch der Ehrgeiz, deswegen nicht zu kollabieren und zu beweisen, wozu man nach der Zeit mit Thomas Hengelbrock nun mit dessen Nachfolger Alan Gilbert im nächsten Wachstumsschritt fähig sein will, der war deutlich größer. Generalintendant Christoph Lieben-Seutter kann nun mit dieser Musikfest-Produktion einen weiteren Titel auf seiner Repertoire-To-Do-Liste epochaler Saal-Herausforderungen abhaken (für 2020 ist dort Messiaens Heiligen-Oper „Saint François d’Assise“ geplant).“

Andreas Schmidt, 14. Mai 2019, für
klassik-begeistert.de