Schweitzers Klassikwelt 168: Baritone stellen auch in Basspartien ihren Mann

Schweitzers Klassikwelt 168: Baritone  klassik-begeistert.de, 22. Juli 2026

 

Paul Schöffler als Philipp II.  © Foto Fayer Wien

Als Ersten denken wir da an Paul Schöffler. Seinen dunkel getönten Bariton habe ich in natura und meine Frau auf Schallplatten bewundern können. In der Aufnahme von „Tiefland“ merken wir wohl seine bewusste und zielgerichtete Aufmerksamkeit bei den hohen Tönen in der neunten Szene des ersten Akts: „Heut nacht noch komm ich zu dir. Siehst du in deiner Kammer Licht, so weißt du, ich bin es.“ Am Abend der österreichischen Uraufführung von Hindemiths „Mathis der Maler“ hörte ich wegen seines schönen Timbres von seinen Schwierigkeiten in der Höhe hinweg. Wortschöpferisch nannte ich es den „Schöfflerschrei“. Ganz in seinem Element erlebte ich ihn in Verdis „Don Carlos“ als Philipp II.

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Schon unsre zweite „Schweitzers Klassikwelt“ vor sechs Jahren war eine Hommage an Hans Hotter, Bass-Bariton nicht als Zwischenfach, sondern in Personalunion. Er sang in „Parsifal“ Amfortas oder Gurnemanz, in „Tristan und Isolde“ Kurwenal oder König Marke.

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Bei beiden Basspartien war ich Ohrenzeuge. 1959 las ich positive Berichte der Salzburger Festspiele von seinem Sir Morosus in „Die schweigsame Frau“ von Richard Strauss, einer der tiefsten Basspartien. Und in der Lulu-Premiere der Wiener Staatsoper vom 24. Oktober 1983 bekam der damals 74-jährige für eine seiner letzten Rollen als Schigolch, eine Basspartie, Auftrittsapplaus.

Albert Dohmen © BR

Wechseln wir zu Albert Dohmen. Bei meiner ersten selbst gewählten Oper („Tosca“) hielt ich den Baron Scarpia für eine Basspartie. Weil sich diesmal Albert Dohmen in dieser Partie in der Tiefe wohler als in der Höhe fühlte, konnte ich diese Fehleinschätzung vor fünfundfünfzig Jahren verstehen. Einen anderen Eindruck gewannen wir bei unserem letzten „Freischütz“ von seinem Eremiten: „Seine Intervallsprünge in das tiefe Register unterstrichen keineswegs seine Würde. Das Herabkommen vom Schnürboden in einem Luster offenbarte auch keine Autorität.“ Er verkörperte bisher an der Wiener Oper insgesamt fünfzehn Rollen in über hundert Vorstellungen. Vom Fliegenden Holländer bis zum Hagen, vom Jochanaan bis zum Commendatore.

Tomasz Konieczny als Wotan im Rheingold mit Sophie Koch als Fricka © Michael Pöhn/Wiener Staatsoper

Vom Alberich zum Wotan und seiner „Wotanstiefe“ in „Die Walküre“, mit der Tomasz Konieczny an unseren Abenden nie Probleme hatte (aber mit dem Publikum, das sich lange nicht an seine neue Rollenwahl nach dem Alberich gewöhnen wollte). Deswegen hatten wir auch keine Vorurteile für seinen Commendatore im „Don Giovanni“ der Salzburger Festspiele im Sommer 2014. Von der Basspartie des Goldhändlers wechselte umgekehrt der polnische Bassbariton zur Titelrolle des Goldschmieds Cardillac.

Theo Adam © imago

Keine Schwierigkeiten diesbezüglich waren bei der Aussprache zwischen Wotan und Brünnhilde bei Theo Adam zu erwarten, denn er kam vom Bassfach und sang schon mit 23 Jahren an der Staatsoper Dresden den Eremiten im „Freischütz“. Bei uns in Wien sang er die Basspartien Baron Ochs, König Marke, Heinrich der Vogler, Landgraf Hermann, Gurnemanz, La Roche („Capriccio“), Moses („Moses und Aron“) und die Baritonpartien Amfortas, Wotan (im Klindworth-Klavierauszug als Hoher Bass bezeichnet), den fliegenden Holländer, Orest („Elektra“), Don Pizarro, Dr. Schön („Lulu“), Barak, Hans Sachs, Baron Scarpia, Don Giovanni und Wozzeck, der nach unseren bisherigen Erfahrungen ohnehin besser mit einem Bass klang. Ebenso bevorzugen wir, beeinflusst durch die Decca-Schallplatte mit Cesare Siepi, dunkelstimmige Don Giovannis.

Lothar und Sylvia Schweitzer, 22. Juli 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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