Hollywood lässt grüßen: "Samson et Dalila" Unter den Linden

Camille Saint-Saëns, Samson et Dalila,  Staatsoper Unter den Linden Berlin, 27. November 2019

Foto: © Matthias Baus

Staatsoper Unter den Linden Berlin, 27. November 2019

Camille Saint-Saëns: Samson et Dalila

von Peter Sommeregger

Bei der Inszenierung eines biblischen Stoffes auf einen Filmregisseur zu verfallen, ist gar nicht so abwegig. Die großen Blockbuster der Vergangenheit wie Die 10 Gebote, Quo Vadis, Spartacus haben eine eigene Ästhetik geschaffen. Dem Argentinier Damian Szifron gelingt es nur bedingt, an diese Tradition anzuknüpfen. Ein Cecil B. de Mille ist er jedenfalls nicht.

Camille Saint-Saens‘ auf deutschen Bühnen eher selten gezeigte, ursprünglich als Oratorium konzipierte Oper hat ihren eigentlichen Höhepunkt erst im dritten Akt, bis dahin zieht es sich, und bis Samsons Verführung durch Dalila mit fatalen Folgen glückt, gibt es szenische und musikalische Durststrecken zu verkraften. Diese Oper steht und fällt mit der Besetzung der drei Hauptrollen, neben dem Paar Samson und Dalila noch der Oberpriester des Dagon. Diesem leiht Michael Volle seine markante Bass-Bariton-Stimme und wertet diese Rolle durch seine starke Bühnenpräsenz noch deutlich auf.

Michael Volle (Oberpriester des Dagon), Staatsopernchor und Tänzerinnen. Foto: © Matthias Baus

Brandon Jovanovich gelingt ein äußerst differenziertes Porträt des unglücklichen Samson. Seine kernige, etwas grobkörnige Tenorstimme hat durchaus genug Kraft für die heldischen Passagen dieser Partie, er bleibt aber auch den lyrischen Passagen nichts schuldig und bietet die interessanteste Leistung des Abends.

Elina Garanca ist eine Dalila mit beeindruckend schönen tiefen Registern. Leider verlässt sie diese den ganzen Abend nicht, keine Spur von der hier geforderten „voix mixte“, die Bruststimme dominiert und wirkt über den ganzen Abend dann doch ein wenig monoton. Dazu kommt, dass Garanca ein reichlich unterkühltes Temperament hat und die leidenschaftliche Verführerin bei ihr wenig glaubwürdig erscheint.

Brandon Jovanovich (Samson) und Elīna Garanča (Dalila) Foto: © Matthias Baus

Etienne Pluss und Gesine Völlm zeichnen sich für Bühnenbild und Kostüme verantwortlich, erstere in Pappmaché-Optik, letztere ohne besonderen Pfiff. Was Tomasz Kajdanski an Choreographie einfällt, geht über ein paar rhythmische Drehungen nicht wirklich hinaus. Die Idee, Samson und Dalila im ersten Akt durch Tänzer zu doppeln, welche die mögliche Gründung einer Familie darstellend vorwegnehmen, ist vor dem Hintergrund der hier erzählten Geschichte reichlich deplatziert.

Für den dritten Akt mit seinen orgiastischen Tänzen fällt Szifron wenig ein. Die Bühne wirkt reichlich überfüllt und die dem sogenannten IS abgeschauten Hinrichtungen auf offener Szene sind doch reichlich abgeschmackt.

Daniel Barenboim und seine Staatskapelle breiten einen klangvoll üppigen Teppich für die Sänger aus. Diese Musik liegt Barenboim, vor vielen Jahren hat er diese Oper auch für die Schallplatte eingespielt. Musikalisch insgesamt ein gelungener Abend, mit Luft nach oben, szenisch unerheblich seicht.

Peter Sommeregger, 28. November 2019, für
klassik-begeistert.de

Musikalische Leitung: Daniel Barenboim
Inszenierung: Damián Szifron
Bühnenbild: Étienne Pluss
Kostüme: Gesine Völlm
Samson: Brandon Jovanovich
Dalila: Elīna Garanča
Oberpriester des Dagon: Michael Volle
Abimelech: Kwanchul Youn
Ein alter Hebräer: Wolfgang Schöne
Staatsopernchor
Staatskapelle Berlin

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