Ritterbands Klassikwelt 2/2019: "Toi toi toi" – Gruß aus der Hölle

Das Theater, die Bühne war einst ein kultischer Ort – ein Ort der Rituale, der Geister, des Übersinnlichen. Und bei diesen Ritualen hatten seit jeher auch die Götter der Unterwelt ihre Hand im Spiel. Deshalb ist der Teufel im Theater stets präsent, er sorgt für Hänger, Versprecher, krächzende Töne der Opernsänger, herabstürzende Kulissen und, wie im „Phantom of the Opera“, einen herabstürzenden Kronleuchter.

von Charles E. Ritterband

In manchen Opern und mancher Operette tritt höchstpersönlich der Teufel auf und es wird fröhlich zur Hölle gefahren – von Gounods „Faust“, Boitos „Mefistofele“ über Berlioz‘ „La damnation de Faust“ bis hin zu Offenbachs „Orphée aux enfers“. Aber keines dieser Werke hatte eine derart katastrophale Wirkung wie dieses: „Hoffmanns Erzählungen“. Denn, so will es die Legende, dieses Werk sei schuld an der schlimmsten Theaterkatastrophe der Geschichte: Dem Brand des Wiener Ringtheaters am 8. Dezember 1881, dem (nach offiziellen Angaben) 384 Theaterbesucher zum Opfer fielen. „Ritterbands Klassikwelt 2/2019
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Ritterbands Klassikwelt 1 / 2019 – Liebe, Sex, Tod: Don Giovannis Verdammnis und Werthers Leiden

Ist Don Giovanni Casanova? Ist Don Giovanni da Ponte? Oder ist Don Giovanni Mozart? Unser Autor sagt: etwas von alledem.

von Charles E. Ritterband

Anfang Woche hatte ich das Privileg im Londoner Royal Opera House an zwei aufeinander folgenden Abenden zwei völlig unterschiedliche Opern sehen zu dürfen: Mozarts „Don Giovanni“ – für manche die „Oper aller Opern“ – und Massenets „Werther“.  Die beiden so verschiedenen Opern – die weltberühmte Barock-Oper und das (bis auf eine wunderschöne Arie) nicht ganz so bekannte Werk der Hochromantik – scheinen nichts gemeinsam zu haben.

Der lustige Bösewicht und der fade Gutmensch

Und doch, bei genauerem Hinsehen: Beide haben ziemlich viel mit der Biographie derer zu tun, die sie schufen und inspirierten. Beide handeln, auf höchst unterschiedliche Weise allerdings, von Liebe und Tod – und von jeweils einem männlichen Protagonisten. Bezeichnenderweise ein Bariton in der einen, ein Tenor in der anderen Oper. Der Bariton ist, wie immer, der Bösewicht, der Tenor der Gute, Arme. Aber, seien wir ehrlich: Unser Interesse (vielleicht auch unsere insgeheime Sympathie) gehört doch immer dem Teufel. Denn der ist allemal spannender als alle anderen, der ist zwar teuflisch, aber lustig. Die Guten mögen schön singen (wie Don Ottavio, der ja auch nie zum Zug kommt im „Don Giovanni“), aber die Bösewichte sind wesentlich unterhaltender. „Ritterbands Klassikwelt 1/2019 auf klassik-begeistert.de“ weiterlesen