Farewells – eine Interpretation von optimaler Authentizität

CD- Rezension: Farewells, Jakub Józef Orliński, Michael Biel  klassik-begeistert.de

Zusammen mit dem Pianisten Michael Biel, seit Studienzeiten mit dem Sänger befreundet, nimmt Orliński den Hörer mit auf eine interessante Entdeckungsreise zu selten aufgeführten Liedern polnischer Komponisten.

CD- Rezension:

Farewells

Jakub Józef Orliński
Michael Biel

Erato 0190296269714

von Peter Sommeregger

Unmittelbar nach der Veröffentlichung der Stabat Mater von Pergolesi überrascht der berühmte Polnische Countertenor mit einer Lieder-CD, die komplett dem polnischen Kunstliederschatz gewidmet ist.

Von den darauf vertretenen Komponisten sind außerhalb Polens eigentlich nur Karol Szymanowski und Stanisław Moniuszko allgemein bekannt, wobei die Bekanntschaft mit diesem uns unbekannten Liedgut durchaus lohnend ist.

Zusammen mit dem Pianisten Michael Biel, seit Studienzeiten mit dem Sänger befreundet, nimmt Orliński den Hörer mit auf eine interessante Entdeckungsreise zu selten aufgeführten Liedern polnischer Komponisten.

Von Moniuszko sind nur zwei Titel vertreten, obwohl der Komponist über 300 Lieder geschrieben hat, die in Polen äußerst populär sind. Dessen Tradition hat Mieczysław Karłowicz, der von 1876 bis 1909 lebte, fortgesetzt. Von seinen insgesamt 22 Liedern sind 12 hier zu hören, die der depressive junge Komponist innerhalb kurzer Zeit schrieb, sich dann aber der Instrumentalmusik zuwandte. Mit nur 32 Jahren wurde er Opfer eines Lawinenunglücks. Der Charakter der Lieder ist lyrisch und spiegelt die Introvertiertheit des Komponisten wieder.

Karol Szymanowski zählt zu den bekannteren Komponisten Polens. Speziell durch seine Oper Król Roger wurde er international bekannt, schrieb aber während seines ganzen Lebens zahlreiche Lieder, von denen hier drei zu hören sind.

Tadeusz Baird (1928-1981) ist mit vier Sonetten nach William Shakespeare vertreten, in denen er den Stil der alten Musik perfekt kopiert. Ähnlich einzuordnen sind die drei Stücke von Henryk Czyż (1923-2003), der ebenfalls durch eine Hinwendung zum Klassizismus auffällt.

Zwischen alt und neu bewegt sich auch die Komposition von Pawel  Łukaszewski (geb. 1968).

Orliński und Biehl sind seit ihrem Studium vertraut mit diesen Liedern und erfüllen sich mit der CD-Einspielung einen lang gehegten Wunsch.

Die Lieder sind nicht unbedingt für einen Countertenor geschrieben, Orliński verfügt aber über einen so großen Stimmumfang und eine farben-und facettenreiche Stimme, die vielleicht sogar das Spektrum der Ausdrucksmöglichkeiten gegenüber anderen Stimmlagen erweitert. Jedem einzelnen Lied kann man die Liebe der Interpreten zu diesen Stücken anhören, ihre Interpretation ist von optimaler Authentizität.

Vielleicht fällt diese Produktion ja auf fruchtbaren Boden und öffnet den wenig bekannten Komponisten ein wenig die Türe für Aufführungen außerhalb Polens.

Peter Sommeregger, 12. Mai 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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